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Argentinien (amtlich: República Argentina), föderalistische Republik im südlichen Südamerika.

Argentinien grenzt im Norden an Bolivien und Paraguay, im Osten an Brasilien, Uruguay und den Atlantischen Ozean, im Süden an den Atlantischen Ozean und im Westen an Chile. Das Land nimmt den größten Teil des südlichen Südamerika ein. Die Nord-Süd-Ausdehnung von Argentinien beträgt rund 3 700 Kilometer, seine maximale Breite liegt bei etwa 1 400 Kilometern. Das Land umfasst auch Teile von Feuerland. Mit einer Fläche von 2 780 400 Quadratkilometern ist Argentinien nach Brasilien das zweitgrößte Land Südamerikas. Einschließlich der Falkland-Inseln und anderer spärlich besiedelter Inseln im Südatlantik sowie Teilen der Antarktis beansprucht Argentinien insgesamt 2 808 602 Quadratkilometer. Die argentinische Küste hat eine Länge von 4 989 Kilometern. Größte Stadt und Hauptstadt des Landes ist Buenos Aires.

Argentinien umfasst Gebirgsregionen, Hochlandgebiete und Ebenen. Im Westen hat das Land Anteil an den Anden, dem großen Gebirgssystem des südamerikanischen Kontinents.

Die patagonischen Anden, die eine natürliche Grenze zwischen Argentinien und Chile bilden, gehören zu den niederen Bergketten und erreichen nur vereinzelt Höhen von mehr als 3 700 Metern. Vom nördlichen Ausläufer dieser Bergkette bis zur bolivianischen Grenze besteht der westliche Teil von Argentinien aus dem Hauptgebirgszug der Kordilleren mit zahlreichen Gipfeln über 6 400 Metern. Der Aconcagua ist mit 6 960 Metern der höchste dieser Gipfel und der höchste Berg der Welt außerhalb Asiens. Andere bemerkenswerte Gipfel sind der Ojos del Salado (6 880 Meter) und der Tupungato (6 800 Meter), an der Grenze zwischen Argentinien und Chile, sowie der Mercedario (6 770 Meter). Mehrere parallel verlaufende Bergketten und Ausläufer der Anden ragen tief in das nordwestliche Argentinien hinein. Im Zentrum des Landes erstreckt sich die Sierra de Córdoba. Ihr höchster Gipfel ist der Champaquí (2 884 Meter).

Von der Basis des Gebirgssystems der Anden ostwärts besteht das Terrain von Argentinien aus nahezu flachen oder leicht gewellten Ebenen. Sie fallen allmählich von etwa 600 Meter Höhe bis auf Meeresniveau ab. Im Norden hat das argentinische Flachland Anteil am Gran Chaco. Die Pampa, eine baumlose Ebene, umfasst den produktivsten landwirtschaftlichen Abschnitt des Landes und erstreckt sich über nahezu 1 600 Kilometer von Gran Chaco aus in südlicher Richtung. Südlich der Pampa, in Patagonien, wird das Gelände größtenteils von trockener Steppe eingenommen.

Die Böden Argentiniens variieren bezüglich Fruchtbarkeit und landwirtschaftlicher Eignung sehr stark. Wasser ist in vielen Gebieten außerhalb des Nordostens und der feuchten Pampa nur spärlich vorhanden. Die Pampa ist ideal für den Getreideanbau. Im Gegensatz dazu sind die steinigen Böden in weiten Teilen Patagoniens und im Süden Argentiniens für den Anbau von Getreide ungeeignet. Das natürliche Grasland dieser Region wird vorwiegend als Weideland für Schafe genutzt. Der größte Teil des Vorgebirges der nördlichen Anden eignet sich nicht für landwirtschaftliche Zwecke, nur an wenigen Stellen wird Obstbau betrieben.

Die wichtigsten Flüsse Argentiniens sind der Paraná, der den Norden des Landes durchfließt; der Uruguay, der einen Teil der Grenze mit Uruguay bildet; der Paraguay, wichtigster Nebenfluss des Paraná, und der Río de la Plata, der große Meeresarm, der aus dem Zusammenfließen von Paraná und Uruguay entsteht. Das Paraná-Uruguay-System ist über eine Strecke von etwa 3 200 Kilometern schiffbar. Die Iguaçufälle, eine bedeutende Naturattraktion, befinden sich am gleichnamigen Fluss, der in den Paraná mündet. Andere wichtige Flüsse Argentiniens sind der Río Colorado, der Río Salado und der Río Negro. Im Gebiet zwischen dem Río Salado und Río Colorado sowie im Gran Chaco enden einige Flüsse in Sümpfen und Marschlandschaften oder versickern im Boden. Hier befinden sich auch viele Seen, besonders im Vorgebirge der patagonischen Anden. Die bekanntesten liegen in der alpinen Seenlandschaft um den Erholungsort San Carlos de Bariloche.

Außer in einem kleinen tropischen Gebiet im Nordosten und im subtropischen Gran Chaco im Norden herrschen in weiten Teilen Argentiniens gemäßigte Klimabedingungen vor. In der Umgebung von Buenos Aires beträgt die jährliche Durchschnittstemperatur 16,1 °C. Die Mittelwerte für Januar und Juli liegen bei 23,3 bzw. 10 °C. In San Miguel de Tucumán im nordwestlichen Argentinien beträgt die durchschnittliche Temperatur im Januar 26,1 °C und im Juli 13,3 °C. Beträchtlich höhere Temperaturen herrschen im Norden, nahe dem Wendekreis des Steinbocks, wo gelegentlich Extremtemperaturen von 45 °C gemessen werden. In den höheren Anden, Patagonien und Feuerland herrschen im Allgemeinen kalte Klimabedingungen vor. Im westlichen Abschnitt von Patagonien liegen die durchschnittlichen Wintertemperaturen bei 0 °C. In den meisten Küstengebieten übt jedoch der Ozean einen gemäßigten Einfluss auf die Temperaturen aus.

Die Niederschläge in Argentinien sind durch große regionale Unterschiede gekennzeichnet. Mehr als 1 500 Millimeter Regen fallen jährlich im äußersten Norden, im Süden und Westen jedoch setzen sich allmählich halbtrockene Bedingungen durch. In der Umgebung von Buenos Aires beträgt die jährliche Niederschlagsmenge etwa 950 Millimeter, in der Gegend von San Miguel de Tucumán etwa 970 Millimeter.

Die einheimische Vegetation Argentiniens variiert stark mit den unterschiedlichen Klimazonen und topographischen Regionen des Landes. Die warmen und feuchten nördlichen Gebiete ermöglichen tropische Vegetation mit Palmen, Rosenholz, Guajakbäumen, Jacaranda und Quebrachobäumen (eine Quelle für Tannine). In der Pampa sind die mannigfaltigen Gräser die dominierende Vegetationsform. Abgesehen von den importierten dürreresistenten Baumarten wie Eukalyptus und Akazien sind in dieser Region und im größten Teil Patagoniens keine Bäume zu finden. Die wichtigsten Pflanzengruppen in Patagonien sind Gräser, Kräuter und Sträucher. Das Andenvorgebirge von Patagonien und Teile Feuerlands verfügen über Bestände an Nadelbäumen wie Tannen, Zypressen, Kiefern und Zedern. Kakteen und Dornsträucher kommen vorwiegend in den trockenen Andenregionen des nordwestlichen Argentinien vor.

Im Norden ist die Tierwelt sehr mannigfaltig. Zu den Säugetieren dieser Regionen gehören verschiedene Arten von Affen, Jaguare, Pumas, Ozelots, Waschbären, Nasenbären, Tyras (siehe Marder), Ameisenbären, Tapire sowie Pekaris (Nabelschweine). Zur Vogelwelt zählen Flamingos, Kolibris und Papageien. In der Pampa leben Gürteltiere, Pampasfüchse, Pampaskatzen, Rothirsche, Nandus, Greifvögel, Neuweltgeier und Reiher. Einige der hier verbreiteten Arten finden sich auch in Patagonien. Die kalten Andenregionen sind die Heimat von Guanakos, Vikuñas und Kondoren.

Nur 1,8 Prozent (2000) des Landes stehen unter Naturschutz. Die größten ökologischen Bedrohungen sind das Jagen und Abholzen im Norden, der intensive Tourismus im Süden und die Überweidung, die fast alle Regionen beeinträchtigt. Argentinien hat die World Heritage Convention und die Ramsar-Konvention über Feuchtgebiete unterzeichnet. Außerdem hat es im Rahmen eines Programms der UNESCO fünf Gebiete zu Biosphärenreservaten erklärt. Die amerikanische Organisation Nature Conservancy hat vor kurzem mit Unterstützung des US-amerikanischen Programms Debt-for-Nature Lebensräume in den patagonischen Anden unter Naturschutz gestellt.

Argentinien hat 39,1 Millionen Einwohner (2004). Die Bevölkerungsdichte beträgt etwa 14 Personen pro Quadratkilometer. Rund 90 Prozent der Bevölkerung sind Weiße, vor allem europäischer Abkunft. Zahlenmäßig fallen besonders Argentinier italienischer Herkunft (36 Prozent) und spanischer Herkunft (29 Prozent) ins Gewicht. Rund 500 000 Argentinier sind deutscher Abstammung. Im Gegensatz zu den meisten lateinamerikanischen Ländern leben in Argentinien wenige Mestizen (Mischlinge zwischen Weißen und Indianern), obwohl ihre Zahl in letzter Zeit zugenommen hat (etwa 5 Prozent der Bevölkerung). Die Zahl der Indianer beträgt rund 35 000. Europäer werden weiterhin offiziell zur Einwanderung ermutigt. Von 1850 bis 1940 ließen sich etwa 6,6 Millionen Europäer im Land nieder. Die Zahl spanischer und italienischer Einwanderer dominiert, doch auch große Anteile an Franzosen, Briten, Deutschen, Russen, Polen, Syrern und auch südamerikanischen Einwanderern sind zu verzeichnen. Seit 1960 nimmt die Einwanderung aus den Nachbarländern Chile, Bolivien und Paraguay zu, die zum Teil illegal erfolgt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt im Großraum Buenos Aires, der ungefähr vier- bis fünfmal so dicht besiedelt ist wie Großstädte in der Bundesrepublik Deutschland. Insgesamt leben rund 88 Prozent der Gesamtbevölkerung in städtischen Gebieten (2002).

Wichtige Städte sind u. a. die Hauptstadt Buenos Aires mit 2,96 Millionen Einwohnern (Bundesdistrikt Buenos Aires: 12 Millionen Einwohner); die Universitätsstadt Córdoba (1,15 Millionen); die Binnenhafenstadt Rosario (900 000); La Plata (676 000), die Hauptstadt der Provinz Buenos Aires; Mar del Plata (513 000); San Miguel de Tucumán (471 000); Salta (368 000), berühmt für die koloniale Architektur; Mendoza (122 000), Mittelpunkt einer bedeutenden Landwirtschafts- und Weinanbauregion.

Die Amtssprache ist Spanisch. Das argentinische Spanisch hat einen außergewöhnlichen Akzent, der auf den Einfluss der zahlreichen italienischen Einwanderer zurückzuführen ist. Außerdem enthält das Argentinische Redewendungen und Ausdrücke, die in anderen spanischsprachigen Ländern nicht verwendet werden. Die indigene Bevölkerung spricht verschiedene Indianersprachen.

Etwa 91 Prozent der Bevölkerung sind römisch-katholischer Konfession. Darüber hinaus leben u. a. auch Protestanten, Juden und Muslime in Argentinien.

Die Feiertage werden in Argentinien generell für Familientreffen genutzt. Neujahr wird am 1. Januar mit einem Feuerwerk gefeiert. Gründonnerstag, der Donnerstag vor Ostern, ist der Tag der Eucharistie und des Gebots der Nächstenliebe. In Argentinien werden auch der Karfreitag und Ostersonntag begangen. Der Malvinas-Tag am 2. April erinnert an den gescheiterten Versuch Argentiniens, die Falkland-Inseln (Malwinen) von den Briten zurückzuerobern. Dieser Kurzkrieg fand 1982 statt. Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit. Argentinien erklärte sich am 25. Mai 1810 vom spanischen Vize-Königreich unabhängig und erst am 9. Juli 1816 von Spanien selbst. An diesen Daten werden jeweils der Tag der Unabhängigkeitsbewegung und der Tag der Unabhängigkeit begangen. Der Jahrestag der Nationalflagge findet am 20. Juni statt. Der Gedenktag zu Ehren des Generals José de San Martín, wegen seines Sieges über die Spanier, im Volksmund auch „der Befreier” von Peru, Chile und Argentinien genannt, ist am 17. August. Der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus wird am 12. Oktober gedacht. Am 25. Dezember findet Weihnachten mit Feuerwerken und anderen Festlichkeiten statt.

Das Institut für Nationale Fürsorge verwaltet seit seiner Gründung im Jahr 1944 die meisten Wohlfahrtsprogramme. 1946 reformierte Juan Domingo Perón die Sozialgesetzgebung, die zum Teil heute noch – trotz der Einschränkungen durch die Militärs 1976 – gültig ist. Den Erwerbstätigen stellen die verschiedenen Gewerkschaftseinrichtungen Gesundheitsdienste zur Verfügung, daneben gibt es Kliniken, deren Dienste kostenlos angeboten werden. In den Städten ist der medizinische Standard relativ hoch. Zur Verbesserung der medizinischen Einrichtungen in ländlichen Gebieten werden ständig Anstrengungen unternommen. Die Lebenserwartung liegt bei Männern bei 72 Jahren und bei Frauen bei 79,7 Jahren (2004).

Argentinien ist ein Land mit ausgeprägtem spanischem Erbe. Seit dem 19. Jahrhundert wurde Argentinien stark von Europäern beeinflusst, besonders von italienischen Einwanderern. Eine exponierte Rolle in der Geschichte der Nation wird dem Gaucho (Cowboy) beigemessen. In den schönen Künsten war Frankreich das größte künstlerische Vorbild. Nur in der Volkskunst ging ein Einfluss von indianischen Kulturen aus. (siehe Diaguita-Kultur, die allerdings im 17. Jahrhundert nahezu vollständig verschwand).

Es besteht eine Schulpflicht von 9 Jahren (2000); die Grundschulbildung ist kostenlos. Der Alphabetisierungsgrad liegt bei etwa 97,2 Prozent (2004), womit Argentinien an vorderster Stelle innerhalb von Lateinamerika rangiert.

Argentinien besitzt weit über 20 staatliche Universitäten und fast genauso viele private. Die wichtigste Einrichtung ist die Universität von Buenos Aires (gegründet 1821). Andere bedeutende Universitäten sind die Katholische Universität von Argentinien (gegründet 1958), die Nationale Technologische Universität (gegründet 1959), die Nationale Universität von Córdoba (gegründet 1613), sowie die Universitäten in Bahia Blanca (gegründet 1956), La Plata (gegründet 1905), Mendoza (gegründet 1939), San Miguel de Tucumán (gegründet 1914) und Rosario (gegründet 1968).

Die führende Bibliothek von Argentinien ist die 1810 gegründete Nationalbibliothek in Buenos Aires. Hervorstechend unter den vielen Museen von Buenos Aires sind das Argentinische Museum für Naturwissenschaften, das Nationalmuseum der Schönen Künste sowie die Internationale Kunstgalerie. Das Museum von La Plata ist berühmt für seine Sammlungen fossiler Reptilien.

Die Malerei des 19. Jahrhunderts wurde von Gauchothemen und Szenen des Stadtlebens geprägt. Prilidiano Pueyrredón war der bedeutendste Künstler dieser Periode. Unter den Malern des 20. Jahrhunderts ragen die Realisten Cesareo Bernaldo de Quirós und Benito Quintela Martín, der Kubist Emilio Pettoruti sowie Raul Soldi hervor. Die Arbeiten des Bildhauers Rogelio Yrurtia sind weithin bekannt.

Die argentinische Literatur, ursprünglich aus der spanischen Literatur hervorgegangen, nahm im 19. Jahrhundert einen deutlich nationalistischen Charakter an. Zu den herausragenden Werken gehören die Dichtung Fausto (1866) von Estanisláo del Campo, eine Gauchoversion der Faustlegende; Martín Fierro (1872), eine erzählende Dichtung über das Gaucholeben von José Hernández, die oftmals als das Nationalepos Argentiniens betrachtet wird, und schließlich der soziologische Essay Facundo (1845) von Domingo Faustino Sarmiento, eine Studie über das Landleben in der argentinischen Pampa.

Die argentinische Literatur des 20. Jahrhunderts brachte Werke hervor, die Weltruhm erlangten, darunter Don Segundo Sombra (1926; Das Buch vom Gaucho Sombra) von Ricardo Guiraldes; Rayuela (1963; Rayuela, Himmel-und-Hölle) von Julio Cortázar; El beso de la mujer araña (1976; Der Kuß der Spinnenfrau) von Manuel Puig, und die Geschichten von Ernesto Sábato. Eduardo Mallea, ein Romanschriftsteller, der existentialistische Themen behandelte, sowie Jorge Luis Borges, international bekannt für seine phantastischen Erzählungen, sind bedeutende zeitgenössische Schriftsteller. Zu den bekanntesten Lyrikern gehört Leopoldo Lugones, Verfasser symbolistischer und naturalistischer Verse. Zur Entwicklung des argentinischen Films siehe lateinamerikanischer Film.

Die wichtigsten Bestandteile der traditionellen argentinischen Musik sind Gaucho-Volkslieder und Volkstänze, Indiomusik aus den nördlichen Provinzen, europäisch beeinflusste und in kleinem Umfang afrikanische Musik. Der Tango, der in Buenos Aires entstand und weltweit ein beliebter Tanz wurde, ist möglicherweise Argentiniens berühmtester Beitrag zur modernen Musik. Astor Piazzolla, ein kreativer Tangokomponist und Liveinterpret des 20. Jahrhunderts, vereinigte Jazzelemente und klassische Einflüsse in seinen Arbeiten.

Sinfonien und Opern sind wichtige Bestandteile des kulturellen Lebens. Das Nationale Sinfonieorchester ist in Buenos Aires beheimatet, die Operntruppe der Stadt tritt im Colón-Theater (erbaut 1908) auf. Die Colón-Oper besitzt einen internationalen Ruf für hervorragende Leistungen. Führende Persönlichkeiten der klassischen Musik sind die drei Brüder José María Castro, Juan José Castro und Washington Castro. Alberto Williams, einer der bekanntesten argentinischen Komponisten, gründete das Konservatorium von Buenos Aires. Weltweite Anerkennung erhielten Alberto Ginasteras Sinfonien, Operetten, Ballette und seine Kompositionen für Klavier.

Ein staatlicher Postdienst steht dem gesamten Land zur Verfügung.

Das Rundfunksystem besteht aus rund 150 Rundfunk- und etwa 40 Fernsehbetrieben, die teilweise staatlich, aber auch privat geführt werden. In Argentinien werden mehr als 200 Tageszeitungen gedruckt, die wichtigsten erscheinen in Buenos Aires und sind im ganzen Land erhältlich. La Prensa und La Nación sind bekannt für ihre objektive Berichterstattung. Weitere führende Zeitungen sind Clarín und La Razón. Zahlreiche Zeitschriften, die sowohl Nachrichten und Spezialartikel beinhalten, werden in Buenos Aires herausgegeben und im ganzen Land vertrieben.

Seit 1853 ist Argentinien eine föderative Bundesrepublik. Sämtliche verfassungsmäßigen Bestimmungen wurden 1966 nach der Machtübernahme des Militärs ausgesetzt. Nach einem weiteren Militärputsch im Jahr 1976 wurde die Verfassung von 1853 erneut außer Kraft gesetzt, mit der seit 1983 regierenden zivilen Regierung jedoch wieder eingesetzt. 1994 trat eine neue Verfassung in Kraft, die 1997 letztmals geändert wurde.

Staatsoberhaupt ist der Präsident; er wird für eine Amtsperiode von vier Jahren vom Volk gewählt. Die Verfassung gestattet dem Präsidenten die Erklärung des Ausnahmezustands mit der Auflösung des Parlaments. In der Geschichte Argentiniens wurde auf diese Bestimmung häufig zurückgegriffen.

Das argentinische Parlament besteht aus einem Abgeordnetenhaus mit 257 Mitgliedern und einem Senat mit 72 Sitzen. Die Abgeordneten werden für eine vierjährige Amtsperiode vom Volk direkt gewählt, Senatoren werden für eine Amtszeit von neun Jahren von den Provinzen bestimmt. Für alle Staatsbürger über 18 Jahre besteht Wahlpflicht. Das Verhältniswahlsystem bei nationalen Wahlen wurde 1962 eingeführt.

Die Bundesgerichte umfassen den Obersten Gerichtshof, 17 Appellationsgerichte sowie Bezirks- und Ortsgerichte. Das Gerichtswesen in den Provinzen ist ähnlich aufgebaut und besteht aus dem Obersten Gerichtshof, den Appellationsgerichten sowie nachgeordneten gerichtlichen Instanzen.

Argentinien besteht aus 23 Provinzen und dem Bundesdistrikt Buenos Aires. Das ehemalige Nationalterritorium Tierra del Fuego (Feuerland) wurde 1993 zur 23. Provinz. Zudem beansprucht Argentinien einen großen Sektor der Antarktis (zwischen dem 25. Längengrad West und 74. Längengrad West) und mehrere Inseln im Südatlantik; dieser Anspruch wird jedoch von zahlreichen Ländern, einschließlich der Vereinigten Staaten, nicht anerkannt. Die Provinzen verteilen sich auf fünf Hauptgebiete: die Provinzen an der Atlantikküste (Buenos Aires, Chaco, Corrientes, Entre Ríos, Formosa, Misiones und Santa Fe), die nördlichen Provinzen (Jujuy, Salta, Santiago del Estero und Tucumán), die Zentralprovinzen (Córdoba, La Pampa und San Luis), die Provinzen in den Anden (Catamarca, La Rioja, Mendoza, Neuquén und San Juan) und die Provinzen Patagoniens (Chubut, Río Negro und Santa Cruz).

Gemäß der Verfassung wählen die Provinzen des Landes eigene Gouverneure und Parlamente. In den Perioden, in denen die Verfassung außer Kraft gesetzt war, wurden die Provinzgouverneure von der Zentralregierung ernannt.

Das politische Leben in Argentinien wird im Wesentliche von zwei Parteien bzw. Gruppierungen bestimmt: dem peronistischen Partido Justicialista (PJ) und dem Parteienbündnis Alianza. Der PJ bzw. seine Vorgängerorganisation, der Partido Laborista, entstand in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts als Partei der Peronisten, der Anhänger Juan Domingo Peróns, und versammelte als Massenbewegung vor allem die sozial Schwachen in seinen Reihen. Während der Militärdiktatur (1976-1983) zerfiel die Partei in verschiedene Flügel und Gruppierungen, konnte sich dann aber wieder konsolidieren und stellte von 1989 bis 1999 die Regierung. Der PJ hat nach eigenen Angaben etwa 4,5 Millionen Mitglieder.

Die Alianza (eigentlich Alianza para el Trabajo, la Justícia y la Educación) entstand 1997 als Gegengewicht zu dem übermächtigen PJ aus dem Zusammenschluss der sozialdemokratisch orientierten Unión Cívica Radical (UCR) und dem Linksbündnis Frente del País Solidario (Frepaso). Die UCR wurde 1890 gegründet, ist damit die älteste Partei Argentiniens und hat etwa 2,8 Millionen Mitglieder. Sie stellte von 1983 bis 1989 die Regierung und übernahm im Rahmen der Alianza 1999 erneut Regierungsverantwortung; nach nur gut zwei Jahren im Amt wurde die Alianza-Regierung jedoch wieder von einer peronistischen abgelöst.

Das argentinische Militär gehört zu den modernsten und bestausgerüsteten in Lateinamerika und hat in der Geschichte des Landes eine tragende Rolle in nationalen Angelegenheiten gespielt. Wehrpflicht besteht für alle männlichen Staatsbürger im Alter von 20 bis 45 Jahren. Die allgemeine Wehrpflicht umfasst 14 Monate. Die Armee verfügt über circa 41 400 Soldaten, die Marine über circa 17 500 Soldaten, und die Luftwaffe hat eine Stärke von etwa 12 500 Soldaten (2002).

Die Wirtschaft Argentiniens basiert vorwiegend auf der Produktion und Verarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und der Viehzucht. Auch die verarbeitende Industrie und der Bergbau wiesen in den letzten Jahrzehnten ein deutliches Wachstum auf. Argentinien ist einer der größten Rinder- und Getreideproduzenten Südamerikas, wobei die führenden Industrieunternehmen in der Fleischverpackung und der Getreideverarbeitung tätig sind. Ein Großteil der Agrarprodukte geht in den Export – Hauptabnehmerländer sind die USA und Brasilien. Argentinien verzeichnet auch im Fremdenverkehrssektor hohe Einnahmen; die Zahl der Besucher des Landes stieg 1999 gegenüber dem Vorjahr um etwa 22 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 102 042 Millionen US-Dollar (2002). Die Zahl der Erwerbstätigen liegt bei etwa 15,7 Millionen (2002). Präsident Menems Privatisierungsprogramm zu Beginn der neunziger Jahre hatte den Verlust mehrerer hunderttausend Arbeitsplätze zur Folge, die Arbeitslosenzahl stieg auf 17,8 Prozent (2002).

In der Regel produziert Argentinien genügend landwirtschaftliche Erzeugnisse, um den eigenen Bedarf zu decken und Überschüsse ins Ausland zu exportieren. Von der rund 280 Millionen Hektar großen Landfläche Argentiniens wird etwas mehr als die Hälfte als Weide für Rinder- und Schafherden genutzt, etwa 12,7 Prozent sind Waldland (2000), und etwa 4 Prozent werden zum Anbau von Feldfrüchten verwendet. Etwa 12,3 Prozent der Landfläche sind für den Ackerbau nutzbar (2001). Der größte Teil der landwirtschaftlich genutzten Flächen ist Eigentum einiger weniger Familien. Die Pampa ist die wichtigste landwirtschaftliche Zone zum Anbau von Weizen und anderen Getreidesorten. Die bewässerten Gebiete des Río Negro, der in nördlicher Richtung durch die Provinzen Mendoza, San Juan, Tucumán und Jujuy verläuft, sind ergiebige Anbauflächen für Früchte, Zuckerrohr und Weintrauben.

Von großer Bedeutung ist die Aufzucht von Rindern und deren Schlachtung, ebenso die Kühlung und Verarbeitung von Fleisch und Tierprodukten. Argentinische Pferde genießen einen hohen internationalen Stellenwert als Renn- und Polopferde. Trotz eines Rückgangs in den achtziger Jahren spielt der Rinderexport noch immer eine bedeutende Rolle im Außenhandel. Die Einnahmen durch Fleisch, Häute und Felle betragen etwa 11 Prozent der gesamten Exporteinnahmen. Argentinien war lange Zeit die führende Nation im Export von unverarbeitetem Fleisch; Fleischextrakt und konserviertes Fleisch entwickeln sich zunehmend zu Exportprodukten.

Riesige Mengen an Wolle werden produziert und exportiert. Etwa 40 Prozent aller argentinischen Schafe werden in Patagonien gezüchtet. Weizen ist das wichtigste Getreide: Argentinien gehört zu den Hauptproduzenten von Weizen in der Welt. Weitere wichtige Produkte sind Mais, Hafer und Gerste. Von Bedeutung sind außerdem Sojabohnen, Mohrenhirse, Leinsamen, Sonnenblumensamen, Zuckerrohr, Baumwolle, Kartoffeln, Reis, Mate, Erdnüsse sowie Trauben, Orangen und Grapefruits.

Der größte Teil des forstwirtschaftlich relativ wenig genutzten Waldes befindet sich in den Bergregionen. Zu den kommerziell verwerteten Hölzern gehören Ulmen und Weiden für die Zellstoffproduktion, weißes Quebrachoholz (von der Baumart Aspidosperma quebrachoblanco) als Brennstoff, rotes Quebrachoholz (von der Baumart Schinopsis balansae) als Gerbstoff und Zedern zur Möbelherstellung. Weitere ökonomisch bedeutende Hölzer sind Eichen, Araukarien, Kiefern und Zypressen.

Argentinien besitzt reiche Fischfanggründe, die jedoch aufgrund von begrenzten Absatzmöglichkeiten im Inland nicht voll ausgeschöpft werden. Der Fischfang umfasst vorwiegend Seehechte, Sardellen und Makrelen.

Argentinien besitzt verschiedene Bodenschätze wie beispielsweise Erdöl, Erdgas, Steinkohle, Eisen- und Kupfererz. Erdöl und Erdgas gehören dabei zu den wichtigsten Rohstoffen des Landes. Allein die Fördermengen an Rohöl decken praktisch den gesamten Bedarf des Landes. Die Reserven vor der Küste lassen eine Vervielfachung der Fördermengen erwarten. Darüber hinaus werden in Argentinien kleinere Mengen Gold, Silber, Blei, Zink, Zinn, Wolfram, Glimmer, Uran und Kalk abgebaut.

Ein Großteil der Industriebetriebe befindet sich im Ballungsraum Buenos Aires. Etwa 22,9 Prozent der Arbeitnehmer sind in Industrieunternehmen beschäftigt (2001). Der älteste und größte Industriezweig ist die Verpackung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln, daran schließt sich die Textilindustrie an. Weitere bedeutende Industriezweige produzieren Gummierzeugnisse (sowohl Natur- als auch synthetische Kautschukwaren), Zement, chemische Erzeugnisse, Papier, Kunststoffe und Erdölprodukte. Die Eisen- und Stahlproduktion expandiert rapide. Ein Anstieg ist auch in der chemischen Industrie und in der Automobilindustrie zu verzeichnen.

Die Währungseinheit in Argentinien ist der Argentinische Peso (nuevo peso argentino), einem Peso entsprechen 100 Centavos. Früher basierte das argentinische Währungssystem auf dem peso oro (spanisch: Goldpeso), obwohl sich keine Goldmünzen im Umlauf befanden. Der peso moneda nacional (Banknote, bestehend aus 100 Centavos) war die gebräuchliche Währung. Eine steigende Inflation in den siebziger und Anfang der achtziger Jahre führte zur drastischen Abwertung des Peso. Im Rahmen eines Programms zur Eindämmung der Inflation wurde der Peso im Juni 1985 durch eine neue Währung, den Austral (entspricht 1 000 Pesos), ersetzt. Im Januar 1992 führte man schließlich den nuevo peso argentino (Argentinischer Peso, entspricht 100 Centavos) ein, wodurch die hohen Inflationsraten gemildert werden konnten. Im Zuge der seit Ende der neunziger Jahre fortschreitenden Wirtschaftskrise mussten im Lauf des Jahres 2002 zahlreiche Banken Insolvenz anmelden.

Die 1935 gegründete Banco Central de la República Argentina ist Nationalbank und hat das alleinige Recht, Banknoten zu drucken. Sie ist seit 1949 unter staatlicher Kontrolle.

Ein weltweit hoher Bedarf an Lebensmitteln wirkt sich günstig auf die Handelsbilanz Argentiniens aus. Sowohl für den Import als auch für den Export sind Brasilien und die USA die wichtigsten Handelspartner. Weitere bedeutende Handelsbeziehungen gibt es zu den Ländern der Europäischen Union (z. B. Deutschland, Niederlande, Italien, Spanien), Japan, China, Chile und Uruguay. Der regionale Handel mit anderen lateinamerikanischen Ländern wird von der Lateinamerikanischen Handelsvereinigung gelenkt. Die Handelsbilanz ist defizitär, die Importkosten übersteigen die Erlöse aus dem Export. Hauptimportgüter sind Maschinen, elektronische Ausrüstungen, chemische Erzeugnisse, Fahrzeuge und Fahrzeugteile, Metallwaren, Brennstoffe, Papier und Holz. Hauptexportgüter sind Getreide, Ölsamen, Fleisch, Eisen, Stahl, Wolle, Häute, Milchprodukte, Nutztiere, Transportausrüstungen, Metalle, Leder und Felle.

Von 1948 bis zur Teilprivatisierung im Jahr 1992 war das argentinische Eisenbahnsystem staatlicher Betrieb. Das gesamte Schienennetz hat eine Länge von etwa 28 291 Kilometern (1999) mit verschiedenen Spurbreiten. Zwei Eisenbahnlinien durchqueren die Anden und sind an das chilenische Streckennetz angeschlossen. Weitere Eisenbahnstrecken verbinden Argentinien mit Bolivien, Paraguay, Uruguay und Brasilien. Infolge von Privatisierung und Streckenstilllegungen werden einige Gebiete des Landes nicht mehr versorgt.

Die nationale Fluggesellschaft, Aerolíneas Argentinas, wurde 1990 privatisiert. Daneben gibt es mehrere kleine Inlandsfluggesellschaften. Etwa 3 100 Kilometer der zur Verfügung stehenden Wasserwege sind schiffbar, besonders die in der Region des Río de la Plata. Das gesamte Straßennetz hat eine Länge von 215 471 Kilometern (1999), davon sind rund 14 Prozent befestigte Nationalstraßen. Ein Eisenbahntunnel durch die Anden ermöglicht seit seiner Erweiterung im Jahr 1940 einen Durchgang für Automobile.

Die meisten der 1 100 Handelsgewerkschaften sind der landesweiten Zentralgewerkschaft Confederación General del Trabajo (CGT) angegliedert. Das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren, wurde 1976 aufgehoben, 1982 allerdings wiederhergestellt. Rund drei Millionen Menschen sind gewerkschaftlich organisiert.

Die Nutzung der Wasserkraft entwickelte sich in Argentinien mit hoher Geschwindigkeit. Bedeutende Wasserkraftprojekte wurden z. B. in den siebziger und achtziger Jahren im nördlichen Patagonien durchgeführt (Yaciretá-Staudamm, Staudämme am Río Paraná und Río Uruguay). 40,8 Prozent des Strombedarfs decken Wasserkraftwerke. Kernkraftwerke liefern 6,7 Prozent und Wärmekraftwerke 52,2 Prozent der benötigten Elektrizität (2001).

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