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Kolumbien, amtlich República de Colombia. Republik im Nordwesten Südamerikas, grenzt im Norden an Panamá und das Karibische Meer, im Osten an Venezuela und Brasilien, im Süden an Peru und Ecuador und im Westen an den Pazifischen Ozean. Kolumbien ist das einzige südamerikanische Land, das sowohl an das Karibische Meer als auch an den Pazifik grenzt. Die Gesamtfläche beträgt 1 141 748 Quadratkilometer. Hauptstadt und zugleich größte Stadt ist Bogotá (Santa Fe de Bogotá).
Kolumbien erstreckt sich im nordwestlichen Teil Südamerikas und ist ein Andenstaat. Dieses Hochgebirge erstreckt sich in den zentralen und westlichen Landesteilen in Nord-Süd-Richtung. Rund zwei Drittel des Landes werden jedoch von Tiefebenen eingenommen. Die Anden bestehen auf kolumbianischem Gebiet aus drei annähernd parallel zueinander verlaufenden Ketten: Ostkordillere (Cordillera Oriental), Zentralkordillere (Cordillera Central) und Westkordillere (Cordillera Occidental). An der karibischen Küste befindet sich das isolierte Gebirgsmassiv der Sierra Nevada de Santa Marta, das sich mit dem Pico Cristóbal Colón bis zu einer Höhe von 5 776 Metern über dem Meeresspiegel erhebt. Zur Zentralkordillere gehören die Vulkankegel Nevado del Huila (5 750 Meter) und Nevado del Tolima (5 616 Meter). Die Kordillerengipfel sind von ewigem Schnee bedeckt. Zwischen den Kordilleren liegen Hochebenen und fruchtbare Täler, durch die die wichtigsten Flüsse des Landes verlaufen.
Östlich der Ostkordillere schließen sich tropisch heiße Tiefländer an. Im Süden ist diese ausgedehnte Region in den Selvas (Regenwälder) waldbedeckt und wird hier vom Caquetá und anderen Nebenflüssen des Amazonas entwässert. Im Norden und Osten hat die Tieflandregion Anteil an den als Llanos (Feuchtsavannen) bezeichneten Ebenen des Orinoco.
Der Hauptfluss Kolumbiens, der Río Magdalena, fließt zwischen der Ost- und der Zentralkordillere quer durch das ganze Land und mündet nach rund 1 540 Kilometern im Norden bei Barranquilla ins Karibische Meer. Der Río Cauca hat ebenfalls große Bedeutung als Verkehrsader; er verläuft zwischen der Zentral- und der Westkordillere nach Norden und vereint sich rund 320 Kilometer vor der Mündung in das Karibische Meer mit dem Río Magdalena. Die Küste Kolumbiens verläuft 1 610 Kilometer entlang des Karibischen Meeres und 1 290 Kilometer entlang des Pazifiks. Flussmündungen sind zahlreich an der Küste, es fehlen jedoch gute natürliche Häfen.
Kolumbien liegt mit Ausnahme des Küstengebiets am Karibischen Meer in den inneren Tropen. Daher ist die Höhenlage entscheidend für die Ausprägung des Klimas verantwortlich. Bis etwa 1 000 Meter über dem Meeresspiegel liegen die Jahresmitteltemperaturen zwischen 22 und 27 °C, zwischen 1 000 und 2 000 Meter Höhe zwischen 16 und 22 °C, zwischen 2 000 und 3 000 Meter zwischen 10 und 16 °C. Oberhalb von etwa 3 000 Metern herrscht kaltes Höhenklima. Die Durchschnittstemperaturen für die Monate Januar bzw. Juli liegen in Bogotá bei 14,4 bzw. 13,9 °C, in Barranquilla bei 26,7 und 27,8 °C.
Im Jahresverlauf wechseln in Kolumbien zwei ausgeprägte Regenzeiten mit zwei weniger intensiven Trockenzeiten. Die Pazifikküste und die Westabdachung der Anden sind niederschlagsreich, an exponierten Stellen werden Maximalwerte von mehr als 10 000 Millimetern erreicht. Die Ostseiten der Anden und die Tieflandregion im Osten sind weniger feucht, erhalten aber reichlich Niederschläge. In Bogotá liegt der mittlere Jahresniederschlag bei 1 052 Millimetern, in Barranquilla bei 799 Millimetern.
Die ursprüngliche Pflanzen- und Tierwelt Kolumbiens ist so vielfältig wie die Topographie des Landes. Die riesigen Regenwälder erstrecken sich über 51 Prozent der gesamten Landesfläche Kolumbiens und zählen weltweit zu den artenreichsten. In den Waldgebieten, die sich auf mittlerer Höhe über mehr als 51 Millionen Hektar ausdehnen, finden sich auch forstwirtschaftlich nutzbare Bäume wie Mahagonibäume, Guajakbäume, Eichen, Walnussbäume, Zedern, Kiefern und Balsabäume. Aus tropischen Pflanzen werden Kautschuk, Chiclegummi, Chinarinde, Vanille, Sarsaparilleextrakt, Ingwer, Kopalharz, Brechwurzelextrakt, Tonkabohnen und Rizinusöl gewonnen. An der karibischen Küste wachsen Mangroven und Palmen. Allein zwischen 1990 und 1995 fielen etwa 1,3 Millionen Hektar der Entwaldung zum Opfer. In den wirtschaftlich genutzten Waldgebieten wird nur selten eine Wiederaufforstung durchgeführt.
Obwohl Kolumbien nur etwa ein Zehntel so groß ist wie sein Nachbarland Brasilien, beheimatet es fast ebenso viele bekannte Tierarten und zählt zu den zehn Ländern der Welt mit der größten Artenvielfalt. In der Tierwelt Kolumbiens finden sich größere südamerikanische Säugetiere wie Jaguare, Pumas, Tapire, Pekaris, Ameisenbären, Faultiere, Gürteltiere sowie verschiedene Affenarten und Hirsche. Kaimane, die früher in großer Zahl die Flüsse bewohnten, sind durch intensive Bejagung selten geworden. In den tropischen Gebieten leben viele Schlangenarten, u. a. Korallenschlangen und Anakondas. Kolumbien hat mit 1 700 Vogelarten die artenreichste Avifauna. Zu den heimischen Vögeln zählen Kondore und andere Neuweltgeier, Tukane, Kakadus und andere Papageien, Kraniche, Störche und Kolibris. In Kolumbien sind 8,2 Prozent (2000) der gesamten Landesfläche als Nationalparks oder Naturschutzgebiete ausgewiesen. Die Durchführung von Kontrollen in einigen dieser Gegenden ist jedoch infolge des illegalen Drogenschmuggels schwierig.
Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung Kolumbiens ist heterogen. Etwa 58 Prozent sind Mestizen (Nachkommen weißer und indianischer Vorfahren), 20 Prozent sind Weiße, 14 Prozent sind Mulatten (Nachkommen schwarzer und weißer Vorfahren). Außerdem leben Schwarze, Indios und Angehörige anderer Bevölkerungsgruppen in Kolumbien.
Die Bevölkerungszahl Kolumbiens liegt bei etwa 42,3 Millionen (2004), was einer Bevölkerungsdichte von 41 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht. 76 Prozent der Kolumbianer leben in den Städten. Am dichtesten besiedelt sind die Täler des Río Magdalena und des Río Cauca sowie die karibische Küste.
Größte Stadt des Landes ist Bogotá mit etwa 6,42 Millionen (2000) Einwohnern. Weitere bedeutende Städte sind Cali (2,13 Millionen), Medellín (1,89 Millionen), Barranquilla (1,55 Millionen) und Cartagena (829 500).
Die Amtssprache in Kolumbien ist Spanisch. Darüber hinaus gibt es etwa 40 Indianersprachen (darunter Quechua und Chibcha), die von verschiedenen Indiogruppen gesprochen werden. Englisch wird von vielen Einwohnern der Großstädte gesprochen und ist in der Schule Pflichtfach. Rund 95 Prozent der Kolumbianer gehören der römisch-katholischen Kirche an. Daneben gibt es kleine protestantische und jüdische Minderheiten. Das Konkordat von 1973 gewährt der römisch-katholischen Kirche einen Sonderstatus.
Zu den Feiertagen Kolumbiens gehören Neujahr (1. Januar), der Dreikönigstag (6. Januar), der Josephstag (19. März), Ostern, der Tag der Arbeit (1. Mai), der Festtag der Heiligen Peter und Paul (29. Juni), der Unabhängigkeitstag (20. Juli), der Gedenktag der Schlacht bei Boyacá (7. August), Mariä Himmelfahrt (15. August), Día de la Raza (12. Oktober), Allerheiligen (1. November), der Gedenktag der Unabhängigkeit von Cartagena (11. November) und Weihnachten (25. Dezember).
Die staatliche Gesundheitsfürsorge macht Fortschritte, allerdings herrscht immer noch Ärztemangel. Der Großteil der Ärzte praktiziert in den größeren Städten. Kolumbien hat rund 750 Krankenhäuser und etwa 860 Zentren für medizinische Versorgung. Die Lebenserwartung liegt bei 67,6 Jahren für Männer und 75,4 Jahren für Frauen (2004). Malaria und Gelbfieber sind in einigen Teilen des Landes immer noch verbreitet. Die staatliche Sozialversicherung gewährt Beihilfen bei Mutterschaft und bei zahnärztlicher Behandlung. Die meisten Arbeitnehmer in der Industrie sind gegen Unfall und Invalidität versichert, Angehörige haben Anrecht auf Versorgung. Die Sozialversicherung wird durch Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber und durch staatliche Zuwendungen finanziert.
Das Erbe der spanischen Kolonialzeit ist in Kolumbien mehr als in jedem anderen südamerikanischen Land spürbar. In Kleidung und Familienleben sind die traditionellen Sitten und Gebräuche immer noch lebendig. Obwohl sich in Kolumbien viele Ethnien mischen, sind für seine kulturelle Vielfalt nicht die ethnische Zugehörigkeit, sondern die Regionen ausschlaggebend. Die einheimische Indiokultur wurde rasch von der neuen Kultur der spanischen Siedler assimiliert, mit dem Ergebnis, dass heute fast alle Kolumbianer Spanisch sprechen.
Es besteht eine Schulpflicht von 8 Jahren (2000), vom 7. bis zum 11. Lebensjahr. Nach großen Bemühungen um die Verbesserung des Bildungssystems können heute 92,7 Prozent aller Kolumbianer über 15 Jahren lesen und schreiben (2004). In den größtenteils unter dem Einfluss der römisch-katholischen Kirche stehenden öffentlichen Schulen ist katholischer Religionsunterricht Pflicht. Einige Schulen werden von der protestantischen Kirche geführt, die sich vorwiegend in Bogotá befinden. In der Regel finanziert der Staat weiterführende Schulen und Universitäten und kommt auch für Grundschulen in Städten und Departamentos auf, die dies aus eigener Kraft nicht vermögen. Insgesamt schließen etwas unter 60 Prozent der Schulpflichtigen die Grundschulausbildung ab, über ein Drittel davon besucht weiterführende Schulen, einschließlich Berufsschulen und pädagogischer Ausbildungsstätten. Kolumbien verfügt über mehr als 230 Hochschuleinrichtungen, die von mehr als 450 000 Studenten besucht werden. Zu den größten Universitäten des Landes gehören die Nationale Universität von Kolumbien in Bogotá (von der Teile bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen), die Universität Cartagena, die Antioquía-Universität in Medellín und die Nariño-Universität in Pasto.
Die Nationalbibliothek in Bogotá (gegründet 1777) verfügt über einen Bestand von mehr als 680 000 Bänden; sie verwaltet auch Stadt- und Dorfbüchereien im ganzen übrigen Land. Die wichtigsten Museen befinden sich in Bogotá. Das Nationalmuseum besitzt Gemäldesammlungen aus der Zeit der spanischen Eroberung und der Kolonialzeit. Das Nationale Archäologische Museum beherbergt vorzeitliche Gerätschaften, Steinskulpturen, Textilien, Goldschmiedearbeiten und andere Materialien aus Fundstätten im ganzen Land. Das berühmte Goldmuseum (Museo del Oro) verfügt über eine einzigartige Sammlung von Goldobjekten aus präkolumbianischer Zeit.
Auf dem Territorium des heutigen Kolumbien entwickelten die Chibcha und Tairona bereits früh Hochkulturen mit einem vielfältig ausgebildeten Staatswesen und großen Fertigkeiten auf dem Gebiet der Goldschmiedekunst. Funde im Norden des Landes, im Cauca-Tal in Tierradentro und San Augustín belegen die Existenz von Keramikkulturen bereits im dritten vorchristlichen Jahrtausend. Siehe auch präkolumbische Kunst und Architektur
Im Zuge der Unabhängigkeitsbestrebungen bildete sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine nationalkolumbianische Literatur heraus, zu deren herausragenden Vertretern Camilo Torres (1786-1816) mit seinem Memorial de Agravios (1809) gehörte. Weitere namhafte Vertreter der kolumbianischen Literatur sind die Lyriker José Asunción Silva (1865-1896), Guillermo Valencia (1873-1943) und Miguel Angel Osorio (1883-1942). Als Prosaschriftsteller traten José María Vargas Vila (1860-1930) und José Eustasio Rivera (1888-1928) hervor. Die namhaftesten kolumbianischen Autoren des 20. Jahrhunderts sind der Dichter Germán Pardó García und vor allem der Romancier Gabriel García Márquez, der 1982 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Siehe auch lateinamerikanische Literatur
Erfolgreiche Repräsentanten des kolumbianischen Films sind Carlos Alvarez, Marta Rodríguez, Jorge Silva, Jorge Ali Triana und Sergio Cabrera.
Die kolumbianische Architektur wurde vom 16. bis zum 18. Jahrhundert vom spanischen Kolonialstil bestimmt, ehe sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts klassizistische Einflüsse bemerkbar machten und sich in der Folge wie in Europa historistische Stile durchsetzten. Erst ab den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Stadtbild kolumbianischer Metropolen durch moderne Baustile geprägt.
Eine Erneuerung der kolumbianischen Malerei erfolgte zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter dem Eindruck der nationalen Bewegung durch den Forscher und Künstler José Celestino Mutis, dessen Schüler Francisco Javier Matís (1774-1851) und Salvador Rizo (1762-1816) sich als Porträtmaler einen Namen machten. In der kolumbianischen Malerei des 19. Jahrhunderts vermischen sich Elemente der Historienmalerei mit Zügen des Realismus und der Kunst der Kolonialzeit. Kolumbianische Maler der Moderne sind A. Acuna, R. Gómez Campuzano, A. Ramirez Fajardo und P. Nel Gómez. Siehe auch lateinamerikanische Kunst und Architektur; lateinamerikanische Musik
Nach der kolumbianischen Verfassung von 1991, die eine Charta aus dem Jahr 1886 ablöste, ist Kolumbien eine präsidiale Republik mit einer stark zentralisierten Staatsform. Der Nationalfeiertag am 20. Juli erinnert an die Proklamation der Unabhängigkeit im Jahr 1810.
Die zentrale Machtbefugnis liegt beim Präsidenten, der direkt vom Volk für vier Jahre gewählt wird (keine Wiederwahl möglich). Es besteht allgemeines Wahlrecht für Männer und Frauen über 18 Jahren. Der Präsident ist gleichzeitig Regierungschef und ernennt die Mitglieder des Kabinetts, die vom Kongress bestätigt werden müssen. Nach der Verfassung von 1991 werden auch die Gouverneure der Departamentos direkt gewählt.
Die gesetzgebende Macht liegt in Kolumbien beim Kongress (Congreso), der aus dem Repräsentantenhaus mit 165 Sitzen (Cámara de Representantes) und dem Senat mit 102 Sitzen (Senado) besteht. Zwei Sitze im Senat und zwei Sitze im Abgeordnetenhaus sind den Vertretern der Indios vorbehalten. Die Mitglieder des Parlaments werden für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt.
Die 24 Mitglieder des Obersten Gerichtshofes werden auf Lebenszeit von Richtern gewählt, die bereits im Amt sind. Das Gerichtswesen entstand nach spanischen und französischen Vorbildern und umfasst insgesamt 61 höhere und niedere Bezirksgerichte sowie Land- und städtische Gerichte. Die Verfassung von 1991 verbietet die Auslieferung kolumbianischer Staatsbürger und garantiert eine unabhängige Strafverfolgung. Die Todesstrafe ist abgeschafft.
Kolumbien ist in 32 Departamentos und den Hauptstadtdistrikt Bogotá eingeteilt, außerdem in vier Intendanturen und fünf Kommissariate. Die Gouverneure der jeweiligen Distrikte werden direkt vom Volk gewählt (vor In-Kraft-Treten der neuen Verfassung wurden sie vom Präsidenten ernannt).
Die beiden traditionell wichtigsten Parteien sind der Partido Social Conservador (PSC, Konservative Partei), die für einen zentralistischen Staat und enge Beziehungen zur katholischen Kirche eintritt, und der Partido Liberal (PL, Liberale Partei), die sich für eine Stärkung der Regionen und für die Trennung von Kirche und Staat einsetzt. Neben diesen beiden politischen Gruppen sind auch der aus einer Guerillabewegung hervorgegangene Movimiento 19 de Abril (M-19) – die spätere Alianza Democrática (ADM-19) – und die kommunistische Unión Patriótica von Bedeutung.
Alle männlichen Staatsbürger über 18 Jahren sind in Kolumbien zum ein- bis zweijährigen Wehrdienst verpflichtet. Die Gesamtstärke der Armee beträgt etwa 65 000 Soldaten (Heer: 52 000, Marine: 9 000, Luftwaffe: 4 000).
Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 80 925 Millionen US-Dollar (2002). Die Gesamtzahl der Beschäftigten in Kolumbien beträgt etwa 19,4 Millionen; 22 Prozent sind in der Land- und Forstwirtschaft und in der Fischerei tätig, 18 Prozent arbeiten in Industrie und Bergbau und 59 Prozent im Dienstleistungssektor. Der Drogenhandel hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Nach Angaben von US-Behörden gehört Kolumbien zu den weltweit größten Herstellern von Kokain und ist ein wichtiger Lieferant für Marihuana und Heroin. Ein Großteil der zur Produktion benötigten Ausgangsstoffe soll verschiedenen Quellen zufolge aus Peru und Bolivien stammen. Schätzungen zufolge werden in Kolumbien pro Jahr 7 500 Tonnen Marihuana, rund 800 Tonnen Kokain und etwa fünf Tonnen Heroin produziert. Die Erlöse liegen schätzungsweise zwischen vier und fünf Milliarden US-Dollar. Zwar gelangen den kolumbianischen Sicherheitskräften 1997 und 1998 entscheidende Schläge gegen die Drogenkartelle im Land, aber es sollen sich bereits wieder neue kriminelle Strukturen gebildet haben.
Rund 44 Prozent der Landesfläche unterliegen landwirtschaftlicher Nutzung. Kaffee ist die Hauptanbaufrucht Kolumbiens. Brasilien hat zwar eine höhere jährliche Kaffeeproduktion, Kolumbien ist aber der führende Produzent milder Kaffeesorten. Die Kaffeesträucher werden vornehmlich an Berghängen auf einer Höhe zwischen 1 000 und 1 900 Metern über dem Meeresspiegel angebaut, vor allem in den Departamentos Caldas, Antioquía, Cundinamarca, Norte de Santander, Tolima und Santander. Mehr als 150 000 meist kleine Kaffeeplantagen bedecken über eine Million Hektar Land. Die Kaffeeproduktion erreichte Anfang der neunziger Jahre eine Million Tonnen jährlich, wovon das meiste in die Vereinigten Staaten exportiert wurde. Andere wichtige Anbaufrüchte sind Zuckerrohr, Reis, Bananen, Tabak und Baumwolle. An dritter Stelle stehen Kartoffeln, Getreide, Gemüse und eine große Vielfalt an tropischen und subtropischen Früchten und Schnittblumen. Auch Pflanzenfasern wie Sisal (siehe Agave) und Hanf, aus denen man Seile und grobes Sackleinen fertigt, werden produziert. Der übermäßige Einsatz von Pestiziden hat die Bodenqualität beeinträchtigt, die Verwendung von Düngemitteln ist von 1994 bis 1997 um 3 Prozent gestiegen. Traditionelle landwirtschaftliche Bearbeitungsmethoden haben in Verbindung mit der Entwaldung zu einer qualitativen Verschlechterung des Bodens geführt. Der wirtschaftlich relevante Tierbestand umfasst vor allem Rinder, Schweine, Schafe und Pferde.
Ein großer Teil der Waldgebiete Kolumbiens ist wegen der schlechten Verkehrsanbindungen nicht nutzbar. Holz wird in erster Linie als Brennstoff verwendet. Die Küstengewässer und viele Flüsse und Seen Kolumbiens sind fischreich, gefangen werden u. a. Thunfische, Fächerfische und Forellen; die Hälfte der Fangmenge betrifft Süßwasserfische.
Kolumbien besitzt umfangreiche und vielfältige Bodenschätze. Neben bedeutenden Vorkommen an Erdöl, Erdgas und Steinkohle, sind außerdem Lagerstätten an Gold, Silber und Platin sowie Smaragden zu nennen. Mit einem Anteil von 90 Prozent der Weltförderung von Smaragden ist Kolumbien der größte Lieferant dieses Edelsteins. Weitere Rohstoffe sind Eisenerz, Stein- und Meersalz, Kupfer, Nickel und Uran. Die Erdölförderung liegt in der Hand des Staates sowie privater Gesellschaften. Sie konzentriert sich u. a. auf das Tal des Río Magdalena und auf das Gebiet zwischen der Ostkordillere und Venezuela. Ein Großteil des kolumbianischen Rohöles wird zur Weiterverarbeitung nach Curaçao transportiert.
Gold wurde in Kolumbien schon in vorkolumbianischer Zeit abgebaut. Die größten Lagerstätten befinden sich im Departamento Antioquía, weniger bedeutend sind die Vorkommen in den Departamentos Cauca, Caldas, Nariño, Tolima und Chocó. Kolumbien ist der führende Goldproduzent in Südamerika. Platin wurde in Kolumbien erstmals 1735 entdeckt. Das Land verfügt über die größten Platinvorkommen der Welt. Dieses Edelmetall wird vor allem aus dem goldhaltigen Sand der Niederungen des Río San Juan und des Río Atrato gewonnen. Die bedeutendsten Zentren des Smaragdbergbaues sind die Muzo- und Chiverminen.
Abgesehen von den Bergbaubetrieben gehören zu den bedeutenden Industriezweigen Kolumbiens neben Textil-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie der chemischen Industrie z. B. der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Gummi- und Papierindustrie sowie die Petrochemie und Elektrotechnik. Die meisten Industriestandorte sind in den Ballungszentren in den Kordilleren (z. B. Cali, Medellín, Bogotá) sowie an der Nordküste in Cartagena, Santa Marta und Barranquilla angesiedelt.
Die kolumbianische Währung ist der Peso (ein Peso entspricht 100 Centavos). Die Staatsbank gibt die Banknoten aus und übt das Münzrecht sowie das Salz- und Smaragdmonopol für die Regierung aus. Außerdem spielt sie im währungspolitischen Ausschuss eine maßgebliche Rolle bei der Gestaltung der Geldpolitik. Über 25 Geschäftsbanken, die staatliche Entwicklungsbank und weitere amtliche und halbamtliche Finanzinstitute sind in Kolumbien tätig. Bogotá, Medellín und Cali sind Börsenplätze.
Mit über einem Drittel des jährlichen Exportertrags ist Kaffee der Hauptexportartikel Kolumbiens. Erdöl, Baumwollprodukte, Schnittblumen, Bananen, Chemikalien, Zucker, Steinkohle, Gold, Smaragde und Vieh sind weitere wichtige Exportwaren. Eingeführt werden vor allem Maschinen und Transportausrüstungen, chemische Erzeugnisse, Metalle und Metallerzeugnisse sowie Nahrungsmittel. Die Vereinigten Staaten und Kanada sind Kolumbiens wichtigste Handelspartner. Kolumbien hält außerdem Handelsbeziehungen zu Ländern der Europäischen Union, Puerto Rico, Argentinien, Brasilien, Chile, Mexiko, Venezuela sowie Japan. Die Kosten für Importe übersteigen wertmäßig die Erlöse aus dem Exportgeschäft. Die Auslandsverschuldung ist mit fast 29 Milliarden US-Dollar (1996) als hoch zu bezeichnen.
Mehr als 1,6 Millionen Beschäftigte sind in Gewerkschaften organisiert, hauptsächlich in der Unión de Trabajadores de Colombia (UTC, Nationale Gewerkschaft der Arbeiter) mit 1,2 Millionen Mitgliedern und in der Confederación de Trabajadores de Colombia (CTC, Kolumbianischer Verband der Arbeiter) mit 400 000 Mitgliedern. Das Streikrecht steht laut Verfassung jedem zu, der nicht im öffentlichen Dienst beschäftigt ist.
Das starke Relief des Landes macht den Bau von Straßen und Eisenbahnlinien sehr kostspielig. Kolumbien hat ein 3 154 Kilometer langes Eisenbahnnetz (1997), das 1962 verstaatlicht wurde. Die meisten Linien sind Zubringerstrecken zum Río Magdalena, der Hauptverkehrsader des Landes. Der Fluss ist ausgehend von seiner Mündung auf rund 1 500 Kilometer schiffbar. Das Straßennetz ist 112 988 Kilometer lang (1999), einschließlich eines Teiles der Simón-Bolívar-Fernstraße, die Bogotá und andere kolumbianische Städte mit Caracas in Venezuela und Quito in Ecuador verbindet. Der Luftverkehr begann in Kolumbien 1919. Heute betreiben kolumbianische und internationale Fluggesellschaften Linien im Land. Nationale Fluggesellschaft ist die 1919 gegründete AVIANCA; sie ist das zweitälteste Flugunternehmen der Welt. 1946 einigten sich Kolumbien, Venezuela und Ecuador auf die Schaffung einer gemeinsamen Handelsmarine; 1953 zog sich Venezuela jedoch wieder zurück. Wichtige Seehäfen sind Buenaventura, Tumaco, Santa Marta, Barranquilla und Cartagena.
Mit seinen Kohle-, Erdgas- und Erdölvorkommen ist Kolumbien Selbstversorger. Das Land verfügt über mehrere Wasserkraftwerke, die 72,7 Prozent der Elektrizität des Landes erzeugen.
Hier finden Sie Informationen zu folgenden Destinationen in Kolumbien
| Armenia Reiseführer | Barranquilla Reiseführer | Bogota Reiseführer |
| Bucaramanga Reiseführer | Buenaventura Reiseführer | Cali Reiseführer |
| Cartagena Reiseführer | Cúcuta Reiseführer |
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