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Israel, Staat im Nahen Osten, an der Südostküste des Mittelmeeres. Israel grenzt im Norden an den Libanon, im Nordosten an Syrien, im Osten an Jordanien und im Südwesten an Ägypten. Der südwestlichste Teil des Landes erstreckt sich bis zum Golf von Akaba, einem Arm des Roten Meeres.

Die Fläche des Landes beträgt 21 946 Quadratkilometer. Dazu zählt auch Ostjerusalem, das von Israel im Sechstagekrieg von 1967 besetzt und kurze Zeit später annektiert wurde. Die meisten Staaten erkennen die Annexion jedoch nicht an. Israel eroberte während dieses Krieges auch andere Gebiete, darunter den Gazastreifen, das Westjordanland (West Bank) und die Golanhöhen im Südwesten Syriens.

Seit 1994 stehen der Gazastreifen und Teile des Westjordanlandes unter palästinensischer Selbstverwaltung. Diese Entwicklung erfolgte nach einem historischen Friedensvertrag zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsbewegung (PLO) im September 1993 (siehe Oslo-Verträge). Israel erhebt Anspruch auf den Status Jerusalems als ungeteilte Hauptstadt des Landes.

Das Territorium des israelischen Staates erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung von der syrischen Grenze bis zum Roten Meer über etwa 420 Kilometer und in Ost-West-Richtung von der jordanischen Grenze (bzw. den besetzten Gebieten) bis zur Mittelmeerküste zwischen 16 und 115 Kilometer. Israel lässt sich in fünf topographische Gebiete einteilen: das Hochland von Galiläa, die Ebene von Esdraelon (auch Ebene von Jezreel genannt), die Hügelketten von Judäa und Samaria, die Küstenebenen und die Wüste Negev.

Das Hochland von Galiläa nimmt den nördlichen Teil Israels ein; es erstreckt sich über 40 Kilometer von einer schmalen Küstenebene bis zum See Tiberias (auch See Genezareth). Der höchste Punkt Israels, der Berg Meron (1 208 Meter) liegt in diesem Gebiet. Südlich des Hochlands von Galiläa breitet sich die Ebene von Esdraelon aus. Sie ist 55 Kilometer lang, bis zu 25 Kilometer breit und verläuft von der Gegend um Haifa an der Mittelmeerküste bis zum Jordan. Das frühere Sumpfgebiet wurde trockengelegt, ist heute dicht besiedelt und eine landwirtschaftlich produktive Region.

Über etwa 195 Kilometer entlang dem Mittelmeer erstrecken sich die Küstenebenen mit einer Breite von einem bis maximal 32 Kilometern. Sie umfassen die Ebene von Zevulun, die sich über 16 Kilometer nördlich von Haifa entlang der Bucht von Haifa ausdehnt, die Ebene von Sharon zwischen Haifa und Tel Aviv-Jaffa und die Ebene von Judäa zwischen Tel Aviv und der Stadt Gaza. In den Küstenebenen liegen die größten Städte Israels. Die Hügelketten von Judäa und Samaria erheben sich am Westufer des Jordan; sie fallen zum Toten Meer hin steil ab. Dessen Wasserspiegel liegt 408 Meter unterhalb des Meeresspiegels und markiert damit die tiefste Stelle der Erdoberfläche.

Die Wüste Negev nimmt den Süden des Landes ein. Sie erstreckt sich vom Golf von Akaba nach Norden über nahezu die Hälfte des Staatsgebiets.

Der längste Fluss Israels ist der Jordan. Er entspringt am Berg Hermon an der libanesisch-syrischen Grenze, fließt durch den See Tiberias, der 209 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, und mündet in das Tote Meer.

Die Küstenlinie am Mittelmeer ist wenig gegliedert. Den einzigen natürlichen Hafen bildet die Bucht von Haifa. Ein neuer Hafen wurde bei Ashdod im Süden gebaut.

Die Wasserversorgung zählt zu den zentralen Problemen Israels. Nutzung und Zuteilung der Wasservorkommen liegen in der Verantwortung der Mekorot, der staatlichen Wasserversorgungsbehörde. Hierzu gehören die Reinigung von Abwässern, die Aufbewahrung und Verwendung natürlicher Süßwasservorkommen und die Entsalzung von Brack- und Meerwasser. Die Wasserversorgung erfolgt über Kanäle und Rohrleitungen. Wasser aus dem See Tiberias wird bis in die Wüste Negev transportiert.

Israel liegt im Übergangsbereich zwischen mediterranem Klima und Wüstenklima. Im Januar liegen die Durchschnittstemperaturen in Jerusalem bei 9 °C und in Tel Aviv bei 14 °C. Im Juli betragen die Werte 23 °C bzw. 27 °C. Die Niederschläge beschränken sich auf die Wintermonate. Die mittleren Jahresniederschläge liegen in Galiläa bei 1 000 Millimetern, in Tel Aviv bei 540 Millimetern und im Süden bei Elat am Roten Meer bei lediglich 25 Millimetern. Nur in den Hochlagen kann es im Winter schneien.

In Israel gibt es über 2 800 Pflanzenarten, von denen die meisten zu Gattungen gehören, die lange Dürrezeiten überstehen können. Die Flora des Landes wird geprägt durch die klimatischen und topographischen Bedingungen dreier Gebiete: Dies sind die Mittelmeerküste, die asiatische Steppe und die Wüstenregion auf der Arabischen Halbinsel. Mediterrane Vegetation gedeiht im Norden des Landes, im Bereich Beerscheba (nördlicher Teil der Wüste Negev) dominiert Buschvegetation. In den anderen Teilen des Negev und im südlichen Jordangraben ist die Vegetationsdichte sehr gering; die Flora im nördlichen Teil des Jordangrabens vereint europäische und afrikanische Elemente. Zu den wichtigsten Anbauprodukten zählen Zitrusfrüchte, Bananen, Baumwolle, Tabak, Trauben, Datteln, Feigen, Oliven, Pflaumen und Mandeln. Die Anzahl der Eichen und anderer Laubbäume ist in den letzten Jahren gestiegen. Über 200 Millionen Bäume sind seit 1948 gepflanzt worden, heute nehmen die aufgeforsteten Gebiete 6,4 Prozent der Landesfläche ein (2000).

Es kommen 116 Säugetierarten und 180 Vogelarten vor. Durch Israel führen bedeutende Wanderwege für Zugvögel, die von Europa oder Asien nach Afrika fliegen. Diese Zugstrecken werden im Frühjahr und Herbst von vielen Millionen Vögeln genutzt. Einige bemerkenswerte Arten der Vogelwelt sind Kuhreiher, Küstenreiher, Löffler, Rosaflamingo, Bartgeier, Steppenadler, Wüstenfalke, Halsbandfrankolin (ein Feldhuhn), Kragentrappe, Steppenkiebitz, Rennvogel, Kaptäubchen, Streifenohreule, die Eisvogelarten Braunliest und Graufischer sowie mehrere Arten von Flughühnern. Zu den Großraubtieren zählen Leopard, Wolf, Goldschakal und Streifenhyäne, weitere interessante Raubtiere sind mehrere Arten von Schleichkatzen, Falbkatze (die Vorfahrin unserer Hauskatzen), Sandfuchs und Honigdachs. Die Paarhuferfauna ist u. a. durch Gazellen (Edmigazelle, Dorkasgazelle) repräsentiert. In Israel leben etwa 80 Reptilienarten, zu denen Schlangen, Eidechsen, Chamäleons und Meeresschildkröten gehören.

Die Einwohnerzahl beträgt etwa 6,20 Millionen (2004). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 305 Einwohnern pro Quadratkilometer. Das mittlere Bevölkerungswachstum ist mit 1,29 Prozent im Jahr hoch (2004). Die Lebenserwartung beträgt in Israel 77,1 Jahre für Männer und 81,4 Jahre für Frauen (2004). Der Urbanisierungsgrad ist sehr hoch; 92 Prozent der Bevölkerung leben in Städten (2002).

Etwa 82 Prozent der Bevölkerung sind jüdischer Abstammung, 17 Prozent sind Palästinenser mit israelischer Staatsangehörigkeit. Die kulturelle und ethnische Vielfalt ist groß. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist in Israel geboren (sie werden Sabras genannt), aber ihre Vorfahren stammen aus mehr als 100 verschiedenen Ländern und sprechen insgesamt etwa 85 verschiedene Sprachen oder Dialekte. Die größten Gruppen sind die Aschkenasim, deren Vorfahren aus den mitteleuropäischen Ländern nach Israel eingewandert sind, und die Sephardim, deren Vorfahren von der Iberischen Halbinsel und aus Nordafrika nach Israel kamen. Andere Volksgruppen stammen aus dem Mittleren Osten oder aus Osteuropa. Letztere wanderten vor allem nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Zerfall des Ostblocks nach Israel aus.

Größte Stadt des Landes ist Jerusalem (692 000 Einwohner einschließlich der Altstadt). Weitere wichtige Städte sind das Industriezentrum Tel Aviv-Jaffa (364 000), Haifa (271 000), Holon (166 000) und Ramat Gan (127 000).

Die Amtssprachen sind Hebräisch und Arabisch. Das Hebräische ist am weitesten verbreitet. Die palästinensische Minderheit spricht Arabisch, das ab der fünften Klasse, ebenso wie das Englische, in der Schule unterrichtet wird. Viele Bewohner des Landes sprechen zudem Englisch, Jiddisch, Russisch oder eine andere europäische Sprache. Englisch ist die Handelssprache und wird von den meisten Israelis beherrscht. Nahezu alle Bewohner des Landes sind zweisprachig, da ihre Eltern nach der Staatsgründung im Jahr 1948 nach Israel kamen. Für die Einwanderer gibt es heutzutage staatlich geförderte Hebräisch-Kurse, den so genannten Ulpanim-Unterricht.

Die Angelegenheiten der drei wichtigsten Religionen im Land, Judentum, Islam und Christentum, werden von einem Ministerium für religiöse Angelegenheiten und jeweils zugehörigen Räten in den verschiedenen Religionen koordiniert. 81 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Judentum. Die Muslime haben unter der nichtjüdischen Bevölkerung den größten Anteil (14,4 Prozent der Gesamtbevölkerung); andere Minderheiten sind Christen (2,9 Prozent) und Drusen (1,7 Prozent).

Die jüdischen Feiertage und der Sabbat sind im ganzen Land gesetzlich vorgeschrieben. Der jüdische Kalender basiert auf dem Mondkalender; die Daten der Feiertage weichen deshalb von denen des westlichen Sonnenkalenders ab. Der Monat Tischri – im September bzw. Oktober – beginnt mit dem jüdischen Neujahrsfest, Rosch Haschana. Der wichtigste jüdische Feiertag, der Versöhnungstag Jom Kippur, findet am 10. Tischri statt. Das Laubhüttenfest (Sukkot) beginnt am 15. Tischri, dauert eine ganze Woche und endet mit dem Simhat Thora. Dieser Feiertag markiert den Beginn des einjährigen Zyklus der Thoralesungen. Das Tempelweih- oder Lichterfest Chanukka wird im späten November oder Dezember gefeiert. Passah oder Pessach findet sechs Monate (nach dem Mondkalender) und zwei Wochen nach Rosch Haschana statt. Andere wichtige Fest- und Feiertage sind der Unabhängigkeitstag 21 Tage und Schawuot 50 Tage nach dem Passahfest. Die Zeitrechnung, auf den Tag bezogen, beginnt nach jüdischer Auffassung bei Sonnenuntergang. Deshalb beginnt der jüdische Sabbat bereits freitags bei Sonnenuntergang und endet samstags zur gleichen Zeit.

Die allgemeine Verwaltungs- und Koordinationsbehörde für das Gesundheitswesen ist das Gesundheitsministerium. Krankenversicherungen werden überwiegend privat oder über den Arbeitgeber abgeschlossen. Die größte Versicherung, der zwei Drittel der Bevölkerung angehören, wird von der Histadrut, der israelischen Arbeitergewerkschaft, betrieben. Vom Staat werden Krankenversicherung, Pensionen, Mutterschaftszuwendungen und Hilfen für minderjährige Kinder bezuschusst. Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 7 Sterbefällen pro 1 000 Lebendgeburten.

Die meisten Schriftsteller, die auch in andere Sprachen übersetzt und in anderen Ländern gelesen werden, haben das moderne Israel und seine politische Entwicklung zum Thema, sind aber zugleich auch den jüdischen Traditionen verbunden (siehe hebräische Literatur und hebräisches Theater). Zu den bekanntesten Autoren gehören Max Brod, der Förderer Franz Kafkas, Schmuel Josef Agnon, der 1966 den Nobelpreis für Literatur erhielt, Ephraim Kishon und Amos Oz. In den letzten Jahren hat sich gerade aufgrund der unterschiedlichen kulturellen Traditionen der verschiedenen Volksgruppen eine vielfältige israelische Kunst- und Theaterszene (insbesondere in Tel Aviv) entwickelt. Tel Aviv verkörpert im Gegensatz zum mehr orthodoxen Jerusalem das moderne, westlich orientierte Israel.

In neuerer Zeit haben israelische Künstler wie Yaakov Agam und Dani Karavan auf sich aufmerksam gemacht. Zur Kunst und Architektur Israels siehe jüdische Kunst und Architektur.

Das bekannteste Orchester des Landes sind die Israelischen Philharmoniker, das Stardirigenten aus aller Welt leiteten. Die populäre Musik wird vor allem vom internationalen Musikmarkt beherrscht; die israelische Rock- und Popmusik wird dagegen zwar nur im eigenen Land gehört, hat aber inzwischen internationalen Standard erreicht. In der traditionellen Volksmusik ist der orientalisch-jüdische Einfluss stark zu spüren, ebenso in den Tänzen (siehe jüdische Musik). Bedeutende israelische Musiker sind Daniel Barenboim, Itzhak Perlman und Pinchas Zukerman.

In Israel gibt es über 130 Museen; die bekanntesten sind das Tel-Aviv-Museum und das Israel-Museum in Jerusalem, das bedeutende Exponate jüdischer Volkskunst und moderner Bildhauerei beherbergt. Der Schrein des Buches, ein Teil des Israel-Museums, zeigt die Qumran-Rollen. Unter den mehr als 500 öffentlichen Bibliotheken im Land zählt die jüdische National- und Universitätsbibliothek auf dem Campus der Hebräischen Universität Jerusalem mit ihren 3,5 Millionen Bänden zu den wichtigsten. Der Universität von Tel Aviv ist die Wiener Library angegliedert, eine Forschungsbibliothek, die zeitgeschichtliche Publikationen zum Holocaust sowie zur Judaistik, zum Antisemitismus und zum Faschismus sammelt.

Die israelische Rundfunkanstalt ist für inländische und internationale Radiosender und für das inländische Fernsehen verantwortlich. Es gibt ein staatliches Netzwerk für Fernunterricht. Post, Telefon und Telegraphenamt sind ebenfalls staatlich.

In Israel erscheinen 34 Tageszeitungen (1996). Zu den einflussreichsten zählen Ha’aretz, Davar, Ma’ariv, Yedioth Aharonot und die Jerusalem Post. Daneben gibt es viele Wochenzeitungen und Magazine. Die meisten Zeitungen erscheinen in Tel Aviv.

Es besteht eine elfjährige Schulpflicht; der Schulbesuch ist kostenlos. Neben dem gut ausgebauten staatlichen Schulsystem gibt es auch konfessionelle Schulen.

Die akademische Ausbildung wird durch ein Gesetz von 1958 geregelt, mit dem ein Rat zur Kontrolle der Universitäten und anderer Hochschulen eingesetzt wurde. Zu den wichtigsten Hochschulen zählen die Hebräische Universität von Jerusalem (1918), das Institut für Technologie (1912) in Haifa und die Universität Haifa (1968), die Bar-Ilan Universität (1953) in Ramat Gan, die Universität Tel Aviv (1953), die Ben-Gurion-Universität des Negev (1965) in Beerscheba und das Weizmann-Institut (1949) in Rehovot. In Israel sind etwa 100 000 Studenten eingeschrieben. Die Studenten der weiterführenden Schulen erhalten staatliche und regionale Fördermittel, die bis zu 100 Prozent der Ausbildungskosten betragen können, je nach Einkommen der Eltern.

Israel ist eine parlamentarische Republik. Es gibt keine schriftliche Verfassung, aber Gesetze, die künftig Bestandteil einer Verfassung werden sollen.

Staatsoberhaupt ist der Präsident. Er wird vom Parlament für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt; einmalige Wiederwahl ist möglich. Der Präsident hat überwiegend repräsentative Funktion. Die eigentliche exekutive Gewalt liegt in den Händen des Kabinetts, das aus 26 Ministern besteht und vom Ministerpräsidenten angeführt wird. Das Kabinett bleibt so lange im Amt, wie es das Vertrauen des Parlaments besitzt. Ab 1996 wurde der Ministerpräsident direkt vom Volk gewählt, im März 2001 verabschiedete das Parlament ein Gesetz, dem zufolge der Regierungschef künftig wieder, wie vor 1996, von der Knesset gewählt wird.

Die Legislative liegt beim israelischen Parlament, der Knesset (hebräisch: Versammlung), bestehend aus einer Abgeordnetenkammer mit 120 Mitgliedern, die für vier Jahre nach einem Verhältniswahlsystem gewählt werden. Alle Bürger ab 18 Jahren sind wahlberechtigt.

In Israel gibt es eine staatliche und eine religiöse Gerichtsbarkeit. Höchste Instanz der zivilen Gerichtsbarkeit ist der Oberste Gerichtshof; er ist Oberstes Verwaltungsgericht und höchster Appellationsgerichtshof des Landes. Ihm untergeordnet sind Distriktgerichte; sie bilden die Berufungsgerichte für die niedrigeren Gerichtshöfe, Magistrate und Amtsgerichte. Die religiöse Gerichtsbarkeit umfasst Gerichte der anerkannten religiösen Gemeinschaften; behandelt werden z. B. Hochzeiten, Scheidungen, Unterhaltszahlungen und Testamente.

Israel ist in sechs Verwaltungsbezirke gegliedert: Zentraldistrikt (Ramla), Haifa, Jerusalem, Norddistrikt (Nazareth), Süddistrikt (Beerscheba) und Tel Aviv. Jedem Distrikt wird vom Innenministerium ein Polizeipräsident zugewiesen. In der Praxis zeigt sich der Einfluss der Zentralregierung in allen Landesteilen unmittelbar. Die Lokalregierungen werden von Bürgermeistern oder Gemeinderäten gebildet.

Zwei große politische Strömungen dominieren die Parteienlandschaft Israels. Der konservative Likud-Block entstand 1973 durch die Fusion verschiedener Gruppierungen, darunter die Gahal und die freie Zentrumspartei. Die Israelische Arbeitspartei wurde 1968 als sozialdemokratisches Bündnis aus Mapai, Rafi und Achdut Haavoda gegründet. Darüber hinaus gibt es weitere wichtige Parteien. Die Meretz ist eine Koalition linker Gruppen. Shas ist die Partei der orthodoxen sephardischen Juden. Die 1956 gegründete Nationalreligiöse Partei (NRP) tritt für die strikte Einhaltung der jüdischen Religion und Tradition ein. Agudat Israel, eine Partei orthodoxer Juden, wurde 1912 gegründet. Das Parteienspektrum Israels umfasst noch zahlreiche andere Gruppierungen.

Israel unterhält eine Armee mit einer Stärke von etwa 167 600 Soldaten (2002) und eine Reservistenarmee mit 430 000 Soldaten. Es besteht allgemeine Wehrpflicht für Männer und Frauen ab 18 Jahren; für Frauen beträgt der Wehrdienst zwei, für Männer drei Jahre. Männer unterliegen bis zum Alter von 51 Jahren einer Reservedienstpflicht, Frauen bis 24 Jahre; der Reservedienst beträgt im Durchschnitt ein bis zwei Monate pro Jahr. Die meisten arabischen Bürger sind von der Wehrpflicht befreit, ebenso Angehörige bestimmter religiöser Gruppierungen (z. B. die strenggläubigen ultraorthodoxen Juden). Der Luftwaffe gehören 35 000, der Marine 7 600 Soldaten an (2002).

Israel ist ein relativ rohstoffarmes Land und muss den Hauptteil der benötigten Rohstoffe importieren – sie machen etwa zwei Drittel des Gesamtimports aus. Eine Hauptstütze der Wirtschaft stellt die verarbeitende Industrie dar, die rund 38 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert, das 2002 bei insgesamt 103 689 Millionen US-Dollar lag. Hiervon erwirtschaftet der Dienstleistungssektor den Löwenanteil, etwa 58 Prozent des wirtschaftlichen Gesamtaufkommens. Obwohl der Agrarsektor nur 4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aufbringt, erzielt Israels intensive und stark automatisierte Landwirtschaft immerhin 20 Prozent der gesamten Exporterlöse. Israels Wirtschaft leidet unter einer relativ hohen Inflation – die Inflationsrate lag 1998 bei 8,5 Prozent. Bemühungen, die Inflation einzudämmen, verursachen ein Leistungsbilanzdefizit und eine hohe Auslandsverschuldung (1997: 20,5 Milliarden US-Dollar). Die Arbeitslosigkeit liegt bei 10,3 Prozent (2002).

Landwirtschaft findet vor allem in der Küstenregion und in den relativ niederschlagsreichen nördlichen Landesteilen statt; in der Wüste Negev wurden ausgedehnte Bewässerungskulturen angelegt. Insgesamt ist ein Viertel der Landesfläche landwirtschaftlich nutzbar. Die israelische Landwirtschaft deckt drei Viertel des einheimischen Nahrungsmittelbedarfs. Anfang der neunziger Jahre wurden 887 000 Tonnen Orangen, 523 000 Tonnen Tomaten, 213 000 Tonnen Kartoffeln, 291 000 Tonnen Weizen, 104 000 Tonnen Äpfel, 66 300 Tonnen Melonen, 48 000 Tonnen Avokados und 98 000 Tonnen Weintrauben produziert. Zum Viehbestand zählen 390 000 Rinder, 395 000 Schafe, 63 000 Ziegen sowie 36,4 Millionen Hühner und anderes Geflügel (2003).

Der Erfolg der israelischen Landwirtschaft war nur durch wissenschaftliche Forschung und technologische Fortschritte möglich, insbesondere bei der Landgewinnung und den Bewässerungsprogrammen. Die israelischen Dörfer auf dem Land lassen sich in drei Typen einteilen: die Kollektive (Kibbuzim), in welchen sich die Bewohner Arbeit und Gewinne teilen, die Kooperativen (Moschawim), bei denen einzelne Farmen getrennt produzieren, das Produkt aber gemeinsam vermarktet wird, und die kleinen Bauernhöfe (Moschava), auf denen wie in einem Privatunternehmen gewirtschaftet wird. Die ersten beiden Siedlungstypen wurden auf jenen Ländereien errichtet, die im Besitz der verschiedenen Kolonisierungsorganisationen waren, vor allem in Händen des Jüdischen Nationalfonds. Das Land wurde an die Siedler verpachtet.

Im Zuge der Landgewinnung wurden große Aufforstungsprogramme überwiegend in den schwerer zu bewirtschaftenden hügeligen Regionen durchgeführt. 2000 waren 6,4 Prozent der Landesfläche bewaldet. 2001 wurden 25 100 Tonnen Fisch gefangen, mehr als die Hälfte davon stammten aus der Teichwirtschaft (vor allem Karpfen).

Israel verfügt über vergleichsweise wenig Bodenschätze. Zu ihnen zählen Phosphate (Wüste Negev), Mineralsalze (Totes Meer), Kupfererz und Gips. Daneben gibt es einige Steinbrüche (z. B. Marmor, Granit).

Ein Großteil der bedeutenden Industriestandorte Israels konzentriert sich entlang der Mittelmeerküste. Hier sind vor allem die Ballungsräume um Tel Aviv-Jaffa, Ashdod und Haifa zu nennen. Neben dem Maschinen- und Fahrzeugbau kommt der Verarbeitung von Diamanten eine besondere Rolle zu. Mehr als die Hälfte aller Rohdiamanten der Welt werden in israelischen Diamantenschleifereien veredelt. Weitere wichtige Industriezweige sind Baustoff- und chemische Industrie, Nahrungsmittel- und Elektronikindustrie sowie die Erzeugung von Präzisionsinstrumenten und die Erdölverarbeitung.

Ein wesentlicher Teil der Elektrizität Israels wird in Heizkraftwerken erzeugt. Die Solarenergie spielt eine wachsende Rolle. Alle neu gebauten Häuser in Israel müssen mit Solaranlagen für die Aufbereitung von Warmwasser ausgestattet sein.

Die Banken spielen in Israel eine wichtige Rolle. Die Notenbank des Landes ist die Bank von Israel. Die Währungseinheit ist der Neue Schekel (= 100 Agorot).

Pro Jahr gibt Israel mehr für Importe aus, als es durch Exporte einnimmt. Die wichtigsten Importgüter sind Rohdiamanten, militärische Ausrüstung, Rohöl und Erdölprodukte, Maschinen und Maschinenteile, chemische Produkte, Eisen und Stahl, Transportausrüstungen und Nahrungsmittel. Zu den wesentlichen Exportartikeln gehören geschliffene Diamanten, chemische Erzeugnisse, Zitrusfrüchte, Textilien, Maschinen und Maschinenteile. Die bedeutendsten Handelspartner sind die USA, die Länder der Europäischen Union, Japan, Kanada, die Schweiz und Hongkong. Devisen kommen vor allem durch Touristen in das Land, aber auch durch jüdische Stiftungen in den USA.

Die Gesamtzahl der Beschäftigten betrug Anfang der neunziger Jahre 1,7 Millionen, davon waren etwa ein Drittel Frauen. Der wichtigste und größte Verband der israelischen Arbeiter ist die Histadrut. Deren Mitglieder wurden für Ende der achtziger Jahre auf 1,6 Millionen geschätzt. Davon waren 11 Prozent Araber. Die Histadrut fungiert nicht nur als Gewerkschaft, sondern zählt auch zu den wichtigsten Arbeitgebern des Landes, denn sie betreibt verschiedene Handels- und Industrieunternehmen.

Haifa und Ashdod sind die wichtigsten israelischen Häfen. Der dritte größere Hafen ist Elat am Golf von Akaba. Die Eisenbahn mit 925 Kilometern Schienen (2000) transportiert überwiegend Güter. Der größte Teil des Personen- und Güterverkehrs wird über die Straße abgewickelt; private Busunternehmen haben den öffentlichen Personennah- und Fernverkehr übernommen. Das Straßennetz umfasst 16 521 Kilometer (2001). Neben der staatlichen Fluggesellschaft El Al und ihrer Tochtergesellschaft Arikia wird Israel von verschiedenen internationalen Fluggesellschaften angeflogen. Der internationale Flugverkehr wird über den Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv-Jaffa abgewickelt. Einen zweiten, vor allem für den Tourismus am Roten Meer wichtigen Flughafen gibt es in Elat.

Bei der Proklamation des Staates Israel am 14. Mai 1948 blickten seine Gründer auf mehr als ein halbes Jahrhundert der Bemühungen um die Errichtung eines jüdischen Nationalstaates in Palästina zurück. Während dieser Zeit hatten sich schon die wichtigsten Elemente von Staatlichkeit herausgebildet. Eine entscheidende Rolle in dieser Vorgeschichte Israels spielte die Ende des 19. Jahrhunderts in Europa entstandene zionistische Bewegung (siehe Zionismus), deren Grundsätze bis heute das Fundament des politischen Lebens und des sozialen Zusammenhaltes des Staates bilden. Entstehung, Konflikte und Probleme des Staates Israel sind Teil der jüngsten Geschichte des Judentums wie auch des Nahen Ostens, dessen politische Entwicklung seit über einem halben Jahrhundert durch den Nahostkonflikt und die aus ihm resultierenden Nahostkriege mitgeprägt wird.

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