Berlin Reiseführer mit den Tipps für Ihren Urlaub in Deutschland
Berlin, Stadt in Ostdeutschland mit dem Status eines Bundeslandes, größte Stadt und Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland.
Berlin ist umgeben vom Bundesland Brandenburg. Nachdem Berlin bereits 1871 bis 1945 Hauptstadt des Deutschen Reiches gewesen war, wurde die seit Ende des 2. Weltkrieges geteilte Stadt in einem Bundestagsbeschluss von 1991 zur neuen Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschland erklärt. Bis dahin hatte die Stadt bzw. ihr westlicher Teil als Exklave mit Sonderstatus auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gelegen.
Berlin liegt in einem eiszeitlichen Urstromtal und wird von den Flüssen Havel, Spree und Panke durchflossen, die mehrere Seen im Stadtgebiet bilden. Der Große Wannsee, Tegeler See und Müggelsee sind beliebte Naherholungsgebiete. Die ehemaligen Auenwälder der Spree sind heute grüne Lebensadern der Stadt (Treptower Park, Tiergarten). Höchste natürliche Erhebung sind die Müggelberge (115 Meter), etwas höher noch ist der Trümmerschuttberg am Teufelssee (120 Meter). Groß-Berlin hat eine Fläche von rund 889 Quadratkilometern. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 3,38 Millionen (2001).
VERWALTUNG UND POLITIK
Seit dem 11. Januar 1991 besitzt die Verfassung Westberlins von 1950 für die ganze Stadt Gültigkeit. Danach obliegt die Landesgesetzgebung dem Abgeordnetenhaus (Landesparlament), die Exekutive dem Senat, an dessen Spitze der Regierende Bürgermeister steht. Gemäß der Verfassung besteht das Parlament aus mindestens 130 für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählten Abgeordneten. Durch Überhang- und Ausgleichsmandate kann sich diese Zahl erhöhen.
In einer Volksabstimmung am 5. Mai 1996 entschieden sich die Bürger der Hauptstadt Berlin mit knapper Mehrheit zugunsten der Länderehe mit Brandenburg. Die Fusion scheiterte jedoch am Votum der Brandenburger, die mehrheitlich gegen den Zusammenschluss stimmten.
Berlin gliedert sich verwaltungsmäßig in zwölf Bezirke: Charlottenburg-Willmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg-Hohenschönhausen, Marzahn-Hellersdorf, Mitte, Neukölln, Pankow, Reinickendorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Treptow-Köpenick.
WIRTSCHAFT
Nach der staatlichen Teilung Deutschlands 1949 war der Ostteil der Stadt in das planwirtschaftliche System der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), der Westteil in das marktwirtschaftliche System der Bundesrepublik Deutschland (BRD) eingebunden.
Ostberlin bildete das Zentrum des DDR-Wirtschafts-, Finanz- und Handelswesens. Seine wichtigsten Industrieerzeugnisse waren Stahl, Gummi, Nahrungsmittel, chemische Produkte, Elektro- und Transportanlagen. Die Spree, die über Kanäle mit der Ostsee verbunden ist, wurde im Ostteil der Stadt zum Binnenhafen erweitert. Der Ostberliner Flughafen Schönefeld konnte auch von Westberlinern genutzt werden.
Die Industrie Westberlins, die im 2. Weltkrieg völlig zerstört worden war, erlitt während der Berliner Blockade durch die UdSSR (1948/49) weitere schwere Einbußen, konnte sich jedoch Anfang der fünfziger Jahre durch die Unterstützung der westlichen Siegermächte, besonders der USA, und zahlreiche Förderprogramme der Bundesregierung allmählich konsolidieren. In der Folge entwickelte sich Westberlin zu einem bedeutenden Standort der Elektro- und Elektronikindustrie sowie der Maschinenbau-, Metall-, Textil-, Bekleidungs-, Druck-, Nahrungsmittel- und chemischen Industrie. Die Stadt wurde Zentrum des internationalen Finanzwesens, der Wissenschaft und Forschung sowie der Filmindustrie. Über Transitwege (Schiene, Autobahn, Schifffahrtskanäle) und regelmäßigen Luftverkehr war sie mit der Bundesrepublik verbunden. Der Flugverkehr wurde über die Flughäfen Tegel, Tempelhof (inzwischen stillgelegt) und Gatow abgewickelt.
Nach dem Fall der Berliner Mauer wurden mit der staatlichen Wiedervereinigung 1990 auch die beiden Stadtteile wieder eine Einheit. Im Zuge der wirtschaftlichen Wiedervereinigung, die offiziell im Juli 1990 erfolgte, wurden die ehemaligen Staatsbetriebe im Ostteil der Stadt nach und nach privatisiert.
Seit der Wiedervereinigung wird Berlin ebenso wie die neuen Bundesländer wirtschaftlich von der Bundesregierung und den so genannten alten Bundesländern unterstützt.
Als bedeutende Messe- und Kongressstadt ist Berlin u. a. Veranstaltungsort der Berlinale, der Internationalen Grünen Woche, der größten Landwirtschaftsmesse Deutschlands, sowie der Internationalen Funkausstellung. Berlin war mit rund 11,4 Millionen Übernachtungen von Besuchern im Jahr 2001 die meistbesuchte Stadt in Deutschland. Bei der Beherbergung ausländischer Gäste lag Berlin gemeinsam mit Frankfurt/Main mit circa 1,2 Millionen Übernachtungen nach München an zweiter Stelle aller deutschen Städte.
Bildung
Neben der Humboldt-Universität (siehe Berlin, Universitäten) ist die Stadt Sitz zahlreicher weiterer Hochschulen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen wie der Bruno-Leuschner-Hochschule für Wirtschaft (1950), der Hanns-Eisler-Hochschule für Musik (1950), der Freien Universität Berlin (1948), der ersten deutschen Universitätsneugründung der Nachkriegszeit, sowie der Technischen Universität Berlin (1879), der Technischen Fachhochschule Berlin und mehrerer Max-Planck-Institute.
Kultur
Neben ihren Museen bietet die Stadt Kultureinrichtungen wie die Deutsche Oper Berlin, die Deutsche Staatsoper und zahlreiche Theater, darunter das Deutsche Theater, Schlosspark- und Hebbeltheater. Das Theater am Schiffbauerdamm, in dem das Berliner Ensemble untergebracht ist, ist besonders durch seine Aufführungen von Stücken Bertolt Brechts bekannt, der das Ensemble gründete. Die Stadt ist außerdem Sitz der Deutschen Akademie für Film und Fernsehen (1966) und einer Kunsthochschule (1975). Kulturelle Veranstaltungen wie die Internationalen Filmfestspiele und das Berliner Jazzfest genießen international hohes Ansehen. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) mit Sitz in Berlin und Potsdam ist die größte regionale Sendeanstalt. Sie ging 2003 aus der Fusion von Sender Freies Berlin (SFB) und Ostdeutschem Rundfunk Brandenburg (ORB) hervor.
Sehenswürdigkeiten
Das wieder zugängliche Brandenburger Tor (1788-1791), das den Propyläen auf der Akropolis in Athen nachempfunden ist, wird von einer Quadriga mit der Siegesgöttin gekrönt. Es ist der westliche Endpunkt der Straße Unter den Linden, die sich bis zur Museumsinsel in der Spree zieht. Bis Dezember 1989 verlief hier die Grenze zwischen Ost- und Westberlin. In diesem Stadtbezirk liegen die Deutsche Staatsoper, die 1743 im Rokokostil erbaut wurde, die Staatsbibliothek (1774-1780), die 1997 in einem Gebäude von 1920 eingerichtete Kunstgalerie Deutsches Guggenheim Berlin, das barocke ehemalige Zeughaus (1695-1706, entworfen von Andreas Schlüter) und die Hedwigs-Kathedrale (1747-1773), die Hauptkirche des katholischen Bistums Berlin. Der Französische Dom am Platz der Akademie war im 17. Jahrhundert Mittelpunkt des Französischen Viertels. Die Wilhelm-von-Humboldt-Universität (1809), an welcher der Philosoph G. W. F. Hegel lehrte, brachte 27 Nobelpreisträger hervor.
Berlins beliebteste Einkaufspromenade ist der Kurfürstendamm (kurz: Ku’damm) mit seinen noblen Hotels, Restaurants, Geschäften und Kinos. Hier befindet sich mit dem KaDeWe (Kaufhaus des Westens) der größte und bekannteste Kaufhaus-Komplex der Bundesrepublik. Das östliche Ende des Boulevards markiert die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (1891-1895), die im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Ihre Turmruine blieb als Mahnmal erhalten. Daneben errichtete Emil Eiermann 1959 bis 1961 einen neuen Kirchenbau auf achteckigem Grundriss mit einem sechseckigen frei stehenden Kirchturm. Vom Kurfürstendamm zweigt die Tauentzienstraße ab, eine Haupteinkaufsstraße, an der das Europa-Center liegt (1963-1965). In diesem 22-stöckigen Gebäude gibt es zahlreiche Restaurants, Geschäfte, Büros, Kinos und eine Aussichtsplattform. Nordöstlich davon erstreckt sich das Gelände des Tiergartens, der größten der 50 Berliner Parkanlagen, über drei Kilometer bis zum Brandenburger Tor. Im Bezirk Tiergarten befinden sich die Kongresshalle (1957) und das zum Großteil restaurierte Reichstagsgebäude (1884-1894), das 1933 niederbrannte (siehe Reichstagsbrand) und kurz vor Ende des 2. Weltkrieges erneut stark beschädigt wurde. Nach dem 1990 erfolgten Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland wurde der Reichstag umfassend restauriert. Seit 1999 ist das Gebäude Sitz des Deutschen Bundestages. Der Zoologische Garten von Berlin ist einer der größten und ältesten der Welt. In gewissem Sinn ebenfalls eine Touristenattraktion sind die einzigartigen Doppeldeckerbusse, die das weit verzweigte U- und S-Bahnnetz ergänzen und als Ersatz für die im Westteil der Stadt abgeschaffte Straßenbahn fungieren.
Berlin besitzt interessante Museen, darunter das Museum für Gestaltung, das Bauhaus-Archiv in einem von Walter Gropius entworfenen Bau, das die Bedeutung der gleichnamigen Hochschule (1919-1933) für die Entwicklung von Architektur und Design dokumentiert, sowie zahlreiche kleinere Museen, wie das Museum für Musikinstrumente. Das Gebäude der neuen Nationalgalerie (1968) wurde von Mies van der Rohe konzipiert. Das asymmetrische Gebäude der Philharmonie (1963) ist Heimat der Berliner Philharmoniker. 1998 wurde die Gemäldegalerie am Kulturforum in der Nähe des Potsdamer Platzes eröffnet, sie stellt rund 2 700 Gemälde vom Mittelalter bis etwa um 1800 aus. 1999 wurde in Kreuzberg das Jüdische Museum eröffnet, in dem seit September 2001 eine ständige Ausstellung zu 2 000 Jahren jüdisch-deutscher Geschichte untergebracht ist. Das von dem amerikanischen Architekten Daniel Libeskind entworfene Gebäude ist einem geborstenen Davidstern nachempfunden.
Die Oranienburger Straße im Bezirk Berlin-Mitte war in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg der Mittelpunkt des jüdischen Viertels. Zu dessen Wiederaufbau gehörte u. a. die Restaurierung der Neuen Synagoge (1866), die während der Reichskristallnacht und durch Bombenangriffe stark beschädigt wurde. Sie wurde 1995 wieder eröffnet und dient als Zentrum für das Studium und die Erhaltung jüdischer Kultur. Nördlich der Oranienburger Straße liegt der älteste jüdische Friedhof Berlins.
Die Museumsinsel wurde von Friedrich Schinkel als einzigartiges klassizistisches Bauensemble im Geist antiker Tempelanlagen entworfen. Sie beherbergt das Pergamonmuseum (1930) mit dem berühmten Pergamonaltar und einer Sammlung griechisch-römischer und asiatischer Kunst, ferner das nach seinem Begründer Wilhelm von Bode benannte Bodemuseum (u. a. Sammlungen ägyptischer und frühchristlich-byzantinischer Kunst) und die alte Nationalgalerie (1866-1876) mit Bildern des 19. und 20. Jahrhunderts sowie das Alte und das Neue Museum.
Jenseits des östlichen der beiden Spreearme, welche die Museumsinsel umschließen, liegt der Alexanderplatz mit zahlreichen Restaurants und Geschäften, nicht weit davon der Fernsehturm (365 Meter) und das Rote Rathaus. Eine Statue, deren Blick auf den Eingang des Rathauses gerichtet ist, soll an die Tausenden von Trümmerfrauen erinnern, welche die Trümmer Berlins nach dem 2. Weltkrieg beseitigten. Im Ostteil der Stadt sind besonders die alten Stadtteile Prenzlauer Berg und die Einkaufsmeile Schönhauser Allee sehenswert. Die Trabantenstadt Marzahn hingegen ist ein aus anderen Gründen sehenswertes, weil abschreckendes Baurelikt alter DDR-Zeiten. Im Stadtteil Lichtenberg wurde auf dem Gelände des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR das Stasi-Museum eingerichtet.
Fast ein Drittel der Fläche Berlins besteht aus Wäldern, Parks und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Im Südwesten der Stadt liegen der riesige Grunewald und der Wannsee. Am Südostufer des Grunewaldsees bildet das im Renaissancestil erbaute Jagdschloss Grunewald (1542, 1593 erweitert und um 1770 ausgebaut) den stimmungsvollen Rahmen für eine erlesene Gemäldesammlung (15. bis 19. Jahrhundert).
Im Stadtteil Charlottenburg wurde das Olympiastadion für die unter dem Vorzeichen nationalsozialistischer Propaganda stehenden Spiele von 1936 errichtet, ebenso der 138 Meter hohe Funkturm, der bereits 1924 bis 1926 anlässlich der 3. Deutschen Funkausstellung entstand und schnell zu einem der Wahrzeichen der Stadt avancierte. Weitere Sehenswürdigkeiten sind Schloss Charlottenburg (begonnen 1695), ein barocker Repräsentationsbau der Hohenzollern mit bedeutender Gemäldesammlung, oder das klassizistische Schloss Tegel (auch Humboldt-Schlösschen), ehemals Wohnsitz des Naturforschers und Geographen Alexander von Humboldt (1769-1859).
Auch im Bezirk Dahlem östlich des Grunewaldes konzentrieren sich einige herausragende Museen, darunter das Kupferstichkabinett, die Skulpturengalerie, das Museum für Völkerkunde sowie Museen für indische, islamische und ostasiatische Kunst. Im Bezirk Zehlendorf bietet das Brücke-Museum einen Einblick in das Schaffen der expressionistischen Künstlervereinigung Die Brücke, der Maler wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller u. a. angehörten. Im Charlottenburger Antikenmuseum sind Kunstgegenstände der griechischen und römischen Antike ausgestellt, im Bröhan-Museum Kunst der Jahrhundertwende und im Ägyptischen Museum u. a. die berühmte Büste der Königin Nofretete.
GESCHICHTE
Um die Burgen Köpenick und Spandau bildeten sich im 12. Jahrhundert Siedlungen. Zwischen 1230 und 1240 entstand die Fernhandelssiedlung Kölln auf einer Insel in der Spree (heute Museumsinsel), und die Markgrafen von Brandenburg gründeten Berlin auf dem rechten Spreeufer. Kölln und Berlin wuchsen bald zu einer Doppelstadt zusammen und traten 1359 der Hanse bei. 1415 fiel Berlin-Kölln als Teil Brandenburgs an die Hohenzollern. 1432 wurden die beiden Städte vereint und waren ab 1470 Residenzstadt der Kurfürsten.
Unter den Hohenzollern entwickelte sich Berlin zu einem bedeutenden Standort der Leder-, Textil-, Papier- und Keramikindustrie sowie des Brauereiwesens. Nach 1576 forderten jedoch mehrere Pestepidemien zahlreiche Todesopfer unter den Bewohnern, deren Zahl um das Jahr 1600 auf etwa 12 000 schrumpfte.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) profitierte Berlin zunächst von der Neutralität Brandenburgs, musste dann aber von 1631 an für die Unterkunft schwedischer Truppen sorgen, die von Berlin hohe Abgaben forderten. Hungersnot, weitere Pestepidemien, Brandstiftungen und Plünderungen sorgten für eine fortschreitende Verarmung der Stadt und dezimierten die Einwohnerzahl erneut um die Hälfte.
Hauptstadt von Preußen
Friedrich Wilhelm, von 1640 bis 1688 Kurfürst von Brandenburg, sorgte für einen schnellen Aufschwung Berlins. Er erweiterte das Land der Hohenzollern und förderte insbesondere die Zuwanderung hugenottischer Flüchtlinge aus Frankreich, von denen sich etwa 6 000 in Berlin niederließen. Sein Sohn Friedrich I., Kurfürst von Brandenburg (1688-1701), wurde erster König von Preußen (1701-1713) und ließ die Hauptstadt Berlin mit vielen Prachtbauten ausschmücken. Bis zu seinem Tod war die Einwohnerzahl der Stadt auf 60 000 angestiegen.
Im 18. Jahrhundert setzte sich der Aufschwung Berlins stetig fort. Selbst der Siebenjährige Krieg (1756-1763) konnte das Wachstum der Stadt nicht wesentlich verzögern. Als 1786 Friedrich II., der Große, König von Preußen (1740-1786), starb, betrug die Einwohnerzahl bereits 150 000.
Nachdem die Stadt während der Napoleonischen Kriege zeitweise von den Franzosen besetzt worden war, entwickelte sie sich zu einem dynamischen Kulturzentrum mit einer weltbekannten Universität. Obgleich sie eines der Zentren der Märzrevolution von 1848 war, wurde ihre weitere Entwicklung dadurch kaum gestört. Berlin konnte am politischen und wirtschaftlichen Aufstieg Preußens partizipieren und hatte 1870 bereits eine Einwohnerzahl von 800 000 erreicht.
Europäische Metropole
1871 wurde Berlin Hauptstadt des neu gegründeten Deutschen Reiches. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Industriezentrum, vor allem im Bereich des Maschinenbaus, der Elektro- und Textilindustrie. Dabei konnte die Stadt besonders von ihrer Lage im Mittelpunkt eines großen Eisenbahnnetzes profitieren. Der Wirtschaftsboom der Gründerzeit zog zahlreiche Arbeitskräfte an, die meist in schäbigen Mietskasernen untergebracht wurden. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung einher ging der Aufstieg der Stadt zur internationalen Kulturmetropole mit einem breit gefächerten Angebot an Theateraufführungen, Konzerten und Ausstellungen.
Nach dem 1. Weltkrieg erfolgten umfangreiche Eingemeindungen umliegender Bezirke, welche die Einwohnerzahl der Stadt auf 3 850 000 hochschnellen ließen. Die Weltwirtschaftskrise in der Zeit der Weimarer Republik (1919-1933) hinterließ auch in Berlin ihre Spuren, doch konnte die Stadt die Vielfalt ihres kulturellen Angebots wahren.
In den Jahren des Nationalsozialismus wurde der Kulturbetrieb weitgehend gleichgeschaltet. Gigantomanische Bauprojekte Hitlers, die Berlin zur führenden Hauptstadt der Welt machen sollten, wurden jedoch nie vollendet. 1936 fanden in Berlin die Olympischen Spiele statt. Im 2. Weltkrieg wurden große Teile der Stadt durch Luftangriffe und später durch Artilleriefeuer und Straßenkämpfe beschädigt. Gegen Kriegsende 1945 waren etwa 50 000 Gebäude zerstört, und die Stadt lag in Trümmern. Ihre Einwohnerzahl war von 4,4 Millionen vor Kriegsbeginn auf 2,8 Millionen gesunken.
Geteilte Stadt
Als Deutschland nach dem 2. Weltkrieg in vier Besatzungszonen aufgeteilt wurde, fiel Berlin in den sowjetischen Einflussbereich, erhielt jedoch einen Sonderstatus, dem zufolge es nach den Vorgaben der vier alliierten Siegermächte verwaltet wurde. 1947 wählte die Stadtverordnetenversammlung Ernst Reuter zum Oberbürgermeister, doch sein Amtsantritt wurde von den Sowjets verhindert. Erst nach der faktischen Spaltung der Stadt konnte Reuter, aber nur im Westteil Stadt, 1948 eine Regierung bilden. Der erste Regierende Bürgermeister Westberlins (bis 1953) wurde legendär durch seine Durchhalteappelle an die Berliner Bevölkerung und seine unbeugsame Haltung während der Blockade durch die Sowjetunion von Juni 1948 bis Mai 1949.
1948 hatten die Sowjets nach der Aufhebung der gemeinsamen Verwaltung Deutschlands durch die Siegermächte im Zuge verstärkter Ost-West-Spannungen versucht, die Enklave Berlin als Teil der sowjetischen Zone zu annektieren, indem sie durch eine Blockade, d. h. der Sperrung aller Land- und Wasserwege nach Berlin für den Güterverkehr, die Stadt von der Lebensmittelversorgung abschnitten. Zwar wurde dieser Versuch durch eine elfmonatige Luftbrücke der Westmächte vereitelt, dennoch blieb Berlin eine geteilte Stadt. Ostberlin, die Sowjetische Besatzungszone, wurde schließlich als deren Hauptstadt in die neu gegründete DDR eingebunden. Westberlin erhielt den Status eines Bundeslandes mit eigener Verwaltung und engen wirtschaftlichen Bindungen an die Bundesrepublik Deutschland.
Am 16. Juni 1953 streikten die Bauarbeiter der Berliner Stalinallee aus Protest gegen die zehnprozentige Erhöhung der Arbeitsnorm für Industriebetriebe. Daraus entwickelte sich am 17. Juni ein Arbeiteraufstand in der gesamten DDR, in dessen Verlauf es in über 250 Orten, besonders in den Industriezentren, zu Streiks und Demonstrationen kam. Die ursprünglich wirtschaftlichen Anliegen schlugen rasch in politische Forderungen um. Der Aufstand wurde von sowjetischen Truppen niedergeschlagen. Dabei kamen zahlreiche Demonstranten ums Leben.
Am 13. August 1961 begann die DDR-Regierung mit dem Bau der Berliner Mauer, welche die Sektorengrenze zwischen Ost- und Westberlin bis auf wenige streng kontrollierte Übergänge hermetisch abriegelte. Sie sollte vor allem den steigenden Flüchtlingsstrom von Ost- nach Westberlin (und somit in die Bundesrepublik Deutschland) stoppen.
Seit Mitte der sechziger Jahre erhielten Westberliner Bürger die Erlaubnis, kurze Besuche in Ostberlin zu machen. Diese und weitere Verbesserungen der deutsch-deutschen Beziehungen infolge des Viermächteabkommens von 1971 waren zum Großteil ein Verdienst der Ostpolitik Willy Brandts (SPD), der von 1957 bis 1966 Regierender Bürgermeister von Berlin und 1969 bis 1974 Bundeskanzler war.
In den Jahren 1967 und 1968 wurde Westberlin Schauplatz von Studentendemonstrationen für schulische und politische Reformen (siehe Studentenbewegung).
Vereinte Stadt
Der Fall der Mauer am 9. November 1989 markierte das Ende der deutschen Teilung wie auch der Teilung Berlins. Ein halbes Jahr nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Oktober 1990 wurde Berlin wieder zur Bundeshauptstadt erklärt. Im Januar 1991 wurde Eberhard Diepgen (CDU) zum ersten Regierenden Bürgermeister von Gesamtberlin gewählt.
Mit der Verlegung des Regierungssitzes von Bonn nach Berlin, für die man einen Zeitrahmen von zwölf Jahren veranschlagte, wurde 1991 begonnen. Als erste Bundesbehörde in Berlin nahm das Bundespräsidialamt im November 1998 seine Arbeit auf. Im April 1999 verlegte der Bundestag offiziell seinen Sitz nach Berlin und kam zu seiner ersten Sitzung im umgebauten Reichstagsgebäude zusammen, dem neuen Domizil des Parlaments im künftigen Regierungsviertel.
Am Potsdamer Platz südlich des Reichstags wurde im Oktober 1998 als „neue Berliner Mitte” das aus 19 Gebäuden bestehende so genannte Daimler-Benz-Gelände mit Wohnungen, Geschäften, Kinos, Theatern und Hotels eröffnet. Zur Erinnerung an die Berliner Mauer wurde am 13. August 1998 eine Gedenkstätte eingeweiht. Im Juli 2000 hielt der Bundesrat in Bonn als letztes dort noch verbliebenes Verfassungsorgan seine letzte Sitzung vor der Verlegung nach Berlin.
Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus vom 10. Oktober 1999 wurde die CDU erneut stärkste politische Kraft. CDU und SPD einigten sich am 6. Dezember 1999 auf die zweite Neuauflage einer großen Koalition unter der Führung des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen, der auch das Justizressort übernahm.
Nach andauernden Auseinandersetzungen über die Finanzkrise in Berlin erklärte die SPD am 10. Juni 2001 offiziell ihr Ausscheiden aus der Regierungskoalition. Drei Tage später einigten sich SPD und Bündnis 90/Die Grünen auf die Bildung einer Minderheitsregierung, die bis zur Neuwahl des Abgeordnetenhauses die Regierungsgeschäfte in Berlin wahrnahm. Am 16. Juni 2001 wurde der Regierende Bürgermeister Diepgen durch ein Misstrauensvotum gestürzt und der SPD-Politiker Klaus Wowereit zum neuen Bürgermeister gewählt.
Bei der vorgezogenen Neuwahl des Berliner Abgeordnetenhauses am 21. Oktober 2001 wurde die SPD mit einem Stimmenanteil von 29,7 Prozent stärkste politische Kraft vor der CDU (23,7 Prozent), der PDS (22,6 Prozent), der FDP (9,9 Prozent) und den Grünen (9,1 Prozent). Am 20. Dezember 2001 einigten sich die SPD unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und die PDS unter ihrem Spitzenkandidaten Gregor Gysi auf die Bildung einer rot-roten Koalition.
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