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Algerien (französisch Algérie), amtlich Demokratische Volksrepublik Algerien, Republik im Nordwesten Afrikas. Algerien grenzt im Norden an das Mittelmeer, im Osten an Tunesien und Libyen, im Süden an die Republik Niger, Mali und Mauretanien, und im Westen an Marokko und Westsahara. Die Gesamtfläche des zum Maghreb gehörenden Landes beträgt 2 381 740 Quadratkilometer; damit ist Algerien nach der Republik Sudan der zweitgrößte Staat in Afrika.
Algerien lässt sich in vier Naturräume mit ausgeprägter West-Ost-Zonierung gliedern. Hinter der maximal 100 Kilometer breiten, durch Buchten reich gegliederten Küstenebene am Mittelmeer erstreckt sich nach Süden der steil abfallende Tellatlas (siehe Atlasgebirge) mit einer mittleren Höhe von etwa 1 500 Metern. Die Tal- und Beckenlandschaften dieser Region stellen das ackerbauliche Zentrum Algeriens dar. An den Hängen des Tellatlas entspringt der ins Mittelmeer mündende Chélif, mit 725 Kilometern der längste Fluss Algeriens. Südlich des Tellatlas gibt es dagegen keine ständig wasserführenden Flüsse mehr.
Die sich im Süden und Südwesten anschließende Region ist das Hochland der Schotts (Chotts, Shebchas), eine Hochebene mit mehreren Salztonebenen. In diesen Becken sammelt sich in der Regenperiode Wasser und bildet große, seichte Seen; wenn diese in der anschließenden Trockenperiode verdunsten, bleibt salzhaltiger Ton zurück, der beim Trocknen reißt und große, kantige Schollen bildet.
Südlich des Hochlandes der Schotts erstreckt sich das Massiv des Saharaatlas. In diesem annähernd parallel zum Tellatlas verlaufenden Naturraum werden maximale Höhen von rund 2 300 Metern erreicht.
An den Saharaatlas schließt sich nach Süden die vierte und bei weitem größte Region an, die algerische Sahara, die über 90 Prozent des Landes einnimmt. Ein Großteil dieser Region ist von weiten Kies- und Geröllebenen bedeckt. Einen flächenmäßig deutlich geringeren Anteil nehmen Sandwüsten ein, wie etwa die Sanddünengebiete des Östlichen und Westlichen Großen Erg, des Erg Iguidi und des Erg Chech. Markante Landschaften im Bereich der algerischen Sahara sind die Plateaus Tassili N’Ajjer und Tademaït sowie große Gebirgsstöcke, insbesondere der Ahaggar (Hoggargebirge) im Süden des Landes. Hier befindet sich mit dem 3 003 Meter hohen Tahat die höchste Erhebung Algeriens.
Nur 3,2 Prozent der Landesfläche haben fruchtbare Böden; vor allem die Gebirgstäler und die Küstenebenen werden agrarisch genutzt. Die Böden der höheren Lagen sind meist nährstoffarm und eignen sich überwiegend für extensive Beweidung.
Den Norden des Landes prägt mediterranes Klima mit warmen, trockenen Sommern und milden, regenreichen Wintern. Hier werden mit bis zu 1 000 Millimetern die höchsten Jahresniederschläge des Landes verzeichnet. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen zwischen 25 °C im Sommer und 11 °C im Winter. Im Sommer tritt hier häufig ein sehr heißer, trockener Wind auf, der Schirokko (arabisch Chehili); von seinem Ursprungsgebiet in der Sahara weht er zum Mittelmeer hin.
Nach Süden wird das Klima zunehmend kontinentaler. Im Hochland der Schotts liegen die mittleren Monatstemperaturen zwischen 30 °C im Sommer und um 0 °C im Winter. Die Jahresniederschläge erreichen hier im Mittel 350 Millimeter. Die Nordflanke des Saharaatlas ist feuchter, an den Südhängen vollzieht sich der Übergang zum heißen und trockenen Klima der Sahara, das von großen täglichen Temperaturunterschieden geprägt wird. In den Sommermonaten können in der algerischen Wüste 45 °C überschritten werden, die mittleren Jahresniederschläge liegen in den trockensten Regionen unter 50 Millimetern.
Nach Erlangen der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1962 stieg die Bevölkerung Algeriens sprunghaft an, was die Umwelt schwer belastete. Die größten ökologischen Bedrohungen sind Entwaldung, Buschbrände, die Umwandlung der Steppen in Ackerland sowie die Bodenerosion aufgrund von Überweidung und falschen Anbaumethoden. Die Küstengewässer des Mittelmeeres sind an vielen Stellen verschmutzt. Vor allem Feuchtgebiete, darunter auch Teile eines jüngst entstandenen Nationalparks, sind Umweltzerstörungen ausgesetzt.
In der Küstenregion und in den unteren Bereichen des Tellatlas herrscht mediterrane Vegetation vor. Wälder fehlen aufgrund der jahrhundertelangen Abholzung und Beweidung weitgehend und sind heute durch immergrüne Strauchvegetation ersetzt. Nur in den Berglagen des Tell- und Saharaatlas sind Wälder in nennenswertem Ausmaß noch zu finden (0,9 Prozent der Gesamtfläche). Sie sind von Nadelgehölzen wie der Aleppokiefer (Pinus halepensis) und der Atlas-Zeder (Cedrus atlantica) beherrscht; daneben kommen verschiedene Eichenarten, darunter auch die Korkeiche vor, aus deren Rinde man Kork gewinnt. In den Ebenen und südlich des Tellatlas wird die Landschaft weitgehend von lückenhafter Steppenvegetation aus Espartogras (Stipa tenacissima, auch Halfagras genannt) und niedrigen Kräutern und Sträuchern geprägt, die für die Beweidung mit Ziegen oder Dromedaren genutzt wird. Die Pflanzenwelt der Sahara ist großteils auf die Gebiete mit einer einigermaßen guten Wasserversorgung konzentriert. In Grundwassernähe oder entlang zeitweise wasserführender Flüsse (Wadis) sowie an Wasserbecken in den Gebirgen finden sich lockere Bestände aus Akazien, Jujube und anderen Gehölzen, untersetzt mit dürreresistenten Gräsern. Insgesamt wurden in Algerien 3 140 Pflanzenarten nachgewiesen, darunter 250 endemische Spezies.
Die spärliche Vegetation des Landes bedingt, dass vor allem im Süden nur eine geringe Anzahl von Tieren vorkommt, die allerdings hochspezialisiert und an das Wüstenleben angepasst sind. Hier leben Schakale, Fenneks, Gazellen, Wildesel, Klippschliefer und Kleinsäuger wie Wüstenspringmäuse. Die Vogelwelt ist u. a durch Strauße, Geier und Flughühner repräsentiert; zu den Reptilien gehören verschiedene Vipernarten.
Ungefähr 24 Prozent des Landes sind offizielle Schutzgebiete, wobei die Nationalparks jedoch nur 2,5 Prozent (2000) der Gesamtfläche ausmachen. Der weitläufige Tassili N’Ajjer-Nationalpark im östlichen Landesteil nimmt einen Großteil dieser Fläche ein. Algerien arbeitet mit anderen Staaten zusammen, um das Mittelmeer vor weiterer Verschmutzung zu schützen, die Zerstörung gefährdeter Lebensräume zu verhindern und mehr als 5 Prozent der Landesfläche unter Naturschutz zu stellen. Das Land hat die Ramsar-Konvention über Feuchtgebiete ratifiziert, gehört der World Heritage Convention an und verfügt über zwei offizielle Biosphärenreservate im Rahmen eines Programms der UNESCO.
Die Bevölkerung des Landes besteht fast ausschließlich aus Arabern, Berbern sowie Menschen gemischt arabisch-berberischer Herkunft, wobei die Araber den weitaus größten Bevölkerungsanteil stellen (etwa 70 Prozent). Im äußersten Süden des Landes finden sich außerdem einige schwarzafrikanische Bevölkerungsgruppen. Unter den Berbern stellen die wichtigsten Gruppen die Kabylen (im westlichen Tellatlas), die Mozabiten oder Mzabiten (im so genannten Mzab, der Region um die Stadt Ghardaia) und die Tuareg (in der südlichen Sahara) dar. Bis 1962 lebten außerdem ungefähr eine Million europäischer Siedler, meist Franzosen, und eine Gruppe von 150 000 einheimischen Juden in Algerien. 90 Prozent dieser Gruppe emigrierten jedoch, nachdem das Land 1962 für unabhängig erklärt worden war, so dass Ende der achtziger Jahre nur noch circa 60 000 Europäer im Land waren. In den neunziger Jahren kam es zu weiteren Abwanderungen aufgrund von Anschlägen islamischer Fundamentalisten, die sich gezielt gegen nichtarabische Ausländer richteten.
Algerien hat 33,4 Millionen Einwohner (2004). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 14 Einwohnern pro Quadratkilometer, sie ist jedoch extrem ungleich verteilt; im Küstengebiet, wo die Hälfte der Bevölkerung lebt, beträgt sie ungefähr 100, in der Sahara dagegen nur fünf Einwohner pro Quadratkilometer. Das Bevölkerungswachstum beträgt 1,6 Prozent. 41,7 Prozent der Algerier leben auf dem Land.
Algier ist die Hauptstadt, der wichtigste Hafen und die größte Stadt des Landes (1,52 Millionen Einwohner). Weitere wichtige Städte sind Oran (656 000), ein bedeutendes Handelszentrum, Constantine (462 187), Zentrum eines Viehzucht- und Getreideanbaugebiets und Universitätssitz, Annaba (306 000), wichtiger Hafen und Industriezentrum, Blida (171 000), Sétif (170 000) sowie Tamanrasset, Verkehrs- und Handelsmittelpunkt der Sahararegion.
Die Amtssprache Arabisch wird von etwa 85 Prozent der Bevölkerung gesprochen. Vor dem Hintergrund massiver Spannungen zwischen Arabern und Berbern erkannte das algerische Parlament im April 2002 die Berbersprache Tamazight als zweite offizielle Sprache an. Französisch dient immer noch als Verkehrssprache und wird von vielen gebildeten Algeriern in Wort und Schrift beherrscht. Der Islam in seiner sunnitischen Ausprägung ist die offizielle Staatsreligion, zu der sich die überwiegende Mehrheit (99 Prozent) der Bevölkerung bekennt. Immigranten aus Europa, Südamerika und dem Nahen Osten bilden eine christliche Minorität.
Die muslimischen Feiertage richten sich nach dem islamischen Mondkalender und finden daher jedes Jahr an anderen Tagen statt. Nationalfeiertage sind Neujahr (1. Januar), Tag der Arbeit (1. Mai), Revolutionstag (19. Juni), Unabhängigkeitstag (5. Juli) und der Jahrestag der Revolution (1. November). Das erste der drei wichtigsten islamischen Feste ist El Aid Essgher, ein drei Tage dauerndes Festessen am Ende des Monats El Ramadan. Der zweitwichtigste islamische Feiertag ist El Eid Thamukrate oder das Fest der Opferung, das in Verbindung mit der Pilgerfahrt nach Mekka im Juni oder Juli gefeiert wird. Es erinnert nicht nur an die Wallfahrt, sondern auch an die Bereitschaft Abrahams, seinen Sohn zu opfern. Ein weiterer wichtiger Feiertag ist der Geburtstag des Propheten Mohammed im September oder Oktober.
Das Land verfügt über eine allgemeine Sozialversicherung für Arbeitnehmer, jedoch nicht über eine Arbeitslosenhilfe. Die Regierung unterstützt soziale Fürsorgeprogramme zur finanziellen Unterstützung von Alten, Bedürftigen, Behinderten und Hinterbliebenen. Staatlich gefördert werden weiterhin die nicht in der Landwirtschaft tätigen Arbeiter, Agrarreformen und der soziale Wohnungsbau. Die Arbeitslosenquote beträgt 29,8 Prozent (2000); besonders stark sind junge Menschen unter 25 Jahren von der Arbeitslosigkeit betroffen.
Seit 1974 wird die medizinische Versorgung allen algerischen Bürgern kostenlos zur Verfügung gestellt. Obwohl es in den letzten Jahren zu beträchtlichen Verbesserungen im Gesundheitswesen gekommen ist, bleibt die medizinische Versorgung immer noch unbefriedigend, vor allem in ländlichen Gebieten. Auf einen Arzt kommen 1 271 Einwohner. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 69,4 Jahren für Männer und 72,3 Jahren für Frauen (2004). Die Kindersterblichkeitsrate beträgt 36 Sterbefälle pro 1 000 Lebendgeburten. Trotz des starken Anstiegs der Einwohnerzahl gehört die Bevölkerungswachstumsrate in Algerien zu den niedrigsten in Afrika, sie ist in den letzten Jahren stetig gesunken. In den vergangenen Jahrzehnten ist die durchschnittliche Lebenserwartung gestiegen und die Kindersterblichkeitsrate kontinuierlich zurückgegangen.
Nachdem die Cholera unter Kontrolle gebracht wurde, sind die Gesundheitsbehörden bemüht, auch andere epidemische Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose einzudämmen. Weitere gesundheitliche Probleme sind die Unterernährung und Augenkrankheiten wie Bindehautentzündung. Frisches Wasser ist in Algerien knapp, wobei der Verbrauch pro Kopf jedoch gering ist und die Mehrheit der Bevölkerung in urbanen und ruralen Gebieten über sichere Wasserquellen verfügt.
Die Schulausbildung ist kostenlos und wird von mehr als 95 Prozent aller schulpflichtigen Kinder wahrgenommen. Das algerische Bildungssystem ist dem französischen nachempfunden, wurde jedoch kurz nach der Unabhängigkeit des Landes einer Arabisierung unterzogen. Die Regierung führte neue Lehrmethoden ein, begann damit, algerische Lehrer auszubilden und ausländische, arabisch sprechende Lehrkräfte ins Land zu holen. 1976 wurden alle Privatschulen geschlossen und die allgemeine Schulpflicht über 9 Schuljahre eingeführt.
Algerien besitzt neun Universitäten, darunter zwei technische Hochschulen. Es waren an allen höheren Bildungsinstitutionen insgesamt 456 000 Studenten eingeschrieben. Die älteste Universität ist diejenige von Algier (gegründet 1879); daneben gibt es in Algier noch zwei weitere Hochschulen. Außer der Universität Algier wurden alle anderen Universitäten und fast alle der etwa 20 Berufsakademien erst nach der Unabhängigkeit Algeriens gegründet.
Noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war das kulturelle Leben Algeriens durchweg französisch geprägt. Doch schon vor der Unabhängigkeit gab es unter algerischen Künstlern und Intellektuellen eine Bewegung zur Wiederbelebung der arabisch-berberischen Interessen, die seit 1962 auch von staatlicher Seite unterstützt wurde.
Bei den Bibliotheken steht die Staatsbibliothek in Algier (1835 gegründet) an erster Stelle. Sie verfügt über eine Million Bände, darunter bedeutende Arbeiten zu afrikanischen Themen. Bedeutende Literatursammlungen beherbergt außerdem die Universität in Algier, welche über 700 000 Bände umfasst.
An wichtigen Museen des Landes sind das prähistorische und ethnographische Museum (gegründet 1928), das Nationalmuseum der Antike (1897) und die Nationalgalerie (1930) zu nennen, die sich alle in Algier befinden. Das Museum von Cirta (1853) in Constantine beinhaltet eine Kunst- und eine archäologische Sammlung.
Obwohl arabisch-algerische Schriften von den Franzosen in den fünfziger Jahren unterdrückt wurden, belebte der Unabhängigkeitskrieg das Interesse an einheimischer arabischer Literatur. Bekannte algerische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts sind Kateb Yacine, Mohammad Dib und Malek Haddad, die ihre Werke überwiegend auf Französisch verfassten. Der große französische Schriftsteller Albert Camus wurde in Algerien geboren und ausgebildet.
Alle Nachrichtenmedien des Landes einschließlich der sechs Tageszeitungen werden vom Staat kontrolliert. Verlage sowie Fernseh- und Rundfunkstationen unterstehen der Aufsicht staatlicher Behörden.
Algerien ist seit der Unabhängigkeit von 1962 eine Republik. Bei der Volksabstimmung von 1976 wurde eine Nationale Charta angenommen, in der sich die Bevölkerung zum Sozialismus unter Leitung der staatlichen Einheitspartei Front de Libération Nationale (FLN) bekannte. Nach der Verfassungsänderung von 1989 wurden erstmals auch oppositionelle Parteien zugelassen.
Nach der Verfassung von 1996 wird der Präsident vom Volk durch allgemeines Wahlrecht für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Die 380 Mitglieder der aus einer Kammer bestehenden Nationalversammlung werden ebenfalls für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Die Amtszeit der 144 Abgeordneten des Rates der Nation beträgt sechs Jahre (96 Mitglieder werden von Kommunalräten gewählt, 48 vom Staatsoberhaupt ernannt).
Das höchste Gericht Algeriens ist der Oberste Gerichtshof, der sowohl als oberstes Berufungsgericht als auch als Staatsrat fungiert. Drei der Berufungsgerichte und speziellen Strafgerichtshöfe (für Wirtschaftsverbrechen gegenüber dem Staat) befinden sich in Algier, Oran und Constantine. Eine Vielzahl von Handelsgerichten und weiteren, kleineren Gerichten vervollständigen das juristische System des Landes.
Algerien ist in 48 Verwaltungseinheiten unterteilt, die so genannten Wilayas. Diese spalten sich wiederum in fast 700 Kommunen auf. Jede der Verwaltungseinheiten wird von einem durch die Bundesregierung ernannten Gouverneur geleitet. Der Stadtrat erlässt Kommunalgesetze und setzt alle Verwaltungsbeamten ein.
Der Präsident ist der oberste Befehlshaber der Streitkräfte des Landes. Der Kern der 127 500 Mann starken Armee ging aus der Befreiungsarmee nach der Unabhängigkeit des Landes hervor. Die 10 000 Mann starke Luftstreitkraft ist mit Düsenflugzeugen und Helikoptern sowjetischer und französischer Herkunft ausgestattet. Dem Heer unterstehen 110 000 Soldaten; die Seestreitkräfte verfügen über 7 500 Mann.
Algerien ist aufgrund bedeutender Rohstoffvorkommen eine der reichsten Nationen Afrikas. Die Landwirtschaft spielt zwar eine abnehmende, aber beschäftigungspolitisch immer noch bedeutende Rolle – hier arbeiteten Anfang der neunziger Jahre rund ein Fünftel aller Erwerbstätigen. Dagegen hat der Dienstleistungssektor in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen; hier sind 43 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt. Seit dem Ende der sechziger Jahre führt die Regierung Industrialisierungsprogramme und Agrarreformen durch und ist bemüht, die industrielle Entwicklung des Landes voranzutreiben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 56 Milliarden US-Dollar (2002; Dienstleistungen 37,3 Prozent, Industrie 52,7 Prozent, Landwirtschaft 10 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 1 790 US-Dollar.
Etwa 18 Prozent der Landesfläche können landwirtschaftlich genutzt werden. Obwohl 26 Prozent aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt sind, werden durch sie nur 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Die landwirtschaftliche Produktivität ist sehr niedrig und zahlreiche Nahrungsmittel müssen eingeführt werden. Die ertragreichsten Produkte sind Weizen, Gerste, Kartoffeln, Weintrauben, Orangen, Oliven und Datteln. Der Viehbestand umfasst vor allem Schafe, Ziegen und Rinder.
Wälder bedecken nur 0,9 Prozent der Gesamtfläche des Landes. In den siebziger Jahren wurden verschiedene Projekte zur Wiederaufforstung eingeleitet. Holz wird im Land hauptsächlich als Brennmaterial und, ebenso wie Kork, für industrielle und kommerzielle Zwecke verwendet, Baumrinde dient als Rohstoff für die Gerbereien. Aus Holz stellt man außerdem Holzkohle her, ebenfalls ein wichtiger Brennstoff.
Die Fischereiindustrie nimmt eine wichtige Stellung in Algerien ein. Der Großteil des Fanges besteht aus Sardinen, Anchovis, Sprotten, Thunfischen und Schalentieren.
Die wichtigsten Bodenschätze Algeriens sind seine großen Lagerstätten an Erdöl und Erdgas in der Sahararegion. Vor allem die Erdgasvorkommen zählen zu den größten der Welt. Laut UN-Schätzungen lagern in Algerien mehr als 3 600 Milliarden Kubikmeter Erdgas, was etwa 2,5 Prozent der Gesamtweltvorräte entspricht (ebenfalls geschätzt). Das Land ist Mitglied der OPEC und gehört zu den größten Erdgasexporteuren der Welt. Weitere wichtige Mineralprodukte sind Eisenerz und Pyrit, Kohle, Zink, Blei, Quecksilber und Kupfer sowie Phosphate. Nahezu der gesamte Bergbau und die Industrie werden vom Staat kontrolliert.
Die wichtigsten Industriezweige für Algeriens Wirtschaft sind neben Erdgas- und Erdölförderung sowie petrochemischer Industrie die Eisen- und Stahlerzeugung. Ein Großteil der Industriestandorte ist an der Mittelmeerküste angesiedelt. Hier sind beispielsweise die Ballungsräume um Algier, Oran, Bejaja, Skikda und Annaba zu nennen. Weitere wichtige Industriebereiche sind Bau- und chemische Industrie, Textil-, Bekleidungs- und Lederindustrie, die Produktion von Nahrungs- und Genussmitteln sowie Holz- und Papierindustrie. Im Bereich Handwerk sind besonders das Kunsthandwerk und die Teppichherstellung erwähnenswert.
Die Landeswährung ist der Algerische Dinar (= 100 Centimes). Die Zentralbank Algeriens leitet alle währungspolitischen Entscheidungen. 1966 wurden alle ausländischen und privaten Banken verstaatlicht.
Die Hauptexportgüter Algeriens sind Erdgas, Erdöl, Eisenerz, Gemüse, Tabak, Phosphate, Früchte, Kork und Tierhäute (22 Milliarden US-Dollar im Jahr 2000). Hauptimportwaren sind Maschinen, Textilien, Zucker, Getreide, Eisen, Stahl, Kohle und Benzin (9,15 Milliarden US-Dollar). Die Europäische Union (EU) ist der wichtigste Handelspartner des Landes. Die EU bezieht zwei Drittel der Exporte des Landes und einen Großteil seines Öles. Weitere wichtige Handelspartner sind die USA und Japan. Algeriens Handelsbilanz und sein Handelsvolumen hängen insgesamt stark von den Erdöl- und Erdgaspreisen ab. Die Handelsbilanz Algeriens ist negativ. Die Auslandsverschuldung lag bei etwa 28 Milliarden US-Dollar.
Die algerische Arbeitergewerkschaft, 1956 während der Unabhängigkeitskämpfe gegründet, hat eine Million Mitglieder und ist nach Berufssparten in zehn Sektoren unterteilt. 1973 wurde die algerische Bauerngewerkschaft gegründet. Sie zählt 700 000 Mitglieder. Algerien verfügt über 11 Millionen Arbeitskräfte, von denen etwa 31 Prozent in Industrie und Handel tätig sind, 26 Prozent in der Landwirtschaft und 43 Prozent in der Verwaltung.
Das Schienen- und Straßennetz ist hauptsächlich im nördlichen Drittel des Landes ausgebaut. Fünf Bahnlinien führen bis zum nördlichen Rand der Sahara und ein Straßensystem verbindet die Ölfelder der Sahara mit der Küste. Das Schienennetz hat eine Länge von 3 793 Kilometern (2000); das Straßennetz umfasst etwa 104 000 Kilometer, darunter 69 Prozent asphaltierte Straßen (1999). Der algerische Teil der Trans-Sahara-Route, der von der Mittelmeerküste vorbei an Tamanrasset bis zur nigerianischen Grenze und von dort aus durch den Niger bis nach Nigeria führt, wurde 1985 fertig gestellt und ist bis Tamanrasset asphaltiert. Die nationale Fluglinie Air Algérie fliegt sowohl nationale als auch internationale Flughäfen an.
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