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Aserbaidschan (Republik Aserbaidschan), transkaukasische Republik, grenzt im Norden an Russland, im Nordwesten an Georgien, im Osten an das Kaspische Meer, im Süden an den Iran und im Westen an Armenien. Die frühere Teilrepublik der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) ist heute Mitglied der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).
Das Staatsgebiet umfasst auch das Autonome Gebiet Nagorny-Karabach (Berg-Karabach, 4 400 Quadratkilometer) und als Exklave die Autonome Republik Nachitschewan (5 500 Quadratkilometer), die von Aserbaidschan durch einen armenischen Gebietsstreifen getrennt ist. Das heutige Staatsgebiet entspricht dem nördlichen Teil der historischen Region Aserbaidschan, deren südlicher Abschnitt eine iranische Provinz bildet. Die Gesamtfläche beträgt 86 600 Quadratkilometer. Hauptstadt des Landes ist Baku, ein bedeutender Hafen am Kaspischen Meer.
Aserbaidschan umfasst den Ostteil der transkaukasischen Senke mit der Niederung der Flüsse Kura und Arax. Im Norden hat das Land Anteil am Großen Kaukasus, zu dem auch der höchste Berg des Landes (Bazar Dyuzi, 4 466 Meter) gehört. Die Halbinsel Apscheron, die in das Kaspische Meer ragt, ist geologisch eine Fortsetzung des Großen Kaukasus. Im Süden erheben sich bis über 3 700 Meter hohe Bergketten des Kleinen Kaukasus mit dem vulkanischen Hochland von Karabach.
In den Niederungen und im Becken von Nachitschewan herrscht wüsten- bis steppenhaftes Klima mit geringen Jahresniederschlägen (200-300 Millimeter). In der Lenkoran-Senke im äußersten Südosten ist das Klima subtropisch geprägt; die Jahresniederschläge liegen hier über 1 500 Millimetern. Mit Hilfe ausgedehnter Kanalsysteme werden die trockenen Gebiete im Landesinneren künstlich bewässert. So leitet ein Kanal vom Mingetschaurer Stausee am Oberlauf der Kura Wasser in den Arax. Ein weiterer bringt Wasser vom Samur an der Nordgrenze Aserbaidschans zur Halbinsel Apscheron.
Der Bewaldungsgrad von Aserbaidschan beträgt 12,6 Prozent; vorherrschende Baumarten sind Eichen, Buchen und Kastanien. In diesen Wäldern finden u. a. Braunbären, Luchse, Rothirsche und Wildschweine Lebensraum. In wüsten- und steppenartigen Senken sind zahlreiche Reptilienarten verbreitet. 5,5 Prozent (2000) der Landesfläche Aserbaidschans stehen unter Naturschutz.
Aserbaidschan ist mit etwa 7,87 Millionen Einwohnern (2004) das bevölkerungsreichste Land in Transkaukasien, das außerdem Armenien und Georgien umfasst. Die Bevölkerungsdichte beläuft sich auf 91 Einwohner je Quadratkilometer. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 63,2 Jahre (2004). Mit 86 Prozent stellen die Aseri (Aserbaidschaner) die stärkste Volksgruppe. Ihr Anteil ist seit dem Beginn des Konflikts mit Armenien um Nagorny-Karabach im Jahr 1990 gestiegen. Dies liegt zum einen an der Flucht zahlreicher Aseri aus Armenien; zum anderen haben viele Russen, Armenier und Einwohner anderer Nationalitäten Aserbaidschan verlassen. Armenier, die 1989 noch 6 Prozent der Bevölkerung stellten, leben heute fast nur noch in Nagorny-Karabach. Etwa 4 Prozent der Landesbevölkerung sind Russen. Weitere ethnische Minderheiten sind Tataren, Lesgier, Kurden, Georgier, Ukrainer und Awaren.
Aserbaidschan ist die am wenigsten verstädterte der drei transkaukasischen Republiken; nur 52 Prozent der Bevölkerung leben in Städten. Größte Stadt ist die Hauptstadt Baku mit 1,71 Millionen Einwohnern (1999). Weitere Großstädte sind Giandscha (301 400) und Sumgait (281 600). 99,6 Prozent der Bevölkerung können lesen und schreiben, die Schulpflicht beträgt 11 Jahre.
Amtssprache in Aserbaidschan ist die Turksprache Aseri (Aserbaidschanisch). Sie wurde bis 1929 in arabischer, danach in lateinischer und ab 1939 in kyrillischer Schrift geschrieben. Seit 1992 gilt wieder die lateinische Schreibweise. Auch Russisch ist verbreitet, seine Bedeutung geht aber zurück. Die traditionelle Religion ist der Islam; etwa 90 Prozent der Bewohner sind Muslime (rund zwei Drittel Schiiten, ca. ein Drittel Sunniten). Unter den georgischen, armenischen und slawischen Minderheiten ist das orthodoxe Christentum verbreitet.
Aserbaidschan hat die Feiertage der Sowjetzeit durch seine eigenen ersetzt. Am 19. Januar begehen die Menschen z. B. den Tag des Gedenkens zu Ehren der Opfer des sowjetischen Einmarsches in Baku im Jahr 1990. Einer der wichtigsten traditionellen Feiertage ist Novruz bayrami, das Neujahrsfest, das am Frühlingsanfang begangen wird. Weitere Feiertage sind die zwei Unabhängigkeitstage am 28. Mai und am 18. Oktober. Der erste gedenkt der Unabhängigkeitserklärung aus dem Jahre 1918, der zweite erinnert an die Wiedererlangung der Freiheit 1991. Die Aseri begehen auch verschiedene muslimische Feiertage, von denen der wichtigste das Ende des Fastenmonats Ramadan ist. 40 Tage später ehrt Qurban bayrami, das Opferfest, die Zeit der Wallfahrt und Abrahams Bereitschaft, seinen eigenen Sohn zu opfern.
Aserbaidschan ist seit 1995 eine Präsidialrepublik. Höchstes Gesetzgebungsorgan in Aserbaidschan ist die Nationalversammlung (Madschlis) mit 125 Mitgliedern, die für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt werden. Staatsoberhaupt ist der Präsident, der nach der Verfassung den Ministerpräsidenten und die Regierung ernennt; beide müssen aber von der Nationalversammlung bestätigt werden. Aserbaidschan ist in 54 Distrikte und neun bezirksfreie Städte sowie die Autonome Republik Nachitschewan und das Autonome Gebiet Nagorny-Karabach gegliedert. Das Land ist Mitglied der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).
Wichtigster Wirtschaftssektor in Aserbaidschan ist die Industrie, die vorwiegend auf den Erdöl- und Erdgaslagerstätten im Osten des Landes basiert. Die Erdölreserven von Aserbaidschan gehören zu den umfangreichsten der Welt. Darüber hinaus werden Kupfer- und Eisenerz sowie Steinsalz abgebaut. Zu den wichtigsten Produktionszweigen gehören die Herstellung von petrochemischen Erzeugnissen, Eisen-, Stahl- und Aluminiumproduktion, Maschinenbau sowie die Verarbeitung von Baumwolle und Nahrungsmitteln.
Knapp die Hälfte der Fläche Aserbaidschans wird landwirtschaftlich genutzt. Baumwolle wird vorwiegend in der Kura-Arax-Niederung im Bewässerungsfeldbau kultiviert. In den unteren Hanglagen der Gebirge werden Getreide, Obst (vor allem Trauben) und Gemüse angebaut. Tee, Zitrusfrüchte, Reis, Tabak und Oliven sind die wichtigsten Agrarprodukte in der subtropischen Lenkoran-Senke im Südosten des Landes. Maulbeerbäume bilden die Grundlage für die Zucht von Seidenraupen. Auf Weiden im Gebirge und im Tiefland werden Schafe, Ziegen und Rinder gehalten. In den neunziger Jahren sank die Produktion aufgrund des Konfliktes um Nagorny-Karabach rapide.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 6,1 Milliarden US-Dollar (2002; Dienstleistungen 32,2 Prozent, Industrie 52,3 Prozent, Landwirtschaft 15,5 Prozent). Währung ist der Aserbaidschan-Manat (A. M.) zu 100 Gepik.
Ein Umweltbewusstsein begann sich erst in den späten achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts zu bilden, als die hohe Sterblichkeitsrate bei Säuglingen und die steigende Anzahl an Infektionskrankheiten in Aserbaidschan mit der Verwendung giftiger Entlaubungsmittel, Pestizide und Düngemittel im Baumwollanbau in Zusammenhang gebracht wurden. Der Einsatz dieser Chemikalien hat die Qualität des Bodens stark beeinträchtigt und große Flächen fruchtbaren Landes sogar unbrauchbar gemacht. Bereits seit dem 19. Jahrhundert wird das Kaspische Meer durch Ölbohrungen bei Baku verunreinigt. Damals erlangte das russische Reich die politische Kontrolle über dieses Gebiet und begann sofort mit der Förderung der Ölvorkommen. Zu Zeiten der Sowjetunion gingen die Fördermengen zurück, die Produktionsabfälle wurden jedoch nach wie vor im Kaspischen Meer verklappt. Ein weiterer Grund zur Besorgnis sind die veralteten und undichten Bohrausrüstungen.
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