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Indonesien, Republik, Inselstaat in Südostasien, umfasst den größten Teil des Malaiischen Archipels.

Indonesien besteht aus 13 677 Inseln, die sich auf einer Länge von ungefähr 5 100 Kilometern beiderseits des Äquators erstrecken. Dazu gehören die Großen Sunda-Inseln Borneo (Kalimantan; ohne den nordwestlichen Teil), Sumatra, Java und Celébes (Sulawesi), die Kleinen Sunda-Inseln (mit Ausnahme von Timor-Leste), die Molukken und ein Teil Neuguineas. Indonesien grenzt auf Borneo an Malaysia. Der westliche Teil Neuguineas (Papua) steht unter indonesischer Verwaltung, der östliche Teil gehört zu Papua-Neuguinea.

Im Norden Indonesiens befinden sich das Südchinesische Meer, die Celébessee und der Pazifische Ozean, im Süden und Westen liegt der Indische Ozean. Zwischen den Inselketten liegen Javasee, Floressee und Bandasee, Meeresteile des Pazifischen Ozeans. Indonesien umfasst eine Fläche von 1 904 443 Quadratkilometern, damit ist es der flächenmäßig größte Staat in Südostasien. Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Jakarta.

Die indonesischen Inseln befinden sich auf dem als Sundaplatte bezeichneten südöstlichsten Teil der Eurasischen Platte (siehe Plattentektonik). Sie bestehen überwiegend aus kristallinen Gesteinen, die von Sand- und Kalksteinschichten überlagert werden. Mit Ausnahme von Borneo sind die Inseln durch aktiven Vulkanismus, verbunden mit starker Erdbebentätigkeit, gekennzeichnet. Ihre tektonische Labilität basiert auf der Lage im Grenzbereich zur Indisch-Australischen Platte (siehe Sundagraben) im Westen und Süden sowie zur Philippinischen Platte im Nordosten.

Der überwiegende Teil der Landesfläche wird von den Gebirgen des Sundasystems eingenommen. Nur auf den größeren Inseln Sumatra, Borneo, Java und Neuguinea gibt es ausgedehnte Küstentiefländer, auf den meisten kleineren Inseln dagegen reichen die Gebirgsketten bis nahe an die Küste. Eine aus rund 300 Vulkanen bestehende Gebirgskette verläuft bogenförmig im Süden von Sumatra über Java und die Kleinen Sunda-Inseln bis zu den Molukken. Mehr als 70 dieser Vulkane brachen seit 1600 aus, wie etwa auf Krakatau 1883.

Der Puncak Jaya in Papua ist mit 5 030 Metern der höchste Berg Indonesiens. Die höchsten Gipfel im Westen sind der Kerinci (3 805 Meter) auf Sumatra, der Rinjani (3 726 Meter) auf Lombok und der Semeru (3 676 Meter) auf Java.

Größter See des Landes ist der im Nordwesten Sumatras gelegene Tobasee mit 1 146 Quadratkilometern. Längster Fluss ist der Kapuas mit 1 150 Kilometern; er fließt ebenso wie die nächstlängeren Flüsse (Barito und Mahakam) auf Borneo.

Der Lage in den Tropen entsprechend sind die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen gering. Die mittlere Jahrestemperatur liegt in den Küstenregionen um 27 °C, die mittleren Monatstemperaturen weichen davon nur um maximal 1 °C ab.

Im Gegensatz dazu gibt es bei den Jahresniederschlägen regionale Unterschiede. Auf Sumatra, dem westlichen Teil Javas, Borneo, Celébes, den Molukken und Papua ist das Klima tropisch-immerfeucht. Die Niederschläge fallen gleichmäßig über das Jahr verteilt; der mittlere Jahresniederschlag beträgt 3 000 bis 4 000 Millimeter, im Gebirge werden bis 6 000 Millimeter erreicht. Tropisch-wechselfeuchtes Klima herrscht im östlichen Teil Javas und auf den Kleinen Sunda-Inseln. Hier lassen sich drei Jahreszeiten unterscheiden: eine vom Monsun bestimmte Regenzeit, eine Nachmonsunzeit und eine Trockenzeit. Der mittlere Jahresniederschlag liegt in diesen Gebieten zwischen 2 000 und 3 000 Millimetern.

In den Tiefebenen Indonesiens war tropischer Regenwald ursprünglich die dominierende Vegetation, die etwa 60 Prozent der Landesfläche bedeckte. Insbesondere in den achtziger und neunziger Jahren wurde der Regenwald in dramatischer Weise durch Raubbau, aber auch durch Waldbrände dezimiert und großenteils in wirtschaftlich weitgehend wertlose Grasfluren umgewandelt. Gebietsweise, etwa auf Java, ist der Regenwald praktisch vollständig vernichtet. Verheerende Waldbrände führten im Herbst 1997 (vor allem auf Borneo und Sumatra) sowie im Januar 1998 (auf Borneo) zu erheblichen Zerstörungen der Flora und Fauna in den betroffenen Gebieten. Zu dieser Zeit herrschte eine anhaltende Dürre, wobei die Brände offensichtlich durch Brandrodung entfesselt wurden. Die Rauchwolken der Feuersbrunst breiteten sich über große Teile Südostasiens aus und führten in weiten Gebieten Indonesiens zu extremer Smogentwicklung und -belastung. Schätzungen zufolge fiel nahezu eine Million Hektar Wald den Flammen zum Opfer.

In höheren Lagen gedeihen Nebelwälder oder Koniferen. In Teilen Ostsumatras und Süd- und Westborneos gibt es ausgedehnte Moor- und Süßwassersumpfwälder mit Sagopalmen. Die Küsten werden häufig von Mangroven gesäumt. Wo Trockenzeiten auftreten, findet man Monsunwälder mit Laub werfenden Arten. In Indonesien gibt es eine Vielzahl von Orchideen, auf Sumatra ist die Riesen-Rafflesie heimisch. Außerdem stammen einige Gewürzpflanzen aus dem östlichen Teil des Archipels, darunter Muskatnussgewächse und Gewürznelkenbäume.

Von den Tierarten sind manche auf bestimmte Inseln begrenzt. So findet man den Orang-Utan nur auf Sumatra und Borneo, den Sumatra-Tiger auf Sumatra und Java, das Banteng-Wildrind auf Java und Borneo, den Nasenaffen lediglich auf Borneo, Elefanten, Tapire und Siamangs nur auf Sumatra. Der Komodowaran ist die größte lebende Echsenart, er besiedelt nur Komodo und zwei benachbarte kleine Inseln. In Schutzgebieten auf Java und Sumatra gibt es kleine Bestände des vom Aussterben bedrohten Java- und Sumatranashorns. Auf Celébes und einigen Molukkeninseln kommt der Hirscheber vor. Im Süden Indonesiens, auf Celébes und auf den Molukken umfasst die Tierwelt sowohl asiatische als auch australische Arten. Zur Fauna auf Timor gehören ausschließlich australische Tierarten, wie etwa die Kuskuse, eine Gattung der Kletterbeutler. In Indonesien gibt es eine große Vielfalt an Vogelarten, z. B. Paradiesvögel, Nashornvögel, Laubenvögel und Beos.

Indonesien hat im Rahmen des Biosphäreprogramms der UNESCO sechs entsprechende Gebiete eingerichtet. Von der Gesamtfläche Indonesiens stehen 10,1 Prozent (1997) unter Naturschutz.

Die Bevölkerung Indonesiens ist durch große ethnische Vielfalt gekennzeichnet. Die größte Gruppe ist die Gruppe der Malaien, die sich in Altmalaien auf Borneo und Sumatra und Jungmalaien auf Java, Bali, den Sunda-Inseln und Madura aufgliedert. Vor allem im Osten des Landes leben melanesische und polynesische Völker.

Die größten Volksgruppen sind die Javaner (40 Prozent) und Sundanesen (15 Prozent) auf Java, die Maduresen auf Madura und Ostjava (5 Prozent), die Batak, die Minangkabau und die Aceher auf Sumatra, die Balinesen auf Bali, die Dayak auf Kalimantan (Borneo) und die Ambonesen auf den Molukken. Weitere kleinere Ethnien leben verstreut auf den Inseln, zu ihnen zählen verwandte malaiische Gruppierungen, mehrere Millionen Chinesen und andere asiatische Völker. Die Anzahl der Holländer, Ende der fünfziger Jahre auf etwa 60 000 geschätzt, ist auf unter 10 000 zurückgegangen.

Hinsichtlich seiner Einwohnerzahl liegt Indonesien weltweit an fünfter Stelle. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 238 Millionen (2004). Die Bevölkerungsdichte ist regional sehr unterschiedlich. Ungefähr 61 Prozent der Bevölkerung leben auf Java und Madura, die zusammen lediglich knapp 7 Prozent der Staatsfläche ausmachen. Damit gehören diese beiden Inseln mit ungefähr 755 Einwohnern pro Quadratkilometer zu den dichtest besiedelten Regionen der Welt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 69,3 Jahren (Männer 66,8 Jahre, Frauen 71,8 Jahre; 2004).

Die größten Städte Indonesiens liegen auf Java: Die Hauptstadt Jakarta mit einer Bevölkerung von 7,76 Millionen Einwohnern (1997) ist das Ballungszentrum des Landes. Hier befinden sich die wichtigsten Behörden, Banken, Büros und Hochschulen. Weitere Großstädte auf Java sind Surabaya (2,35 Millionen), Bandung (3,56 Millionen) und Semarang (813 000). In Medan, der Hauptstadt der Provinz Nordsumatra, leben 1,97 Millionen Einwohner und in Palembang, der Hauptstadt der Provinz Südsumatra, 1,44 Millionen. Ujung Pandang (Makassar) auf Celébes hat 1,25 Millionen Einwohner und Banjarmasin auf Borneo etwa 546 000.

Die Amtssprache ist Bahasa Indonesia, eine Sprache, die von den meisten Indonesiern verstanden wird. Sie geht auf das Malaiische zurück, lange Zeit die Handelssprache der Küstenstädte, und enthält zahlreiche arabische, chinesische, indische, holländische und englische Lehnwörter. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung verfügt zumindest über Grundkenntnisse in Indonesisch oder Malaiisch (indonesische Sprachen). Außerdem gibt es ungefähr 300 andere lebende Sprachen, von denen Javanisch am weitesten verbreitet ist. Niederländisch war bis 1942 Amtssprache und wird aus diesem Grund noch von einigen älteren Menschen aktiv gesprochen. Englisch wird als Fremdsprache an den Schulen unterrichtet – nach der regional vorherrschenden Sprache und Indonesisch.

Die freie Religionsausübung ist in der Verfassung garantiert. Etwa 87 Prozent der Bevölkerung gehören verschiedenen Richtungen des Islam an. Zu den anderen religiösen Gruppierungen zählen Protestanten und Anhänger der Pfingstkirchen (6,5 Prozent), Katholiken (circa 3 Prozent) und Buddhisten (1 Prozent), meist chinesischer Abstammung. Der Hinduismus (2 Prozent), der einst großen Einfluss hatte, beschränkt sich heute in erster Linie auf Bali.

In Indonesien wird am 1. Januar Neujahr gefeiert. Die muslimische Bevölkerung feiert Idul-Fitri, ein drei Tage währendes Fest am Ende des Fastenmonats Ramadan, und Idul-Adha, das ebenfalls drei Tage dauert und für die Muslime gedacht ist, die nicht auf Pilgerfahrt nach Mekka gehen. Am 12. Februar begeht man den Geburtstag des Propheten Mohammed. Karfreitag und Weihnachten (25. Dezember) sind gesetzliche Feiertage. Auch Ostersonntag und Christi Himmelfahrt, 40 Tage nach Ostern, werden gefeiert. Am 17. August ist Unabhängigkeitstag, der wichtigste Feiertag in Indonesien. Darüber hinaus existieren bei den übrigen regionalen, religiösen und kulturellen Gruppen noch zahlreiche andere Feiertage.

Überfüllte Wohnungen, fehlende sanitäre Einrichtungen und verunreinigtes Wasser sind die Ursachen für die gravierenden Probleme im indonesischen Gesundheitswesen. Mit verschiedenen Programmen versucht die Regierung gegen die mangelhaften hygienischen Zustände sowie gegen die mit Drogensucht und Prostitution verbundenen sozialen Probleme vorzugehen. Die medizinische Versorgung ist in den urbanen Zentren ausreichend, in den ländlichen Gebieten unzulänglich. Auf einen Arzt kommen 8 055 Einwohner. Die Kindersterblichkeit liegt bei 37 Kindern je 1 000 Lebendgeburten. Die Arbeitslosenquote beträgt 6,1 Prozent. Es gibt eine knapp ausgebildete Arbeitslosenunterstützung, aber kein ausgebautes Sozialversicherungssystem.

Es besteht eine Schulpflicht von sechs Jahren. Auf sechs Jahre Grundschule folgen drei Jahre „junior level” und danach weitere drei Jahre „senior level”. Die Alphabetisierungsrate liegt bei etwa 89 Prozent (2004). Das Schulsystem gleicht dem der Niederlande, bei dem die Lehrpläne der höheren Schulen in die Schwerpunkte Mathematik, Sprachen und Wirtschaft unterteilt werden. Englisch ist Pflichtfach, Deutsch kann ab der 12. Klasse zusätzlich gewählt werden.

Indonesien besitzt etwa 50 staatliche und mehr als 1 000 private Hochschulen, an denen etwa 1,2 Millionen Studenten eingeschrieben sind, das sind 5 Prozent eines Jahrgangs. Zu den Lehranstalten mit den höchsten Studentenzahlen zählen die University of Indonesia (gegründet 1950) in Jakarta, die Pajajaran State University (1957) in Bandung und die Gajah Mada University (1949) in Yogyakarta.

In Indonesien gibt es etwa 20 große Bibliotheken, vor allem in den Städten Bandung, Bogor, Jakarta und Yogyakarta. Das Staatsarchiv und die Bibliothek des Nationalmuseums (360 000 Bände) befinden sich in Jakarta, wie auch die Nationalbibliothek (750 000 Bände) mit einer Reihe Sondersammlungen. Das Bali Museum befindet sich in Denpasar.

Die indonesische Kultur hat Einflüsse der verschiedenen hier ansässigen ethnischen Gruppen und ihrer Kulturen aufgenommen. Hinduismus und Buddhismus prägten vor allem die Architektur und Bildhauerei des Landes (siehe buddhistische Architektur). Der arabische Einfluss weitete sich seit dem 13. Jahrhundert vor allem über die Lehren des Islam aus (siehe islamische Kunst und Architektur). Ferner haben südostasiatische und polynesische Kulturen die Inseln geprägt und nicht zuletzt chinesische und holländische Bevölkerungsgruppen. Zu den bedeutendsten Gegenwartsautoren Indonesiens gehört der 1925 geborene Pramoedya Ananta Toer, der unter dem Suharto-Regime Repressionen ausgesetzt war. Offiziell sind seine Bücher in Indonesien bis heute verboten. Mehrere seiner Romane sind in deutscher Übersetzung erschienen.

Zu Musik, Tanz und Kunst siehe indonesische Musik; indonesischer Tanz; südostasiatische Kunst und Kultur; ozeanische Kunst und Architektur.

Der staatliche Rundfunk Radio Republik Indonesia betreibt 49 lokale und regionale Sendeanstalten und erreicht ungefähr 32,8 Millionen Empfänger. Das gesamte Rundfunkwesen untersteht dem Informationsministerium. Eine staatliche Fernsehanstalt nahm 1962 den Sendebetrieb auf und versorgt schätzungsweise 32 Millionen Empfänger; private Fernsehanstalten senden seit 1989. Auch im Bereich des Pressewesens besteht staatliche Kontrolle in Form eines Presserates. Mitte 1994 wurden den drei größten Wochenzeitungen Editor, De Tik und Tempo die Lizenzen entzogen, da diese kritisch über die Lage in Osttimor berichtet hatten. Der größte Teil der indonesischen Tageszeitungen, wie z. B. Kompas, Pos Kota und Berita Buana, erscheint in Jakarta. Die Lage der Pressefreiheit wird von der internationalen Organisation Reporter ohne Grenzen als „besorgniserregend” eingeschätzt. Kritische Journalisten müssen in Indonesien mit Repressalien rechnen. In den letzten Jahren wurden vor allem in Osttimor mehrere Journalisten getötet.

Indonesien ist eine Republik mit einer staatlich garantierten Verfassung. 1945 erklärte es seine Unabhängigkeit von den Niederlanden, und 1949 erkannte die ehemalige Kolonialmacht die souveräne Republik der Vereinigten Staaten von Indonesien an. Ein Jahr später wurde das föderalistische Regierungssystem abgeschafft und eine zentralistisch regierte Republik errichtet.

Drei provisorische Verfassungen bestimmten die Regierungsform Indonesiens. Die erste wurde 1945 proklamiert, die zweite im Februar 1950, und die dritte wurde im August 1950 von dem provisorischen Repräsentantenhaus verabschiedet. 1959 stellte der Präsident per Dekret die Verfassung von 1945 wieder her, die 1969 letztmals geändert wurde.

Nach der Verfassung von 1945 liegt die Exekutivgewalt in Indonesien beim Präsidenten. Das höchste Staatsgremium, die Beratende Volksversammlung, zu der auch die Mitglieder des Parlaments zählen, wählt den Präsidenten auf fünf Jahre. Er kann beliebig oft wieder gewählt werden, verfügt über weit reichende Befugnisse und kann im Notstand per Dekret allein regieren. Er ernennt die Minister des Kabinetts und führt den Vorsitz. Im August 2002 beschloss die Beratende Volksversammlung die Direktwahl des Staatsoberhauptes ab dem Jahr 2004.

Die gesetzgebende Gewalt liegt in Indonesien beim Repräsentantenhaus. Es muss über Gesetzesvorlagen abstimmen. Der Präsident hat ein Vetorecht gegenüber Gesetzen. Das Parlament setzt sich aus 462 direkt gewählten und 38 vom Präsidenten ernannten Mitgliedern der Streitkräfte zusammen. Zur Beratenden Volksversammlung, der 700 Mitglieder angehören, zählen sämtliche Abgeordneten des Parlaments sowie 135 Vertreter der Provinzen und 65 ernannte Vertreter von Standesorganisationen. Die Hauptfunktionen der Volksversammlung sind die Wahl des Präsidenten und des Vizepräsidenten sowie die Bestimmung der Richtlinien der Politik. Nach der Verfassung tritt die Volksversammlung wenigstens alle fünf Jahre zusammen und das Parlament wenigstens einmal im Jahr. Die Beratende Volksversammlung beschloss im August 2002 ihre Umwandlung in ein vollständig vom Volk gewähltes Gremium ab 2004.

Die Rechtsprechung verfügt über ein mehrstufiges System. Höchstes Gericht ist der Oberste Gerichtshof, dem Obergerichte – in den 14 größeren Städten – und Distriktgerichte nachgeordnet sind. In ganz Indonesien gilt ein einheitliches kodifiziertes Strafrecht. In zivilen Verfahren gilt hingegen für Indonesier das nicht kodifizierte Gewohnheitsrecht (Adatrecht), während für Ausländer aus dem Westen und aus Asien ein Rechtssystem gilt, das auf dem europäischen Zivilrecht beruht.

Indonesien ist in 26 Provinzen unterteilt: Aceh, Bali, Bengkulu, Zentralcelébes, Nordcelébes, Südcelébes, Südostcelébes, Jakarta, Jambi, Yogyakarta, Papua, Mitteljava, Ostjava, Westjava, Zentralkalimantan, Ostkalimantan, Südkalimantan, Westkalimantan, Lampung, Maluku, Ostnusatenggara, Westnusatenggara, Riau, Nordsumatra, Südsumatra und Westsumatra. Die ehemalige Provinz Osttimor wurde am 20. Mai 2002 unabhängig. Die Provinzen werden von Gouverneuren regiert, die vom Präsidenten ernannt werden.

In Indonesien gibt es drei große Parteien. Die Golongan Karya (Golkar, gegründet 1964) ist eine Vereinigung verschiedener so genannter funktioneller Gruppen, die Arbeiter, Kleinbauern und andere Interessengruppen (einschließlich des Militärs) repräsentieren. Die Vereinigte Entwicklungspartei (Partai Persatuan Pembangunan, PPP, 1973) hat eine starke Orientierung zum Islam. Die Demokratische Partei Indonesiens (Partai Demokrasi Indonesia Perjuangan, PDI-P, 1973) ist eine Vereinigung nationalistischer und christlicher Gruppierungen. Darüber hinaus gibt es weitere kleine Parteien.

Die Streitkräfte Indonesiens wurden 1967 vereinigt und der Verwaltung des Ministeriums für Verteidigung und Sicherheit unterstellt. Seither hat die Militärführung entscheidenden Einfluss und verfügt über eine Gesamtstärke von 302 000 Soldaten (Heer 230 000 Mann, Luftwaffe 27 000 Mann, Marine 45 000 Mann; 2002).

Wichtige wirtschaftliche Stützen Indonesiens bilden Erdgas und Erdöl. Das OPEC-Mitglied ist weltweit der bedeutendste Exporteur von Flüssiggas und zählt zu den großen Erdölförderstaaten der Erde. Beim Abbau von Zinnerzen steht Indonesien weltweit an Position zwei. Ein weiterer Wirtschaftsfaktor ist der Fremdenverkehr. Trotzdem ist die Wirtschaftsstruktur weitgehend vom Agrarsektor geprägt. So ist beispielsweise gut die Hälfte aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt. Der größte Teil der Bevölkerung betreibt Subsistenzlandwirtschaft, Fischfang und Forstwirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 172 911 Millionen US-Dollar (2002). Hiervon erwirtschafteten Industrie und Dienstleistungssektor je 40 Prozent, während der Agrarsektor 20 Prozent erzielte.

Mitte 1997 wurde auch Indonesien von der schweren Wirtschafts- und Währungskrise in Südostasien erfasst. Allein die Inflationsrate stieg von 9,7 Prozent (1997) auf mehr als 46 Prozent (1998). Der enorme Verfall der Landeswährung führte Anfang 1998 zu starken Preiserhöhungen für Grundnahrungsmittel sowie Güter des täglichen Bedarfs. Vor diesem Hintergrund kam es 1998 immer wieder zu heftigen Unruhen, bei denen mehrere Hundert Tote zu beklagen waren. Dadurch wurde auch eine schwere Staatskrise ausgelöst; eine Folge war u. a. der Rücktritt Präsident Suhartos am 21. Mai 1998.

Normalerweise sind tropische Böden aufgrund der hohen Niederschläge sehr nährstoffarm und nur für wenige Jahre für die Landwirtschaft nutzbar. Aufgrund der zahlreichen vulkanischen Aschenregen wurden den Böden Indonesiens jedoch immer wieder Nährstoffe zugeführt. Sie sind, vor allem auf Java, äußerst fruchtbar und gestatten drei Ernten in zwei Jahren. Ungefähr 44 Prozent der annähernd 104 Millionen Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt, sei es als Kleinbauern oder als Arbeiter auf den Plantagen. Hier werden Kautschuk (weltweit an zweiter Stelle), Tabak, Zuckerrohr, Palmkerne (weltweit an dritter Stelle), Kaffee (weltweit an vierter Stelle), Tee und Kakao angebaut.

Das Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung ist Reis. Der größte Teil davon wird auf Java angebaut. Weitere bedeutende Produkte sind Maniok, Mais, Süßkartoffeln, Kokosnüsse, Sojabohnen, Erdnüsse. Mit Hilfe der Bildung von Kooperativen und Banken für Kleinbauern konnten die Ernteerträge und der Anteil der Exportware gesteigert werden. Demgegenüber spielt die Viehwirtschaft eine nur untergeordnete Rolle. Die Tierhaltung umfasst vor allem Ziegen, Rinder, Schafe, Büffel, Schweine und Hühner.

Etwa zwei Drittel Indonesiens bestanden ursprünglich aus tropischem Regenwald; ausgedehnte Wälder befinden sich noch auf Borneo und Sumatra sowie im östlichen Landesteil. Beinahe alle Wälder sind in staatlichem Besitz. Über 80 Prozent des Holzeinschlags werden als Brennholz verwendet. Ferner werden bedeutende Mengen an Edelhölzern für die Möbelindustrie geschlagen, u. a. Teakholz und Ebenholz; außerdem werden Bambus und Rotangpalmen (für die Rattangewinnung) genutzt. Indonesien ist weltweit führender Exporteur von Sperrholz. Unbearbeitetes Holz darf seit 1985 nicht mehr exportiert werden, um die ökologisch verheerende Waldzerstörung einzudämmen.

Für die Gesamtwirtschaft ist der Fischfang nur von untergeordneter Bedeutung. Fische bzw. Meerestiere sind jedoch wichtiger Bestandteil des Speiseplanes. Gefangen werden Thunfische, Makrelen, Stachelmakrelen, Sardinen, Karpfen und Garnelen.

Indonesien ist reich an Bodenschätzen. Neben Erdöl, Erdgas und Zinn gehören Bauxit, Nickel, Kupfer und Steinkohle zu den wichtigen Rohstoffen des Landes. Reiche Vorkommen liegen vor allem auf Sumatra, Java, Borneo und Papua. Die Erdgasförderung beträgt annähernd 70 Milliarden Kubikmeter – diese werden größtenteils zu Flüssiggas weiterverarbeitet. Bei der Gewinnung von Zinn steht Indonesien in der Spitzengruppe der Welt. Ferner sind die Bauxitproduktion mit jährlich 505 800 Tonnen, der Steinkohleabbau mit etwa 2,7 Millionen Tonnen und die Nickelerzförderung mit etwa 1,7 Millionen Tonnen von wirtschaftlicher Bedeutung.

Neben der Erdöl- und der Erdgasindustrie haben vor allem Metallgewinnung, Tabakverarbeitung, Nahrungs- und Genussmittelindustrie wirtschaftliche Bedeutung. Ferner gibt es Textilindustrie, Holz- und Papierfabriken, chemische Industrie und Kautschukaufbereitung. Das Kleingewerbe (z. B. Kunsthandwerk, Weberei, Gold- und Silberschmiedehandwerk) ist ebenfalls umfangreich. Die bedeutenden Industriestandorte befinden sich fast ausschließlich auf Java. Weitere Industrieansiedlungen gibt es auf den Inseln Sumatra, Borneo und Celébes.

Die neue Rupiah, im Wert von 1 000 alten Rupiahs, ist seit 1965 die offizielle Währungseinheit von Indonesien. Etwa drei Dutzend Landes- und Regionalbanken gewähren Handels- und Industrieunternehmen Kredite. Das Land verfügt ferner über etwa 80 private Handelsbanken und Zweigstellen ausländischer Banken.

Seit 1964 läuft beinahe der gesamte Import und Export über staatliche Handelsgesellschaften. Erdöl und Erdölerzeugnisse, Erdgas, Holz und Textilien zählen zu den wichtigsten Exportartikeln. Ferner werden u. a. Kaffee, Kautschuk, Zinn, Palmöl, Tabak, Tee und Pfeffer ausgeführt. Zu den wichtigsten Importwaren gehören neben Rohstoffen, Maschinen- und Fahrzeugteilen sowie chemischen Erzeugnissen Eisen, Stahl und Konsumgüter. Haupthandelspartner von Indonesien sind Japan, die Vereinigten Staaten, Singapur, Länder der Europäischen Union (z. B. Deutschland, Italien), Australien und Südkorea. In der Regel liegen die Jahreseinnahmen aus den Exporten über den Ausgaben für Importe.

Die indonesische Arbeiterbewegung nahm 1908 ihren Anfang, seither sind die Gewerkschaften ein wesentlicher Bestandteil des öffentlichen Lebens. Die größte Gewerkschaftsvereinigung stellt der 1973 gegründete Gesamtindonesische Gewerkschaftsbund dar. Die 40-Stunden-Woche ist in ganz Indonesien eingeführt. In Schlichtungsverfahren werden die Tarife festgelegt. Das Arbeitsrecht aus dem Jahr 1948 und weitere Gesetze legen die Rahmenbedingungen für Kinderarbeit, Frauenarbeit in der Industrie, Arbeitsplätze, Arbeitszeiten und die Zahl der Urlaubstage fest.

Der Schiffsverkehr von Insel zu Insel ist für die indonesische Wirtschaft sehr wichtig. Seit der Unabhängigkeit 1949 haben die Erneuerung und der Ausbau der Werftanlangen nur geringe Fortschritte gemacht. Die wichtigsten internationalen Handelshäfen liegen in der Nähe von Jakarta und Surabaya auf Java sowie bei Medan auf Sumatra. Auf Borneo und Celébes gibt es kleinere Häfen.

Die Erschließung mit Straßen und Schienen ist nur sehr unzureichend. Es gibt 342 700 Kilometer Straßen (1999), davon sind 46 Prozent asphaltiert (1999). Das Schienennetz des Landes hat eine Länge von 5 324 Kilometern (1998) und umfasst beinahe ausschließlich die Inseln Sumatra, Java und Madura. Die wichtigste internationale Fluglinie ist die staatliche Garuda Indonesian Airways. Die größten Flughäfen liegen bei Jakarta, Medan und Denpasar.

86,9 Prozent des indonesischen Stromverbrauchs werden mit Hilfe von Wärmekraftwerken erzeugt, 10,5 Prozent mit Wasserkraftwerken und etwa 2,5 Prozent wird mit Windenergie produziert.

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