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Bundesrepublik Deutschland, Land in Mitteleuropa, grenzt im Norden an die Nordsee, an Dänemark und an die Ostsee, im Osten an Polen und die Tschechische Republik, im Süden an Österreich und die Schweiz und im Westen an Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Die amtliche Bezeichnung lautet Bundesrepublik Deutschland (BRD). Die Gesamtfläche des Landes beträgt 356 970 Quadratkilometer. Hauptstadt und zugleich größte Stadt Deutschlands ist Berlin.

Die maximale Ausdehnung beträgt von Norden nach Süden circa 880 Kilometer und von Westen nach Osten rund 750 Kilometer.

Deutschland gliedert sich in drei geographische Großräume – das Norddeutsche Tiefland, die Mittelgebirgszone und die Alpen mit Alpenvorland. Das Norddeutsche Tiefland wurde während der Eiszeiten des Pleistozäns überformt und wird von Moränen, Niederungen und Heidelandschaft (Lüneburger Heide) geprägt. Die Nordseeküste ist eine ausgesprochene Wattenküste; ihr sind zahlreiche Inseln vorgelagert, darunter die Ost- und die Nordfriesischen Inseln sowie Helgoland. Die Küste wird durch die Mündungen mehrerer Flüsse (u. a. Elbe, Weser und Ems) gegliedert. An das die Nordseeküste säumende Marschland schließt landeinwärts sandige Geest an. Die Ostseeküste ist im Bereich von Schleswig-Holstein als typische Fördenküste, weiter nach Osten hin als Boddenküste entwickelt. Rügen ist mit einer Fläche von 927 Quadratkilometern die größte Insel Deutschlands. Die Jungmoränenlandschaft im Hinterland der Ostseeküste umfasst im Westen zahlreiche Moore. Der nach Osten hin anschließende Mecklenburgische Höhenrücken, eine kuppige Grundmoränenlandschaft, ist überaus seenreich; einen besonders eindrucksvollen Landschaftsraum bildet die Mecklenburgische Seenplatte. Nach Süden geht dieser Landrücken in die Märkische Tiefebene über, zu der ausgedehnte Niederungen wie Spreewald, Oderbruch und Havelland gehören. Eine Altmoränenlandschaft (u. a. mit Niederlausitz, Fläming und Altmark) schließt an diese Niederungen nach Süden an. Das Norddeutsche Tiefland endet im Süden in der Bördenzone; sie umfasst mehrere vor den Mittelgebirgen gelegene lößbedeckte Gebiete (u. a. Niederrheinische Bucht, Magdeburger Börde und Leipziger Tieflandsbucht).

Die Mittelgebirgszone reicht vom Rheinischen Schiefergebirge im Westen über das Hessische Bergland, das Weser- und das Leinebergland, den Harz, das Thüringer Becken und das Fichtelgebirge bis zu den Sudeten im Osten. Vom dicht bewaldeten Fichtelgebirge gehen nach Nordwesten der Frankenwald und der Thüringer Wald, nach Nordosten das Erzgebirge und in südöstlicher Richtung der Böhmerwald mit Oberpfälzer Wald und Bayerischem Wald aus. Im südwestlichen Deutschland war der Einbruch des rund 300 Kilometer langen Oberrheingrabens von entscheidender Bedeutung für die Ausprägung der Landschaftsformen. Im Zuge der Grabenbildung entstand westlich des Rheins der Pfälzer Wald, auf der Ostseite kam es zur Bildung von Spessart, Odenwald und Schwarzwald. Das aus Schwäbischer und Fränkischer Alb bestehende Schwäbisch-Fränkische Schichtstufenland weist aufgrund des verbreitet auftretenden Kalkgesteins typische Verkarstungserscheinungen auf.

Die Donau markiert die Grenze zwischen der Schichtstufenlandschaft und dem südlich anschließenden Alpenvorland. In den Niederungen der nördlichen Bereiche dieses Naturraums sind stellenweise Moorgebiete wie das Donaumoos und fruchtbare Lößgebiete (z. B. Hallertau) entwickelt. Nach Süden hin prägen im Zuge der pleistozänen Eiszeiten entstandene Schotterflächen, Moränen und Seen das Landschaftsbild. Im äußersten Süden hat Deutschland Anteil an den Nördlichen Kalkalpen. Die Zugspitze ist mit 2 962 Metern der höchste Berg des Landes.

Mit Ausnahme des Rheins, dessen Quellgebiet in den Schweizer Alpen liegt, entspringen die längsten Flüsse Deutschlands in der Mittelgebirgszone. Auf deutschem Gebiet ist der insgesamt 1 320 Kilometer lange Rhein der längste Strom; er durchquert das Land im Südwesten und Westen auf einer Länge von 865 Kilometern. Auch die anderen Hauptströme wie Elbe, Donau und Oder sind für die Schifffahrt von großer Bedeutung. Die Süddeutschland von Westen nach Osten durchziehende Donau mündet in das Schwarze Meer, während die anderen Hauptflüsse nach Norden strömen und in die Nordsee bzw. die Ostsee münden. Ems, Weser, Elbe und Oder werden durch ein stellenweise fein verzweigtes Kanalsystem miteinander verbunden. Der Nord-Ostsee-Kanal stellt eine Verbindung zwischen beiden Randmeeren her. Der umstrittene Main-Donau-Kanal ist Teil des Binnenwasserstraßensystems zwischen dem Schwarzen Meer und der Nordsee.

Viele Seen in Deutschland sind im Zuge der Tätigkeit von Gletschern und Inlandeismassen der letzten Eiszeiten entstanden. Seenreich sind vor allem Holstein, Mecklenburg (Mecklenburgische Seenplatte) und Vorpommern sowie das östliche Alpenvorland. Die durch vulkanische Aktivität entstandenen Maarseen der Eifel stellen eine landschaftliche Besonderheit dar. Größter See des Landes ist der insgesamt 540 Quadratkilometer große Bodensee, der auch auf das Staatsgebiet von Österreich und der Schweiz übergreift; er erstreckt sich in Deutschland über 305 Quadratkilometer.

Deutschland liegt im Übergangsbereich zwischen dem ozeanisch beeinflussten Klima Westeuropas und dem kontinentalen Klima des östlichen Europa. Die nördlichen Landesteile sind aufgrund der Nähe zu Nord- und Ostsee maritimer geprägt als der Süden, in dem die Temperaturunterschiede im Jahresverlauf größer sind. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt landesweit bei 9 °C. Im Januar beträgt die mittlere Temperatur im Norden um 0 °C, im Süden etwa -2 °C; im Juli liegen die Werte bei 17 °C bzw. 19 °C. Am Funtensee im Nationalpark Berchtesgaden wurde am 25. Dezember 2001 mit -45,9 °C die tiefste Temperatur in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen registriert.

Charakteristisch für das Klima in Deutschland sind das Vorherrschen von Westwetterlagen und die Unbeständigkeit des Wetters. Aufgrund der relativ geringen Höhenlage und der Abschirmung durch Mittelgebirge ist das obere Rheintal klimatisch begünstigt.

Niederschläge fallen zu allen Jahreszeiten, Hauptregenzeit ist jedoch der Sommer. Die Jahresniederschläge reichen von etwa 500 Millimetern in den Leelagen der Mittelgebirge bis zu mehr als 2 000 Millimetern in den Hochlagen der Alpen. Im Norddeutschen Tiefland werden circa 700 Millimeter erreicht, in den windexponierten Lagen der Mittelgebirge 800 bis 1 400 Millimeter. Eine Besonderheit im Alpenvorland ist der Föhn, ein warmer Fallwind aus südlichen Richtungen.

Das Gebiet des heutigen Deutschland war vor Beginn der Siedlungstätigkeit des Menschen fast ausschließlich von Wald bedeckt; zu den wenigen unbewaldeten Lebensräumen gehörten (neben den Gewässern) Moore, Flussauen und Hochgebirgsregionen. Heute ist die natürliche Vegetation weitgehend zerstört. Wälder, die hinsichtlich Baumartenzusammensetzung und Altersklassenstruktur der Bäume mit den ursprünglichen Naturwäldern nur wenig zu tun haben, nehmen rund 31,6 Prozent der Landesfläche ein (2000); die größten Waldanteile gibt es in Bayern und Baden-Württemberg. Etwa zwei Drittel der Waldfläche sind von Fichten, Kiefern und anderen Nadelbäumen bedeckt, der Rest von Laubbäumen wie Buchen, Birken und Eichen.

Dem Waldschadensbericht 2001 zufolge sind 42 Prozent der Bäume leicht und 22 Prozent stark geschädigt. Von den Schäden betroffen sind insbesondere Eichen und Buchen, von denen nur 21 bzw. 25 Prozent als gesund gelten. Seit 1996 ist der Zustand der Waldbäume trotz deutlicher Reduktion des Schwefeldioxidausstoßes praktisch unverändert.

Durch die Zerstörung natürlicher Lebensräume wurde auch die Fauna stark beeinträchtigt. Die großen Raubtiere Braunbär und Wolf wurden bereits vor Jahrhunderten ausgerottet, in neuerer Zeit sind Wölfe allerdings in geringer Zahl wieder nach Ostdeutschland eingewandert. Versuche, Luchse und Biber wieder einzubürgern, waren gebietsweise erfolgreich. Die landbewohnende Säugetierfauna besteht zudem aus den für Mitteleuropa charakteristischen Arten von Paarhufern (Reh, Rothirsch, Wildschwein), Raubtieren (Rotfuchs, Wildkatze, Dachs und andere Marderarten), Nagetieren (Eichhörnchen, Bilche, Feldhamster, Mäuse, Wühlmäuse), Fledermäusen, Insektenfressern (Igel, Maulwurf, Spitzmäuse) und Hasentieren (Feldhase, Wildkaninchen). Aus anderen Faunenregionen sind Waschbär, Marderhund und Bisamratte eingewandert bzw. wurden eingebürgert. In der Nordsee leben Seehunde und Schweinswale.

In Deutschland sind über 250 Vogelarten als Brutvögel nachgewiesen, von denen mehr als ein Drittel gefährdet sind. Insbesondere Großvögel wie Weißstörche, Kraniche, Großtrappen, Auerhühner oder Seeadler sind nur noch selten anzutreffen, wenngleich Schutzbemühungen – etwa beim Uhu – durchaus Erfolge zeigen. Im Kulturland häufig zu beobachten sind Amsel, Buchfink, Bachstelze, Kohlmeise, Star, Haussperling, Hausrotschwanz, Ringeltaube, Stockente, Mäusebussard und Turmfalke. Eine arten- und individuenreiche Vogelwelt u. a. aus Möwen, Enten, Gänsen und Watvögeln stellt sich insbesondere zur Zugzeit an den Meeresküsten ein.

Die relativ artenarme Reptilienfauna Deutschlands besteht vor allem aus Eidechsen (u. a. Waldeidechse und Zauneidechse), Blindschleichen und Schlangen (u. a. Ringelnatter und Kreuzotter). Eine auffallende Amphibienart ist der Feuersalamander, weit verbreitet sind Grasfrösche, Wasserfrösche, Erdkröten und Molche. In den Küstengewässern von Nord- und Ostsee leben die wirtschaftlich bedeutenden Heringe, Dorsche und Schollen. Aale, Welse und Forellen bewohnen zumeist Fließgewässer, in Weihern und Seen finden sich Hechte, Karpfen und andere Speisefische.

Die Einwohnerzahl von Deutschland beträgt rund 82,42 Millionen (2004). Die mittlere Bevölkerungsdichte liegt bei 235 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Bevölkerungsdichte in den Gebieten der ehemaligen DDR ist insgesamt niedriger als die im westlichen Teil Deutschlands.

Der Anteil ausländischer Bewohner liegt bei rund 9 Prozent. Die stärkste Gruppe unter den 7,3 Millionen Ausländern stellen Türken mit knapp zwei Millionen; außerdem leben circa 750 000 Bürger aus dem ehemaligen Jugoslawien, etwa 600 000 Italiener, rund 360 000 Griechen, etwa 280 000 Polen sowie Staatsangehörige zahlreicher weiterer Länder in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Ausländer lebt bereits länger als zehn Jahre in Deutschland. Die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein (etwa 60 000 Menschen), die Friesen in Nordfriesland, Schleswig und Niedersachsen (etwa 12 000 Menschen) und die Sorben in Brandenburg und Sachsen (etwa 60 000) genießen bestimmte Sonderrechte (z. B. politischen Minderheitenschutz, Schulunterricht in der eigenen Sprache).

Die Wachstumsrate der Bevölkerung gehört zu den niedrigsten in Europa: Im Durchschnitt der Jahre 1980 bis 2001 betrug sie 0,2 Prozent; im Jahr 2004 lag sie bei 0,02 Prozent. Die Lebenserwartung beträgt bei Männern 75,6 Jahre und bei Frauen 81,7 Jahre (2004).

Die Urbanisierungsrate ist sehr hoch; 88 Prozent der Bevölkerung leben in Städten (2002). Die Hauptstadt Berlin ist mit 3,38 Millionen Einwohnern (2001) größte Stadt des Landes. Eine ganze Reihe von Regierungsbehörden hat allerdings immer noch ihren Sitz in der früheren Hauptstadt Bonn (302 000 Einwohner), einer alten Universitätsstadt am Rhein. Die größten Städte Deutschlands neben Berlin sind Hamburg (1,72 Millionen Einwohner), München (1,21 Millionen), Köln (963 000), Frankfurt/Main (647 000), Essen (595 000), Dortmund (589 000), Stuttgart (584 000) und Düsseldorf (569 000).

Die deutsche Sprache mit ihren zahlreichen Mundarten gehört zu den indogermanischen Sprachen. In einigen Regionen Schleswig-Holsteins ist Dänisch Schulsprache; in der Lausitz lebt eine Sorbisch sprechende Minderheit. Das Friesische wird im Bereich der Nordseeküste heute wieder vermehrt gesprochen.

Die Mehrzahl der Deutschen gehört den beiden christlichen Konfessionen an; etwa 26,7 Millionen sind katholisch (vor allem im Süden des Landes) und 26,3 Millionen protestantisch (2003). Daneben gibt es verschiedene kleinere, vornehmlich christlich ausgerichtete Glaubensgruppierungen, unter ihnen die orthodoxe Kirche mit rund 900 000 Angehörigen. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung sind konfessionslos. Formal sind Kirche und Staat strikt getrennt; die großen christlichen Kirchen sind allerdings in den Selbstverwaltungsorganen zahlreicher gesellschaftlicher Einrichtungen, insbesondere in den sozialen und kulturellen Bereichen vertreten und genießen innere Autonomie. Der Staat übernimmt die Einziehung der Kirchensteuer.

Durch den großen Anteil türkischer Arbeitnehmer und ihre Familien bilden die Muslime inzwischen eine große Glaubensgruppe: 3,3 Millionen Menschen bekannten sich 2003 zum Islam, von ihnen besaßen 310 000 die deutsche Staatsangehörigkeit. Die 83 jüdischen Gemeinden zählen etwa 100 000 Mitglieder.

Gesetzliche Feiertage in Deutschland sind Neujahr (1. Januar), Ostern, der Tag der Arbeit (1. Mai), Pfingsten, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, der Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober), Allerheiligen (1. November) und Weihnachten, das vom Heiligen Abend bis zum zweiten Weihnachtstag dauert. Daneben gibt es Festtage, die je nach Region variieren. Der Karneval bzw. die Fastnacht oder der Fasching werden besonders im Rheinland und in Süddeutschland, vor allem im schwäbisch-alemannischen Raum, gefeiert.

Deutschland versteht sich als Sozialstaat. Eine umfassende Sozialgesetzgebung soll gewährleisten, dass jeder Bürger ein menschenwürdiges Leben führen kann (z. B. durch Sozialhilfe) und ein gewisses Maß an Chancengleichheit herrscht (z. B. durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz). Wichtigste Säule der sozialen Sicherung ist die gesetzliche Sozialversicherung, die auf fünf Säulen ruht: der Krankenversicherung, der Pflegeversicherung, der Rentenversicherung, der Arbeitslosenversicherung und der Unfallversicherung. Finanziert werden sie durch anteilige Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie durch Zuschüsse des Bundes.

Ende 2001 bezogen rund 2,7 Millionen Personen Sozialhilfe (unter ihnen 56 Prozent Frauen), für die 21,2 Milliarden Euro aufgewendet wurden. Für 19,5 Millionen Menschen zahlte die gesetzliche Rentenversicherung 202 Milliarden Euro aus. Im Februar 1998 erreichte die Zahl der registrierten Arbeitslosen mit circa 4,8 Millionen den höchsten Stand seit dem Ende des 2. Weltkrieges; in diesem Jahr erreichte die Arbeitslosenquote einen Jahresdurchschnitt von 12,8 Prozent, und in der Folgezeit verharrte sie bei lang anhaltender wirtschaftlicher Stagnation auf hohem Niveau (2003: 10,7 Prozent). Die Bundesanstalt für Arbeit wies für 2002 Ausgaben in Höhe von 57 Milliarden Euro aus und verzeichnete dabei ein Defizit von 5,6 Milliarden Euro, das aus dem Bundeshaushalt ausgeglichen werden musste. Für Gesundheit und soziale Sicherung wurden 2001 insgesamt 681 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln ausgegeben; dies entsprach einer Sozialleistungsquote am Bruttoinlandsprodukt von 33,6 Prozent bzw. 8 277 Euro pro Einwohner. Die Quote der Sozialabgaben, die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern je zur Hälfte zu entrichten sind, erreichte 2002 durchschnittlich 42,1 Prozent des Bruttoverdienstes (Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung 19,5 Prozent, zur Krankenversicherung 14,4 Prozent, zur Pflegeversicherung 1,7 Prozent und zur Arbeitslosenversicherung 6,5 Prozent). Die dramatisch ansteigende Belastung der öffentlichen Ausgaben zur Finanzierung des Sozialsystems zeichnete sich seit Anfang der neunziger Jahre deutlich ab. Es gab zwar eine Reihe von Korrekturen in einzelnen Bereichen, energische Maßnahmen, dieser Entwicklung nachhaltig entgegenzuwirken, wurden bis Ende der neunziger Jahre jedoch nur zögerlich in Angriff genommen.

Die Kulturhoheit wird in der Bundesrepublik Deutschland von den Landesregierungen ausgeübt; sie sind für das Bildungssystem verantwortlich. Bildung, Forschung und Wissenschaft nahmen 2001 188 Milliarden Euro in Anspruch, dies entspricht 9,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Davon wurden 63 Prozent (118 Milliarden Euro) für Schulen, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen aufgewendet. Länderübergreifende Gremien wie die Kultusministerkonferenz stellen sicher, dass Schulsysteme und Anforderungen einander in zentralen Punkten entsprechen.

In Deutschland besteht für Kinder und Jugendliche eine neunjährige allgemeine Schulpflicht; der Schulbesuch ist grundsätzlich kostenlos. Der (nicht verbindliche) Besuch eines Kindergartens ist ein ergänzendes pädagogisches Angebot zur sozialen und geistigen Vorbereitung auf den Schuleintritt – und im Übrigen eine deutsche Erfindung, die in vielen Ländern Nachahmung fand.

Die Kinder besuchen ab dem festgelegten Einschulungsalter von sechs oder sieben Jahren zunächst vier Jahre lang die Grundschule. Nach Abschluss der Grundschule im Alter von etwa zehn Jahren gehen fast die Hälfte der Schüler fünf Jahre lang auf eine Hauptschule. Darauf folgt eine dreijährige Berufsausbildung, bestehend aus Lehre oder Praktikum und begleitendem Unterricht an einer Berufsschule. Circa ein Fünftel der Kinder besucht nach der Grundschule sechs Jahre lang eine Realschule mit Schwerpunkt auf kaufmännischen und berufsvorbereitenden Fächern. Nach der Realschule ist der zweijährige Besuch einer Fachoberschule möglich. Ungefähr einer von vier Schülern besucht nach der Grundschule ein Gymnasium; das dort zu erwerbende Abitur berechtigt zur Aufnahme eines Universitätsstudiums.

In den siebziger Jahren eingeleitete Reformen haben die strenge Unterscheidung zwischen den drei Schultypen gelockert, so dass einige Schüler während der Ausbildung von einem Schultyp zum anderen wechseln können. Das ebenfalls in dieser Zeit entstandene Konzept der Gesamtschule vereinigt alle drei Ausbildungswege in einer jederzeit durchlässigen Struktur. Im Schuljahr 2001/02 besuchten rund 9,9 Millionen Schüler allgemein bildende Schulen.

Eine lange Tradition hat das Hochschulwesen: die Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität (gegründet 1386) gehört zu den ältesten Universitäten Europas. Andere führende Universitäten Deutschlands sind u. a. in Berlin, Bonn, Erlangen, Frankfurt/Main, Freiburg, Göttingen, Hamburg, Leipzig, Marburg an der Lahn, München und Tübingen ansässig. Außerdem gibt es in Deutschland zahlreiche pädagogische Hochschulen, Kunsthochschulen, Musik- und Filmhochschulen, theologische Seminare sowie die Fernuniversität Hagen.

1999 lag die Zahl der Hochschulen in Deutschland bei 335; davon waren 159 Universitäten und 176 Fach- und Verwaltungshochschulen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erreichten die Ausgaben aller (öffentlichen und privaten) Hochschulen Ende 1995 rund 48,7 Milliarden DM. Die Beschäftigtenzahl lag bei 522 000, darunter waren 37 700 Professoren. Die bisher höchste jemals in Deutschland ermittelte Studentenzahl wurde im Wintersemester 2002/03 erreicht, als 1,945 Millionen Studenten an Hochschulen immatrikuliert waren. Davon waren circa 358 000 Studienanfänger; der Frauenanteil unter den Erstsemestern lag bei rund 44 Prozent.

1997 einigten sich Bund und Länder auf eine Hochschulreform, die kürzere Studienzeiten ermöglichen soll. Die Zuweisung staatlicher Mittel wird künftig daran geknüpft, wie Forschung und Lehre der Hochschule beurteilt werden. Eingeführt wurden ferner die international üblichen Bachelor- und Master-Grade.

Am 1. August 1998 trat in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Rechtschreibreform in Kraft. Bereits im Vorfeld kam es zu einer heftigen öffentlichen Kontroverse; Reformgegner konnten die vorgezogene Einführung der Reform in einzelnen Bundesländern durch Gerichtsentscheide stoppen. vAnders als in England und Frankreich, wo sich das geistige und kulturelle Leben überwiegend in London und Paris abspielt, gibt es in Deutschland traditionell viele solcher Zentren. Sie waren jahrhundertelang die Hauptstädte der zahlreichen unabhängigen deutschen Staaten, deren Herrscher Kunst, Musik, Theater und Gelehrsamkeit als Ausdruck ihrer Macht förderten. Berlin war von 1871 bis 1945 die kulturelle und politische Hauptstadt des geeinten Landes und hat diese Rolle seit 1990 wieder inne.

Institutionen wie Museen, Bibliotheken, Opernhäuser, Theater und Orchester werden von den entsprechenden Städten oder Bundesländern subventioniert. Die Ausgaben der öffentlichen Haushalte für Kunst und Kulturpflege erreichten 1999 rund 15 Milliarden DM, darunter allein 6,4 Milliarden DM für Theater und Musik sowie etwa zwei Milliarden DM für Museen und Sammlungen.

Im 2. Weltkrieg wurden viele Museen, Bibliotheken und historische Gebäude beschädigt oder zerstört, doch viele Kulturschätze blieben erhalten. Das wieder erwachte Interesse an der deutschen Geschichte vor dem 20. Jahrhundert führte zum Aufbau und zur Pflege alter Gebäude, die die Altstädte in vielen deutschen Städten neu belebten.

Die herausragenden Kunstsammlungen der Könige von Preußen befinden sich in Berlin. Die Staatlichen Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz beherbergen u. a. Sammlungen ägyptischer Kunst, Gemälde alter Meister und des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Sammlungen der bayerischen Herrscher sind in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München (Alte Pinakothek, Neue Pinakothek) untergebracht. Das Bayerische Nationalmuseum in München enthält kunsthandwerkliche Exponate und Sammlungen der Volkskunst. Das Römisch-Germanische Museum in Köln stellt antike römische Funde aus. Ein führendes Museum im Osten Deutschlands sind die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, früher im Besitz der Herrscher von Sachsen. Zu ihnen gehören eine weltberühmte Galerie alter Meister und eine schöne Porzellansammlung, beide im Zwinger, und die kunsthandwerkliche Sammlung im Grünen Gewölbe. Die Sammlungen mit antiker, nahöstlicher und islamischer Kunst der preußischen Könige gehören zu den Staatlichen Museen des ehemaligen Ostberlin. Weitere Kunstschätze befinden sich im Privatbesitz der Kirche oder adliger Familien. Bedeutende naturwissenschaftliche Sammlungen beherbergen das Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt/Main (sehr viele Ausstellungsstücke stammen aus der Grube Messel bei Darmstadt), das Technische Museum in Dresden und das Deutsche Museum in München, eines der bedeutendsten technischen Museen der Welt. Die Städtischen Museen in Frankfurt beherbergen Kunst- und Volkskunstsammlungen und eine Auswahl archäologischer und historischer Exponate. Weitere bedeutende Museen sind das Wallraf-Richartz-Museum und das Museum Ludwig in Köln mit seiner bedeutenden Sammlung moderner Kunst sowie das Museum Fridericianum in Kassel, zentraler Austragungsort der documenta.

Wichtige Forschungsbibliotheken sind die Bayerische Staatsbibliothek in München, die Deutsche Staatsbibliothek in Berlin und die Deutsche Bibliothek in Frankfurt/Main. Außerdem gibt es überall in Deutschland hervorragende Universitätsbibliotheken und zahlreiche städtische und kirchliche Leihbüchereien. 1995 gab es in Deutschland 3 982 Museen und 13 032 öffentliche Bibliotheken.

Deutschland besitzt eine große Theater- und Konzerttradition. Herausragende Opernhäuser befinden sich in Berlin, Köln, Leipzig, Dresden, Hamburg, München und Stuttgart. Das Stuttgarter Ballett ist weltbekannt. Repertoiretheater, Freiluftbühnen und Kabaretts gibt es in vielen deutschen Städten; dazu gehört das Deutsche Theater in Berlin ebenso wie die Münchner Kammerspiele oder das Berliner Ensemble. Weltberühmt sind die Berliner, die Münchner und die Bamberger Symphoniker, das Gleiche gilt für die Rundfunkorchester von München, Köln und Hamburg. Internationale Besucher erscheinen in großer Zahl zu Festspielen wie den Bayreuther Wagner-Festspielen und den Bachfestivals in Ansbach und Leipzig. 1996 engagierten sich rund 2,5 Millionen Bundesbürger in Gesangsvereinen.

Siehe deutsche Literatur; deutsche Kunst und Architektur

Die staatliche Grundordnung wird durch die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, das Grundgesetz, festgelegt, das am 24. Mai 1949 in Kraft trat und im Lauf der Zeit mehrmals abgeändert bzw. ergänzt wurde. Das Grundgesetz definiert die Bundesrepublik Deutschland als „demokratischen und sozialen Bundesstaat”. Staatsform ist die parlamentarische Demokratie mit ihrer deutlichen Gewaltenteilung (Exekutive, Legislative, Judikative) und einem ausgeprägten Parteiensystem. Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde der Geltungsbereich des Grundgesetzes auf die neuen Bundesländer ausgedehnt.

Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland ist der Bundespräsident. Er wird von der Bundesversammlung, bestehend aus den Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Anzahl von Personen, die von den Länderparlamenten bestimmt werden, für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Der Bundespräsident schlägt den Bundeskanzler vor und ernennt ihn, nachdem er vom Bundestag mit absoluter Mehrheit gewählt wurde. Auf Vorschlag des Bundeskanzlers ernennt der Bundespräsident auch die Minister der Bundesregierung; außerdem fällt die Ernennung der Bundesrichter und der Offiziere in seine Zuständigkeit. Unter bestimmten Umständen kann der Bundespräsident den Bundestag auflösen. Die Bundesregierung ist als Exekutive dem Bundestag verantwortlich und kann Gesetzentwürfe zur Beratung und Verabschiedung einbringen (Gesetzesinitiative).

Das deutsche Parlament besteht aus zwei Kammern – dem Bundestag und dem Bundesrat. Die Mitglieder des Bundestages werden in allgemeinen Wahlen für eine Amtszeit von bis zu vier Jahren gewählt; wahlberechtigt sind alle Bürger ab 18 Jahren. Die Hälfte der Bundestagsabgeordneten werden als Direktkandidaten in den Wahlkreisen gewählt, die andere Hälfte nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Eine Partei kann nur dann in den Bundestag einziehen, wenn sie mindestens 5 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigt oder wenigstens drei Direktmandate erringt (siehe Fünfprozentklausel). Die Mitglieder des Bundesrats, durch den das föderalistische System der Bundesrepublik seinen institutionellen Ausdruck findet, werden von den Länderregierungen benannt. Dabei bestimmt sich die Zahl der entsandten Ländervertreter (zwischen drei und sechs) nach der Einwohnerzahl des jeweiligen Landes.

Gesetze werden im Allgemeinen durch einfache Mehrheit im Bundestag verabschiedet. In bestimmten Bereichen, vor allem wenn sie Länderkompetenzen betreffen, bedürfen Gesetze der Zustimmung des Bundesrats, in anderen kann der Bundestag dessen Widerspruch überwinden. In strittigen Fällen zustimmungspflichtiger Gesetzesvorhaben versucht der von Bundesrat und Bundestag paritätisch besetzte Vermittlungsausschuss eine annehmbare Lösung zu finden. Ein besonderes Gewicht gewinnt der Bundesrat, wenn in ihm das politische Lager die Stimmenmehrheit stellt, das im Bundestag die Opposition bildet. Die Möglichkeit, dass hierdurch wichtige politische Entscheidungen blockiert oder lange verzögert werden können, haben einen Reformbedarf der bundesstaatlichen Ordnung deutlich gemacht. 2003 wurde deshalb eine Föderalismuskommission eingesetzt. Sie soll auch Vorschläge erarbeiten, wie die Schwerfälligkeit und Unübersichtlichkeit im Gesetzgebungsverfahren überwunden und Probleme in der Finanzverteilung zwischen Bund und Ländern gelöst werden können.

Bevor ein Gesetz in Kraft treten kann, muss es vom Bundespräsidenten, der sein rechtmäßiges Zustandekommen überprüft, unterzeichnet werden. Für Änderungen des Grundgesetzes ist eine Zweidrittelmehrheit von Bundestag und Bundesrat notwendig; bestimmte elementare Bestandteile des Grundgesetzes dürfen nicht geändert werden.

In Deutschland gelten nicht nur Gesetze, die vom Bundestag und Bundesrat verabschiedet wurden. Denn im Interesse der europäischen Einigung hat der deutsche Gesetzgeber (gemäß Artikel 23 und 24 des Grundgesetzes) eine Reihe von Hoheitsrechten an die Europäische Union (EU) übertragen und sich dadurch selbst Einschränkungen auferlegt und anerkannt, dass EU-Recht dem nationalen Recht vorgeht. So sind nationale Gesetze ungültig, wenn sie Verordnungen der EU widersprechen. Und wenn die EU Richtlinien beschlossen hat, muss der nationale Gesetzgeber diese in nationales Recht umsetzen.

Die Gewaltenteilung zwischen Legislative und Exekutive ist in der Bundesrepublik nicht vollkommen durchgeführt. So sind der Bundeskanzler und die Bundesminister auch Abgeordnete im Bundestag, und die Mitglieder des Bundesrats gehören den Länderregierungen an.

Im Unterschied zu den beiden anderen Gewalten ist die Rechtsprechung in Deutschland in der Tat völlig unabhängig. Richter sind allein dem Gesetz verpflichtet, an keine Weisungen gebunden und können – außer bei schweren Verfehlungen – nicht abgesetzt werden. Das höchste Gericht ist das Bundesverfassungsgericht mit Sitz in Karlsruhe. Es ist die höchste Instanz bei der Auslegung des Grundgesetzes. Daneben gibt es für die unterschiedlichen Zweige des Rechtswesens je eine eigene Gerichtsbarkeit, die in sechs weiteren Bundesgerichten gipfelt: dem Bundesgerichtshof, dem Bundesverwaltungsgericht, dem Bundesfinanzhof, dem Bundesarbeitsgericht, dem Bundessozialgericht und dem Bundespatentgericht. An der Spitze der Landgerichte eines jeden Bundeslandes steht das jeweilige Oberlandesgericht. Ein mehrstufiger Instanzenweg gewährleistet, dass die Rechtsprechung mehrmals überprüft werden kann. In der Zivil- und Strafgerichtsbarkeit können z. B. Amtsgericht, Landgericht, Oberlandesgericht, Bundesgerichtshof und – auf dem Weg der Verfassungsbeschwerde – Bundesverfassungsgericht zum Zuge kommen.

Wie bei der Gesetzgebung werden auch in der Rechtsprechung die nationalen Schranken zunehmend überwunden. So können deutsche Bürger in bestimmten Fällen auch internationale Gerichte anrufen (z. B. den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte) oder von ihnen zur Rechenschaft gezogen werden (z. B. vom Internationalen Strafgerichtshof).

Als föderaler Bundesstaat ist Deutschland in 16 Bundesländer gegliedert: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein sowie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Jedes Bundesland besitzt ein in allgemeinen Wahlen gewähltes Parlament, das einen Ministerpräsidenten oder Ersten Bürgermeister (Hamburg, Bremen und Berlin) als Vorsitzenden der Landesregierung bestimmt. Die Regierungen der Bundesländer verfügen über umfassende Kompetenzen, darunter das Recht, in gewissem Umfang Steuern zu erheben; außerdem fällt u. a. die Ausgestaltung der jeweils eigenen Bildungs- und Kulturpolitik und die Aufsicht über die Polizei in die Hoheit der Länder. Auf den Gebieten, die grundlegend den gesamten Staat betreffen – wie Außen-, Verteidigungs-, Währungs- und Zollpolitik –, hat jedoch der Bund die ausschließliche Gesetzgebungskompetenz. Bei sich überschneidenden Interessenlagen, in denen das Bedürfnis einer einheitlichen Regelung besteht, kann sich der Bund durch eine „konkurrierende Gesetzgebung” durchsetzen („Bundesrecht bricht Landesrecht”). Über die Institution des Bundesrats wirken die Länder zugleich maßgeblich an der Bundesgesetzgebung mit.

Die Bundesländer sind in Regierungsbezirke (nur die größeren Bundesländer), Landkreise, kreisfreie Städte und Gemeinden gegliedert; alle Ebenen sind nach den Grundsätzen der parlamentarisch-demokratisch verfassten Selbstverwaltung organisiert. So besitzen alle Bundesländer eigene Parlamente, die den Ministerpräsidenten des Landes wählen, die Landesregierung kontrollieren und Landesgesetze verabschieden. Das alleinige Gesetzgebungsrecht haben die Länder u. a. in der Gestaltung der Länderverfassungen (die dem Grundgesetz nicht widersprechen dürfen) und ihrer Haushalte, im Kommunalrecht, im Polizei- und Ordnungsrecht sowie im Kulturbereich. Eigene Gerichte, darunter auch Landesverfassungsgerichte, gewährleisten den Rechtsfrieden. Um einheitliche Lebensbedingungen im gesamten Bundesgebiet herzustellen, erfolgt ein Finanzausgleich zwischen Bund, Ländern und Gemeinden.

Die Parteien organisieren die politische Macht auf allen Ebenen der Gesellschaft. Nach dem Grundgesetz (Artikel 21) wirken sie an der Willensbildung mit. In der politischen Wirklichkeit sind sie jedoch zu deren Hauptträgern geworden, begrenzt oder kontrolliert allenfalls von den Medien, Interessenverbänden und anderen gesellschaftlichen Organisationen (z. B. Bürgerinitiative). Nach dem Demokratiegebot des Grundgesetzes müssen die Parteien demokratisch organisiert sein und dürfen keine verfassungsfeindlichen Ziele verfolgen. Das Parteiengesetz enthält die rechtlichen Grundlagen für die Arbeit der Parteien.

Zu den wichtigsten Parteien in Deutschland gehören die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die Christlich-Demokratische Union (CDU), die Christlich-Soziale Union (CSU), Bündnis 90/Die Grünen, die Freie Demokratische Partei (FDP) und die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS).

Die bürgerliche CDU ist in Bayern nicht vertreten; dort ist stattdessen die eng mit ihr verbundene CSU aktiv. Beide Parteien, 1945 gegründet, bilden im Deutschen Bundestag eine Fraktionsgemeinschaft. Im Ahlener Programm der CDU wurden zunächst dezidiert sozialistische Grundsätze formuliert (betriebliche Mitbestimmung, Verstaatlichung von Schlüsselindustrien), nach 1947 setzten sich die konservativen Kräfte in der Partei durch. Die 1875 gegründete SPD vollzog 1959 mit ihrem Godesberger Programm die endgültige Abkehr von marxistischen Idealen und wandelte sich unter der Wertvorstellung des „Demokratischen Sozialismus” von der Klassenpartei zu einer in der modernen Bürgergesellschaft mehrheitsfähigen Volkspartei.

Ausschlaggebend für die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag war oft die 1948 gegründete, neoliberal orientierte FDP. Als Juniorpartner bildete sie zusammen mit CDU und CSU von 1949 bis 1953 und von 1961 bis 1966 christlichliberale Koalitionsregierungen, mit der SPD von 1969 bis 1982 sozialliberale. 1982 wechselte sie wieder die Seite und beteiligte sich bis 1998 erneut an einer CDU-geführten Regierung. Die aus den zahlreichen Bürgerbewegungen der achtziger Jahre sowie der Friedens- und Umweltbewegung hervorgegangene Partei Die Grünen zog 1983 erstmals in den Bundestag ein. 1990 vereinigte sie sich mit den ostdeutschen Grünen, und 1993 schloss sie sich mit der ostdeutschen Bürgerrechtspartei Bündnis 90 zu Bündnis 90/Die Grünen zusammen. Nach den Bundestagswahlen von 1998 bildete Bündnis 90/Die Grünen mit der SPD eine Koalitionsregierung, die nach den Wahlen von 2002 fortgesetzt wurde.

Nach dem Zusammenbruch der Regierung der DDR 1989 bildete sich als Nachfolgeorganisation der Sozialistischen Einheitspartei (SED) die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) heraus. Sie konnte sich in den neuen Bundesländern als Oppositionspartei profilieren und dort Wahlerfolge erzielen. Dort beteiligte sie sich auch an SPD-geführten Koalitionsregierungen (Mecklenburg-Vorpommern, Berlin). In Westdeutschland gelang es ihr dagegen nicht, Fuß zu fassen. Nach den Bundestagswahlen 2002 war sie im Bundestag nur noch durch zwei Abgeordnete vertreten, die in Berlin ein Direktmandat errungen hatten.

Im Zuge der Westintegration der Bundesrepublik wurde 1955 die Bundeswehr gegründet und in die Streitkräfte der NATO integriert. In der DDR bestand bis 1989 die Nationale Volksarmee (NVA), die ihrerseits in den Warschauer Pakt eingebunden war. Die Hauptaufgabe der Bundeswehr besteht nach Artikel 87a des Grundgesetzes in der militärischen Landesverteidigung. Nur im Fall des Notstands darf sie unter bestimmten Voraussetzungen auch im Innern militärisch eingesetzt werden. Seit Anfang der neunziger Jahre beteiligt sich die Bundeswehr an friedenssichernden Maßnahmen im Rahmen internationaler Missionen der Vereinten Nationen. Direkt an Kriegshandlungen beteiligt war sie erstmals im Luftkrieg der NATO gegen Jugoslawien im Kosovo-Konflikt 1999.

Es besteht eine allgemeine Wehrpflicht. Wehrpflichtig sind alle Männer zwischen 18 und 28 Jahren, der Wehrdienst dauert seit dem 1. Januar 2002 neun Monate (vorher zehn Monate). Daneben gibt es die grundgesetzlich garantierte Möglichkeit, den Dienst mit der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern; anerkannte Kriegsdienstverweigerer sind zu einem Ersatzdienst verpflichtet, der in der Regel soziale Aufgaben in öffentlichen Einrichtungen umfasst (Zivildienst).

Am 2. Januar 2001 traten erstmals in der Geschichte der Bundeswehr Frauen den – freiwilligen – Dienst mit der Waffe an. Vorher durften Frauen bei der Bundeswehr nur im Sanitäts- und Militärmusikdienst arbeiten. Im Dezember 2000 hatten Bundestag und Bundesrat die gesetzlichen Grundlagen für den gleichberechtigten Einsatz von Frauen in der Bundeswehr in allen Waffengattungen geschaffen.

Das Ende des Ost-West-Konflikts änderte die Aufgabenstellung der Bundeswehr vollständig. Ihr bisheriges Rüstungsprogramm, ihre Struktur und ihre Truppenstärke, die ganz auf eine mögliche Konfrontation mit dem – nun nicht mehr existierenden – Warschauer Pakt ausgerichtet war, erwiesen sich als überholt. Die neue internationale Rolle Deutschlands stellte neue Anforderungen an die geostrategische Ausrichtung der Bundeswehr: Vergleichbar der außenpolitischen Rolle des Militärs anderer Mächte dient sie nun auch der Sicherung der Handlungsfähigkeit Deutschlands auf der Bühne der Weltpolitik. Seit 1994 stehen die deutschen Streitkräfte für bewaffnete Friedensmissionen bereit. Zudem gab die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus seit 2001 Anlass, die Landesverteidigung faktisch aus den Grenzen des Landes und des NATO-Bündnisgebiets zu lösen („out of area”). 2003 waren die deutschen Streitkräfte – ausgestattet mit internationalen Mandaten und im Rahmen von Missionen der Vereinten Nationen, NATO oder EU – mit rund 8 000 Soldaten auf drei Kontinenten militärisch aktiv, zur Bekämpfung des Terrorismus, zur Konfliktverhütung und zur Krisenbewältigung. Der Einsatz der Bundeswehr bedarf jeweils der Genehmigung durch den Deutschen Bundestag.

Um die Bundeswehr zu einer global interventionsfähigen Einsatzarmee zu machen, wird sie in großem Umfang neu organisiert und technisch modernisiert, zugleich aber auch verkleinert. Anfang 1990 umfassten die deutschen Streitkräfte 475 000 Soldaten der Bundeswehr und 180 000 der Nationalen Volksarmee der DDR. 2003 betrug die Truppenstärke Deutschlands 315 000 Mann; geplant ist eine weitere Reduzierung auf 280 000. In diesem Zusammenhang steht die Aufhebung der allgemeinen Wehrpflicht und die Schaffung einer Berufsarmee zur Diskussion.

Mit der Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland im Oktober 1990 wurde auch der Zusammenschluss der beiden unterschiedlichen Wirtschaftssysteme (Planwirtschaft, soziale Marktwirtschaft) eingeleitet. Die erforderlichen Umstrukturierungen brachten zum Teil schmerzliche Prozesse in Gang. Allein der massive Stellenabbau im Zuge der Privatisierung ehemals staatseigener Betriebe hatte eine stark anwachsende Arbeitslosigkeit zur Folge, ein Problem, das in den neuen Bundesländern bis dahin nicht bekannt war. Weil die Eigentumsfrage für bestimmte Liegenschaften nicht geklärt war, kam es zur Verzögerung notwendiger privater Investitionen – in manchen Fällen blieben sie sogar ganz aus. Trotz einiger Anstrengungen (z. B. Transferzahlungen, Steuerbegünstigungen) ließ sich in den neuen Bundesländern ein wirtschaftlicher Aufschwung im erhofften Maß nicht verzeichnen. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt bestehen zwischen den alten und den neuen Bundesländern große Unterschiede. Nach Angaben des Bundesamtes für Arbeit lag die Arbeitslosenquote 1997 in den alten Bundesländern bei 11 Prozent, in den neuen Bundesländern dagegen bei 19,5 Prozent.

Die Arbeitslosenquote für die gesamte Bundesrepublik befand sich im Februar 1998 mit mehr als 12 Prozent auf dem absoluten Höchststand seit 1945. Damit waren in Deutschland offiziell 4,8 Millionen Menschen ohne Arbeit, zuzüglich einer erheblichen Dunkelziffer aus erwerbswilligen, aber nicht gemeldeten Personen. Nachdem im Sommer die Vier-Millionen-Marke unterschritten worden war, stieg die Zahl der Arbeitslosen bis Dezember 1998 wieder auf rund 4,2 Millionen an (Jahresdurchschnitt 1999: 4,1 Millionen, Quote: 9,3 Prozent). Im Dezember 2000 lag die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland bei 3,8 Millionen (Quote: 9,3 Prozent), im Dezember 2002 bei 4,2 Millionen (Quote: 10,1 Prozent).

Im Westen wie im Osten Deutschlands führten Rationalisierungsmaßnahmen zum Phänomen des „jobless growth”: Output und Unternehmensgewinne wachsen, ohne dass neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen in Deutschland liegt bei etwa 41,1 Millionen. Davon sind 60 Prozent in Dienstleistungsunternehmen, 37 Prozent in der Industrie und 3 Prozent in der Landwirtschaft beschäftigt.

Trotz der dramatischen Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt und der hohen Staatsverschuldung (1998: rund 2,2 Billionen DM) gehört die Bundesrepublik nach wie vor zu den weltweit führenden Industrienationen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 1 984 Milliarden US-Dollar (2002). Hiervon erwirtschaftet der Dienstleistungssektor 69,2 Prozent, das verarbeitende Gewerbe 22,80 Prozent, das Baugewerbe 4,14 Prozent und die Landwirtschaft 1,2 Prozent. Rechnerisch ergibt sich daraus ein BIP pro Kopf von 24 050 US-Dollar.

Die Mehrzahl der Bauernhöfe im Westen des Landes sind relativ klein; rund 75 Prozent haben eine Fläche von höchstens 20 Hektar. Sie werden von ihren Besitzern und deren Familien oft als Nebenerwerbsbetriebe bewirtschaftet. In der Landwirtschaft arbeiten rund 1,3 Millionen Menschen. Die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche betrug 1996 circa 17,3 Millionen Hektar. Gut zwei Drittel der Fläche entfallen auf Ackerland, knapp ein Drittel auf Grünland. In den letzten Jahren stellten viele Betriebe wirtschaftlich erfolgreich auf eine biologisch-dynamische Produktionsweise um und schlossen sich zum Teil alternativen Vermarktungsorganisationen an.

Die besten Anbaugebiete befinden sich am Südrand des Norddeutschen Tieflands. Angebaut werden hauptsächlich Zuckerrüben, Kartoffeln, Gerste, Weizen, Hafer und Roggen, Mais und Raps. In einigen klimatisch begünstigten Gebieten wird in Sonderkulturen Wein angebaut. Namhafte Anbaugebiete liegen u. a. in Franken, in Rheinhessen, an der Mosel und am Kaiserstuhl. Große Bestände an Rindern, Schweinen, Schafen und Geflügel werden zunehmend in spezialisierten Betrieben gezüchtet. Deutschland nimmt in der EU den ersten Rangplatz als Milcherzeugerland sowie hinsichtlich der Produktion von Schweinefleisch ein. 89 Prozent des Nahrungsbedarfs können in Deutschland durch einheimische Produkte gedeckt werden.

Forstwirtschaft und Fischerei spielen in Deutschland eine beträchtliche Rolle. Bei der Aufforstung wurden schnell wachsende Nadelhölzer bevorzugt; heute bemüht man sich allerdings, die Anteile der ökologisch wertvolleren Laubhölzer zu erhöhen. Die wirtschaftlich bedeutendsten Ressourcen befinden sich in den großen Wäldern im Südwesten; über 70 Prozent davon sind Nadelholz. Der seit den achtziger Jahren bekannte saure Regen verursachte zum Teil gravierende Waldschäden, welche die Existenzgrundlage der Forstwirtschaft lang- oder mittelfristig massiv bedrohen.

Die wichtigsten Fischereihäfen des Landes sind Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven an der Nordsee und Kiel an der Ostsee. Die Fangmenge beläuft sich auf durchschnittlich 264 691 Tonnen (2001), der überwiegende Anteil davon sind verschiedene Seefische, besonders Heringe.

Deutschland verfügt über verschiedene Bodenschätze. Steinkohle wird u. a. zur Energieerzeugung und zur Herstellung von Eisen und Stahl eingesetzt. Sie lagert vor allem in den Revieren des Ruhrgebiets und des Saarlands. Allerdings sind die Fördermengen im Lauf der Zeit stark zurückgegangen: Während 1987 noch rund 82 Millionen Tonnen Steinkohle pro Jahr gefördert wurden, waren es 1997 nur noch 47 Millionen Tonnen. Ein Grund für die sinkende Nachfrage nach Steinkohle ist der billigere Energieträger Erdöl. Nach UN-Schätzungen verfügt Deutschland über die fünftgrößten Braunkohlereserven der Welt. Sie wird z. B. im rheinischen Revier (Köln/Aachen), in der Lausitz und im mitteldeutschen Revier (Halle/Leipzig) im großen Maßstab abgebaut. Allerdings wurden auch bei der Braunkohle die Fördermengen im Lauf der Zeit zum Teil stark reduziert. Hintergrund hierfür sind u. a. die erheblichen Umweltbelastungen, die sowohl die Verbrennung (zur Energiegewinnung) als auch der Braunkohleabbau selbst mit sich bringen. Reiche Vorkommen an Kalisalzen gibt es vor allem im Südwesten um Freiburg, Steinsalzlagerstätten finden sich in Niedersachsen sowie in Bayern. Bescheidene Erdöl- und Erdgasvorkommen gibt es im Norden in der Nähe der Mündungen von Ems und Weser sowie östlich von Kiel. Deutschland besitzt darüber hinaus vergleichsweise kleine Lagerstätten an Blei- und Zinkerzen.

Ein wichtiger Bereich der deutschen Wirtschaft ist die exportorientierte Industrie mit einer Vielzahl von Produkten. Hergestellt werden vor allem Nahrungsmittel, Maschinen, chemische und elektrotechnische Erzeugnisse und Kraftfahrzeuge. In den alten Bundesländern konzentrieren sich große industrielle Unternehmen in verschiedenen Wirtschaftszentren. Der größte Industriestandort liegt in Nordrhein-Westfalen. Zu ihm gehören das Stahl produzierende Ruhrgebiet und weitere große Industriebezirke wie Aachen, Köln und Düsseldorf mit chemischer Industrie, Metallverarbeitung und Maschinen- und Kraftfahrzeugbau. Eine andere große Industrieregion liegt am Zusammenfluss von Rhein und Main. Zu ihr gehören die Städte Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und Offenbach mit Metall verarbeitender Industrie, chemischer, pharmazeutischer, Elektro- und Autoindustrie. Südlich davon erstreckt sich entlang des Rheins ein bedeutender Industriebezirk mit den Zentren Mannheim, Ludwigshafen und Karlsruhe mit chemischer Industrie, Maschinenbau und Baumaterialien. Stuttgart ist der Mittelpunkt einer Region mit Fahrzeug- und Maschinenbau sowie Elektro-, Textil- und optischer Industrie. In der Münchner Region sind Flugzeug-, Auto-, Rüstungs- und Bekleidungsindustrie, Genussmittelindustrie und zahlreiche Verlagshäuser beheimatet. Weitere Industriegebiete liegen im Nordwesten und Norden Deutschlands. Zu ihnen gehört die Region Hannover-Braunschweig mit Stahl-, Auto- und chemischer Industrie sowie die Seehäfen Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Lübeck und Kiel, die als Umschlagplätze für nationale und internationale Wirtschaftsgüter zahlreichen Industrien (z. B. Erdölraffinerien, Nahrungsmittel, Schiffbau) als Standort dienen. In Wolfsburg befindet sich mit dem Volkswagenwerk der bedeutendste deutsche Automobilhersteller.

Die alten Industriestandorte in den neuen Bundesländern stellen mit ihrer immensen Umweltverschmutzung und industriell bedingten Altlasten ein großes Problem dar. So wurden beispielsweise schon kurz nach der Wiedervereinigung zahlreiche Betriebe aufgrund ihrer Umweltverschmutzung stillgelegt. Bedeutende Industriezentren befinden sich vor allem in den Bundesländern Berlin (Elektrotechnik), Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und im südlichen Brandenburg. Viele chemische Fabriken sind in der Region von Dessau, Halle und Leipzig (Schkopau, Wolfen, Bitterfeld, Leuna) konzentriert. Eine große petrochemische Anlage in Schwedt an der Oder im Nordosten Deutschlands verarbeitet Erdöl, das über Pipelines aus Russland kommt. In zahlreichen Städten im Südwesten, vor allem in Sachsen, wird die Industrie durch den Maschinenbau geprägt. Zentren des Fahrzeugbaus sind die Städte Eisenach, Zwickau, Suhl und Ludwigsfelde. Optische Instrumente und Präzisionsgeräte werden in Jena und Görlitz hergestellt. Jena ist ein wichtiger Standort der Glasindustrie. In Rostock (Warnemünde), in Wismar und in Stralsund gibt es Werften.

Währungseinheit ist seit dem 1. Januar 2002 der Euro zu 100 Cents, der die Deutsche Mark (DM) zu 100 Pfennigen als alleiniges Zahlungsmittel ablöste. In einer (freiwilligen) Übergangsphase wurde die Deutsche Mark vom Einzelhandel bis Ende Februar 2002 noch angenommen und von Banken kostenlos in Euro umgetauscht. Später konnte die DM nur noch bei den Filialen der Landesbank umgetauscht werden; die Deutsche Mark wird zum 1. Juli 2002 ungültig.

Noten- und Zentralbank der Bundesrepublik ist die Deutsche Bundesbank, ein von der Regierung unabhängiges Institut mit Sitz in Frankfurt/Main. Die größten der zahlreichen privaten Banken Deutschlands sind Aktiengesellschaften, so z. B. die Deutsche Bank, die Dresdner Bank und die Commerzbank. Daneben gibt es viele Sparkassen und kleinere private Kreditinstitute.

Die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt/Main löste im Juni 1998 ihren Vorläufer, das Europäische Währungsinstitut (EWI), ab. Die EZB bildet zusammen mit den nationalen Zentralbanken – für die Bundesrepublik die Deutsche Bundesbank – das Europäische System der Zentralbanken (ESZB). Die Hauptaufgabe dieser Institution besteht darin, die Preisstabilität in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Währungsunion zu gewährleisten.

Deutschland ist eine bedeutende Handelsnation und nach Statistiken der GATT-Organisation (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) eines der führenden Exportländer. Von den frühen fünfziger bis Ende der achtziger Jahre hat der Erlös aus Warenexporten die Ausgaben für Importe in der Regel weit übertroffen. Die wichtigsten deutschen Exportartikel sind Maschinen, Autos, chemische Erzeugnisse, Eisen, Stahl, Textilien und Kleider. Importiert werden vor allem Rohöl und Erdölprodukte, Maschinenteile, Nahrungsmittel, chemische Erzeugnisse und Zwischenprodukte, Kleider und Fahrzeuge. Deutschland ist ein wichtiger Handelspartner der Länder der Europäischen Union sowie der Europäischen Freihandelsassoziation (European Free Trade Association, EFTA), der Vereinigten Staaten, der Schweiz, der mittel-und osteuropäischen Saaten und des asiatischen Raumes – hier vor allem Japan.

Deutschland besitzt ein hoch entwickeltes Verkehrssystem mit einem außergewöhnlich dichten Netz von Straßen und insbesondere Autobahnen. Das gesamte Straßennetz umfasst 230 735 Kilometer (1999). Im Jahr 2002 waren in Deutschland etwa 48 Millionen Personenkraftwagen zugelassen.

Das Schienennetz der 1994 aus der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn hervorgegangenen privatrechtlichen Deutschen Bahn AG hat eine Gesamtlänge von etwa 36 652 Kilometern (2000). Neben dem Personenverkehr kommt dem Gütertransport traditionell eine wichtige Rolle zu. Angesichts des dichten Straßennetzes werden jedoch tendenziell immer mehr Güter mit Lastwagen transportiert. Verbundsysteme in Form von Container-Terminals oder der „Rollenden Landstraße” (einem Huckepack-Verfahren für Schwerlastwagen) versuchen dem entgegenzusteuern. Neuartige Hochgeschwindigkeitszüge wie der ICE verkürzen in Verbindung mit neuen (teils ökologisch umstrittenen) Trassenführungen die Fahrzeiten im Personenverkehr auf langen Strecken erheblich und treten so teilweise in Konkurrenz zum Flugzeug.

Von nach wie vor großer Bedeutung für den internationalen Güterverkehr ist trotz der langen Transportzeiten die Schifffahrt. Die Heimathäfen der deutschen Handelsflotte sind Hamburg, Wilhelmshaven, Bremen, Nordenham und Emden für die Nordsee und Lübeck, Wismar, Rostock und Stralsund für die Ostsee. Der größte Seehafen ist Hamburg. Die größte Binnenwasserstraße bildet der Rhein. Weitere Binnenschifffahrtswege mit hohem Güterverkehr sind u. a. Mosel, Main und Elbe. An Kanälen sind beispielsweise der Nord-Ostsee-Kanal, der Mittellandkanal, der Dortmund-Ems-Kanal, der Elbe-Havel-Kanal und der Main-Donau-Kanal zu nennen. Der wichtigste und größte Binnenhafen ist Duisburg.

Der Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt ist der größte Flughafen Deutschlands; daneben gibt es noch weitere Großflughäfen, so z. B. in München, Berlin, Düsseldorf und Hamburg. Größte deutsche Fluggesellschaft ist die Deutsche Lufthansa AG, die zahlreiche Ziele im In- und Ausland anfliegt.

61,8 Prozent des Gesamtbedarfs Deutschlands an elektrischem Strom deckten 2001 Wärmekraftwerke. Hier werden in erster Linie Erdöl und Erdgas verfeuert. 29,9 Prozent der gesamten elektrischen Energie erzeugen Kernkraftwerke (siehe Kernenergie). Im Süden tragen Wasserkraftwerke an den großen Flüssen mit 4,2 Prozent zur Stromversorgung bei. Deutschland fördert zwar auch selbst Erdöl und Erdgas, importiert aber den größten Teil seines Bedarfs an diesen Energieträgern. Deutschland ist weltweit führend bei der Stromgewinnung aus Windkraft, auch wenn die absolute Menge der durch Wind erzeugten Energie noch gering ist.

Am 11. Juni 2001 unterzeichneten Vertreter der Bundesregierung und der Energiewirtschaft eine Vereinbarung zum schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland. Danach sollen die 19 in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke über die nächsten 20 Jahre schrittweise vom Netz genommen werden.

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