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Guatemala (Republik), amtlich República de Guatemala, Republik in Zentralamerika, die im Westen und Norden an Mexiko, im Osten an Belize und an den Golf von Honduras (einen Meeresarm des Karibischen Meeres), im Südosten an Honduras und El Salvador und im Süden an den Pazifischen Ozean grenzt. Guatemala hat eine Gesamtfläche von 108 889 Quadratkilometern; Hauptstadt ist die gleichnamige Stadt Guatemala.

Fast zwei Drittel Guatemalas werden von Gebirgen eingenommen, wovon der Großteil vulkanischen Ursprungs ist. Im Süden liegt die Sierra Madre, die das Land in Ost-West-Richtung durchzieht. Sie teilt Guatemala in zwei Naturräume unterschiedlicher Größe. Das relativ schmale, sehr fruchtbare und dicht besiedelte Pazifiktiefland wird ausreichend mit Wasser versorgt. Die dünn besiedelte nördliche Senke, besonders das weitläufige Gebiet um den Petén-Itzá-See (bei der Stadt Flores), wird von Weideland und tropischem Regenwald bedeckt.

In der Zone entlang dem südlichen Vulkangürtel kommt es häufig zu Erdbeben, bei denen schon zahlreiche Städte zerstört worden sind. Die meisten der 33 Vulkane sind erloschen. Nur drei gelten als aktiv, darunter auch der an der mexikanischen Grenze gelegene Tacaná. Der Vulkan Tajumulco im Südwesten ist mit 4 210 Metern die höchste Erhebung des Landes.

Zu den längsten Flüssen Guatemalas gehören der Usumacinta, der zusammen mit seinen Nebenflüssen teilweise die Grenze zu Mexiko bildet, sowie der Chixoy, der Motagua und der Sarstún, der die Südgrenze von Belize markiert. Unter den Seen ist der Atitlánsee bemerkenswert, der am Fuß des Vulkanes Atitlán liegt, sowie der Itzabalsee im Osten in der Nähe von Puerto Barrios.

Guatemala verfügt über ein tropisches Klima, das je nach Höhenlage stark variiert. Im Bereich zwischen etwa 900 und 2 400 Metern, wo die höchste Bevölkerungsdichte herrscht, sind die Tage ganzjährig warm und die Nächte kühl. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt dort bei etwa 20 °C. In den Küstenregionen ist das Klima wärmer und feuchter, hier herrschen jährliche Durchschnittstemperaturen von 25 bis 30 °C. Die Regenzeit dauert von Mai bis Oktober. Die Niederschlagsmenge wird vom Nordostpassat bestimmt. Im Norden beträgt der mittlere Jahresniederschlag zwischen 1 500 und 2 500 Millimetern. In Guatemala-Stadt, im Süden des Landes, werden jährlich etwa 1 300 Millimeter erreicht.

Die Tiefebenen werden größtenteils von artenreichem, immergrünem tropischem Regenwald bedeckt. An einigen trockeneren Stellen befinden sich jedoch auch ausgedehnte Kiefernwälder. In den Gebirgsregionen gibt es in den niedrigeren Höhenlagen vorwiegend Eichenwälder, die dann ab ungefähr 2 100 Metern in Kiefernwälder übergehen. Im ganzen Land wachsen zahllose Orchideen.

Rotwild, Affen und Pekaris sind besonders in den wenig besiedelten Tiefebenen weit verbreitet. In wesentlich geringerer Anzahl treten Jaguare, Tapire und Pumas auf. In einigen Flüssen leben Beulenkrokodile. Die Artenvielfalt der Vögel ist außerordentlich groß, es gibt 458 Arten (2000). Zu den bekanntesten Beispielen gehören die Kardinäle und der Quetzal – ein Vogel mit einem schillernden, bunten Gefieder, der zugleich Wappentier Guatemalas ist.

Guatemala hat etwa 14,3 Millionen Einwohner (2004). Der Anteil der indianischen Bevölkerung ist mit rund 45 Prozent der höchste aller mittelamerikanischer Staaten. Zu diesen Indígenas zählen u. a. die Maya-Quiché, Mam, Cakchiquel und Kekchí. Mestizen (Ladinos) umfassen etwas 30 Prozent, die Weißen circa 5 Prozent der Bevölkerung. Weitere Bevölkerungsgruppen sind Mulatten, Zambos und Schwarze.

Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt 2,61 Prozent (2004). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 132 Einwohnern pro Quadratkilometer. Etwa 60 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land (2002).

Guatemala (oder Ciudad de Guatemala), die Hauptstadt und größte Stadt des Landes, hat etwa 1 Million Einwohner. Weitere größere Städte sind Quezaltenango (152 000 Einwohner), Zentrum einer Weizenanbauregion; Escuintla (115 000 Einwohner); Puerto Barrios (39 400 Einwohner), der Haupthafen am Karibischen Meer, Mazatenango (43 300 Einwohner), und Antigua Guatemala (27 000 Einwohner).

Die Amtssprache ist Spanisch. Daneben gibt es 23 anerkannte Maya-Sprachen. 80 Prozent der Guatemalteken sind katholisch, 19 Prozent protestantisch. Eine Minderheit der Bevölkerung gehört der Bahai-Religion an. Daneben haben sich viele Mischformen zwischen altindianischen Bräuchen und Christentum entwickelt.

Neben Weihnachten und Ostern wird auch der Neujahrstag (1. Januar) gefeiert. Die Nationalfeiertage sind der Tag der Arbeit (1. Mai), der Tag der Armee (30. Juni), der Unabhängigkeitstag (15. September), Día de la Raza (Kolumbustag, 12. Oktober), der Tag der Revolution (20. Oktober) und Allerheiligen (1. November). Jede Stadt feiert jährlich ihre Feria (Fest) zu Ehren der bzw. des Schutzheiligen. Dies ist das größte lokale Fest und deshalb vielerorts der wichtigste Feiertag, besonders in ländlichen Gegenden.

1946 wurde per Gesetz ein Programm für die soziale Sicherheit beschlossen und durchgeführt. In einem Zusatz fordert das Gesetz die Beteiligung aller Arbeitgeber an dem Programm, wenn der Betrieb fünf oder mehr Personen beschäftigt. Durch dieses Programm werden Unfälle, Mutterschaft, Krankenhausaufenthalte und Altersversorgung abgedeckt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 65 Jahren (2004). Rund drei Viertel der Bevölkerung leben unter dem Existenzminimum.

Der Alphabetisierungsgrad beträgt etwa 71 Prozent. Es besteht eine allgemeine Schulpflicht von 11 Jahren (2000), doch ein Großteil der Jugendlichen auf dem Land bricht den Schulbesuch vorzeitig ab. Der Besuch der Bildungseinrichtungen ist theoretisch auf allen Ausbildungsebenen kostenlos. Aufgrund der geringen Anzahl an staatlichen Schulen gibt es viele kostenpflichtige Privatschulen.

Die wichtigste Hochschule Guatemalas ist die Universidad de San Carlos (1676 gegründet) in der Hauptstadt. Hier ist auch die private Universidad Rafael Landívar (1961) zu finden. Daneben gibt es drei weitere Universitäten sowie einige Musik- und Kunstakademien. Die Zahl der Studenten beträgt etwa 67 000.

Im ganzen Land gibt es etwa 100 Bibliotheken. Mehr als die Hälfte davon befindet sich in Guatemala-Stadt. Die bedeutendsten sind das Nationalarchiv und die Nationalbibliothek.

In der Hauptstadt befinden sich außerdem das Museum für Archäologie und Ethnologie mit einer hervorragenden Sammlung von Gebrauchsgegenständen aus der Kultur der Maya sowie Museen für moderne Kunst, Geschichte und Naturkunde. Das Kolonialmuseum in Antigua verfügt über eine umfangreiche Ausstellung an Kunstgegenständen aus der Kolonialzeit.

Die heutige bunte und dynamische Kunst und Kultur Guatemalas wird durch den Kontrast zwischen den modernen Bräuchen in Guatemala-Stadt und den sehr lebendigen traditionellen Lebensgewohnheiten der indianischen Landbevölkerung geprägt. Das spanische Erbe tritt einerseits in der offiziellen Amtssprache zutage, andererseits in den zahlreichen Architektur- und Kunstschätzen, etwa den verschiedenen Kirchen, die im so genannten Mudéjarstil (siehe lateinamerikanische Kunst und Architektur) erbaut wurden. In Antigua, der ehemaligen Kolonialhauptstadt, die sich in der Nähe von Guatemala befindet, sind heute noch viele Gebäude aus der Kolonialzeit erhalten. Das traditionell vielfältige Kunsthandwerk Guatemalas, z. B. das Weben bunt gemusterter Stoffe, die Schmuckherstellung und die Keramikarbeiten, ist eine gelungene Kombination aus indianischem Design und der technischen Kunstfertigkeit der Spanier. Die berühmten Webstoffe sind nicht nur Zierde, sondern werden von der indianischen Bevölkerung auch zur Anfertigung ihrer Alltagskleidung benutzt. Dabei verfügen viele Dörfer des Hochlands über eigene Stoffmuster und spezifische Trachten.

Zu den bekanntesten guatemaltekischen Künstlern aus dem 20. Jahrhundert gehören die Schriftsteller Enrique Gómez Carrillo, Rafael Arévalo Martinez, Mario Monteforte Toledo und Miguel Ángel Asturias, der 1967 den Literaturnobelpreis erhielt. Bedeutende Maler sind Carlos Mérida, Alfredo Gálvez Suárez und Valentín Abascal. In ihren Werken spielt das indianische Erbe eine große Rolle. José Castañeda ist ein bemerkenswerter guatemaltekischer Komponist.

Der Großteil des Post-, Telefon- und Telegraphendienstes Guatemalas ist in staatlicher Hand. Guatemala hat über 100 Radio- (1998) und sechs Fernsehstationen (1997).

Nach der letztmals 1994 geänderten Verfassung von 1986 ist Guatemala eine Präsidialrepublik. Es herrscht allgemeines Wahlrecht.

Nach der neuen Verfassung hat die Exekutivgewalt in Guatemala der Präsident inne, der für eine einmalige vierjährige Amtszeit in allgemeinen Wahlen direkt vom Volk gewählt wird. Die umfangreichen Machtbefugnisse des Präsidenten reichen von der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung über den Oberbefehl über die Streitkräfte bis hin zur Ernennung und Absetzung von Ministern und anderen Beamten.

Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung (Congreso Nacional), dessen 113 Abgeordnete jeweils für vier Jahren gewählt werden.

Das höchste Gericht ist der Oberste Gerichtshof, der sich aus mindestens sieben Richtern zusammensetzt; diese werden von der Nationalversammlung für jeweils vier Jahre gewählt. Von ihnen werden die Richter der unteren Instanzen, wie z. B. der Berufungsgerichte, der Verwaltungsgerichte sowie der Gerichte der Ersten Instanz, ernannt.

Guatemala ist in 22 Departamentos (Verwaltungsbezirke) gegliedert, die wiederum in Kreisverwaltungen untergliedert sind. An der Spitze eines jeden Verwaltungsbezirks steht ein Gouverneur, der vom Präsidenten ernannt wird.

Nach dem Militärputsch von 1982 wurden alle Parteien verboten. Dieses Verbot wurde 1985 im Zuge des Übergangs zu einer Zivilregierung aufgehoben. Stärkste politische Kräfte sind gegenwärtig der konservative Partido de Avanzada Nacional (PAN, Nationale Fortschrittspartei), der rechtsgerichtete Frente Republicano Guatemalteco (FRG, Republikanische Front), die aus der gleichnamigen Guerillaorganisation hervorgegangene Unidad Revolucionaria Nacional Guatemalteca (URNG, Revolutionäre Nationale Einheit Guatemalas) und die Unión del Centro Nacional (UCN, Zentrumsunion).

Es besteht eine Wehrdienstpflicht von 30 Monaten. Das Heer umfasst 29 200, die Luftwaffe 700 und die Marine 1 500 Soldaten (2002).

Seit dem 2. Weltkrieg hat die Regierung Guatemalas die Entwicklung der Bergbau- und Fertigungsindustrie verstärkt gefördert, um die übermäßige Abhängigkeit vom Kaffee- und Bananenanbau zu kompensieren. Ein Fünfjahresplan aus den siebziger Jahren beinhaltete die Steigerung des Exports, Steuererhöhungen sowie die Verwendung von Auslandskrediten zur Beschleunigung der jährlichen Wirtschaftswachstumsrate. 1985 wurden Sparmaßnahmen eingeführt, um die Menge der Einfuhrgüter zu senken und das Inlandseinkommen zu erhöhen.

Nach Angaben der Regierung leben fast 90 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Guatemala verfügt über mehr als 2,7 Millionen Arbeitskräfte, von denen etwa 39 Prozent in der Landwirtschaft, 20 Prozent in der Industrie und 38 Prozent im Dienstleistungssektor beschäftigt sind. Die größte Handelsorganisation ist die 1968 gegründete National Trade Union Front. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 23 277 Millionen US-Dollar (2002). Die Landwirtschaft trägt rund 23 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, die Industrie etwa 20 Prozent, die Dienstleistungen circa 57 Prozent.

Das Hauptanbauprodukt ist Kaffee mit jährlich etwa 20 Prozent des Gesamtexportvolumens. Der Großteil davon wird auf weitläufigen Plantagen angebaut, die sich entlang der südlichen Grenze des Hochlands erstrecken. Weitere wichtige Anbauprodukte sind Zuckerrohr, Bananen – vorwiegend in der pazifischen Küstenebene mit einem Zentrum im Motagua-Tal sowie an der karibischen Küste – und Baumwolle. Mais, Reis, Bohnen und Weizen werden für den Binnenmarkt angebaut. Dies gilt ebenso für die Schweine- und Geflügelzucht. Die Rinderzucht befindet sich noch im Aufbau. Auf den Weideflächen Guatemalas gibt es ungefähr zwei Millionen Rinder; das größte Weidegebiet liegt an der Pazifikküste.

Ungefähr 26 Prozent der Fläche Guatemalas sind mit Wald bedeckt (2000). Die Forstwirtschaft stellt einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Die wichtigsten Produkte sind Edelhölzer für die Möbelindustrie, aromatische Harze (Chiclegummi) und Öle. Guatemala gehört zu den führenden Produzenten von Chicle, das für die Kaugummiherstellung verwendet wird. Die Fischereierträge haben sich in den letzten Jahren extrem erhöht.

Guatemala verfügt über verschiedene Rohstoffe wie Erdöl, Nickel, Blei, Zink, Silber und Chromit, die auch ausgebeutet werden; außerdem stieß man in jüngerer Zeit auf Uran- und Quecksilbervorkommen. Ende der siebziger Jahre wurden im Gebiet um den Lago de Izabal große Mengen an Nickelerzen abgebaut. Die Erdölförderung auf den Ölfeldern in der Nähe von Rubelsanto und Chinajá ist relativ gering.

In den siebziger Jahren verzeichnete das produzierende Gewerbe einen beachtlichen Zuwachs, der sich allerdings seit den achtziger Jahren aufgrund der politischen Instabilität wieder verringerte. Zu den wichtigsten Produkten gehören Nahrungsmittel und Getränke, Tabak, pharmazeutische und chemische Produkte, Papier, Felle und Tierhäute, Textilien, Bekleidung, raffiniertes Erdöl, Gebrauchsgegenstände aus Holz, Elektroartikel, Kunststoffe, Metallmöbel und indianische Handwerkserzeugnisse.

Die Währung Guatemalas ist der Quetzal (= 100 Centavos). Die Bank von Guatemala (gegründet 1946) ist gleichzeitig Zentral- und Notenbank des Landes.

Die Handelsbilanz ist negativ. Die Haupthandelspartner sind die USA, Japan, Deutschland, Mexiko, Venezuela und die vier weiteren Mitglieder des Zentralamerikanischen Gemeinsamen Marktes El Salvador, Honduras, Costa Rica und Nicaragua. Die wichtigsten Importgüter sind Rohstoffe und Zwischenprodukte, Kapital- und Konsumgüter, Brenn- und Schmierstoffe. Hauptexportgüter sind Kaffee, Zucker und Bananen.

Guatemala besitzt ein Eisenbahnnetz mit einer Gesamtlänge von etwas über 1 000 Kilometern, das überwiegend im Besitz der staatlichen Eisenbahngesellschaft Ferrocarriles de Guatemala ist. Mit der Eröffnung einer Brücke über den Fluss Suchiate zwischen Mexiko und Guatemala wurde 1942 eine Eisenbahnverbindung zwischen Nord- und Zentralamerika geschaffen.

Das Straßennetz hat eine Länge von 14 118 Kilometern (1999). Die wichtigsten Straßen sind die Carretera Interamericana (Nord-Süd-Verbindung im Hochland), die Carretera Pacífica (Nord-Süd-Verbindung im Pazifiktiefland) und die Carretera Interocéanica (Ost-West-Verbindung). Haupthäfen des Landes befinden sich in Puerto Barrios, San José, Santo Tomás de Castilla und Champerico. Neben dem internationalem Flughafen La Aurora nahe der Hauptstadt verfügt Guatemala über einen weiteren großen Flughafen am Lago Petén Itzá.

Etwa 35 Prozent des Elektrizitätsbedarfs Guatemalas werden mit Hilfe von Wasserkraftwerken erzeugt (2001).

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