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Italien (italienisch Italia), Republik in Südeuropa.

Italien grenzt im Norden an die Schweiz und an Österreich, im Osten an Slowenien und an das Adriatische Meer, im Süden an das Ionische Meer, im Westen an das Tyrrhenische Meer und das Ligurische Meer und im Nordwesten an Frankreich. Zusätzlich zum Festland gehören die Mittelmeerinseln Elba, Sardinien, Sizilien und einige kleinere Inseln und Inselgruppen (u. a. die Toskanischen Inseln, Ischia, Capri und die Liparischen Inseln) zum italienischen Staatsgebiet. Die unabhängigen Staaten San Marino und Vatikanstadt stellen politisch selbständige Enklaven innerhalb des Festlandes dar. Letzterer ist ein päpstlicher Staat und ist fast gänzlich von Rom, der Hauptstadt Italiens, umgeben. Die Staatsfläche Italiens beträgt 301 323 Quadratkilometer.

Mehr als die Hälfte des italienischen Staatsgebiets wird von der Italienischen Halbinsel eingenommen. Von Nordwesten bis Südosten misst Italien etwa 1 145 Kilometer. Seine maximale Breite auf dem Festland weist das Land mit circa 610 Kilometern im Norden auf, die Halbinsel kommt nur auf einen Höchstwert von 240 Kilometer.

Italien gliedert sich in drei unterschiedliche Naturräume; dies sind die Alpen, die Poebene und die Apenninen. Rund zwei Drittel des Staatsgebiets sind Hochgebirge. Im Norden hat das Land Anteil an den Alpen, welche die natürliche Grenze zu Mitteleuropa bilden. Im Nordwesten erstrecken sich Teile der kristallinen West- und Zentralalpen, im Nordosten Gebiete der südlichen Kalkalpen mit den Dolomiten auf italienischem Staatsgebiet. Die Alpen verlaufen in einem weiten Bogen von Ventimiglia an der Küste des Ligurischen Meeres im Westen bis Gorizia an der Grenze zu Slowenien im Osten. Zu den spektakulärsten Gipfeln gehören z. B. der Monte Cervino (4 478 Meter) und die Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv (4 634 Meter). Italiens höchste Erhebung befindet sich in der Nähe des Gipfels des Montblanc (Monte Bianco) an der italienisch-französisch-schweizerischen Grenze. Der Gipfel des Montblanc (4 810 Meter) liegt auf französischem Gebiet. Im östlichen Teil des italienischen Alpenanteils ragen die Dolomiten in der Marmolada bis in eine Höhe von 3 342 Metern auf. Insgesamt erreichen 18 Gipfel der Dolomiten Höhen von mehr als 3 000 Metern. Aus den Alpen reichen zum Teil tief eingeschnittene Täler in das südliche Alpenvorland. Dort dämmen Moränen die durch die Tätigkeit von Gletschern während der vergangenen Eiszeiten entstandenen Becken nach Süden hin ab. In diesen Becken entstanden durch das beim nacheiszeitlichen Abschmelzen der Gletscher anfallende Schmelzwasser zum Teil sehr große Seen.

Zwischen den Alpen und den Apenninen breitet sich die weite, von Westen nach Osten reichende Poebene aus. Sie ist das fruchtbarste Gebiet und gleichzeitig die wirtschaftlich aktivste Region des Landes. Im nordöstlichen Teil geht die Poebene in das Tiefland von Venetien über. Der Küstenabschnitt am Adriatischen Meer ist in diesem Bereich überaus flach und wird von zahlreichen Strandseen und Lagunen geprägt.

Die Alpen werden in Ligurien nur durch einen schmalen Küstenstreifen von den Apenninen getrennt. Bei diesen handelt es sich um ein lang gestrecktes, geologisch junges Faltengebirge, das überwiegend Mittelgebirgscharakter hat. Die nördlichen Apenninen ziehen sich von den Seealpen entlang des Golfes von Genua bis zu den Quellen des Tiber und erreichen ihre höchste Erhebung im Monte Cimone (2 165 Meter). Die zentralen Apenninen beginnen an den Quellen des Tiber und setzen sich aus mehreren parallel zueinander verlaufenden Gebirgsketten zusammen. Im Osten dieses zerklüfteten Gebirgszuges liegt der mit 2 912 Meter höchste Gipfel der Apenninen, der Corno Grande im Massiv Gran Sasso d’Italia, das in den Abruzzen liegt. In ihrem zentralen Abschnitt greifen die Apenninen in einem Bogen weit nach Osten aus; die Beckenlandschaften im Westen werden u. a. von Arno, Ombrone und Tiber durchflossen. Die südlichen Apenninen verlaufen vom Flusstal des Sangro bis zur Küste des Golfes von Tarent in südöstlicher, dann weiter in südlicher Richtung. Im südlichsten Teil der Apenninen auf dem italienischen Festland erheben sich in Kalabrien die Bergmassive La Sila (1 928 Meter) und Aspromonte (1 955 Meter). Ausläufer der Apenninen reichen bis nach Sizilien und bilden dort die Bergketten Nebrodi und Madonie.

Wie andere Alpenländer verzeichnet auch Italien einen drastischen Gletscherrückgang. Während Gletscher gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch rund 1 000 Quadratkilometer bedeckt hatten, waren es Ende des 20. Jahrhunderts nur noch etwa 500 Quadratkilometer. Zahlreiche kleinere Gletscher verschwanden, größere – wie etwa am Ortler – nahmen stark an Fläche ab. Als Grund für diese Entwicklung führen Glaziologen den Treibhauseffekt an.

Nur circa ein Drittel der gesamten Oberfläche Italiens ist Flachland, das größte zusammenhängende Gebiet dieser Art befindet sich in der Lombardei. Die italienische Küste entlang des Adriatischen Meeres ist im Norden flach und sandig und geht in seichtes Gewässer über. Abgesehen von Venedig können aus Mangel an entsprechenden Häfen hochseetaugliche Schiffe in diesem Bereich nur schwer anlegen. Etwas südlich von Rimini wird die Ostküste der Halbinsel von den Vorsprüngen der Apenninen gesäumt.

Auf mittlerer Höhe entlang der Westküste sind drei Streifen flachen Sumpfgebiets entwickelt, die Campagna Romana, die Pontinischen Sümpfe und die Maremmen. Ansonsten wird die Westküste des Landes über weite Strecken von Buchten gegliedert, in denen zahlreiche natürliche Ankerplätze zur Verfügung stehen. Im Nordwesten befindet sich im Golf von Genua der Hafen der wichtigen Handelsstadt Genua. Neapel, eine weitere bedeutende Hafenstadt der Westküste, liegt an dem vom Vulkan Vesuv überragten Golf von Neapel. Etwas weiter südlich schließt der Golf von Salerno mit dem Hafen von Salerno an. Am südlichen Ende der Halbinsel bildet der Golf von Tarent eine tiefe Einbuchtung ins Landesinnere und trennt damit den so genannten „Absatz” von Italien von der „Spitze” (Kalabrien). Die Ausläufer der Apenninen reichen bis über die Straße von Messina und durchqueren die Insel Sizilien. Auf dieser liegt der Vulkan Ätna (3 323 Meter), der aktivste Vulkan Europas. Ein weiterer noch tätiger Vulkan erhebt sich auf Stromboli, einer der Liparischen Inseln nordwestlich der Straße von Messina. Italien wird jedoch nicht nur von Vulkanausbrüchen, sondern auch von zahlreichen kleineren Erdbeben, vor allem in den südlichen Regionen, heimgesucht.

Italien verfügt über zahlreiche Flüsse, die längsten sind der Po und die Etsch. Der 652 Kilometer lange Po ist von Turin bis zu seiner Mündung ins Adriatische Meer schiffbar und stellt mit seinen Nebenflüssen circa 965 Kilometer inländischer Wasserwege bereit. Die Etsch (410 Kilometer) entspringt am Reschenpass, durchfließt die Ebene des Po, mit dem sie durch Kanäle verbunden ist, und mündet nördlich des Po in das Adriatische Meer.

Die Flüsse der Italienischen Halbinsel sind überwiegend seicht, während der Sommermonate oft ausgetrocknet und folglich für die Schifffahrt und die Industrie wenig geeignet. Arno und Tiber sind die längsten Flüsse dieser Apenninenhalbinsel. Der Arno entspringt in den Apenninen und fließt etwa 241 Kilometer in westlicher Richtung durch ein fruchtbares, landwirtschaftlich genutztes Tal und durchquert auch die Städte Florenz und Pisa. In der Nähe der Quellen des Arno liegen auch die des Tiber, der durch Rom fließt. Auf dem Staatsgebiet von Italien befinden sich auch zahlreiche Seen. Die größten sind im Norden des Landes der Gardasee, der Lago Maggiore, der Comer See und der Iseosee. Sie befinden sich am südlichen Alpenrand in den ehemals von Gletschern ausgeschürften Becken. Die größten Seen auf der Halbinsel sind der Trasimenische See, der Bolsenasee und der Braccianosee.

Italiens Klima ist aufgrund der großen Längenerstreckung und des stark gegliederten Reliefs äußerst vielfältig und reicht vom alpinen Klima der höheren Lagen der Alpen und der Apenninen bis hin zum subtropischen Klima entlang der Küsten des Ligurischen Meeres und der südlichen Abschnitte der Halbinsel.

Das Gebiet der Alpen ist je nach Höhenlage durch kühlgemäßigte bis alpine Bedingungen gekennzeichnet. Hauptregenzeit ist im Gebirge der Sommer. Die mittleren Monatstemperaturen in Bozen liegen im Januar bei 0 °C, im Juli bei 22 °C. In Bozen werden mittlere Jahresniederschläge von etwa 800 Millimetern verzeichnet. Die Poebene ist durch winterkaltes Klima geprägt. Die Niederschläge fallen hier weniger im Sommer, sondern erreichen ihre Höchstwerte im Frühling und im Herbst. Die Monatsmitteltemperaturen liegen in Mailand bei 2 °C (Januar) bzw. 23 °C (Juli); der mittlere Jahresniederschlag beläuft sich hier auf etwa 900 Millimeter.

Das Klima auf der Halbinsel unterliegt hohen regionalen Schwankungen, die hauptsächlich durch die Apenninen verursacht und von den Winden der umliegenden Meere beeinflusst werden. Die klimatischen Bedingungen zeigen hier eine deutliche Abhängigkeit von der Entfernung zum Meer und der Höhenlage. In den Ebenen und in den tieferen Lagen der Apenninen sind die Winter mild, die Sommer sehr warm. Extrem hohe Temperaturen während der warmen Jahreszeit werden durch die kühlenden Brisen vom Mittelmeer gemildert. Auf der gleichen geographischen Breite im Osten der Halbinsel sind die Temperaturen wesentlich niedriger, was vor allem an den vorherrschenden nordöstlichen Winden liegt.

In den Küstenregionen Italiens herrscht mediterranes Klima; die Sommer sind heiß und trocken, die Winter mild und feucht. In San Remo, an der Küste des Ligurischen Meeres, nahe der Grenze zu Frankreich, liegt die mittlere Januartemperatur bei 10 °C, die des Juli bei 23 °C; die Jahresniederschläge betragen rund 800 Millimeter. Ähnlich sind die klimatischen Bedingungen entlang der Westküste bis nach Sizilien, wo die Sommer noch etwas wärmer sind (Julimittel 25 °C); allerdings ist es mit circa 500 Millimetern trockener als in den nördlicher gelegenen Küstengebieten.

Früher waren weite Teile Italiens mit Wald bedeckt. Intensive Rodungen zum Zweck der Ausweitung von Siedlungs- und Agrarflächen sowie zur Gewinnung von Brennholz und Rohstoffen für den Schiffsbau führten während der vergangenen Jahrhunderte zum Verlust weiter Waldflächen. Die verbliebenen Laub- und Nadelwälder in den Alpenregionen gehen ab etwa einer Höhe von 1 800 bis 2 100 Metern in Strauchformationen mit nur geringem Anteil an Bäumen über. Oberhalb der Baumgrenze sind alpine Matten mit Rasengesellschaften verbreitet.

Die Poebene wird großflächig agrarisch genutzt; zahlreiche Kulturpflanzen werden hier angebaut. In den zentralen und südlichen Regionen Italiens ist eine typisch mediterrane Pflanzenwelt verbreitet, die in Mittelitalien bis in 400 Meter und in Süditalien bis in 800 Meter Höhe reicht. Im Norden des Landes gedeiht sie auch im Bereich der Alpenrandseen, z. B. in den Uferregionen des Gardasees, sowie an der ligurischen Küste. Zu den charakteristischen Kulturpflanzen Italiens zählen Ölbäume und Citrusbäume; im Süden gedeihen Dattelpalmen sowie Feigen-, Granatapfel- und Mandelbäume, darüber hinaus werden Zuckerrohr und Baumwolle angepflanzt.

Die niedrigeren Hänge der Apenninen sind mit Kastanien, Zypressen und Eichen bewachsen, während in höheren Lagen Pinien- und Tannenwälder verbreitet sind. Lang anhaltende Abholzung und Überweidung führten in manchen Gebieten zur Entwicklung der Macchie, einer typischen Sekundärvegetation, die heute in weiten Teilen des Mittelmeerraumes der vorherrschende Vegetationstyp ist. Arten der Macchie sind Baumheide, Lorbeer und Zistrosen.

Die Tierwelt, insbesondere die Avifauna (Vogelwelt), wird durch die in Italien weit verbreitete freie Jagd, der auch zahllose Zugvögel zum Opfer fallen, stark beeinträchtigt. Vorkommen größerer Säugetiere sind weitgehend auf Naturparks beschränkt. Im Gran Paradiso Nationalpark gelang es, eine Restpopulation des durch Überbejagung gefährdeten Steinbocks für Wiedereinbürgerungen zu vermehren. In den Abruzzen leben noch Braunbären und Wölfe, in den Alpen finden Luchse, Gämsen, Murmeltiere und Schneehasen Lebensraum. Zwei aus anderen Regionen eingeführte Säugetiere sind das Nordafrikanische Stachelschwein und der Indische Mungo (eine Schleichkatze). In Italien lebt das kleinste Säugetier Europas, die Etruskerspitzmaus.

Zu den Greifvögeln gehören Adler (Habichtsadler, Steinadler, Seeadler, Schelladler, Schlangenadler, Fischadler), Geier (Schmutzgeier), Milane, Weihen, Bussarde und Falken. Bemerkenswerte Vogelarten der Feuchtgebiete sind Reiher (Nachtreiher, Seidenreiher, Graureiher, Purpurreiher), Sichler und Rosaflamingos (die beiden letzteren auf Sardinien). Die Reptilienfauna ist u. a. durch zahlreiche Eidechsen- und Schlangenarten (Nattern, giftige Vipern) repräsentiert, zudem gibt es Geckos und auf Sizilien Chamäleons. In einigen Gebieten leben Skorpione.

Die Einwohnerzahl Italiens beträgt rund 58,1 Millionen (2004). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 198 Einwohnern pro Quadratkilometer (2004). Die höchsten Werte werden im Norden des Landes verzeichnet. Hier sind die Geburtenraten zwar niedriger als in den südlichen Landesteilen, jedoch hält der Zuzug aus dem Süden in den stärker industrialisierten Norden an. Die bevorzugte Region für Zuwanderer aus dem Süden ist dabei das so genannte Industriedreieck Mailand-Turin-Genua. Das jährliche Wachstum der Bevölkerung in Italien beträgt etwa 0,09 Prozent (2004). Die mittlere Lebenserwartung liegt für Frauen bei 82,7 Jahren, für Männer bei 76,6 Jahren (2004). Die hohen Auswanderungsraten aus den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts sind stark zurückgegangen. Demgegenüber stieg die Zahl der Rückwanderer an. Mittlerweile besteht ein Gleichgewicht bei den Zahlen der Aus- und Rückwanderer.

Nach einer groben Gliederung kann man das Land in den stärker industrialisierten Norden (das Gebiet von der nördlichen Landesgrenze bis Rom) und den vor allem agrarisch strukturierten, ländlichen Süden (Mezzogiorno) unterteilen. Im Norden liegt die Mehrzahl der größeren Städte; hier leben rund zwei Drittel der Bevölkerung Italiens. Allerdings sind auch in Norditalien einige Gebiete, wie z. B. in den Alpen, nur sehr dünn besiedelt. Mittlerweile wohnen etwa 67 Prozent der italienischen Bevölkerung in Städten. Bis in die späten achtziger Jahre hinein stieg der Urbanisierungsgrad stark an, stagnierte jedoch in den neunziger Jahren.

Die größte Stadt und zugleich Hauptstadt Italiens ist Rom mit 2,66 Millionen Einwohnern (2001), ein kulturelles wie auch überragendes touristisches Zentrum. Weitere bedeutende Städte sind das Industrie- und Finanzzentrum Mailand (1,30 Millionen), Neapel (1 Million), mit einem der am stärksten frequentierten Häfen Italiens, die Industriestadt Turin (900 987), Palermo (679 290), Hauptstadt und wichtigste Hafenstadt Siziliens, Genua (632 366), die führende Hafenstadt Italiens, das Handelszentrum Bologna (379 964), das überragende kulturelle Zentrum Florenz (374 501), Bari (332 143), Catania (336 222) und Venedig (275 368).

Amtssprache des Landes ist Italienisch, regionale Amtssprachen für anerkannte Minderheiten sind Deutsch in Südtirol, Französisch im Aostatal und Slowenisch in Friaul-Julisch-Venetien. Auf Sardinien sind Katalanisch und Sardisch verbreitet. Minderheitensprachen in Süditalien sind Kroatisch und Griechisch. Die im Süden der Provinz Trentino-Alto Adige ansässigen Ladiner sprechen Ladinisch, eine der rätoromanischen Sprachen.

Etwa 90 Prozent der Italiener sind Anhänger des römisch-katholischen Glaubens, der bis 1984 Staatsreligion war. Die Verfassung garantiert nun Religionsfreiheit. Zum Protestantismus bekennen sich etwa 50 000 Einwohner, zum Judentum rund 35 000. Die in Italien lebenden Muslime sind meist Bosnier, die während des Bosnisch-Kroatisch-Serbischen Krieges hierher kamen.

Am 6. Januar wird Epiphanias, das Dreikönigsfest, gefeiert, an dem die Weihnachtshexe Befana die Menschen besucht. Befana ist der Überlieferung zufolge eine alte freundliche Hexe, die die Heiligen Drei Könige nicht begleiten konnte, und die seitdem nach dem Jesuskind sucht. In vielen Teilen Italiens wird an den Tagen, die der Fastenzeit unmittelbar vorausgehen, mit Umzügen und Kostümfesten der Carnevale gefeiert. Der Tag der Befreiung am 25. April erinnert an die Befreiung Italiens im 2. Weltkrieg. Am 15. August begehen die Italiener den Feiertag Mariä Himmelfahrt. An diesem Tag beginnt auch Ferragosto, d. h. die Ferien, in denen alle großen Unternehmen schließen. An Allerheiligen (1. November) gedenken die Italiener aller katholischen Heiligen. Einen Tag später, am 2. November, folgt Allerseelen (Il Giorno dei Morti). Am 6. Dezember feiern die Italiener das Fest des heiligen Nikolaus (Festa di San Nicola). Der heilige Nikolaus ist u. a. der Schutzpatron der Schiffer und Kinder. Auf ihn geht auch der von uns gefeierte Nikolaus zurück, der in Italien unter dem Namen Babbo Natale (Weihnachtsmann) bekannt ist. Der 8. Dezember ist der Tag der Unbefleckten Empfängnis.

Ein staatliches Gesundheitswesen wurde 1980 in der Absicht eingeführt, allen Bürgern freie medizinische Versorgung zu gewähren. Die Sozialversicherung, überwiegend von den Arbeitgebern getragen, versorgt auch Behinderte und Alte sowie Staatspensionäre, Bauern, arbeitslose Landarbeiter und Lehrlinge.

Große soziale Unterschiede bestehen zwischen dem wirtschaftlich geprägten Norditalien und dem eher landwirtschaftlichen Süden.

Der italienische Einfluss auf die europäische Bildung geht bis auf die frühen römischen Erzieher und Gelehrten zurück, von denen die herausragendsten Cicero, Quintilian und Seneca waren. Im Mittelalter galten die italienischen Universitäten als Modelle für andere Länder. Während der Renaissance unterrichteten italienische Gelehrte in fast ganz Europa geisteswissenschaftliche Fächer, besonders griechische Sprache und griechische Literatur. Dieser Einfluss hielt bis zum Ende des 17. Jahrhunderts an. Nach einer wenig bedeutenden Phase im 18. und 19. Jahrhundert gewann das italienische Bildungswesen im 20. Jahrhundert wieder internationale Anerkennung, so auch Maria Montessoris neue Methoden der Kindererziehung (siehe Montessori-Pädagogik).

Das moderne Bildungswesen wurde 1859 durch die Verabschiedung eines Gesetzes begründet, das ein vollständiges Schulsystem von der Elementarstufe bis zur Universität vorsah. Es wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts stetig verbessert. 1923 setzte sich der Philosoph Giovanni Gentile, der unter Benito Mussolini Unterrichtsminister war, für eine völlige Kontrolle des Staates über das Bildungswesen ein. Dies wurde durch die Schulsatzung von 1939 bekräftigt. Nach dem Ende des Faschismus 1944 wurde das Schulsystem jedoch nach demokratischen Richtlinien umorganisiert. Die Verfassung von 1947 und spätere Gesetze hatten einen Anstieg des allgemeinen Bildungsniveaus zur Folge und ermutigten Experimente wie beispielsweise Erwachsenenbildung über das Fernsehen (telescuola).

Für Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren stehen Kindergärten zur Verfügung. Die Dauer der Schulpflicht beträgt 9 Jahre (2000); in dieser Zeit ist der Schulbesuch gebührenfrei. Innerhalb dieses Abschnitts sind fünf Schuljahre in der Elementarstufe und drei Jahre Sekundarstufe vorgesehen. Letztere absolviert man in einer allgemeinen Sekundarschule. Im Anschluss daran bieten weiterführende Schulen der fortgeschrittenen Sekundarstufe eine berufsspezifische Ausbildung oder eine Vorbereitung auf die Universität an. Die Zugangsberechtigung zur Universität kann in Schulen verschiedener Ausrichtung erworben werden, in klassischen, wissenschaftlichen, pädagogischen, technischen oder Wirtschaftsschulen. Auch Kunstakademien und Musikkonservatorien können besucht werden; berufsspezifische Ausbildungsgänge schließen auch die Bereiche Industrie und Landwirtschaft ein.

Im 13. Jahrhundert wurden sechs italienische Universitäten gegründet, fünf im 14. Jahrhundert. Die älteste ist die Universität Bologna, sie geht bis auf das 11. Jahrhundert zurück. Die Universität Rom ist mit circa 180 000 Studenten die größte des Landes. Weitere namhafte Universitäten befinden sich in Bari, Florenz, Genua, Mailand, Padua, Perugia, Pisa, Siena und Triest.

Von der Antike bis zur heutigen Zeit spielten die italienische Kunst und Architektur sowie die italienische Literatur international eine zentrale Rolle. Auch die italienische Musik war stil- und gattungsbildend, vor allem im Bereich der Oper, die im Italien des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts ihren Anfang nahm.

In Italien gibt es aufgrund der natürlichen geographischen Grenzen und des ungleichen kulturellen Erbes, das in den Kulturen der Griechen, Etrusker, Araber, Normannen und Langobarden wurzelt, auf kulturellem Gebiet bedeutende regionale Unterschiede. Diese Vielfalt spiegelt sich in den unterschiedlichen Dialekten, Feiertagen, Festen, Liedern und in der regionalen Küche wider.

Bedeutende italienischen Maler sind Giotto, Fra Angelico, Michelangelo, Leonardo da Vinci, Raffael, Tizian und Amedeo Modigliani, herausragende Komponisten Antonio Vivaldi, Gaetano Donizetti, Giacomo Puccini, Gioacchino Rossini und Giuseppe Verdi. Die Biennale, ein internationales Filmfestival in Venedig, ist weltbekannt. italienischer Film

Italien verfügt über eine Vielzahl bedeutender Bibliotheken. Die umfangreichsten und wertvollsten sind die Nationalbibliotheken von Florenz, Neapel und Rom. Auch in mehreren Universitäten findet man gut ausgestattete Bibliotheken. Kleinere Sammlungen mit aus der jeweiligen Gegend stammenden Manuskripten und Inkunabeln kann fast jede italienische Stadt aufweisen.

Zahlreiche italienische Städte beherbergen weltbekannte Kunstsammlungen. Die wichtigsten Kunstmuseen sind die Uffizien und die Medici-Kapelle in Florenz, das Nationalmuseum in Neapel sowie in Rom das Museum Villa Giulia, Museum und Galerie Borghese und die Nationalgalerie für Moderne Kunst. Der Vatikan verfügt über bedeutende Kunstsammlungen in seinen Museen und Kapellen, am bekanntesten ist die Sixtinische Kapelle.

Seit 1976 das Monopol der italienischen Regierung für Fernseh- und Rundfunkübertragungen aufgehoben wurde, hat sich die Anzahl der Radio- und Fernsehstationen auf über 1 000 erhöht. Mit dem Anstieg der Sender nahm die Bedeutung der Printmedien ab. Nach wie vor spielen lokale und regionale Veröffentlichungen, einschließlich derjenigen der politischen Parteien und der römisch-katholischen Kirche, eine tragende Rolle in der italienischen Medienlandschaft. Einflussreiche Tageszeitungen sind die Corriere della Sera (Mailand, mit einer römischen Ausgabe), La Repubblica (Rom) und La Stampa (Turin).

Nach der Verfassung von 1948 ist Italien eine parlamentarisch-demokratische Republik. Obwohl die zeitweise instabile Politik seither über 50 verschiedene Regierungen hervorgebracht hat, wird die Ordnung durch eine fest verankerte, die gewählten Amtsträger stützende Bürokratie aufrechterhalten.

Staatsoberhaupt Italiens ist der Präsident; er wird vom Parlament und jeweils drei Vertretern der 20 Regionalversammlungen für eine Amtsperiode von sieben Jahren gewählt. Das Aostatal entsendet nur einen Vertreter. Der Präsident – er muss ein Mindestalter von 50 Jahren besitzen – ist gewählt, wenn er eine Zweidrittelmehrheit erhält. Er hat, abgesehen von den letzten sechs Monaten seiner Amtszeit, jederzeit das Recht, den Senat und das Abgeordnetenhaus aufzulösen. In der Regel hat er wenig mit den laufenden Regierungsgeschäften zu tun, sondern beschränkt sich überwiegend auf repräsentative Aufgaben. Die Exekutive wird vornehmlich vom Ministerpräsidenten ausgeübt, der vom Präsidenten bestimmt wird. Der Ministerpräsident ist in der Regel der Führer der stärksten Partei im Abgeordnetenhaus.

Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament. Es setzt sich aus dem Abgeordnetenhaus und dem Senat zusammen. Beide werden vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Lange Zeit war es üblich, dass die Bürger eine Partei wählten und die Parteiführer sodann eine den erhaltenen Stimmen entsprechende Anzahl an Abgeordneten ernannten. Infolge von Korruptionsskandalen Anfang der neunziger Jahre plädierten jedoch etliche Volksentscheide im April 1993 für ein direkteres Wahlsystem. Den Anfang machten dabei die Wahlen im März 1994, als drei Viertel der 630 Sitze des Abgeordnetenhauses und im gleichen Verhältnis die 325 Sitze im Senat durch direkte Wahl der Kandidaten besetzt wurden. Die verbleibenden 25 Prozent der Vertreter werden weiterhin von den Parteichefs gemäß dem Wahlerfolg der Partei ernannt. Eine ausgewählte Gruppe aus Ehrenbürgern und ehemaligen Präsidenten ist im Senat Mitglied auf Lebenszeit. Für die Wahl eines Senators sind alle Bürger ab 25 Jahren berechtigt, für alle anderen Wahlen alle Bürger ab 18 Jahren.

Die italienische Rechtsprechung basiert auf römischen Traditionen und dem französischen Code civil. Der Verfassungsgerichtshof (Corte Constituzionale) überwacht die Einhaltung der Verfassung. Er besteht aus 15 Richtern; fünf von diesen werden vom Präsidenten der Republik ernannt, fünf von Senat und Abgeordnetenhaus gemeinsam und fünf vom Obersten Gerichtshof. Der Oberste Kassationsgerichtshof (Corte Supreme di Cassazione) ist das oberste Berufungsgericht und für alle nicht die Verfassung betreffenden Fälle zuständig. Darunter sind für die Strafgerichtsbarkeit Bezirksgerichte, Tribunale und Berufungsgerichte eingerichtet.

Italien ist in 20 Regionen unterteilt, diese wiederum in insgesamt 95 Provinzen. Fünf der 20 Regionen besitzen einen Sonderstatus; dabei handelt es sich um das Aostatal, Friaul-Julisch-Venetien, Sizilien, Sardinien und Trentino-Südtirol. Jede Region hat ein Verwaltungsoberhaupt, das einer vom Volk gewählten Versammlung verantwortlich ist. Die Regierungen der Regionen sind mit beträchtlichen Kompetenzen ausgestattet. Das Oberhaupt einer Provinz, der Präfekt, wird von der Zentralregierung ernannt und ist ihr gegenüber verantwortlich; in der Praxis hat er nur geringe Machtbefugnisse. Die Verwaltung der Provinzen unterliegt jeweils einem gewählten Provinzialrat und einem Provinzialausschuss mit Exekutivgewalt.

In der ersten Hälfte der neunziger Jahre erlebte die italienische Parteienlandschaft eine tief greifende Umgestaltung und Neuorientierung. Ursache war der Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust der etablierten Parteien, der wiederum aus der Häufung der Korruptionsaffären resultierte, in die zahlreiche führende Politiker verwickelt waren, sowie aus der offensichtlichen Unfähigkeit der etablierten Kräfte, eine tragfähige Regierung zu bilden und die anstehenden Probleme zu lösen. Bis in die neunziger Jahre hatte ein italienisches Kabinett eine durchschnittliche Lebensdauer von zehn Monaten, gefolgt jeweils von mehr oder weniger langen regierungslosen Phasen.

Bis in die neunziger Jahre dominierte die Democrazia Cristiana (DC, Christdemokraten) die Parteienlandschaft. Sie kam bis in die achtziger Jahre bei den Parlamentswahlen jeweils auf etwa 40 Prozent und stellte bis 1981 ohne Unterbrechung den Ministerpräsidenten; bis 1994 war sie stärkste Fraktion und an allen Regierungen beteiligt. Zweitstärkste Kraft war seit Bestehen der Republik der Partito Comunista Italiano (PCI, Kommunistische Partei Italiens), die mitgliederstärkste kommunistische Partei im Westen, mit Stimmenanteilen bei den Parlamentswahlen zwischen 16 und knapp 35 Prozent. Die Sozialisten waren in zwei Parteien gespalten: den prowestlichen Partito Socialista Democratico Italiano (PSDI) und den kommunistisch orientierten Partito Socialista Italiano (PSI).

1991 änderte der PCI seinen Namen in Partito Democratico della Sinistra (PDS, Demokratische Partei der Linken) und gab sich ein neues Programm. Die orthodoxen Kommunisten spalteten sich als Partito di Rifondazione Comunista (PRC, Partei der Kommunistischen Neugründung) vom PDS ab. Ebenfalls 1991 schlossen sich mehrere kleine norditalienische Autonomiebewegungen zur rechtsgerichteten Lega Nord zusammen. Im Januar 1994 zog die DC die Konsequenz aus ihrer letzten Wahlniederlage und ihrer Verwicklung in diverse Korruptionsaffären, löste sich auf und gründete sich als Partito Populare Italiano (PPI, Italienische Volkspartei) neu. Der rechte Flügel trennte sich als Centro Cristiano Democratico (CCD, Christlich-Demokratisches Zentrum) von den ehemaligen Christdemokraten. Im Juli 1995 erlebte der PPI neuerlich eine Abspaltung: Der konservative Flügel konstituierte sich unter dem Namen Cristiani democratici uniti (CDU, Vereinte Christdemokraten) als eigene Partei. Im November 1994 löste sich auch der PSI auf und gründete sich als Socialisti Italiani (SI, Italienische Sozialisten) neu. Im Dezember 1993 gründete der Medienunternehmer Silvio Berlusconi die rechtspopulistische Forza Italia, und im Januar 1994 schlossen sich verschiedene kleiner Rechtsparteien unter der Führung der Neofaschisten zur Alleanza Nazionale (AN, Nationale Allianz) zusammen.

In Reaktion auf die Wahlrechtsreform – 75 Prozent der Abgeordneten werden seit 1994 per Mehrheitswahlrecht ermittelt – schlossen sich die Parteien zu Wahlbündnissen zusammen. 1994 waren das: Das Linksbündnis Alleanza Progressiva oder Progressisti, bestehend aus PSI, PRC, Verdi (Grüne) sowie anderen kleineren Linksparteien unter der Führung des PDS; das Rechtsbündnis Polo della libertà e del buon governo (Pol der Freiheit und des guten Regierens) aus Lega Nord, AN, CCD und anderen Rechtsparteien unter der Führung der Forza Italia; und das Wahlbündnis der Mitte aus PPI und Pakt für Italien. Bei den Märzwahlen 1994 konnte sich von den alten Parteien bzw. deren Nachfolgerinnen allein der PDS als weiterhin zweitstärkste Kraft behaupten; alle anderen verloren zugunsten des Rechtsbündnisses, das die abolute Mehrheit gewann.

Im Vorfeld der Aprilwahlen 1996 formierten sich die Wahlbündnisse neu: Zum Mitte-links-Bündnis L’Ulivo (Ölbaum) schlossen sich PDS, PPI und Verdi zusammen; im Rechtsbündnis Polo della libertà (Pol der Freiheit) fanden sich Forza Italia, AN, CCD und CDU zusammen. Die Lega Nord, der PRC und andere kleinere Parteien schlossen sich keinem der beiden Bündnisse an. Aus den Wahlen ging das Mitte-links-Bündnis als Sieger hervor, war allerdings im Parlament auf die Unterstützung des PRC angewiesen. Stärkste Fraktion wurde der PDS, gefolgt von den Rechtsparteien Forza Italia, AN und Lega Nord.

Für die Parlamentswahlen vom Mai 2001 formierte sich das rechte Lager neu. Forza Italia, Alleanza Nazionale und Lega Nord schlossen sich zur Casa delle Libertà zusammen. Das von Berlusconi geführte Rechtsbündnis trat gegen das regierende Mitte-links-Bündnis L’Ulivo an und erreichte in beiden Kammern die absolute Mehrheit der Sitze.

Die Mafia ist ein Netzwerk krimineller Gruppen und entwickelte sich bereits im Mittelalter in Sizilien. Sie ist wegen ihrer starken Familienbande, ihrer rücksichtslosen Gewalt und ihrer strengen Schweigepflicht (Omertà) bekannt und kontrolliert vor allem Sizilien. Dabei unterwandert bzw. manipuliert sie lokale Verwaltungen und erpresst Gelder. Abgesehen von einer zeitweisen Eindämmung durch Benito Mussolini von den zwanziger Jahren bis zum Ende des 2. Weltkrieges, hat die Mafia während des 20. Jahrhunderts ihren Einfluss über sowohl legale als auch illegale Unternehmen, besonders im Süden des Landes, kontinuierlich ausgebaut. Ihr Einflussbereich wurde durch die Emigration von Mitgliedern auch auf andere Länder ausgedehnt. Seit den siebziger Jahren kontrolliert die Mafia einen großen Teil des weltweiten Heroinhandels. Mitte der achtziger Jahre begann die Regierung erneut, die Drahtzieher und die Aktivitäten der Mafia zu verfolgen und zu verurteilen. Dies sowie eine Reihe politischer Skandale, bei denen die Beziehungen einiger italienischer Politiker zur Mafia aufgedeckt wurden, gaben Anlass zu der Hoffnung, dass der Einfluss der Mafia in Italien eines Tages nachlassen würde.

Italiens Streitkräfte wurden seit dem Beitritt zur NATO (North Atlantic Treaty Organization: Nordatlantischer Verteidigungspakt) im Jahr 1949 stark vergrößert. Das Militär umfasst insgesamt etwa 200 000 Soldaten, davon ein Heer mit rund 116 000, eine Marine mit circa 36 000 und eine Luftwaffe mit ungefähr 48 000 Soldaten (2002). Am 26. Oktober 2000 verabschiedete der Senat mit großer Mehrheit das Gesetz zur Abschaffung der Wehrpflicht. Das Regelwerk sieht die Umwandlung der Streitkräfte in eine Berufsarmee bis 2007 vor. Außerdem wird die Truppenstärke bis dahin schrittweise verringert.

Ein weiterhin aktuelles Problem der italienischen Wirtschaft stellt das Nord-Süd-Gefälle dar. So ist z. B. die Industrialisierung in Norditalien wesentlich höher als in Süditalien. Hinsichtlich der Produktivität liegt der Süden in fast allen Wirtschaftsbereichen weit hinter dem Norden. Viele Süditaliener arbeiten in Norditalien oder im benachbarten Ausland. Die Arbeitslosenrate des gesamten Landes liegt bei etwa 9 Prozent (2002). Auch bei der Erwerbslosigkeit ist ein Nord-Süd-Gefälle zu verzeichnen (im Süden mehr, im Norden weniger).

Das Bruttoinlandsprodukt Italiens beträgt etwa 1 184 Milliarden US-Dollar (2002). Davon werden gut 65 Prozent in der Dienstleistungsbranche, etwa 32 Prozent in der Industrie und nur knapp 3 Prozent im Agrarsektor erwirtschaftet.

Von den rund 24 Millionen Arbeitern gehören etwa neun Millionen den drei großen Gewerkschaften an; der Confederazione Generale Italiana del Lavoro (CGIL) mit kommunistischer Ausrichtung (circa 4,6 Millionen Mitglieder), der zur politischen Mitte orientierten Confederazione Italiana Sindacati Lavoratori (CISL; rund 3 Millionen Mitglieder) und der Unione Italiana del Lavoro (UIL; etwa 1,4 Millionen Mitglieder).

Fast 60 Prozent der Landesfläche Italiens werden landwirtschaftlich genutzt. Etwa 9 Prozent der Erwerbstätigen sind im Agrarsektor beschäftigt. Italien zählt weltweit zu den führenden Weinproduzenten, und auch in der Herstellung von Oliven und Olivenöl rangiert Italien international weit vorne. Weitere wichtige Feldfrüchte sind Weizen, Kartoffeln, Tomaten, Zuckerrüben, Mais und Reis; ferner werden Gerste, Roggen, Artischocken, Pfefferschoten und Wassermelonen angebaut. Überaus bedeutsam für die italienische Landwirtschaft ist der Obstanbau; im Vordergrund stehen dabei Äpfel, Orangen, Feigen und Datteln. Auch die Milchwirtschaft hat einen hohen Stellenwert; sie ermöglicht die Herstellung von etwa 50 verschiedenen Käsesorten, u. a. Gorgonzola, Pecorino und Parmesan. Während in den nördlichen Landesteilen vor allem Rinder- und Schweinezucht erfolgen, werden in Süditalien überwiegend Schafe und Ziegen gehalten.

In Italien ist die forstwirtschaftliche Industrie nur schwach ausgeprägt, große Mengen an Holz werden importiert. Ausgedehnte Gebiete, die früher mit Wald bedeckt waren, wurden bereits seit der Antike abgeholzt. Die damit einhergehende Bodenerosion behinderte die Wirtschaft weiter. In den letzten Jahren kam es verstärkt zu Wiederaufforstungen. Die Bedeutung des Fischfangs ist aufgrund der Überfischung des Mittelmeeres und anhaltender Gewässerverschmutzung stark zurückgegangen. Zu den wichtigsten Meerestieren zählen für die Fischerei Sardinen, Forellen, Anchovis, Garnelen, Tintenfische und Muscheln.

Italien ist ein relativ rohstoffarmes Land. Wichtige Bodenschätze sind neben Braunkohle, Erdöl und Erdgas vor allem Blei-, Antimon-, Zink- und Eisenerzlagerstätten. Außerdem werden Quecksilbererze, Schwefel und Salz (Stein- und Kalisalz) abgebaut. Ebenfalls wirtschaftlich bedeutend ist die Marmorgewinnung. Viele dieser Vorkommen befinden sich u. a. auf den Inseln Sizilien und Sardinien sowie in der Poebene.

Zu den wichtigen industriellen Produktionszweigen des Landes gehören neben der Metallverarbeitung der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Elektrotechnik sowie die Herstellung chemischer Erzeugnisse. Darüber hinaus sind auch die Produktion von Nahrungs- und Genussmitteln (u. a. Teigwaren, Speiseöl, Käse und Wein) sowie die Leder-, Tabak- und Textilverarbeitung von herausragender Bedeutung. Eine besondere Rolle kommt dem Kunsthandwerk zu. Die führenden Industriezentren konzentrieren sich in Nord- und Mittelitalien. Wichtige Standorte des produzierenden Gewerbes sind Genua, Mailand, Rom und Turin.

Währungseinheit ist seit dem 1. Januar 2002 der Euro zu 100 Cents, der die Italienische Lira (= 100 Centesimi) als Währung ablöste. Mailand und Rom sind die wichtigsten Finanzzentren des Landes.

Seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts sind die Handelsbeziehungen Italiens vor allem zu den anderen Mitgliedsländern der Europäischen Gemeinschaft intensiviert worden. Die Abhängigkeit Italiens vom Import wichtiger Rohstoffe führte bis in die achtziger Jahre hinein überwiegend zu negativen Handelsbilanzen. Mittlerweile verzeichnet die italienische Volkswirtschaft eine positive Handelsbilanz, die Einnahmen des Exports übersteigen die Ausgaben des Imports.

Wichtigste Exportgüter sind Maschinen und Kraftfahrzeuge, Agrarprodukte (vor allem Oliven, Obst, Wein und Reis), chemische Erzeugnisse, Textilien, Bekleidung und Schuhe. Der Hauptanteil der italienischen Exportwaren wird nach Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, die USA und die Schweiz geliefert. Zu den Hauptimportprodukten zählen Maschinen, Fahrzeuge, Rohöl, Kohle, Nahrungsmittel und Baumwolle. Importiert wird überwiegend aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien und Belgien.

Italien verfügt über eine der größten Handelsflotten der Welt. Die wichtigsten Häfen Italiens sind u. a. Genua, Triest, Augusta, Tarent und Venedig, Livorno, Neapel, Ravenna, Syrakus und La Spezia. Zwischen dem Festland und mehreren Inseln im Mittelmeer bestehen regelmäßige Schiffsverbindungen.

Das Eisenbahnnetz erstreckt sich über 16 499 Kilometer, mehr als die Hälfte davon ist elektrifiziert. Die meisten Bahnlinien sind staatlich.

Italien verfügt über ein etwa 479 688 Kilometer langes Straßennetz, einschließlich circa 6 000 Kilometer gebührenpflichtiger Autobahnen (autostrada). Mit den nördlichen Nachbarstaaten Österreich und der Schweiz ist Italien verkehrstechnisch durch mehrere Alpenübergänge sowie durch Straßen und Bahnlinien verbunden, die teilweise durch Tunnels verlaufen. Der Montblanc-Tunnel, einer der längsten Autotunnels der Welt, wurde 1965 zwischen Italien und Frankreich eröffnet. Diese beiden Länder sind seit 1980 auch durch den Mont-Fréjus-Straßentunnel verbunden.

Alitalia, die staatliche Fluggesellschaft, wickelt sowohl inländischen als auch ausländischen Flugverkehr ab. Der frequentierteste Flughafen ist Leonardo da Vinci bei Rom, der größte internationale Flughafen ist Malpensa bei Mailand. Ebenfalls bedeutend sind die Flughäfen von Neapel, Turin, Venedig, Rimini und Catania.

Seit einigen Jahrzehnten zählt der Fremdenverkehr zu den ergiebigsten Einnahmequellen Italiens, das zu den klassischen Reiseländern zählt. Bevorzugte Regionen sind die Alpen, die Küstengebiete am Ligurischen und Adriatischen Meer, die großen Städte sowie kleinere Städte und Orte, in denen Baudenkmäler verschiedener Epochen erhalten sind. 1999 kamen nahezu 36 Millionen Besucher aus dem Ausland nach Italien.

Italien ist auf umfangreiche Energieimporte, vor allem Steinkohle, Erdöl und Erdgas, angewiesen. 78,6 Prozent der in Italien erzeugten Energie liefern Wärmekraftwerke. Ebenfalls bedeutend ist die Energieproduktion in Wasserkraftwerken (18,4 Prozent). Eine Besonderheit im Energiesektor ist die Nutzung der Erdwärme nahe der toskanischen Stadt Larderello. Dort wird Strom aus vulkanischen Dämpfen gewonnen.

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