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Kamerun, Republik im Westen Zentralafrikas. Das Staatsgebiet grenzt im Norden an den Tschadsee, im Osten an Tschad und an die Zentralafrikanische Republik, im Süden an die Republik Kongo, Gabun und Äquatorialguinea und im Westen an den Golf von Guinea und an Nigeria. Die von Kamerun besetzte Halbinsel Bakassi wird von Nigeria beansprucht. Kamerun gleicht einem lang gestreckten Dreieck und bildet die Verbindung zwischen West- und Zentralafrika. Von 1961 bis 1972 war Kamerun ein Bundesstaat, bestehend aus Ost-Kamerun, dem früheren Französisch-Kamerun, und West-Kamerun, einem Teil des früheren Britisch-Kamerun. Nach einer Volksabstimmung wurde die Bundesrepublik am 2. Juni 1972 in eine Vereinigte Republik umgewandelt. Kamerun hat eine Gesamtfläche von 475 442 Quadratkilometern. Die Hauptstadt des Landes ist Yaoundé.

Kamerun kann in vier Landschaftsräume untergliedert werden. Die Küstenebene im Süden des Landes ist von dichten tropischen Regenwäldern bedeckt. Im Zentrum liegt das Hochland von Adamaoua, das sich bis auf rund 1 400 Meter über dem Meeresspiegel erhebt. In diesem Gebiet geht der Regenwald in die den Norden des Landes bedeckende Savanne über. Im äußersten Norden löst das den Tschadsee umgebende Sumpfland allmählich die Savanne ab. Im Westen des Landes liegt ein Gebirgsmassiv, das aus hohen bewaldeten Bergen vulkanischen Ursprungs besteht. Die höchste Erhebung ist der Kamerunberg, ein tätiger Vulkan, der mit 4 095 Metern der höchste Berg Westafrikas ist. Hier findet man auch die fruchtbarsten Böden des Landes. Im West-Kameruner Bergland, unweit der Grenze zu Nigeria, liegt auch der vulkanische See Nyos, wo 1986 die Freisetzung einer giftigen Mischung aus Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff, die sich unter dem Grund des Sees gebildet hatte, 2 000 Menschen das Leben kostete. Im März 1995 wurden Arbeiten zur Verhinderung einer erneuten Gasentwicklung eingeleitet. Zu den größeren Flüssen gehören Sanaga und Nyong, die Richtung Westen in den Atlantik fließen, während Mbéré und Logone aus den zentralen Hochländern Richtung Norden fließen und in den Tschadsee münden. Ein ganzes Netz von Wasserläufen, darunter der Fluss Benue, verbindet das Land mit dem großen Fluss-System des Nigers im Osten und Norden.

Kamerun liegt im Bereich des äquatorialen Regenklimas. Im Süden ist es sehr feucht, Richtung Norden wird es jedoch zunehmend trockener. An der Küste liegt die Jahresniederschlagsmenge bei 3 900 Millimetern. Auf den exponierten Hängen des West-Kameruner Berglandes sind die Regenfälle konstant und erreichen jährlich bis zu 10 200 Millimeter. In den semiariden Gebieten im Nordwesten des Landes liegt der Jahresniederschlag dagegen nur bei 380 Millimetern. Die Trockenzeit im Norden dauert von Oktober bis April. Die mittlere Temperatur liegt im Süden bei 25 °C, im Hochland bei 21,1 °C und im Norden bei 32,2 °C.

51,3 Prozent (2000) der Fläche des Landes sind bewaldet, doch wurden allein zwischen 1990 und 1995 etwa 646 000 Hektar Wald gerodet. In den dichten Regenwäldern Kameruns wächst eine Vielzahl von Baumarten, darunter Ölpalmen, Mahagoni, Teak, Ebenholzgewächse und Kautschukbäume. Zur artenreichen Tierwelt gehören Schimpansen, Gorillas, Antilopen, Löwen und Elefanten. Die Regierung Kameruns hat insgesamt 20 980 Quadratkilometer (2000) der Landesfläche unter Schutz gestellt. Hierzu zählen auch die 5 260 Quadratkilometer, die das Dja-Tierreservat einnimmt, das 1987 zum Weltnaturerbe erklärt wurde.

Kamerun hat etwa 16,1 Millionen Einwohner (2004), woraus sich eine Bevölkerungsdichte von 34 Einwohnern pro Quadratkilometer ergibt. In Kamerun leben Angehörige von rund 140 ethnischen Gruppen, die insgesamt etwa 24 Sprachen sprechen. Zu den zahlenmäßig bedeutenden Gruppen gehören die Bamileke, ein eine Bantusprache sprechendes Volk aus Mittelkamerun, und die Fulbe, ein dem islamischen Glauben angehörendes Volk im Norden.

Die Bevölkerung ist sehr ungleichmäßig verteilt; Hauptsiedlungsräume sind die südlichen Landesteile, wo sich die größten Städte befinden, das West-Kameruner Bergland und die Savannengebiete des Nordens. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt für Männer bei 47,1 Jahren, für Frauen bei 48,8 Jahren (2004). Einer der Gründe für die niedrige Lebenserwartung und die hohe Kindersterblichkeitsrate ist die Malaria, deren weite Verbreitung u. a. mit dem Wasserreichtum des Landes zusammenhängt.

Yaoundé (1,37 Million Einwohner) ist das Haupthandelszentrum und zugleich die Hauptstadt des Landes. Douala (1,4 Millionen), die wichtigste Hafenstadt des Landes, liegt am Golf von Guinea. Weitere bedeutende Städte sind Nkongsamba (130 000), Maroua (140 000), Bafoussam (120 000) und Foumban (50 100).

Die Amtssprachen sind Französisch und Englisch, wobei Französisch vorherrscht; Englisch ist vorwiegend auf den Westen des Landes begrenzt. Keine der Regionalsprachen ist so weit verbreitet, dass sie bis zum jetzigen Zeitpunkt den Status einer offiziellen Sprache erlangen konnte. Einige Sprachen sind jedoch regional von zentraler Bedeutung. So dient beispielsweise im Norden Fulfulde als wichtigste Verkehrssprache, während in der Region um die Landeshauptstadt Ewondo die dominante Sprache ist und die Bevölkerung an der Küste sich vor allem auf Duala stützt.

Rund ein Viertel der Bevölkerung sind Anhänger traditioneller Religionen, 22 Prozent sind Muslime, und die übrigen Bewohner bekennen sich zum Christentum (33 Prozent Katholiken, 17 Prozent Protestanten). Im Norden des Landes herrscht der Islam vor, im Süden des Landes das Christentum.

Die Nationalfeiertage in Kamerun umfassen Neujahr (1. Januar), den Tag der Jugend (11. Februar), den Tag der Arbeit (1. Mai) und den Tag der Vereinigung (20. Mai). Der Tag der Vereinigung erinnert an die Zusammenführung der französischen und britischen Gebiete im Jahr 1972. Einige religiöse Feiertage wurden landesweit anerkannt, so auch die christlichen Feiertage an Ostern, Mariä Himmelfahrt (15. August) und Weihnachten (25. Dezember). Für die muslimische Bevölkerung sind von zentraler Bedeutung das drei Tage dauernde Festmahl zur Feier der Beendigung des Fastenmonats Ramadan und die Fête de mouton (Fest des Lammes), die genau 40 Tage später im Gedenken an Abrahams Bereitschaft, seinen Sohn zu opfern, stattfindet. Der Evamalunga-Tag (8. September) ist ein Festtag des Dankes, den die christliche Bevölkerung feiert.

In Kameruns Sekundarschulen und technischen Ausbildungsgängen herrscht das französische Modell des Bildungswesens vor. Missionsschulen spielen eine wichtige Rolle im Erziehungswesen und werden teilweise staatlich unterstützt. Die 1962 gegründete Universität Yaoundé besitzt Fakultäten für Rechtswissenschaft, Kunst und Naturwissenschaften. Nach Schätzungen liegt der Alphabetisierungsgrad bei 80 Prozent (2004).

Das wichtigste Exportgut ist Erdöl, das über zwei Drittel der Ausfuhrerlöse einbringt. Die Landwirtschaft ist der wichtigste Erwerbszweig der großen Mehrheit der Bevölkerung Kameruns. Produkte aus Land- und Forstwirtschaft sind ebenfalls wichtige Exportgüter. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 9 060 Millionen US-Dollar (2002)

Die wichtigsten Anbaufrüchte für den Export sind Kaffee, Kakao, Palmöl und Palmkerne, Baumwolle, Kautschuk, Zuckerrohr und Bananen. Für den Eigenbedarf werden in erster Linie Kochbananen, Yams, Erdnüsse, Maniok, Mais, Sorghum (siehe Mohrenhirse) und Hirse angebaut.

Der Viehbestand umfasst vor allem Rinder, Ziegen, Schweine und Schafe; Schweine werden nur in den nichtmuslimischen Gebieten gehalten.

Nutzholz ist traditionell eines der gewinnbringendsten Exportgüter und leistet immer noch einen entscheidenden Beitrag zu den Deviseneinnahmen. Es handelt sich vorwiegend um Mahagoni, Ebenholz und Teak aus den Regenwäldern im Süden des Landes. 75 Prozent des Holzeinschlags werden für Brennholz verwendet. Der Fischfang war bis in jüngste Zeit auf Süßwasserfische für den Eigenbedarf begrenzt. Die Hochseefischerei nahm jedoch einen schnellen Aufschwung und wird insbesondere von dem Hafen Douala aus betrieben. Etwa 25 Prozent der Fangmenge sind Süßwasserfische.

Kameruns Wirtschaft stützt sich vorwiegend auf die landeseigenen landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Ressourcen. Im Norden des Landes sind ergiebige Bauxitlager nachgewiesen. Im Umland von Douala wurde Erdgas gefunden; vor der Küste wird Erdöl gefördert. Zudem werden in kleinem Umfang Gold, Zinn und Kalkstein abgebaut. Kamerun verfügt über ein bedeutendes Wasserkraftpotential; der Standort des größten Elektrizitätswerkes ist Edéa am Fluss Sanaga. Rund 97 Prozent der Energie werden in Wasserkraftwerken erzeugt. Eines der größten Industrieunternehmen Kameruns ist die Aluminiumhütte in Edéa. Weitere bedeutende Industriezweige sind die Verarbeitung von Agrarprodukten und Nutzholz; daneben werden noch Textilien, Düngemittel und Zement erzeugt. Ende der siebziger Jahre, als die Offshore-Förderung von Erdöl begann, wurde eine Ölraffinerie angelegt. Der überwiegende Teil des geförderten Rohöls wird exportiert. Zudem werden kleine Mengen von Gold- und Zinnkonzentraten hergestellt.

Kamerun ist Mitglied der Franc-Zone; Währungseinheit ist der CFA-Franc, bestehend aus 100 Centimes. Die Notenbank ist die in Yaoundé angesiedelte Zentralbank der zur zentralafrikanischen Währungszone zusammengeschlossenen Staaten. Im Januar 1994 wurde der Wechselkurs des zum Französischen Franc in einem festen Wertverhältnis stehenden CFA-Francs um 50 Prozent abgewertet. Die Handelsbilanz ist positiv. Haupthandelspartner sind Frankreich, Italien, Deutschland, die Niederlande und die Vereinigten Staaten.

Von dem etwa 34 300 Kilometer langen Straßennetz (1999) sind rund 13 Prozent befestigt. Während der Regenzeit sind die unbefestigten Straßen häufig unpassierbar. Das Schienennetz des Landes hat eine Länge von rund 1 100 Kilometern. Der größte Teil des Überseehandels wird über Douala abgewickelt; Douala ist ebenfalls ein bedeutender Hafen für den Überseeumschlag der angrenzenden Binnenstaaten. Der zweitgrößte Hafen des Landes ist Kribi. In dem nur zwei bis drei Monate pro Jahr geöffneten Hafen Garoua am Fluss Benue erfolgt der Großteil des Warenverkehrs mit Nigeria. Die nationale Fluggesellschaft Cameroon Airlines versieht den nationalen und internationalen Flugverkehr. Der größte internationale Flughafen ist Douala; daneben gibt es noch eine Reihe kleinerer Flughäfen. Die staatliche Rundfunk- und Fernsehgesellschaft hat ihren Sitz in Yaoundé; in Douala, Garoua und Buea gibt es regionale Rundfunkgesellschaften.

Nach der 1972 in Kraft getretenen und seither mehrfach geänderten Verfassung ist Kamerun eine Präsidialrepublik. Bis 1992 wurden die Bundesminister einschließlich des Ministerpräsidenten vom Staatspräsidenten ernannt und durften per Gesetz nicht dem Parlament angehören.

Der Präsident ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er wird vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt und ernennt die Gouverneure der zehn Provinzen.

Oberstes Legislativorgan ist das Einkammerparlament (Nationalversammlung), dem 180 für fünf Jahre gewählte Abgeordnete angehören. Bis zur Zulassung von Oppositionsparteien im Dezember 1990 war die regierende Partei Rassemblement Démocratique du Peuple Camérounais (RDPC) Einheitspartei. Stärkste Oppositionsparteien sind die anglophone Social Democratic Front (Sozialdemokratische Front, SDF), die Union Nationale pour la Démocratie et le Progrès (Nationale Union für Demokratie und Fortschritt, UNDP) und die Union Démocratique Camérounais (Demokratische Union Kameruns, UDC).

Das Rechtswesen Kameruns ist weitgehend nach französischem Muster aufgebaut und mit Elementen aus dem britischen Rechtssystem ergänzt. Das höchste Gericht ist der Oberste Gerichtshof, dem Berufungsgerichte, regional zuständige Gerichte und Magistratsgerichte untergeordnet sind.

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