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Jemen, Republik, Land in Südwestasien, im Südwesten der Arabischen Halbinsel, entstanden 1990 durch die Vereinigung der Demokratischen Volksrepublik Jemen und der Arabischen Republik Jemen. Der Jemen grenzt im Norden an Saudi-Arabien, im Osten an Oman, im Süden an den Golf von Aden und im Westen an das Rote Meer. Die Grenzen im Landesinneren sind nicht genau festgelegt. Zum Staatsgebiet des Jemen gehören außerdem die Inseln Sokotra im Golf von Aden, Kamaran im Roten Meer, Perim und die Meeresstraße Bab el Mandeb. Die Landesfläche Jemens beträgt offiziell 527 970 Quadratkilometer. Hauptstadt der Republik Jemen ist Sana.

Der Jemen gliedert sich in drei Großlandschaften: Küstentiefland, Gebirge und Hochland. Das Tiefland an der Westküste, die Tihâmah, wird von Sand- und Kiesflächen eingenommen. Die Ebene an der Südküste wird von Lavafeldern bedeckt, aus denen vereinzelte Vulkankegel aufragen. Landeinwärts erfolgt ein meist steiler Anstieg zur Gebirgsregion, in der sich auch der Djebel an Nabi Shu’ayb befindet. Dieser Gipfel ist mit 3 760 Metern der höchste Berg der Arabischen Halbinsel.

An das Gebirge schließt ein überwiegend aus kristallinen Gesteinen und Kalkstein aufgebautes, bis 2 500 Meter hohes Hochland an, das von tiefen Wadis wie dem Wadi Hadramaut durchzogen wird. Das Hochland fällt nach Nordosten in Stufen zur Großen Arabischen Wüste (Rub el Khali, „Leeres Viertel”) ab.

In den Küstenebenen ist das Klima heiß bei mittleren Jahrestemperaturen von 28 °C. Trotz der hohen Luftfeuchte erreichen die Jahresniederschläge nur selten 100 Millimeter. Die Westseite der Hochlandregion erhält während der beiden Regenzeiten (März–Mai und Juli–September) bis 1 000 Millimeter Niederschlag, der oberhalb von 3 000 Metern als Schnee fällt. Dies ist das regenreichste Gebiet der Arabischen Halbinsel. Weiter zum Landesinneren wird es zunehmend trockener, und die Wüstenregionen im Norden und Osten sind nahezu niederschlagsfrei. Die tageszeitlichen Temperaturunterschiede sind in den Trockengebieten erheblich; häufig treten Sandstürme auf.

Mit Ausnahme der Oasen ist die Vegetation im Jemen überaus artenarm. In tieferen Lagen gedeihen neben Akazien vor allem Styraxbäume. Während in den Bergoasen u. a. Feigen und Datteln wachsen, beschränkt sich die Pflanzenwelt in den Wüstengebieten vor allem auf Dornsträucher und Hartgräser. Auf Sokotra im Golf von Aden sind einige Aloearten verbreitet. Die Hochlandregionen sind Lebensraum u. a. von Streifenhyänen, Goldschakalen, Fenneks und Antilopen, in den Wüsten sind Reptilien wie Schlangen und Chamäleons verbreitet.

Der Jemen hat etwa 20 Millionen Einwohner (2004); die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 38 Einwohner pro Quadratkilometer bei einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 3,4 Prozent. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 61,4 Jahren (Männer 59,5 Jahre, Frauen 63 Jahre). Etwa 97 Prozent der Bewohner sind Araber. Der negride Einschlag zahlreicher Menschen in der Küstenebene Tihamah weist auf traditionell enge Beziehungen zur gegenüberliegenden afrikanischen Küste hin. Malaiischer Einschlag, vor allem im Wadi Hadramaut, dominiert bei den Nachkommen jemenitischer Kaufleute, die aus Indonesien wieder in ihre Heimat zurückgekehrt waren. Außerdem leben Inder und Somali im Land. 25 Prozent der Einwohner leben in Städten. Wichtigste soziale Einheiten sind die traditionellen Stämme oder Clans, ein Sozialversicherungssystem gibt es nicht. Die Siedlungsdichte ist im Hochland am größten. Etwa eine Million Jemeniten leben im Ausland, vorwiegend als Gastarbeiter in den Anrainerstaaten des Persischen Golfes. Die medizinische Versorgung ist unzulänglich, vor allem in ländlichen Regionen. Auf einen Arzt kommen 205 400 Einwohner. Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 63 Sterbefällen pro 1 000 Lebendgeburten.

Mit 1 303 000 Einwohnern (2000) ist die Hauptstadt Sana bevölkerungsreichste Stadt des Landes. Weitere Siedlungsschwerpunkte sind das Wirtschaftszentrum Aden (562 000), Tais (178 000), Al Hudaida am Roten Meer (155 000) und Mukalla (154 000) am Golf von Aden.

Die Amtssprache ist Arabisch. Fast die gesamte Bevölkerung bekennt sich zum Islam. Die Bewohner der nördlichen, zentralen und östlichen Regionen des Landes sind überwiegend Schiiten, während im Süden und Westen vorwiegend Sunniten leben. Hindus und Christen leben in der Küstenebene des Golf von Aden.

Anfang der neunziger Jahre begann die Regierung das Bildungssystem zu vereinheitlichen; dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Es besteht eine 9-jährige Schulpflicht, der Schulbesuch ist unentgeltlich. Viele Kinder verlassen die Schule jedoch vorzeitig, da aufgrund der Abwanderung zahlreicher männlicher Arbeitskräfte Kinderarbeit weit verbreitet ist. Der Alphabetisierungsgrad beträgt 51,6 Prozent. Universitäten gibt es in Sana und Aden. Die Bibliothek der Großen Moschee von Sana besitzt eine Sammlung von etwa 10 000 Manuskripten und gedruckten Werken.

Bedeutende archäologische Funde stammen aus der Zeit des Sabäerreichs, vor allem aus dessen Hauptstadt Marib. 1988 wurde die Altstadt von Sana in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Eine reiche Sammlung zur Kulturgeschichte des Landes seit der Antike besitzt das Nationalmuseum in Sana. Ein weiteres Nationalmuseum steht in Aden. Auch die jemenitische Literatur (siehe arabische Literatur) kann auf eine lange und reiche Geschichte zurückblicken. Älteste Zeugnisse stammen aus vorislamischer Zeit (Imra al-Kais, Amr ibn Madikarib). Die Blütezeit des literarischen Schaffens im Jemen war das Mittelalter.

Die meisten der im Jemen erscheinenden Tages- und Wochenzeitungen bieten auch Onlineausgaben an. Zu den ältesten Zeitungen gehört 26 September, die seit der Revolutionszeit erscheint. Al-Thawra ist die Regierungszeitung. Weitere Tageszeitungen sind Al-Shoura, Al-Gumhuryah, Al-Wahdawi, Al-Sahwa, Naba Al-Hakika und Al-Thaqafiah. Englischsprachige Wochenzeitschriften sind Yemen Times und Yemen Observer, die ebenfalls in Onlineausgaben erscheinen.

1990 wurden die Demokratische Volksrepublik Jemen und die Arabische Republik Jemen zur Republik Jemen vereint. Die Gesetzgebung beruht auf der Scharia (dem islamischen Recht). Die Islamische Präsidialrepublik wird nach der 1994 verabschiedeten und im Februar 2001 letztmals geänderten Verfassung regiert.

Staatsoberhaupt ist der für eine Amtszeit von sieben Jahren direkt gewählte Präsident. Er ist Vorsitzender des vom Parlament gewählten fünfköpfigen Präsidialrates. Als Legislativorgan fungiert das Einkammerparlament, dessen 301 Abgeordnete für sechs Jahre gewählt werden. Wahlberechtigt sind alle Bürger ab 18 Jahren. Die Republik Jemen ist politisch in 17 Provinzen gegliedert.

Im Vergleich zu den arabischen Nachbarstaaten sind Wirtschaft und Infrastruktur der Republik Jemen schwach entwickelt. Die Finanzwirtschaft konzentriert sich auf die Stadt Aden, die gleichzeitig ein bedeutendes Handelszentrum des Landes ist. 1991 wurde in Aden eine Freihandelszone errichtet. Eine wichtige Einnahmequelle des Landes ist der Export von Erdöl und Erdölprodukten. Aufgrund der seit Jahren stattfindenden Entführungen ist der Tourismussektor praktisch komplett eingebrochen. Der Jemen ist in hohem Maß abhängig von ausländischer Hilfe und Überweisungen von im Ausland arbeitenden Jemeniten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 9 984 Millionen US-Dollar (2002), wovon 44,4 Prozent im Dienstleistungssektor, 40,4 Prozent im Bereich Industrie und 15,2 Prozent im Agrarsektor erwirtschaftet werden. Das BIP pro Kopf errechnet sich zu 540 US-Dollar. Die Wachstumsrate liegt bei durchschnittlich 5,9 Prozent, die Inflationsrate bei 19,8 Prozent (1990–2002).

Obwohl der Agrarsektor heute den geringsten Teil zum BIP beisteuert sind hier immerhin 53 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt. In den Bergoasen erfolgt die Landnutzung durch Terrassenfeldbau. Zu den wichtigsten Anbauprodukten zählen Hirse, Weizen, Gerste, Melonen, Hülsenfrüchte, Trauben, Datteln, Feigen, Sesam, Baumwolle und Tabak. Die Ernteerträge reichen aber nur bei wenigen Produkten zur Deckung des Eigenbedarfs. Der Anbau von Kaffee ging aufgrund der vermehrten Anpflanzung des Khatstrauches, eines narkotisierenden Spindelbaumgewächses, zurück. Aufgrund von bis zu fünf möglichen Ernten im Jahr zählt Khat (oder Qat) zwar zu den gewinnbringendsten Agrarprodukten, doch ist ein hoher Anteil der männlichen Bevölkerung khatsüchtig. Zu den Weidetieren gehören Rinder, Ziegen, Schafe, Kamele und Esel. Im Roten Meer und im Golf von Aden werden Fischfang (vor allem von Sardinen, Thunfischen und Hummer) und Perlenfischerei betrieben.

Viele Teile der Republik Jemen sind praktisch noch unerschlossen. Aus diesem Grund ist das Land auf den Import zahlreicher Rohstoffe angewiesen. 1984 wurden bei Marib und 1987 bei Schabwah Erdöllagerstätten entdeckt, die Gesamtfördermengen pro Jahr liegen um 20 Millionen Tonnen. Wichtige Pipelines führen von Marib sowie von Sana nach Kamaran am Roten Meer und von Schabwah an den Golf von Aden.

Das produzierende Gewerbe, in dem 11 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt sind, ist überwiegend von lokaler Bedeutung. Zu den größten Industriebetrieben zählen u. a. die Erdölraffinerie in Aden sowie die Textilfabrik in Sana. Weitere Produktionszweige sind die Verarbeitung von Nahrungs- und Genussmitteln (vor allem Fisch und Tabak) sowie die Herstellung von Farben, Metall- und Lederwaren. Verbreitet sind traditionelle Handwerksbetriebe wie Webereien, Gerbereien und Schmieden.

Die jemenitische Währungseinheit ist der Jemen-Rial (Y.Rl) zu 100 Fils. Darüber hinaus dient auch der Jemen-Dinar (YD) als Zahlungsmittel. Ein Jemen-Dinar entspricht 26 Jemen-Rial.

Der Jemen ist in hohem Maß vom Import abhängig und erwirtschaftet jährlich ein enormes Handelsdefizit. Eingeführt werden vor allem Maschinen und Transportausrüstungen, Rohstoffe und Nahrungsmittel. Hauptexportgüter sind Erdöl und Erdölprodukte. Wichtige Handelspartner sind u. a. die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Südkorea, Japan und Singapur.

Das Straßennetz hat eine Länge von 67 000 Kilometern; davon sind etwa 11,5 Prozent asphaltiert. Die meisten Straßen verlaufen im Norden des Landes. Im Jemen gibt es keine Eisenbahn. Sana, Aden, Tais und Al Hudaida verfügen über internationale Flughäfen. Al Ahmadi am Roten Meer und Aden sind die wichtigsten Seehäfen. Die Schifffahrt befördert Fracht und Passagiere zu verschiedenen Häfen Afrikas und des Mittleren Ostens. In sehr abgelegenen Gegenden stellen nach wie vor Kamel, Pferd und Esel übliche Transportmittel dar.

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