St Tropez Reiseführer mit den Tipps für Ihren Urlaub in Frankreich

Die Stadt Saint-Tropez liegt an der Spitze einer urwüchsigen Halbinsel an einem nach ihr benannten Golf und blickt auf eine außergewöhnliche und wechselvolle Geschichte zurück, die von Heldentaten und großen historischen Ereignissen geprägt ist. Im Altertum wurde Saint-Tropez von Phöniziern besiedelt, die sich in Marseille niedergelassen hatten. Diese errichteten Ankerplätze entlang der Mittelmeerküste, um den Schiffsverkehr zwischen ihren Handelsniederlassungen zu erleichtern. Zu den letzteren zählte auch die antike Stadt Athenopolis, die sich vielleicht genau an der Stelle befand, an der die Stadt Saint-Tropez heute liegt.

Nach der Invasion Galliens durch die Römer nahm die Stadt den Namen Heraclea an.

Im Jahre 68 unserer Zeit wurde der Ritter Torpes, Hauptverwalter des Hauses Nero, vom heiligen Paul bekehrt, für dessen Bewachung er zuständig war. Anläßlich der Feierlichkeiten zu Ehren der Göttin Diana, bekannte Torpes sich öffentlich zu seinem christlichen Glauben. Der Kaiser ließ ihn daraufhin foltern und enthaupten. Sein Körper wurde zusammen mit einem Hahn und einem Hund auf eine Barke gelegt und dem Fluß Arno übergeben. Die ligurischen Strömungen spülten das Boot an das Ufer der Stadt Saint-Tropez, die ihn zu ihrem Schutzheiligen machte.

Nach dem Niedergang des Römischen Reiches wurde die Provence von verschiedenen Völkern besetzt, ihre Einwohner vertrieben. Am Ende des ersten Jahrtausends war Saint-Tropez menschenleer. Im Jahre 972 verjagte Guillaume de Provence die letzten Invasoren und erbaute den heute "La Tour Suffren" genannten Turm.

Im 15. Jahrhundert machte sich der König René daran, die durch Invasionen und die Pest verwüstete und entvölkerte Provence wiederaufzubauen und neu zu besiedeln. 1441 schuf er für seinen Kammerherren Jean de Cossa die Baronie von Grimaud. Letzterer erkannte, dass der Golf von Saint-Tropez der Schwachpunkt der Region war, den es um jden Preis zu schützen galt. Diese Aufgabe vertraute er dem italienischen Edelmann Raphaël de Garezzio an, der 21 genuesischen Familien kommen ließ, die die Stadt wiederaufbauten und befestigten.

Ein Teil dieser Festungen umgibt noch heute die Altstadt. Als Gegenleistung für den Schutz und die Verteidigung der Stadt, wurden die Einwohner von Abgaben und Steuern befreit

Im Jahre 1558 gewährte der König den Einwohnern von Saint-Tropez das Recht, ein eigenes Heer unter der Leitung eines Capitaine de ville (etwa: Stadthauptmann) aufzustellen. 1637 schlug das Heer von Saint-Tropez 21 spanische Galeeren in die Flucht. All diese Privilegien wurden jedoch 1672 von Ludwig XIV. abgeschafft und in der Zitadelle wurde eine königliche Garnison stationiert (heute beherbergt sie ein Marinemuseum).

Abgesehen von der Arbeit in traditionellen Bereichen wie Fischfang, Schiffswerften, Handel und Landwirtschaft brachte Saint-Tropez auch eine Vielzahl von Seemännern und -fahrern hervor, die zunächst nur die Küsten der Stadt (zuerst waren dies Korsaren), später die des gesamten Königreiches beschützten. Der berühmteste unter ihnen war Pierre-André de Suffren (1729-1788), Offizier der königlichen Marine. Ludwig XVI. verlieh ihm das Bailli-Großkreuz und ernannte ihn zum Oberbefehlshaber der Flotte. Ein anderer Seefahrer war General Allard (1785-1839), der in Saint-Tropez geboren wurde und auch dort starb. Er war ein treuer Anhänger Napoleons und Adjutant des Marschalls Brune. Nachdem Allard 1815 in Ungnade gefallen war, ging er nach Indien, wo er ein abenteuerliches Leben führte, über das nur wenig bekannt ist. Seine Witwe, eine Sikh-Prinzessin, starb 40 Jahre nach seinem Tod in Saint-Tropez. Im Jahre 1600 besuchte auch Königin Maria von Medici Saint-Tropez. Dort schenkte man ihr einen Korallenzweig, den man vor "La Moutte" gefunden hatte. Im Oktober 1615 suchten der Bruder des Shoguns und seine Gefolgsschaft Schutz vor einem Sturm und flüchteten sich in den Hafen von Saint-Tropez.

Während der französischen Revolution überzeugte Barras die Einwohner von Saint-Tropez davon, ihrer Stadt wieder den Namen "Heraclea" zu geben. Wir befinden uns im Jahr 1793. Im XIX. Jahrhundert nahmen die mit der Marine verbundenen Aktivitäten eine besondere Bedeutung an; so baute man in Saint-Tropez im Jahre 1860 "La Reine des Anges", ein 740 Registertonnen schweres Dreimastschiff, das zum Schmuckstück der Handelsmarine werden sollte. Saint-Tropez wuchs und gedieh. Im Jahre 1866 wurde im Hafen der Stadt die Statue des Bailli de Suffren aufgestellt. 1913 wurde Emile Ollivier, Minister Napoleons III., in seinem eigens für ihn auf den Felsen über dem "Mer aux Salins" gegenüber seines Schlossgutes "Château de la Moutte" angelegten Grabes beerdigt. Jedes Jahr finden in Erinnerung an die schönsten und bedeutendsten Kapitel der Geschichte von Saint-Tropez herrliche Feierlichkeiten wie die so genannten "Bravades" statt. Besonders bei der im Mai veranstalteten "Bravade" findet die gesamte Bevölkerung der Stadt zusammen, um gemeinsam ihren Schutzheiligen zu verehren und die glorreichen Heldentaten zur Verteidigung des Maurenlandes zu feiern.

Die Verteidigung der Stadt übernahm eine Bürgermiliz, ab 15. Jh. schon. Am 24 Juni 1558 wurde zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit eigens das Amt des Stadthauptmanns geschaffen, der häufig Schiffseigner oder Kapitän eines Schiffes war. Ihm unterstand die Miliz. Er wurde jährlich am Ostermontag gewählt und war für die Ueberprüfung von Befestigungsanlagen, Handwaffen und Artillerie sowie für die Verwaltung der Schiesspulverbestände zuständig, wobei er das Recht hatte, Geldstrafen aufzuerlegen. Ab 1578 wurde er von einem Offizier und einem Fahnenträger unterstützt. Währen der Bravade zieht ein kleiner Marketenderwagen in seinem Gefolge

Die Entstehung der Bravade soll au das 13. Jh. zurückgehen. Charles 1., Graf der Provence und Bruder von Saint-Louis, soll diese Sitte nach seiner Rückkehr aus dem heiligen Land 1256 eingeführt haben. Die Zeremonie war gleichzeitig religiös und militärisch, sie enthielt Taubenschiessen, Prozessionen end endete mit einem Freudenfeuer. Die heutige Form der Bravade hat sich in Saint-Tropez im 16.Jh. herausgebildet. Es ist ein grosses Schauspiel voller Gemütsbewegung, das sich die Bevölkerung vor allem selbst gibt. Die Bravade findet alljährlich 16-17-18. Mai statt, rund um den Jahrestag der Ankunft des Stadtheiligens.

Mit der Einsetzung des Stadthauptmanns und parallel zum Aufschwung der Hafengeschäfte wird die Bravade von Saint-Tropez zu Institution. Sie umfasst die Miliz, die Jugendbunde als dynamisches Element und die Bruderschaften. In der Bravade demonstriert Die Gemeinschaft ihren Zusammenhalt und ihre Entschlossenheit gegenüber einer potentiellen Gefahr. So wird öffentlich die Verbundenheit mit den rechtsstaatlichen Organen bezeugt. Für die Heranwachsenden, die das Bravadekorps eintreten, ist es ein Eintrittsritual, mit dem sie in die Welt der erwachsenen Verteidiger und Verwalter des Gemeinwesens aufgenommen werden.

Dank der Bravade wird das historische Bewusstsein der Bewohner mit den Traditionen der bürgerlichen Freiheit, der Tapferkeit, sowie die Verbundenheit mit der Kirche über den Stadtheiligen gehegt. Gläubige wie Ungläubige nehmen gemeinsam an die Bravade teil, denn es sind ganz interne Fest, die die Bewohner von Saint-Tropez keineswegs als Touristenattraktion ansehen. Ganz im Gegenteil. Es ist kein Folklore!

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