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Ghana, Republik in Westafrika. Das Staatsgebiet grenzt im Norden und Nordwesten an Burkina Faso, im Osten an Togo, im Süden an den Golf von Guinea und im Westen an die Elfenbeinküste. Die ehemalige britische Kolonie (Goldküste) war das erste von einer Mehrheit von Afrikanern regierte afrikanische Land südlich der Sahara, das in die Unabhängigkeit entlassen wurde (1957). Das Land wurde nach dem ehemaligen, weiter im Landesinneren angesiedelten Königreich von Ghana benannt, aus dem die Vorfahren der heutigen Landesbewohner eingewandert sind. Die Gesamtfläche Ghanas beträgt 238 500 Quadratkilometer. Die Hauptstadt des Landes ist Accra.
Ghana ist mit Ausnahme einer Hügelkette an der Ostgrenze ein flaches Land. An die Sandküste schließt sich die Küstenebene an, die von mehreren, im Allgemeinen nur von Kanus befahrbaren Flüssen durchzogen wird. Im Westen besteht das Gelände aus stark bewaldeten Hügeln und ist durch viele Flüsse gegliedert. Im Norden liegt eine sanft gewellte Savannenlandschaft, die vom Schwarzen und Weißen Volta entwässert wird. Beide Flüsse vereinigen sich zum Volta, der Richtung Süden durch einen Engpass zwischen beiden Hochlandzonen zum Meer fließt. Der Voltastausee im Osten ist einer der größten künstlich angelegten Seen der Welt. Die höchste Erhebung des Landes (884 Meter über dem Meeresspiegel) liegt im östlichen Hügelland.
Ghana hat tropisches Klima, aber die Temperaturen variieren mit der Entfernung von der Küste und der Höhenlage. Außer in den nördlichen Landesteilen gibt es zwei Regenzeiten (April bis Juni und September bis November). Die jährlichen Niederschläge erreichen im Norden 1 015 Millimeter und im Süden 2 030 Millimeter. Der Harmattan, ein trockener Wüstenwind, bläst von Dezember bis März aus Nordosten; er mindert die hohe Luftfeuchtigkeit und bringt heiße Tage und kalte Nächte im Norden. Im Süden ist der Einfluss des Harmattans im Januar spürbar. In den meisten Gegenden werden die höchsten Temperaturen im März, die niedrigsten Temperaturen im August gemessen. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 26,1 °C.
Etwa 4,6 Prozent (2000) der gesamten Landesfläche von Ghana sind als Schutzgebiete ausgewiesen. Große Teile der Wälder Ghanas wurden durch Rodungen für landwirtschaftliche Zwecke zerstört, so dass heute nur noch etwa 27,8 Prozent (2000) Prozent des gesamten Landes bewaldet ist. In der tropischen Regenwaldzone im Süden gibt es noch immer große Bestände an Kapokbäumen, Khayas (Afrikanischer Mahagoni) und Bossebäumen. Der Norden des Landes wird von Grasland mit vereinzelten Bäumen bedeckt. Auch die Anzahl der in Ghana lebenden Tiere hat insbesondere im Süden stark abgenommen, aber es blieb eine Vielzahl von Arten erhalten, darunter Leoparden, Hyänen, Büffel, Elefanten, Waldschweine, Antilopen, Halbaffen und Affen; an Reptilien findet man Kobras, Pythons, Puffottern und Nashornvipern.
Die Bevölkerung Ghanas setzt sich aus über 50 ethnischen Gruppen zusammen, die vorwiegend Landwirtschaft betreiben und auf Gehöften oder in kleinen Dörfern leben.
Ghana hat etwa 20,8 Millionen Einwohner (2004), woraus sich eine Bevölkerungsdichte von 90 Einwohnern pro Quadratkilometer ergibt. Die am dichtesten besiedelten Teile des Landes sind die Küstengebiete, das Ashanti-Hochland im südlich-zentralen Teil und die beiden großen Städte Accra und Kumasi. 70 Prozent der Gesamtbevölkerung leben in der südlichen Hälfte des Landes. Die zahlenmäßig stärksten ethnischen Gruppen Ghanas gehören zur Gruppe der Akan. Hierzu gehören die an der Küste lebenden Fanti und die in Mittelghana angesiedelten Ashanti. Die Nzima und Ahanta leben im Südwesten. In der Ebene um die Stadt Accra wohnen die Ga. Die meisten Bewohner der nördlichen Landesteile gehören zur Mosi-Dagomba-Gruppe der Volta-Völker und zur Gonja-Gruppe.
Größte Stadt und bedeutendes Handelszentrum ist Accra, die Hauptstadt Ghanas mit 1,69 Millionen Einwohnern (1995). Kumasi (399 000 Einwohner) ist die Hauptstadt der Region Ashanti. Der künstlich angelegte Hafen von Sekondi-Takoradi (117 000 Einwohner) ist der erste moderne Hafen des Landes. Weitere wichtige Städte sind Tamale (151 000 Einwohner), Tema (181 000 Einwohner) und Cape Coast (57 200 Einwohner).
Englisch ist Amtssprache und Unterrichtssprache. 1962 wählte die Regierung jedoch neun Nationalsprachen aus, die seither neben Englisch und Französisch im Schulwesen eingesetzt werden: Akuapem-Twi, Asante-Twi, Dagomba, Dangbe, Ewe, Fanti, Ga, Kasem und Nizima. Obwohl es Bestrebungen gibt, einzelnen regionalen Sprachen einen offiziellen Status zu verleihen, haben es die Regierungen immer vermieden, eine dieser Sprachen als offizielle Amtssprache einzuführen. Für die Kommunikation zwischen Angehörigen der verschiedenen ethnischen Gruppen wird in der Regel Englisch verwendet. Ungefähr 40 Prozent der Bevölkerung sprechen Twi, eine Akan-Sprache mit zahlreichen Dialekten. Die meisten Ghanaer beherrschen mindestens zwei Sprachen.
Ein Fünftel der Bevölkerung sind Anhänger traditioneller Religionen. 63 Prozent sind Christen (Katholiken, Anglikaner, Methodisten und Presbyterianer); sie leben vorwiegend in der Küstenregion. Die Muslime (16 Prozent) sind mehr in den nördlichen Landesteilen angesiedelt.
Feiertage sind Neujahr (1. Januar), Unabhängigkeitstag (6. März), Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit (1. Mai), Tag der Republik (1. Juli), Nationaler Tag der Landwirte (1. Dezember) sowie der 1. und der 2. Weihnachtsfeiertag. Die Einhaltung dieser gesetzlichen Feiertage ist von Region zu Region verschieden. In einigen Gebieten haben die Feiertage der örtlichen Volksgruppen oder Religionen einen weitaus höheren Stellenwert. Alle Ghanaer muslimischen Glaubens halten den Fastenmonat Ramadan ein.
Der Schulbesuch ist unentgeltlich. Es besteht Schulpflicht für 8 Jahre. Ghana hat drei wissenschaftliche Hochschulen; die University of Ghana (gegründet 1948) in Accra, die University of Science and Technology (1951) in Kumasi und die University of Cape Coast (1962). Die Einschreibungsquote an den Hochschulen betrug 2000–2001 3 Prozent der Bevölkerung im entsprechenden Alter. Der Alphabetisierungsgrad liegt bei 75,9 Prozent.
Hörfunk- und Fernsehanstalten sind staatlich; inländische Radioprogramme werden in Englisch sowie in afrikanischen Sprachen gesendet. Der Auslandsdienst verbreitet Programme in Englisch, Haussa und Französisch. 1965 wurde eine Fernsehanstalt eingerichtet.
Seit 1979 ist Ghana eine Präsidialrepublik. Mit In-Kraft-Treten der 1992 in einem Volksentscheid gebilligten Verfassung wurde ein Mehrparteiensystem eingeführt. Staatsoberhaupt ist der für eine Amtszeit von vier Jahren vom Volk gewählte Präsident. Die Amtszeit der 200 Abgeordneten des Parlaments beträgt ebenfalls vier Jahre. Der Premierminister, der Parlamentsabgeordneter sein muss, wird vom Präsidenten ernannt. Bedeutendste politische Parteien sind die New Patriotic Party (NPP) und der National Democratic Congress (NDC).
Ghana ist in zehn Regionen gegliedert: Northern, Eastern, Western, Central, Upper East, Upper West, Volta, Ashanti, Brong-Ahafo und Greater Accra. Diese Regionen sind in 110 Verwaltungseinheiten (Distrikte) unterteilt.
Die Wirtschaft Ghanas stützt sich auf wenige Produkte aus Landwirtschaft und Bergbau. 62 Prozent der Erwerbstätigen Ghanas sind in der Landwirtschaft beschäftigt. In der verarbeitenden Industrie arbeiten 10 Prozent und im Dienstleistungsgewerbe 28 Prozent. Staatliche Misswirtschaft und andere Probleme führten das Land Anfang der achtziger Jahre an den Rand des wirtschaftlichen Ruins. Drastische Wirtschaftsreformen führten zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum. Trotzdem gehört Ghana zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 6 160 Millionen US-Dollar (2002; Dienstleistungen 41,9 Prozent, Industrie 24,3 Prozent, Landwirtschaft 33,8 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 300 US-Dollar.
Das bedeutendste Agrarprodukt für den Export ist Kakao, der vorwiegend in der Ashanti-Region in Kleinbetrieben gewonnen wird. Ghana ist weltweit das drittgrößte Anbauland von Kakao. In den siebziger Jahren war die Produktion auf Grund der Überalterung der Bäume und der niedrigen Erzeugerpreise zurückgegangen. Durch Sanierungsprogramme und eine Anhebung der Erzeugerpreise stieg die Produktion in den achtziger Jahren wieder an. Weitere wichtige Exportprodukte sind Kaffee, Palmkerne, Lamynüsse, Kokosöl, Kopra (siehe Kokosnuss), Bananen, Erdnüsse, Kolanüsse, Palmöl und Tabak; im Südwesten wurden Kautschukbäume gepflanzt.
Für den Eigenbedarf werden im Süden in erster Linie Maniok, Palmkerne, Palmöl, Mais, Kochbananen, Erdnüsse und Yams produziert. Weitere Anbaufrüchte sind Ölfrüchte, Baumwolle, Tabak und Reis. Der Sheabutterbaum, aus dessen Samen die Sheabutter gewonnen wird, ist im Norden, wo auch Yams, Hirse und Mais angebaut werden, weit verbreitet. Im Nordosten werden Erdnüsse und Langbohnen angebaut. In der Küstenregion werden Kokosnüsse, Kaffee, Bananen und Zitrusfrüchte geerntet.
27,8 Prozent der Fläche Ghanas sind von Wald bedeckt. Die Ausbeutung der Waldreserven ist dem Forstgesetz (Timber Lands Act) von 1959 unterworfen. Demzufolge kann ein Gebiet mit Nutzholzbestand erst nach vollständiger Nutzung durch Rodung in landwirtschaftliches Anbaugebiet umgewandelt werden. Mit diesem Gesetz und durch die Vergrößerung der Schutzgebiete unternimmt die Regierung den Versuch, der zunehmenden Abholzung der Waldflächen für die Gewinnung von Ackerland entgegenzuwirken. Ein Großteil des Nutzholzeinschlags stammt von außerhalb der Waldschutzgebiete. Zusätzlich hat Ghana 1988 eine Kampagne für die Erhaltung seiner Wälder ins Leben gerufen (Forest Resource Management Project), die vor allem der sinnvollen Nutzung der Waldressourcen dienen soll. 1989 schränkte die Regierung von Ghana den Export von 18 Baumarten ein, und im Jahr 1994 wurde der Export unbehandelter Rohholzstämme gänzlich verboten.
Die Fischereiwirtschaft nahm seit den sechziger Jahren einen starken Aufschwung. Etwa zehn Prozent der Fangmenge sind Süßwasserfische (insbesondere aus dem Voltastausee). In Sekondi-Takoradi und Tema gibt es große Fischmärkte.
Die wichtigsten Bodenschätze Ghanas sind Gold, Silber, Eisen, Manganerze, Bauxit und Diamanten. Außerdem existieren kleinere Vorkommen an Erdöl, Erdgas, Beryll, Kolumbit-Tantalit und Chrom.
Ghana hat im Vergleich zu den meisten afrikanischen Ländern eine relativ gut entwickelte Industrie. Die Betriebe sind im Allgemeinen klein. Es gibt zahlreiche Druckereien und Verlage sowie eine Reihe von Sägewerken und Möbelherstellern. In größerem Umfang werden vorwiegend Bier, Zigaretten, nichtalkoholische Getränke, Speiseöle, Nägel, Sauerstoff und Acetylen sowie Aluminiumfolien produziert. In Tema, einem wichtigen Industriestandort und Hafen östlich von Accra, ist eine Erdölraffinerie angesiedelt. Eine Aluminiumhütte, die mit Energie aus den Wasserkraftwerken am Volta versorgt wird, produziert große Mengen an Metall. Weitere Industrieprodukte sind Textilien, Schuhe, Eisen und Stahl, Zucker, Mehl und Glas. Mitte der achtziger Jahre wurde ein groß angelegtes Privatisierungsprogramm eingeleitet.
Die Bank of Ghana (gegründet 1957) ist die Zentralbank und zugleich die Notenbank des Landes. Währungseinheit ist seit 1967 der Cedi, bestehend aus 100 Pesewas. Nach mehreren Geldentwertungen zwischen 1981 und 1983 wurde der neue Cedi eingeführt. Es gibt drei Handelsbanken. Die National Investment Bank (gegründet 1963) gewährt Privatunternehmen und öffentlichen Körperschaften Entwicklungsdarlehen.
Ghanas Hauptexportgüter sind Gold, Kakao und Nutzholz. Importiert werden in erster Linie Rohstoffe, Maschinen und Nahrungsmittel. Seit der Unabhängigkeit ist die Handelsbilanz im Allgemeinen defizitär. Wichtigste Handelspartner sind Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Japan und Deutschland.
Ghana verfügt über ein Eisenbahnnetz mit einer Schienenlänge von 953 Kilometern. Die Hauptlinien bilden in etwa ein Dreieck und verbinden Sekondi-Takoradi, Accra und Kumasi.
Das Straßennetz des Landes hat eine Länge von 46 179 Kilometern; davon sind 38 Prozent Fernstraßen. Die beiden wichtigsten Häfen des Landes sind Tema und Sekondi-Takoradi.
Der internationale Flughafen Kotoka liegt bei Accra. In Sekondi-Takoradi, Kumasi, Sunyani und Tamale liegen die kleineren Flughäfen; die internationalen Fluggesellschaften bieten Linienflüge nach Accra an. Die nationale Fluggesellschaft Ghana Airways bietet einen nationalen und internationalen Flugdienst.
Die erste Phase des Wasserkraftprojekts am Volta war 1966 beendet. Ende der siebziger Jahre wurde stromabwärts in Kpong ein zweiter Staudamm gebaut. Ghana deckt 95 Prozent seines Energiebedarfs aus Wasserkraft. Im Mittelpunkt stehen hierbei zwei Wasserkraftwerke am Volta. Ein nicht unbedeutender Teil dieser Energie wird exportiert.
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