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Libanon (arabisch Lubnan), Republik in Vorderasien; sie wird im Osten und Norden von Syrien, im Süden von Israel und im Westen vom Mittelmeer begrenzt. Mit 10 230 Quadratkilometern ist der Libanon das kleinste Land des Nahen Ostens.
Der Libanon lässt sich von Westen nach Osten in vier Naturräume gliedern. Im Westen des Landes liegt der 225 Kilometer lange und 1,5 bis 10 Kilometer breite Küstenstreifen. Ihm folgt die im Norden bis auf 3 088 Meter ansteigende Kette des Libanongebirges, an die sich südlich das Hochplateau des Jabal Amil anschließt. Weiter im Landesinneren befindet sich die 160 Kilometer lange und 10 bis 16 Kilometer breite Beka-Ebene. Sie wird vom Litani durchflossen, dem mit 140 Kilometern längsten Fluss des Libanon. Im Osten des Landes verläuft im Grenzbereich zu Syrien die Bergkette des Antilibanon, die nach Süden in das bis 2 814 Meter hohe Massiv des Hermon übergeht.
In der Küstenebene herrscht mediterranes Klima mit warmen, trockenen Sommern und niederschlagsreichen Wintern. Die mittleren Monatstemperaturen liegen in dieser Region zwischen 28 °C im Juli und 13 °C im Januar. In der kontinentaler geprägten Beka-Ebene betragen die entsprechenden Werte 32 °C bzw. 7 °C. An den Westflanken des Libanongebirges liegt der mittlere Jahresniederschlag bei etwa 1 200 Millimeter, in den höchsten Lagen werden 2 000 Millimeter (überwiegend als Schnee) erreicht. Die südliche Beka-Ebene ist mit 600 bis 800 Millimetern wesentlich trockener, im nördlichen Teil dieser Tallandschaft herrscht bereits Wüstenrandklima.
Zu den größeren Säugetieren des Landes gehören Wölfe, Goldschakale, Wildesel und Gazellen. Aufgrund des jahrhundertelangen Raubbaues an seiner Natur ist der Libanon beinahe entwaldet. Der Anteil der Waldfläche an der Gesamtfläche des Landes beträgt nur mehr 3,5 Prozent; lediglich in höheren Gebirgsregionen finden sich noch Kiefern, Eichen und Zedern. Bodenerosion und Desertifikation sind die Folge der Entwaldung. Die schon in der Antike berühmten Zedernwälder des Libanon sind auf einen Bruchteil ihrer Fläche geschrumpft, dennoch verkörpern sie auch heute noch den Stolz der libanesischen Nation, was durch die auffällige Abbildung einer Zeder auf der Landesflagge dokumentiert wird. 1997 richtete der Libanon das Zedernschutzgebiet El-Shouf ein, das sich über insgesamt 5 Prozent der gesamten Landesfläche erstreckt. Allerdings besteht nur ein geringer Anteil des gesamten Baumbestandes aus Zedern, doch bemühen sich Interessengruppen nachhaltig um die Vergrößerung des Zedernbestandes.
Die Einwohnerzahl des Libanon beträgt etwa 3,78 Millionen (2004); dies entspricht einer Bevölkerungsdichte von 369 Personen pro Quadratkilometer, bei einer jährlichen Wachstumsrate von 1,3 Prozent. Zudem gibt es große palästinensische, kurdische, armenische und syrische Minderheiten. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt für Männer bei 69,9 Jahren, für Frauen bei 74,9 Jahren. Der Alphabetisierungsgrad beträgt 87,8 Prozent. Etwa eine Million Libanesen leben meist als Händler permanent im Ausland, ebenso wie Hunderttausende von Bürgerkriegsflüchtlingen. Der Urbanisierungsgrad liegt mit 90 Prozent relativ hoch, der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt in den Küstenregionen. Die Arbeitslosenquote beträgt 25 Prozent, die Kindersterblichkeitsrate 26 Sterbefälle pro 1 000 Lebendgeburten. Auf einen Arzt kommen 476 Einwohner. Das Sozialversicherungssystem ist nur rudimentär ausgebildet. Erst seit wenigen Jahren gibt es Krankenversicherung und Arbeitslosenhilfe. Die medizinische Versorgung ist unzureichend.
Hauptstadt ist die Hafenstadt Beirut mit rund 1,50 Millionen Einwohnern (1998). Von Bedeutung sind auch die nördlich gelegene Großstadt Tripoli (160 000) und Sidon (38 000).
Die Amtssprache ist Arabisch, daneben werden libanesisch-syrische und palästinensische Dialekte gesprochen. Des Weiteren sind Kurdisch und Armenisch unter den jeweiligen Minderheiten verbreitet. Als Handelssprachen finden Englisch und Französisch Verwendung. Viele Libanesen beherrschen mehr als eine Sprache.
Die Religionszugehörigkeit ist im Libanon ein wesentliches Kriterium zur Differenzierung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. 60 Prozent der Libanesen sind Muslime, über die Hälfte davon Schiiten, ein Drittel Sunniten, außerdem 7 Prozent Drusen. Zum Christentum bekennen sich 40 Prozent, mehr als die Hälfte von ihnen zum maronitischen Glauben. Andere wichtige christliche Glaubensgemeinschaften sind die griechisch-orthodoxe, die griechisch-katholische und die armenische Kirche.
Im Libanon gelten christliche und muslimische Feiertage. Die Daten der christlichen Feste richten sich nach dem westlichen Kalender (der auf dem Sonnenjahr basiert), die der muslimischen Feste nach dem islamischen Mondkalender. Das internationale Neujahr wird am 1. Januar gefeiert, während das islamische Neujahrsfest in den Sommer fällt. Der 9. Februar ist der Festtag des Heiligen Maro. Nach ihm ist die maronitische Kirche benannt, der die meisten libanesischen Christen angehören. In der Osterzeit sind die drei Tage von Karfreitag bis Ostersonntag Feiertage. Weitere christliche Feiertage sind Mariä Himmelfahrt am 15. August und Allerheiligen am 1. November. Weihnachten wird am 25. Dezember gefeiert. Zu den muslimischen Feiertagen gehören ’Aid al-Fitr, ein dreitägiges Fest am Ende des Fastenmonats Ramadan, und ’Aid al-Adha (Fest des Opfers), das daran erinnern soll, dass Abraham auf Anweisung Allahs bereit war, seinen Sohn zu opfern. Im Herbst wird der Geburtstag des Propheten Mohammed gefeiert. Der Tag der Arbeit (1. Mai) und der Nationalfeiertag oder Unabhängigkeitstag (22. November) sind weltliche Feiertage.
Seine geographische Lage an der Nahtstelle zwischen Afrika, Asien und Europa hatte den Libanon, besonders seine Hauptstadt Beirut, zu einem weltoffenen Handels- und Kulturzentrum werden lassen. In die libanesische Kultur flossen phönizische, griechische, römische, frühchristliche, arabische und türkische Elemente ein. Aufgrund der engen politischen und kulturellen Verflechtungen mit Frankreich wurde libanesische Literatur meist in Französisch verfasst und orientierte sich an den dortigen literarischen Strömungen. Die kosmopolitische Orientierung des Libanon hat während der Bürgerkriegskonflikte (1975-1991) schwere Schäden genommen. Seitdem bemüht sich das Land mit Erfolg, sein kulturelles Leben wiederzubeleben.
Die Analphabetenquote lag 1998 für Männer bei 9 Prozent, für Frauen bei 21 Prozent. Über 70 000 Studenten studieren an 20 Universitäten und Hochschulen, mehr als die Hälfte davon an der staatlichen Université Libanaise. Die anderen Universitäten sind in privater Hand. Die verbreitetsten Fremdsprachen sind Französisch und Englisch.
In Beirut bietet ein Goethe-Institut Veranstaltungen an. Mehrere Kulturdenkmäler im Libanon wurden in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen: die Ruinen der Omaijadenstadt Anjar, die Ruinen von Baalbek, Byblos und Tyros sowie das Heilige Tal Wadi Qadisha mit dem Wald der Libanonzedern Horsh Arz el Rab.
Libanon erfreut sich – von einzelnen Repressalien gegen kritische Journalisten abgesehen – einer relativ weitreichenden Pressefreiheit. 15 Tageszeitungen erscheinen mit einer Gesamtauflagenzahl von mehr als 400 000. Neben mehreren Radiosendern gibt es 15 Fernsehstationen. 2000 wurden 227 500 Internetnutzer gezählt, die über 22 Provider Zugänge fanden.
Nach der Verfassung von 1926 werden politische Ämter nach einem festgeschriebenen Religionsproporz vergeben.
Der Staatspräsident ist Chef der Exekutive. Er wird vom Parlament für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt und muss maronitischer Christ sein. Er ernennt die Regierung, die vom Ministerpräsidenten, einem sunnitischen Muslim, geleitet wird.
Die Legislative wird von der Nationalversammlung, der ein schiitischer Muslim als Parlamentspräsident vorsitzt, ausgeübt. Die 128 Parlamentsmitglieder werden alle vier Jahre in allgemeinen Wahlen bestimmt. Auch die Sitze im Parlament werden paritätisch zwischen Christen und Muslimen verteilt. Der Parlamentspräsident ist schiitischer Muslim.
Die Judikative obliegt auf oberster Ebene einem Staatsrat. Elf Appellations- und vier Kassationsgerichtshöfe schließen sich an. 56 Einzelrichtergerichte für Zivil- und Strafsachen bilden die Basis des Justizsystems.
Die von der Verfassung vorgesehene Gliederung des Libanon in fünf Verwaltungsprovinzen ist in der Praxis durch die Etablierung von Einflusszonen der unterschiedlichen Kriegsparteien außer Kraft gesetzt.
Der Libanon gehörte bis zu Beginn des Bürgerkrieges 1975 zu den bedeutendsten Finanz- und Handelsplätzen im Nahen Osten. Durch den Bürgerkrieg wurde die Wirtschafts- und Infrastruktur nahezu komplett zerstört, eine weitgehende Lähmung der Wirtschaft mit jährlichen Inflationsraten von über 100 Prozent und einer Arbeitslosenquote von rund 50 Prozent waren die Folge. Nach dem offiziellen Kriegsende 1990 kam das dringend für den Wiederaufbau benötigte Kapital nur spärlich ins Land. Die meisten im Ausland lebenden libanesischen Unternehmer zögerten mit Investitionen, da die politischen Verhältnisse zu diesem Zeitpunkt noch sehr instabil waren. Nach den ersten freien Parlamentswahlen 1992 und den 1994 eingeleiteten Wirtschaftsreformen ging die Inflationsrate auf unter 10 Prozent zurück.
Wichtiges Standbein der Wirtschaft des Libanon ist der Handel mit Wertpapieren und Devisen. Allein im Dienstleistungssektor sind 62 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt. Der vor dem Bürgerkrieg blühende Tourismus erholte sich langsam erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Der Libanon ist nach wie vor stark auf finanzielle Hilfe aus dem Ausland angewiesen, um den Wiederaufbau von Wirtschaft und Infrastruktur voranzutreiben.
Die jährliche Wachstumsrate beläuft sich auf 4,9 Prozent (1990–2002). Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 17 294 Millionen US-Dollar (2002; Dienstleistungen 67,3 Prozent, Industrie 21 Prozent, Landwirtschaft 11,7 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 3 890 US-Dollar.
In der Landwirtschaft sind 7,3 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt. 30,6 Prozent des Staatsgebiets werden landwirtschaftlich genutzt. An der intensiv kultivierten Küste werden hauptsächlich Tabak, Obst (vor allem Zitrusfrüchte und Äpfel), Gemüse, Oliven und Weinbeeren produziert, in der fruchtbaren Beka-Ebene auch Getreide und Hanf. Höhere Bergregionen werden als Weideland für Schafe, Ziegen und Rinder genutzt, was die Erosion der entwaldeten Böden beschleunigt.
Da der Libanon über fast keine Bodenschätze verfügt, verarbeitet die Industrie vorwiegend einheimische Rohprodukte oder importierte Rohstoffe und Halbwaren. Es werden beispielsweise Nahrungsmittel, chemische Produkte, Baumwoll- und Seidenstoffe (siehe Fasern) erzeugt sowie Maschinen und Elektrogeräte gefertigt. Die Ölraffinerien bei Tripoli und Sidon verarbeiteten importiertes Erdöl und wurden während des Bürgerkrieges stark beschädigt. Die Raffinerie bei Sidon wurde 1986 stillgelegt, das Werk bei Tripoli soll wieder in Betrieb gehen. Ein traditioneller Wirtschaftszweig im Libanon ist die Herstellung von Schmuckwaren, die zu einem Teil in den Export gehen. In der Industrie sind 31 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt.
Das Libanesische Pfund mit 100 Piastern wird von der Bank des Libanon, die als Zentralbank fungiert, herausgegeben. Der Libanon importiert den Großteil seiner Konsum- und Kapitalgüter. In den Export gehen u. a. Nahrungsmittel, chemische Erzeugnisse, Schmuckwaren, Textilien, Maschinen und Elektrogeräte sowie Erzeugnisse der Metall verarbeitenden Industrie. Die Handelsbilanz beträgt -86,8 Prozent (2000–2002). Haupthandelspartner sind Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Italien, Deutschland, Frankreich und die USA.
Das Straßennetz hat eine Länge von 7 300 Kilometern. Wichtige Häfen des Landes sind Beirut, Tripoli und Sidon, die Handelsflotte umfasste 94 Schiffe (1999). Der internationale Flughafen Al Chalda liegt nahe der Hauptstadt Beirut. Die Tourismusbranche des Libanon erholt sich langsam.
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