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Andorra (französisch Andorre), parlamentarisches Fürstentum in Südwesteuropa. Der in den östlichen Pyrenäen gelegene Kleinstaat grenzt im Norden und im Osten an Frankreich und im Süden und Westen an Spanien. Andorra ist mit einer Gesamtfläche von 468 Quadratkilometern einer der kleinsten Staaten der Welt. Hauptstadt des Landes ist Andorra la Vella.
Andorra wird im Norden vom Hauptkamm der Pyrenäen umrahmt. Der im Nordwesten gelegene Coma Pedrosa ist mit 2 946 Metern die höchste Erhebung des Landes. Darüber hinaus gibt es weitere Gipfel mit Höhen von über 2 900 Metern. Das Flusstal der Valira öffnet nach Süden eine landschaftliche Verbindung nach Spanien. Der überwiegende Teil Andorras gehört zum Einzugsgebiet des Ebro im nordöstlichen Spanien. Während im Hochgebirge Jahresniederschläge von mehr als 2 000 Millimetern erreicht werden, liegen die Werte in den Tälern um 700 Millimeter. Die Sommer sind vergleichsweise kurz, können aber in engen Tallagen sehr heiß sein.
Die Einwohnerzahl beträgt etwa 69 900, die Bevölkerungsdichte liegt bei 155 Einwohnern pro Quadratkilometer (2004). Etwa 91 Prozent der Bevölkerung sind Stadtbewohner (2002). Andorra la Vella ist mit etwa 25 000 Einwohnern die größte Stadt des Landes. Die einheimische Bevölkerung ist ihrer Herkunft und Sprache nach katalanischen Ursprungs. Sie macht heute weniger als 29 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Der Rest setzt sich hauptsächlich aus spanischen und französischen Immigranten zusammen, die nach einem strengen Quotensystem zugelassen werden. Die Amtssprache ist Katalanisch, das von etwa 30 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird. Die Mehrheit spricht kastilisches Spanisch, etwa 7 Prozent Französisch. Da fast die gesamte Bevölkerung katholisch ist, prägt der Glauben das soziale und kulturelle Leben des Landes immer noch sehr stark. So sind beispielsweise Ehescheidungen nicht erlaubt.
In der Rolle des Staatsoberhauptes Andorras fungieren der Bischof von Seu d’Urgel in Spanien und der französische Staatspräsident als Kofürsten. Dies gilt auch nach der 1993 von Seiten Frankreichs und Spaniens erfolgten Anerkennung Andorras als selbständiger Staat. Oberstes Legislativorgan ist der Generalrat (Parlament), dessen 28 Abgeordnete für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt werden und ihrerseits den Regierungschef wählen. Am 14. März 1993 entschieden sich die Bürger Andorras durch eine Volksabstimmung für eine neue Verfassung, die Andorra als unabhängigen, demokratischen Staat definiert. Sie räumt dem Fürstentum nun das Recht ein, ein unabhängiges Gerichtswesen einzurichten, seine eigene Außenpolitik zu betreiben und internationalen Organisationen beizutreten. Seit 1993 ist Andorra Mitglied der Vereinten Nationen.
Die Kofürsten sind nominell weiter Staatsoberhäupter, doch sie besitzen heute nur noch bei Gesetzen zu Grenzfragen ein Vetorecht. Frankreich und Spanien sind weiterhin für die Verteidigung und das Zahlungssystem Andorras verantwortlich. Im Dezember 1993 fanden die ersten Wahlen zum Generalrat nach der neuen Verfassung statt.
Eine wirtschaftliche Hauptstütze des Landes ist der Fremdenverkehr, der seit den fünfziger Jahren boomt. Laut Schätzungen besuchen rund zwölf Millionen Besucher pro Jahr das Fürstentum. Hauptanziehungspunkte sind die Wintersportmöglichkeiten, das alpine Klima und die steuerfreien Waren. Daneben existieren Tabak- und Holzverarbeitung sowie Viehzucht (Schafe, Rinder, Pferde). Obwohl Andorra über kleinere Eisen- und Bleivorkommen sowie Marmorsteinbrüche verfügt, ist das Fürstentum stark von importierten Rohstoffen abhängig. Auch die meisten Lebensmittel werden eingeführt, da sich nur 4 Prozent des Bodens bearbeiten lassen.
Aufgrund der niedrigen Steuersätze und der strengen Gesetze bezüglich des Bankgeheimnisses wurde das Fürstentum besonders in den neunziger Jahren Sitz zahlreicher Banken. Währungseinheit ist seit dem 1. Januar 2002 der Euro zu 100 Cents, der die Zahlungsmittel Französischer Franc und die Spanische Peseta ablöste. 1997 waren 78 Prozent der Erwerbstätigen in Dienstleistungsunternehmen, 21 Prozent in der Industrie und nur 1 Prozent in der Agrarwirtschaft beschäftigt. Andorra besitzt weder ein Schienennetz noch einen Flughafen, dafür aber ein gut ausgebautes Straßennetz.
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