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Chile, amtlich República de Chile, Republik im Südwesten Südamerikas, die im Norden an Peru, im Osten an Bolivien und Argentinien und im Süden und Westen an den Pazifischen Ozean grenzt.
Das Land hat eine äußerste Nord-Süd-Erstreckung von 4 300 Kilometern, die durchschnittliche Breite dagegen beträgt nur 180 Kilometer. Der Süden Chiles umfasst zahlreiche Inseln und reicht bis nach Patagonien, von der Insel Chiloé bis zum Kap Hoorn, dem südlichsten Punkt des südamerikanischen Kontinents. Zu den bekannteren Inseln gehören der Chonos-Archipel, die Wellington-Insel und der westliche Teil von Feuerland. Der Küste Chiles vorgelagert liegen die Inseln San Felix und San Ambrosio, die Juan-Fernández-Inseln (mit der Robinson-Crusoe-Insel) sowie die Osterinsel und die Isla Sala y Gómez im südlichen Pazifik, die alle ebenfalls zu Chile gehören. Die Gesamtfläche des Landes beträgt 756 626 Quadratkilometer, die Bevölkerungszahl etwa 15,8 Millionen. Chile beansprucht außerdem einen Teil der Antarktis. Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Santiago mit einer Einwohnerzahl von ungefähr 4,6 Millionen Menschen (2002).
Chile hat eine sehr schmale, lang gestreckte Form und reicht über 39 Breitengrade und mehrere Klimazonen hinweg. Geprägt wird das Land durch zwei Gebirgszüge, die es in Längsrichtung durchziehen, von denen die Anden den markanteren bilden.
Chile lässt sich der Länge nach in drei topographische Zonen einteilen: die Anden (Cordillera de los Andes) im Osten; die niedrigere Küstenkordillere (Cordillera de la Costa), die im Westen am Pazifischen Ozean entlang verläuft, und das dazwischen liegende Große Längstal (Valle Longitudinal). Von Nord nach Süd lassen sich drei wesentliche geographische und klimatologische Regionen unterscheiden: die nördliche, trockene Wüstenzone in Nordchile, auch „Großer Norden” genannt; in Mittelchile eine Beckenregion mit Mittelmeerklima, als „Kleiner Süden” bekannt, und in Südchile eine niederschlagsreiche Region, der „Große Süden”, für den die inselartig aufgelösten Ausläufer der hohen Gebirgszüge prägend sind.
Die Anden sind im Norden am breitesten und verschmälern sich nach Süden zu. Im Norden bestehen sie aus mehreren Hochplateaus, die von zahlreichen Bergen mit Höhen bis zu 6 100 Metern umgeben sind. Hier befindet sich auch der mit 6 880 Metern höchste Gipfel Chiles, der Ojos del Salado. Das Plateaugebiet wird von der großen Wüste Atacama durchzogen, die ausgedehnte Salpeterfelder und reiche Vorkommen anderer Minerale (Kupfer, Borat, Iod, Sulfat, Kochsalz) enthält.
Mittelchile ist durch das Große Längstal geprägt, das eine Länge von 965 Kilometern aufweist. Das Tal mit einer Breite von 40 bis 80 Kilometern ist der am dichtesten besiedelte Teil Chiles, und die fruchtbare Region zwischen den Flüssen Aconcagua und Bío-Bío bildet sein landwirtschaftliches Herzstück. Die zentralen Anden haben hier eine geringere Breite und sind niedriger als im Norden. Die meisten wichtigen Pässe über die Anden finden sich hier ebenso wie die besten natürlichen Häfen des Landes. Nach Süden zu löst sich das Längstal in einzelne Becken auf.
Im südlichen Chile läuft das Große Längstal bei Puerto Montt im Meer aus. Die langen Inselketten vor der Küste bilden die Gipfel der nunmehr unter dem Meeresspiegel liegenden, südlichen Fortsetzung der Küstenkordillere, während die Anden im östlichen Küstenteil von zahlreichen Fjorden tief zerteilt und eingeschnitten sind. Sie übersteigen hier selten eine Höhe von 1 800 Metern. Chile liegt in einer Zone geologischer Instabilität, weshalb Erdbeben häufig vorkommen und die vulkanische Aktivität mit noch aktiven Vulkanen in Nord- und Mittelchile recht ausgeprägt ist.
Die meisten Flüsse in Chile sind relativ kurz, entspringen in den Anden und fließen von dort aus nach Westen in den Pazifischen Ozean. In Nord- und Mittelchile werden die Flüsse überwiegend vom ewigen Schnee in den Anden gespeist. Nach Süden zu nimmt die Wasserführung aufgrund der erhöhten Niederschläge zu. Die wichtigsten Flüsse des Landes sind (von Norden nach Süden) Loa, Elqui, Aconcagua, Maipo, Maule, Bío-Bío und Imperial. Obwohl die Flüsse wegen der Wasserfälle für die Schifffahrt von geringer Bedeutung sind, spielen sie für die Bewässerung und die Erzeugung von elektrischem Strom eine große Rolle. Viele der großen Seen Chiles, einschließlich des Llanquihue, konzentrieren sich auf den landschaftlich sehr schönen Seenbezirk in Südchile. Im Nordosten liegt der 2 270 Quadratkilometer große Salar de Atacama, eine ausgedehnte Salztonebene.
Wegen der enormen Längenausdehnung finden sich in Chile die verschiedensten Klimate. Im Allgemeinen sind die Temperaturen – abgesehen von den Hochgebirgsregionen – wegen der ozeanischen Einflüsse gemäßigt.
Der Norden besteht fast ausschließlich aus Wüste; diese Region zählt zu den trockensten der Welt, in den hoch gelegenen Becken im Inneren fällt oft über Jahre hinweg überhaupt kein Regen. Durch den kalten Humboldtstrom vor der Küste kommt es in Küstennähe jedoch zu häufiger Nebelbildung, die eine spärliche Vegetation ermöglicht. Das Klima hier ist gemäßigt, die jährliche Niederschlagsmenge beträgt in Antofagasta 12,7 Millimeter. Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen in Antofagasta bei 20,6 °C und in Santiago bei 19,5 °C, die Julitemperaturen bei 14 °C (Antofagasta) bzw. 8 °C (Santiago). Pro 150 Meter Höhenanstieg nehmen in den Anden die Temperaturen um etwa 1 °C ab. Die Niederschläge nehmen nach Süden immer stärker zu. In Mittelchile herrscht im nördlichen Teil ein mediterranes Klima. Hier konzentrieren sich die Regenfälle auf die Wintermonate (Mai bis Juli), sie betragen in Santiago jährlich 375 Millimeter. Die Winter sind hier allgemein mild, die Sommer relativ kühl. Die südliche Region ist kühler; hier regnet es das gesamte Jahr über. Die Niederschläge erreichen in der Nähe der Magellanstraße eine maximale Höhe von 5 800 Millimetern. Bei Punta Arenas im Süden des Landes liegt die jährliche Durchschnittstemperatur bei 6,1 °C. Starke Winde sind für die südliche Region charakteristisch.
Entsprechend seiner großen Längenausdehnung hat Chile Anteil an sehr verschiedenen Vegetationsformen mit einer jeweils sehr eigenen Pflanzenwelt und vielen Endemiten (nur in diesem Gebiet vorkommenden Arten). Im Norden finden sich Wüsten und Dornstrauchsteppen, in denen nur wenige Kakteen und Sukkulenten, Dornbüsche und andere Pflanzen gedeihen. Weiter im Süden finden sich in Küstennähe Wälder mit üppigerer Vegetation, die ihren Wasserbedarf teilweise durch die Feuchtigkeit aus dem häufig auftretenden Nebel decken. Im feuchteren Großen Längstal wächst eine strauchreiche Steppenvegetation mit u. a. verschiedenen Kakteen, Espino (einem Dornstrauch) und zahlreichen Gräsern. In größerer Höhe (etwa 500 bis 1 800 Meter) gegen die Anden hin herrschen Nadelwälder vor, in denen Araukarien mit ihren essbaren Nüssen oder Chilenische Flusszedern dominieren. Südlich von Valdivia finden sich Reste des so genannten Valdivianischen Regenwaldes, eines temperierten Regenwaldes, der durch die hohen Niederschläge und ganzjährige Frostfreiheit begünstigt ist. Hier wachsen zahlreiche Lorbeergewächse, Magnolien und bunt blühende Lianen ebenso wie üppige Krautpflanzen. Außerhalb dieses eng begrenzten Gebiets sind für Mittelchile Laub werfende Wälder charakteristisch, in denen Südbuchen dominieren; weiter nach Süden zu werden sie von immergrünen Nadelwäldern abgelöst. Im äußersten Süden herrschen wiederum Grassteppen vor. Die Höhenlagen der Anden sind durch eine eigentümliche, artenreiche Hochgebirgsvegetation gekennzeichnet.
Die Artenvielfalt der Fauna ist in Chile geringer als in anderen Teilen Südamerikas, da die Anden eine beträchtliche Barriere für Tierwanderungen darstellen. Zu den bekannteren einheimischen Säugetieren zählen Lamas, Alpakas, Vikunjas, Pumas, Andenschakale, Magellanfüchse, Pudus (kleine Trughirsche), Chinchillas sowie der sehr seltene, in großer Höhe lebende Huemul oder Andenhirsch (das Wappentier Chiles). Das Vogelleben ist recht vielfältig, die meisten größeren südamerikanischen Formen sind jedoch nicht anzutreffen; zur Avifauna gehören u. a. Chilenische Flamingos, Guanokormorane, Spottdrosseln und Chile-Pfeifenten. Neben der Forelle, die aus Nordamerika eingeführt wurde, bevölkern nur wenige Süßwasserfische die chilenischen Flüsse und Seen. In den Küstengewässern gibt es jedoch einen großen Reichtum an verschiedenen Fischen und anderen Meerestieren.
Im Vergleich zu anderen südamerikanischen Ländern ist die Bevölkerungszusammensetzung Chiles relativ homogen. Die ersten spanischen Siedler vermischten sich mit den lokal ansässigen Ethnien, vor allem mit den Araukanern. Nachkommen dieser Mischehen, die Mestizen, bilden heute 92 Prozent der Bevölkerung. Die europäische Einwanderung spielt in Chile keine so große Rolle wie in anderen Ländern Amerikas. Lediglich im 19. Jahrhundert fand eine kleine Immigrationswelle statt. Darunter befanden sich auch Deutsche, die nach der gescheiterten Revolution von 1848 auswanderten. Sie siedelten vor allem im Gebiet von Valdivia und Puerto Montt, wo inzwischen etwa 100 000 deutschstämmige Chilenen leben. Daneben gibt es im ganzen Land kleinere Bevölkerungsanteile an Italienern, Österreichern, Schweizern, Briten, Jugoslawen und Franzosen. Dennoch beträgt der rein europäische Bevölkerungsanteil nur etwa 2 Prozent. Knapp 7 Prozent der Bevölkerung sind Indianer, von denen die im Süden des Landes lebenden Mapuche die größte Gruppe bilden. Weitere, bekanntere Ethnien sind z. B. die Aymara und die Feuerländer.
Die Einwohnerzahl von Chile beläuft sich auf etwa 15,8 Millionen (2004); damit ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 21 Einwohnern pro Quadratkilometer. Neun Zehntel der Bevölkerung leben in der Zentralregion zwischen Concepción und La Serena. Das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum lag Mitte des 20. Jahrhunderts bei 2,3 Prozent; bis in die neunziger Jahre ging der Wert auf 1,7 Prozent zurück. Etwa 86 Prozent der Bevölkerung leben in Städten, ungefähr ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Landes hat ihren Wohnsitz in der Hauptstadt Santiago. Sowohl die Gemeinden im Süden als auch in der Wüstenregion im Norden sind sehr isoliert und durch weite, meist unbewohnte Landstriche vom Rest des Landes getrennt.
Zu den bedeutenden Städten in Chile zählen neben Santiago auch Concepción, Zentrum der Landwirtschaft und Industrie (215 000 Einwohner), Valparaíso, ein großer Seehafen (270 000), und Viña del Mar, ein beliebter Urlaubsort (299 000).
Die Amtssprache in Chile ist Spanisch und wird nahezu von der gesamten Bevölkerung gesprochen. Die indigene Bevölkerung spricht Indianersprachen wie Quechua, Aymara und vor allem Dialekte der Araukaner wie das Mapudungun.
Etwa 77 Prozent der chilenischen Bevölkerung sind römisch-katholischen Glaubens. Weitere 13 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Protestantismus. Es gibt ferner eine kleine jüdische Glaubensgruppe. Die Indianer üben ihre traditionellen Religionen aus. Im Jahr 1925 erfolgte die offizielle Trennung von Kirche und Staat.
In Chile feiert man am 1. Januar Neujahr. Weitere Feiertage sind Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag. Der Tag der Arbeit wird am 1. Mai abgehalten, und am 21. Mai folgt der Gedenktag der Seeschlacht von Iquique. Der katholische Feiertag Fronleichnam fällt, abhängig von Ostern, entweder in den Mai oder in den Juni. Am Feiertag von Peter und Paul am 29. Juni lässt man Boote von der Küstenstadt Valparaíso treiben, die mit Bildern des heiligen Petrus, dem Schutzheiligen der Fischer, geschmückt sind. Diese Prozession wird bereits seit 1682 alljährlich zelebriert. Am 15. August feiert man Mariä Himmelfahrt. Der Unabhängigkeitstag am 18. September gedenkt der Befreiung Chiles von der spanischen Herrschaft im Jahr 1818. Der Tag der Armee fällt auf den 19. September. Der Kolumbustag am 12. Oktober gedenkt der Ankunft der spanischen Forschungsreisenden in Amerika im Jahr 1492. Weitere Feiertage sind Allerheiligen am 1. November und Mariä Empfängnis am 8. Dezember. Chilenen kommen am 25. Dezember in den Genuss einer warmen Weihnacht, denn in der südlichen Hemisphäre ist zu dieser Zeit Sommer. Daraus entstand vielleicht auch der Brauch, die Haustür angelehnt zu lassen, um Vorübergehende zum Eintreten einzuladen und an der Krippe (Pesebre) ein Gebet zu sprechen.
In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde erstmals eine Sozialgesetzgebung erlassen, und bis in die frühen siebziger Jahre zählte das Wohlfahrtsprogramm zu den umfassendsten der Welt. Nach dem Militärputsch von 1973 wurde ein großer Teil der sozialen Absicherungsstruktur abgebaut. Die Mehrheit der Bevölkerung kann sich jedoch kostenlos in staatlichen Gesundheitszentren und Krankenhäusern medizinisch versorgen lassen. Arbeiter beziehen im Alter zumeist eine Rente, sind gegen Arbeitslosigkeit versichert und erhalten andere Vergütungen. Außerdem gibt es seit Beginn der neunziger Jahre, als fünf Millionen Menschen in Armut lebten, ein Programm zur Bekämpfung der sozialen Polarisierung.
Die Kultur und das Erziehungssystem in Chile lehnen sich überwiegend an europäische Vorbilder an. Dennoch konnte sich auch eine eigene kulturelle Tradition entwickeln, welche die Elemente der verschiedenen ethnischen Gruppen einbezieht und die durch Einflüsse der Nachbarländer mitgeprägt wurde.
Das moderne Erziehungssystem in Chile entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Heute sind 9 Schuljahre für alle Kinder zwischen sechs und 14 Jahren obligatorisch (2000), die Lehrmittelfreiheit ist garantiert. Die Schulen unterliegen der Verwaltung durch die Staatsregierung und dem damit beauftragten Erziehungsminister. 96,4 Prozent der chilenischen Bevölkerung können lesen und schreiben. Dieser Prozentsatz gehört zu den höchsten in Lateinamerika.
Zu den bekanntesten unter den 24 höheren Bildungseinrichtungen des Landes gehören die angesehene Universität von Chile (gegründet 1738) in Santiago, die Universität Concepción (1919), die katholische Universität von Chile (1888), die katholische Universität Valparaíso (1928) sowie einige technische Hochschulen.
Die wichtigen kulturellen Institutionen Chiles befinden sich in den großen Städten der Zentralregion. Dazu gehören das Nationalmuseum der Schönen Künste, das Museum für Nationalgeschichte und das Nationalmuseum für Naturgeschichte – alle in Santiago – sowie das Naturgeschichtliche Museum in Valparaíso. Die größte Bibliothek des Landes ist die Nationalbibliothek in Santiago.
In Chile dominieren zwei lebendige und stark kontrastierende Strömungen das kulturelle Leben: die kosmopolitische Kultur der wohlhabenden Stadtbevölkerung und die volkstümliche Kultur, die auf dem Land vorherrscht und überwiegend spanisch beeinflusst ist, aber auch araukanische Züge in sich trägt. Letztere zeigt sich am stärksten in der chilenischen Musik und im Tanz. Chile besitzt eine reiche und blühende literarische Tradition, worauf u. a. die beiden Literaturnobelpreisträger Gabriela Mistral und Pablo Neruda hinweisen. Während zunächst noch die Lyrik eine wichtige Position einnahm, gewann die Prosa in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Internationale Aufmerksamkeit erzielte Isabel Allende etwa mit ihren Romanen La casa de los espíritus (1982; Das Geisterhaus) und Eva Luna (1987; Eva Luna).
Chile verfügt über ein breites Spektrum moderner Kommunikationsmittel. Es erscheinen ungefähr 100 Zeitschriften und circa 60 Tageszeitungen. El Mercurio, La Nación, La Tercera und La Hora werden in Santiago herausgegeben und zählen zu den einflussreichsten Presseorganen des Landes. Das 1958 eingeführte Fernsehen wird von einem Netzwerk der Nationalregierung und mehreren unabhängigen Sendestationen betrieben. Außerdem gibt es etwa 375 Rundfunksender im ganzen Land.
Das politische System Chiles basierte bis zum Staatsstreich im Jahr 1973 auf der Verfassung von 1925. Obwohl auch danach die Verfassung nominell in Kraft blieb, wurden die meisten Klauseln mit der Begründung ausgesetzt, dadurch die Volksdemokratie und ordentliche Gerichtsverfahren garantieren zu können. Eine neue Verfassung wurde zwar 1980 verabschiedet (sie trat im folgenden Jahr in Kraft), die wesentlichen Grundgesetze aber erst 1989 hinzugefügt. Chile ist demnach eine Präsidialrepublik. Die letzte Verfassungsänderung stammt aus dem Jahr 1991. Nationalfeiertag ist der 18. September (Unabhängigkeitstag), der an die Ablösung des spanischen Generalkapitäns durch eine Junta zur Zeit der Unabhängigkeitsbestrebungen im Jahr 1810 erinnert.
Die Exekutivgewalt hält der Präsident inne; er wird alle sechs Jahre vom Volk gewählt und ernennt das Kabinett. Die ersten freien Präsidentschaftswahlen fanden 1989 statt. Eine unmittelbare Wiederwahl des Amtsinhabers ist nicht möglich.
Das Parlament (Congreso Nacional) besteht aus dem Abgeordnetenhaus, dessen 120 Mitglieder für vier Jahre gewählt werden, und dem Senat mit 47 Mitgliedern, von denen 38 frei gewählt und neun auf Lebenszeit ernannt werden (zwei davon durch den Präsidenten, drei durch das oberste Gericht und vier durch den Nationalen Sicherheitsrat). Es besteht Wahlpflicht für Bürger ab 18 Jahren.
Die höchste richterliche Gewalt wird in Chile vom Obersten Gerichtshof ausgeübt, der aus 16 Richtern besteht. Daneben gibt es im Land 17 Berufungsgerichtshöfe. Die Richter werden auf Lebenszeit vom Präsidenten und auf Empfehlung der obersten Richter ernannt. Das Verfassungsgericht ist befugt, Parteien mit antidemokratischen Zielen zu verbieten. Das chilenische Rechtssystem entstand auf Basis des französischen und des spanischen Rechtswesens.
Chile gliedert sich verwaltungsmäßig in zwölf Regionen und die Hauptstadtregion Santiago. Die Regionen sind wiederum in insgesamt 50 Provinzen unterteilt. Die Gouverneure, die den einzelnen Regionen vorstehen, sowie die Regierungsbeamten der Provinzen werden vom Präsidenten bestimmt.
Nach dem Militärputsch von 1973 wurden alle politischen Aktivitäten untersagt und bis 1977 strafrechtlich verfolgt. Politische Parteien wurden erst 1987 wieder zugelassen. Zu den wichtigsten Gruppierungen gehört die Concertación de Partidos por la Democracia (CPPD); sie besteht aus Christdemokratischer Partei (Partido Demócrata Cristiano, PDC), Sozialdemokratischer Partei (Partido por la Democracia, PPD), Sozialistischer Partei (Partido Socialista, PS) und Radikaler Sozialdemokratischer Partei (Radical Socialdemócrata, PRSD). Dieser Gruppe steht das Rechtsbündnis Alianza por Chile gegenüber, bestehend aus Nationaler Erneuerungspartei (Renovación Nacional, RN), Unabhängiger Demokratischer Union (Unión Demócrata Independiente, UDI) und einigen kleineren Parteien.
In Chile ist für alle Männer ab 18 Jahren ein einjähriger Militärdienst beim Heer oder ein zweijähriger bei Marine oder Luftwaffe Pflicht. Die Armee umfasst etwa 77 300 Soldaten, von denen 47 700 Mann beim Heer, 19 000 in der Marine und 10 600 in der Luftwaffe dienen.
In der Wirtschaft Chiles dominiert seit dem frühen 20. Jahrhundert der Abbau von Kupfer; das Land ist der größte Kupferproduzent der Welt. Das Metall bildet daher eine wichtige Grundlage für die chilenische Wirtschaft und macht einen Großteil des Exportvolumens aus. Seit den vierziger Jahren haben sich aber auch andere Bereiche des industriellen Sektors durch verschiedene Regierungsmaßnahmen stark und vielseitig entwickelt. Heute gehört Chile zu den führenden Industrienationen Lateinamerikas sowie zu den größten Rohstoffproduzenten. In den siebziger Jahren wurden große Anstrengungen unternommen, den Ertrag der vernachlässigten Landwirtschaft zu erhöhen und damit die Importabhängigkeit des Landes bei den Nahrungsmitteln herabzusetzen. Nach einem Rückgang der Getreideproduktion in den frühen achtziger Jahren hatte sich der Ertrag am Ende des Jahrzehnts wieder verbessert. Dennoch hat die Landwirtschaft insgesamt einen vergleichsweise geringen Anteil an der gesamten Wirtschaft von nur etwa 8,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, gegenüber der Industrie mit 34,3 Prozent und dem Dienstleistungsgewerbe mit 56,9 Prozent (2002). Das Bruttoinlandsprodukt beträgt insgesamt 64 153 Millionen US-Dollar (2002). Mittlerweile zählen die Wachstumsraten der chilenischen Wirtschaft zu den höchsten in ganz Südamerika.
Etwa 14 Prozent der Arbeitskräfte sind in der Landwirtschaft beschäftigt (2002). Mit Ausnahme der überwiegend im tiefen Süden durchgeführten Schafzucht konzentriert sich die landwirtschaftliche Aktivität in Chile auf das Große Längstal. Die 1960 entwickelten Programme zur Landreform dienten dazu, den Landbesitz der Großgrundbesitzer aufzuteilen. Mit Hilfe moderner Techniken ließ sich auch die Produktivität steigern. Etwa sieben Prozent der Gesamtfläche Chiles werden landwirtschaftlich genutzt.
Zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produkten zählen Weizen, Mais, Kartoffeln, Obst und Gemüse (vor allem Tomaten), Zuckerrüben, Reis und Hafer. Die Obsternte besteht im Wesentlichen aus Grapefruits, Melonen, Äpfeln, Pfirsichen, Aprikosen, Pflaumen und Kirschen. Darüber hinaus hat sich in den letzten Jahren der Weinbau etabliert. Chilenische Weine sind mittlerweile auch im Ausland gefragt. Die Schafzucht wird in Feuerland und Patagonien in großem Umfang betrieben. Der Viehbestand umfasst vor allem Schafe, Rinder, Schweine und Pferde; die Bedeutung der Geflügelzucht nimmt zu.
20,8 Prozent der chilenischen Gesamtfläche sind bewaldet (2000). Der Holzeinschlag umfasst sowohl Nadelhölzer (insbesondere Kiefern) als auch Laubhölzer wie etwa Eucalyptus. Das Holz findet Verwendung in der Bauindustrie oder dient als Grundlage für die Papierherstellung. Die Holzindustrie wurde seit Mitte der siebziger Jahre durch kräftige Investitionen gestützt und hat einen Anteil von etwa zehn Prozent am Gesamtexport.
Die Fischfangindustrie Chiles zählt zu den größten in Südamerika. Der jährliche Fang in den reichen Fischgründen des Landes umfasst 4,36 Millionen Tonnen. Zu den wichtigsten Fischen zählen Sardinen, Sardellen, Makrelen und Seehechte. In den Fischverarbeitungsfabriken wird ein Großteil des Fanges für den Vertrieb verpackt.
Chile verfügt über die größten bekannten Kupfervorkommen der Welt. Laut UN-Angaben wird der Anteil an Kupfer in chilenischen Lagerstätten auf 40 Prozent des Weltvorrates geschätzt. Das Metall nimmt den größten Stellenwert beim Export ein, der Anteil beträgt etwa 35 Prozent des jährlichen Exportvolumens. Rohöl und Erdgas (erstmalig 1945 entdeckt) werden auf Feuerland und in der Magellanstraße gewonnen. Etwa zehn Millionen Barrel Rohöl und 862 Millionen Kubikmeter Erdgas werden jährlich gefördert. Ebenfalls eine wichtige Rolle für den Bergbau Chiles ist der Abbau von Eisenerz. Die Erzminen erreichen Fördermengen von mehr als acht Millionen Tonnen pro Jahr. Darüber hinaus verfügt das Land über große Vorkommen an Nitraten, Iod, Schwefel und Kohle sowie Silber, Gold, Mangan und Molybdän. Die ehemals große Bedeutung der Salpetervorkommen in der Atacama-Region, die aufgrund des Salpetermonopols (siehe unten: Geschichte; Liberale Regierung und Kriege mit dem Ausland) für den enormen Reichtum Chiles Ende des 19. Jahrhunderts bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts sorgten – der stickstoffreiche Salpeter war damals Hauptbestandteil der Düngemittel –, ging mit der Einführung von synthetischem Stickstoffdünger auf dem Weltmarkt stark zurück.
Der industrielle Sektor beschäftigt etwa 24 Prozent der Arbeitskräfte im Land (2002). Neben der Verhüttung von Kupfer und der Erzeugung von Eisen und Stahl stehen vor allem die Metallverarbeitung, die chemische und die elektrotechnische Industrie im Vordergrund. Chile gehört zu den größten Stahlherstellern Südamerikas. Verschiedene Erdölraffinerien verarbeiten sowohl das heimische als auch das importierte Rohöl. Weitere wichtige Produktionszweige sind die Zellstoff- und Papierherstellung, die Produktion und Verarbeitung von Nahrungsmitteln (z. B. Fisch) sowie Textilindustrie (aus Baumwolle, Wolle und Synthetik). Bedeutende Industriestandorte befinden sich im Ballungsgebiet um die Hauptstadt Santiago de Chile sowie um die Städte Valparaíso, Valdivia und Concepción.
Die Strom erzeugenden Anlagen in Chile erreichen eine Gesamtkapazität von vier Millionen Kilowatt und produzieren 41,7 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr (2001). Wesentliche Grundlage stellen die Wasserkraftwerke dar. Mit Wasserkraft werden 51,5 Prozent des chilenischen Strombedarfs gedeckt.
Chiles Straßennetz erstreckt sich über 79 605 Kilometer (2001), von denen 20 Prozent asphaltiert sind. Die Eisenbahnlinien dehnen sich auf einer Länge von 4 814 Kilometern aus (1999) und beschränken sich auf die nördlichen zwei Drittel des Landes. Das wichtigste Nord-Süd-System besteht aus Strecken, welche die bedeutenden Küstenstädte verbinden und über die Anden nach Argentinien und Bolivien führen. Da das Gebiet aufgrund des gebirgigen Charakters verkehrstechnisch sehr schwierig zu erschließen ist, setzen viele Städte auf den Transport durch die Schifffahrt. Dennoch sind große Häfen selten. Zu den wichtigsten zählen diejenigen von Valparaíso, Talcahuano und Tomé (beide an der Bucht Concepción gelegen), Antofagasta, San Antonio und Punta Arenas. Der bedeutendste internationale Flughafen des Landes befindet sich nahe Santiago; weitere liegen bei Arica, Antofagasta, Puerto Montt und Punta Arenas.
Die Währungseinheit Chiles ist der Chilenische Peso (1 Peso = 100 Centavos). Der Peso wurde 1975 eingeführt und ersetzte den Escudo. Die halbautonome Zentralbank von Chile (1926 eingerichtet) fungiert als Notenbank und hat weit reichende Kompetenzen zur Regulierung der nationalen Geldpolitik. Zu den weiteren Banken des Landes gehören eine Staatsbank und eine Reihe von Handels- und Entwicklungsbanken.
Erzeugnisse aus dem Bergbau machen etwa die Hälfte des gesamten Exportvolumens machen aus. Hier stehen vor allem Kupfer und Eisen an der Spitze. Weitere wichtige Ausfuhrgüter sind Zellstoff, Papierprodukte, chemische Erzeugnisse und Industriewaren. Darüber hinaus gehen auch Erzeugnisse der Nahrungsmittelindustrie und Agrarprodukte in den Export. Zu den wesentlichen Importgütern zählen Maschinen und Kraftfahrzeuge, Lebensmittel, elektronische Anlagen, Mineralprodukte und chemische Erzeugnisse. Wichtige Handelspartner Chiles sind die USA, Japan, Brasilien, Deutschland, Argentinien und Großbritannien.
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