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Bangladesch, amtlich Volksrepublik Bangladesch; Republik in Südasien. Das Staatsgebiet grenzt im Westen, Norden und Osten an Indien, im Südosten an Myanmar und im Süden an den Golf von Bengalen, einen Meeresarm des Indischen Ozeans. Die Gesamtfläche des Landes beträgt 147 570 Quadratkilometer. Dhaka ist die Hauptstadt von Bangladesch und zugleich die größte Stadt des Landes.
Von 1947 bis 1971 war Bangladesch eine Provinz von Pakistan. 1955 wurde der offizielle Name von Ostbengalen in Ostpakistan geändert. Am 26. März 1971 wurde die Unabhängige Republik Bangladesch ausgerufen.
Bangladesch liegt im ostbengalischen Tiefland. Die Küste am Golf von Bengalen hat eine Länge von rund 580 Kilometern.
Das Staatsgebiet wird von zahlreichen Flüssen durchzogen. Der Großteil des Landes wird von der breiten Schwemmlandebene im Bereich des Mündungsdeltas der Ströme Ganges und Brahmaputra und ihrer zahlreichen Nebenflüsse eingenommen. Diese fruchtbare Ebene wird während der Regenzeit alljährlich überflutet, weshalb sich ihre Fläche ständig verändert. Im Küstenbereich erstrecken sich die als Sundarbans bezeichneten Sumpfgebiete.
Bergland mit größeren Erhebungen ist nur im äußersten Osten (Sylhet-Berge) und Südosten (Chittagong-Berge) des Landes verbreitet, insgesamt auf weniger als 10 Prozent der Staatsfläche. An der Grenze zu Myanmar liegt der Mowdok Mual, mit 1 003 Metern der höchste Punkt von Bangladesch. Im Bereich der Ost- und Nordgrenze zu Indien ist stellenweise Hügelland entwickelt. Die erodierten Überreste zweier alter Flussterrassen, der Madhupur Tract im nördlichen und zentralen Teil des Landes und der Barind zu beiden Seiten der nordwestlichen Grenze zu Indien, erreichen eine Höhe von etwa 30 Metern.
Das Staatsgebiet wird von zahlreichen Flüssen durchzogen; sie bestimmen das Landschaftsbild von Bangladesch. Bei einigen Flüssen haben Ober-, Mittel- und Unterlauf unterschiedliche Namen. Während der sommerlichen Hauptregenzeit bei Vorherrschen des Südwestmonsuns können sich die Mündungsdeltas einzelner Flüsse vereinigen. Das gemeinsame Delta der beiden Hauptflüsse Ganges und Brahmaputra hat eine Fläche von 44 000 Quadratkilometern und zählt damit zu den ausgedehntesten Flussdeltas der Welt.
Bangladesch wird von tropischem Monsunklima geprägt. Rund 80 Prozent des Jahresniederschlages fallen während des regenbringenden Sommermonsuns, der von Mai bis Mitte Oktober vorherrscht. Der mittlere Jahresniederschlag liegt landesweit um 1 500 Millimeter, im Nordosten können in regenreichen Jahren 5 000 Millimeter erreicht werden. Die monsunalen Niederschläge werden im April/Mai und Oktober/November vereinzelt von tropischen Wirbelstürmen begleitet, die schwere Schäden anrichten können. Der Wirbelsturm vom November 1970, der mehr als 500 000 Menschenleben forderte, war eine der schlimmsten Naturkatastrophen des 20. Jahrhunderts. Ein weiterer Wirbelsturm im Bereich des Gangesdeltas forderte im April 1991 über 120 000 Menschenleben; Millionen wurden obdachlos.
In Bangladesch sind die Temperaturen ganzjährig hoch. Der Januar ist der kühlste, der Mai der wärmste Monat. In Dhaka liegt die durchschnittliche Temperatur im Januar bei 19 °C, im Mai bei 29 °C.
Der weitaus größte Teil des Landes wird von landwirtschaftlichen Nutzflächen eingenommen, bewaldete Gebiete bedecken weniger als ein Sechstel der Landesfläche. In den Chittagong-Bergen gedeiht immergrüner tropischer Bergwald, in den trockeneren Ebenen Wälder mit Laub werfenden Bäumen wie Akazien und Banyanbäumen, und im südwestlichen Teil des Landes (Sundarbans) gibt es eines der weltweit größten Mangrovenwaldgebiete mit der endemischen Baumart Sundari.
Bangladesch hat eine artenreiche Tierwelt mit 109 einheimischen Säugetierarten, 295 Vogelarten, 119 Reptilienarten, 19 Amphibienarten und rund 200 Arten von Meeresfischen und Süßwasserfischen. Bemerkenswerte Säugetiere sind Elefanten, Kragenbären, Lippenbären, Nebelparder, Bengalische Tiger, Leoparden, Rhesusaffen, Gibbons, Loris, Bantengs, Gaure, Gangesdelphine und Dugongs. Zur Vogelwelt gehören u. a. Eisvögel und die ihnen nahe verwandten Spinte, Bülbüls, Kuckucke, Drosslinge und Drongos (Sperlingsvögel), Adler (u. a. Kaiseradler, Schreiadler, Weißbauch-Seeadler), Geier, Hornvögel, Sichler, Blatthühnchen, Sittiche, Stare, Elstern, Nektarvögel und Rohrsänger. Die Reptilienfauna ist u. a. durch Krokodile, Schildkröten, Pythons und andere Schlangen (auch Giftschlangen) repräsentiert.
Rund 95 Prozent der Bevölkerung Bangladeschs sind Bengalen; der überwiegende Teil von ihnen stammt von indoarischen Völkern ab. Zu den zahlenmäßig stärksten Minderheiten gehören Chakma und Mogh; sie sind mongolischer Herkunft und leben in den Chittagong-Bergen. Das Mundavolk der Santal und die Bihari, nichtbengalische Muslime, wanderten aus Indien ein.
Bangladesch hat etwa 141 Millionen Einwohner (2004). Die Bevölkerungsdichte ist mit 1 056 Einwohnern pro Quadratkilometer eine der höchsten aller Staaten der Welt. Etwa 26 Prozent der Bevölkerung leben in Städten. Die Bevölkerung ist relativ gleichmäßig über das Land verteilt, mit Ausnahme der wenig besiedelten Chittagong-Berge und der nahezu unbewohnten Sundarbans. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 61,7 Jahren (2004).
Zu den größten Städten Bangladeschs gehören die Hauptstadt Dhaka (3,37 Millionen Einwohner), Chittagong (1,57 Millionen Einwohner), Khulna (601 000 Einwohner), Nåråyanganj (269 000 Einwohner) sowie die Stadt Rajshahi (325 000 Einwohner).
Bengali, die meistgesprochene indoarische Sprache, ist Amtssprache von Bangladesch. Sie hat eine eigene, von der Schrift des Sanskrit abgeleitete Schrift. Urdu wird von mehreren hunderttausend Menschen, von denen viele Ende der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts aus Indien einwanderten, gesprochen. Außerdem sind mehrere tibetobirmanische Sprachen verbreitet.
Zum Islam, der Staatsreligion, bekennen sich rund 87 Prozent der Bevölkerung; die meisten Muslime sind Sunniten. Etwa 12 Prozent der Bevölkerung sind Hindus, außerdem gibt es kleinere Gemeinschaften von Buddhisten, Christen und Anhängern indigener Religionen.
Weltliche Feiertage folgen dem westlichen Jahresrhythmus, die religiösen Feste jedoch dem Mondkalender. Dies erklärt, warum sie jedes Jahr auf einen anderen Tag fallen. Der bengalische Kalender legt die Jahreszeiten und Neujahr (Pahela Baishakh) fest. Ekushe February (21. Februar), auch Märtyrertag genannt, ist ein nationaler Trauertag in Gedenken an die drei Studenten, die bei einem politischen Aufstand im Jahr 1952 ums Leben kamen. Andere bedeutende Feiertage sind der Unabhängigkeitstag (26. März, Erklärung der Unabhängigkeit), der Tag der Arbeit (1. Mai) und der Siegestag (16. Dezember, tatsächliche Erlangung der Unabhängigkeit), der Nationalfeiertag von Bangladesch. Die wichtigsten muslimischen Feiertage sind Eid al-Fitr, ein dreitägiges Fest am Ende des Fastenmonats Ramzan (Ramadan), Eid al-Adha, bei dem an Abrahams Bereitschaft, seinen Sohn zu opfern, erinnert wird, und Shab-i-Barat, eine besondere Nacht, in der man um den Segen Allahs bittet. Einige Feste im Hinduismus, Buddhismus und Christentum werden auch als Feiertage begangen.
Viele Bewohner leiden an Unterernährung. Das Gesundheitswesen ist vor allem auf dem Land schwach entwickelt. Auf etwa 6 028 Einwohner kommt ein Arzt (1999). Bangladesch erhält umfangreiche Unterstützung aus dem Ausland.
In Bangladesch gibt es immer noch keine ausreichende Anzahl von Schulen und kulturellen Institutionen, obgleich die Anzahl der Einrichtungen in den siebziger Jahren wesentlich vergrößert wurde.
Das öffentliche Bildungswesen Bangladeschs folgt dem von den Briten vor 1947 erstellten Modell. Der Besuch der Grundschulen ist unentgeltlich, aber mindestens ein Drittel der Kinder wächst ohne Schulbildung auf. Der Alphabetisierungsgrad liegt bei 43,7 Prozent.
Bangladesch besitzt mehrere Universitäten; die größte ist die University of Dhaka (1921). Weitere Hochschuleinrichtungen sind die Bangladesh University of Engineering and Technology (1962), die Jahangirnagar University (1970), beide in Dhaka, die Bangladesh Agricultural University (1961) in Mymensingh, die University of Chittagong (1966) und die University of Rajshahi (1953). Zu den Colleges gehören das Bangladesh College of Textile Technology (1950) in Dhaka und das Chittagong Polytechnic Institute (1962).
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts arbeiteten viele bengalische Schriftsteller und Künstler, sowohl Hindus als auch Muslime, in der indischen Metropole Kalkutta. Der bekannteste ist der Hindu-Schriftsteller, Künstler und Philosoph Rabindranath Tagore.
Wichtige kulturelle Institutionen sind in Dhaka angesiedelt. Die Bangla Academy (1972) ist der Förderung und Entwicklung der bengalischen Sprache und Literatur gewidmet. Die größte Bibliothek des Landes ist Teil der University of Dhaka. Das Bangladesh National Museum zeigt Kunstausstellungen und archäologische Sammlungen. Das Varendra Research Museum, das der University of Rajshahi untersteht, ist ein Zentrum für archäologische, anthropologische und historische Forschungen.
Die rund 35 in Bengali und neun in Englisch erscheinenden Tageszeitungen werden vorwiegend in Dhaka verlegt. Radio und Fernsehen unterstehen der Regierung.
Zuerst als Teil Britisch-Indiens, dann Pakistans, wurde die wirtschaftliche Entwicklung des heutigen Bangladesch lange vernachlässigt. Das Land lieferte große Mengen an Agrarprodukten einschließlich der weltweit größten Erntemenge an Jute, erhielt aber kaum Investitionen für den Ausbau der Verkehrsverbindungen und den Bau von Industriebetrieben. Die Handelsbilanz ist stark defizitär.
Von den Erwerbstätigen arbeiten 62 Prozent in der Landwirtschaft, 10 Prozent in der Industrie und 24 Prozent im Dienstleistungsgewerbe. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung gehören zu den größten Problemen des Landes. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 47 563 Millionen US-Dollar (2002); dies entspricht einem BIP pro Einwohner von 350 US-Dollar.
22,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts kommen aus der Landwirtschaft (2002). Es handelt sich zumeist um Kleinbauern, die nur geringe Erträge erwirtschaften. Reis, der zwei- bis dreimal im Jahr geerntet wird, ist das Hauptanbauprodukt in allen Landesteilen und wird auf fünf Sechstel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche angebaut. Hülsenfrüchte sind nach Reis die wichtigsten Anbaufrüchte. Daneben werden noch Ölfrüchte, Weizen, Kartoffeln, Bataten (Süßkartoffeln), Zuckerrohr, Bananen, Mangos und Ananas angebaut.
Die wichtigste Exportkultur ist Jute. Sie wird in den überfluteten Gebieten des Ganges-Brahmaputradeltas angebaut. Tee wird fast ausschließlich im Nordosten, in der Gegend von Sylhet, gepflanzt. Es gibt zahlreiche Rinder und Büffel, die jedoch nicht als Schlachtvieh gezüchtet werden.
Die für den Handel bedeutenden Holzarten sind Sundari, Gewa und Teak. Bambus ist ebenfalls ein wichtiges Produkt der Forstwirtschaft. Die Fischgattung Hilsa und Garnelen sind für die Fischerei von Bedeutung. Die Fangmenge besteht vorwiegend aus Süßwasserfischen.
In Bangladesch gibt es nur wenige Bodenschätze. Erdgas, die wichtigste Energiequelle, kommt an einigen Stellen im Nordosten des Landes vor. Im Nordwesten gibt es Kohlevorkommen, im Deltagebiet große Torflagerstätten. Im Nordosten findet man Kalkstein und Tonerde.
Die verarbeitende Industrie trägt nur knapp ein Zehntel zum Bruttosozialprodukt Bangladeschs bei. Sie setzt sich vorwiegend aus nicht mechanisierten Kleinbetrieben zusammen, die insgesamt über drei Millionen Erwerbstätige beschäftigen. Die Hauptprodukte des Landes sind Juteerzeugnisse (Tauwerk und Säcke), Textilien, Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren sowie Holz-, Zuckerrohr- und Bambuserzeugnisse. Großbetriebe verarbeiten Jute und Zuckerrohr. Der Großteil der Schwerindustrie des Landes ist in der Hafenstadt Chittagong angesiedelt.
Währungseinheit ist der Taka zu 100 Paisa. Die staatlich geführte Bangladesch Bank ist die Zentralbank des Landes.
Die Hats, die einheimischen Märkte, stellen das Kernstück des Binnenhandels dar. Das Binnen- und Außenhandelsvolumen Bangladeschs ist gering. Die Hauptexportgüter sind Juteprodukte und Rohjute; weitere Ausfuhrwaren sind Bekleidung, Meeresfrüchte, Tee und Lederwaren. Importiert werden Nahrungsmittel, Grundstoffe, Brennstoffe, Maschinen und Transportausrüstungen. Die Exporte gehen in erster Linie in die Vereinigten Staaten, nach Italien, Großbritannien, Japan, Deutschland, Belgien und Singapur. Die Importe kommen vorwiegend aus den Vereinigten Staaten, Hongkong, Japan, Großbritannien, Singapur, Indien und Frankreich.
Das Land verfügt über rund 207 500 Kilometer Straßen (1999). Das Schienennetz des Landes hat eine Länge von etwa 2 800 Kilometern (1999). Der Bau der Verkehrswege gestaltet sich schwierig, und Überschwemmungen zerstören oft das gesamte Verkehrsnetz.
Der Großteil des inländischen Fracht- und Passagierverkehrs wird über Wasserstraßen abgewickelt. Die schiffbaren Wasserwege haben während der Regenzeit eine Länge von mindestens 8 050 Kilometern (4 025 Kilometer in der Trockenzeit). Der internationale Frachtverkehr wird in den Hafenstädten Chittagong und Chalna abgefertigt.
Die staatliche Luftfahrtgesellschaft Bangladesh Airlines (Biman) versieht einen nationalen und internationalen Flugdienst. Der internationale Flughafen befindet sich in Dhaka.
93,7 Prozent der Energie werden in Wärmekraftwerken erzeugt, die entweder mit Kohle, Erdgas oder Erdölprodukten betrieben werden; 6,3 Prozent werden in Wasserkraftwerken erzeugt (2001). Der Energieverbrauch Bangladeschs lag 2001 bei 14,25 Milliarden Kilowattstunden.
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