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Niederlande, Königreich in Westeuropa, das im Norden und Westen an die Nordsee, im Osten an Deutschland und im Süden an Belgien grenzt. Zusammen mit Belgien und Luxemburg bilden die Niederlande die so genannten Beneluxstaaten. Die Niederländischen Antillen und Aruba, zwei selbst verwaltete Territorien in der Karibik, gehören ebenfalls zum Königreich. Die Niederlande umfassen eine Gesamtfläche von 41 526 Quadratkilometern, von denen 33 880 Quadratkilometer Landfläche sind. Die Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Amsterdam, der Regierungssitz ist Den Haag.

Das Land hat eine maximale Nord-Süd-Ausdehnung von 300 Kilometern, von Westen nach Osten erstreckt es sich über rund 180 Kilometer. Die Küstenlänge beträgt etwa 451 Kilometer.

Das Wort Niederlande (niederländisch Nederlanden) bedeutet tief liegendes Land; ein großer Teil des Nordens und des Westens des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels. Diese Region, die als Niedere Niederlande bezeichnet wird, ist von Kanälen, Flüssen und kleinen Buchten geprägt. Im Osten und Süden liegen die Hohen Niederlande, deren Oberfläche leicht über dem Meeresspiegel liegt und deren Landschaft flach bis leicht hügelig ist. Das Gebiet in den Hohen Niederlanden ist selten höher als 50 Meter. Nur im äußersten Südosten gibt es mehrere Erhebungen über 100 Meter.

„Gott erschuf die Welt, aber die Holländer erschufen Holland”, so lautet ein altes niederländisches Sprichwort. Die Deiche, Kanäle, Staudämme, Schleusen und Windmühlen, die die Landschaft der Niederlande prägen, sind alle Teil des Entwässerungssystems, das bereits im Mittelalter existierte. Dieses System hat es den Bewohnern des Landes ermöglicht, dessen Fläche um fast ein Fünftel zu vergrößern. Ohne die ständige Dränage und den Schutz der Stranddünen wäre etwa die Hälfte der Niederlande von Wasser bedeckt.

Am 1. Februar 1953 führten eine Springflut und schwerer Wellengang dazu, dass die Deiche und Dünen an der Küste der nördlichen Provinz Zeeland brachen. Etwa 162 000 Hektar wurden überflutet, und mehr als 100 Menschen starben. 42 Jahre später wurden mehr als 250 000 Menschen aus dem Osten und dem Inneren des Landes evakuiert. Infolge schwerer Regenfälle in Frankreich und Deutschland waren der Rhein und die Maas über die Ufer getreten, und man befürchtete, dass die Deiche an den Flüssen Lek, Maas und Waal, Mündungsarme und Zuflüsse des Rheins in den Niederlanden, durch den Druck der hereinbrechenden Fluten aus den überschwemmten Gebieten brechen könnten. Die Deiche hielten dem Druck stand; zum Schutz vor weiteren Katastrophen wurde aber ein kostenaufwendiges Programm in Angriff genommen, um die Arbeit an mehr als 800 Kilometern Flussdeich zu beschleunigen.

An der Nordseeküste der Niederlande gibt es zahlreiche, zum Teil lang gestreckte Sanddünen. Im Südwesten werden die Dünen von Flussmündungen unterbrochen, die Deltas mit kleinen Inseln bilden. Im Norden drang das Meer durch die Dünen in das Festland vor; dadurch kam es zur Bildung der Westfriesischen Inseln, die eine Fortsetzung der festländischen Dünengürtel darstellen. Hinter diesen Inseln entstand ein Gezeitenmeer, die Waddenzee. Das Hinterland der Dünen liegt überwiegend unterhalb des Meeresspiegels; es wird durch Deiche geschützt und durch ständige Maßnahmen der Entwässerung trocken gehalten. Die frühere Zuiderzee, eine ehemalige Flussmündung des Rheins und später ein Binnenmeer, wird allmählich trockengelegt. Der so genannte Abschlussdeich, der die Zuiderzee von der Waddenzee und der Nordsee trennt, wurde 1932 fertig gestellt. Zu jener Zeit wurde damit begonnen, ein Gebiet von 225 000 Hektar trockenzulegen; das Ergebnis dieser Landgewinnung waren Polder, wie der Süd- und der Ost-Flevoland-Polder sowie der Nord-Ost-Polder. Ein großer Teil der ehemaligen Zuiderzee ist seit Beginn der achtziger Jahre trockengelegt worden. 1986 wurde die zwölfte niederländische Provinz, Flevoland, aus den zwei Flevoland-Poldern und dem Nord-Ost-Polder geschaffen. Der Rest der Zuiderzee wurde in einen Süßwassersee umgewandelt, das IJsselmeer.

Die Inseln der südwestlichen Deltaregion durchlaufen ebenfalls einen Prozess der Veränderung. Nach der verheerenden Flut von 1953 wurde mit der Realisierung des Delta-Planes begonnen, um die Region durch den Bau einer Reihe von massiven Dämmen und Deichen zu schützen und einige Meeresbuchten von der Nordsee abzuschneiden. Im Zuge des Projekts, das 1986 fertig gestellt wurde, wurden mehrere Süßwasserseen geschaffen.

Der Großteil der östlichen Hälfte der Niederlande besteht aus tief liegendem, von sandigem Schwemmland bedeckten Gebiet, dessen Material von den Gletschern des Pleistozäns und den nacheiszeitlichen Flüssen abgelagert wurde. Während in den küstennäheren Gebieten das Gewässernetz vorwiegend künstlich gestaltet ist, sind in den östlichen Landesteilen noch natürliche Flussläufe vorhanden. Der Vaalserberg (321 Meter), die höchste Erhebung der Niederlande, liegt als Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges im äußersten Südosten des Landes.

Die größten Flüsse der Niederlande sind der Rhein (niederländischer Anteil etwa 200 Kilometer) und seine zahlreichen Nebenflüsse und Mündungsarme, darunter Waal und Lek; ferner die Maas und die Schelde, die beide aus Belgien zufließen. Diese Flüsse und ihre Nebenflüsse strömen durch das Landesinnere von Osten nach Westen; an der Küste bilden sie Deltas mit vielen kleinen Inseln.

In den nördlichen und westlichen Landesteilen gibt es viele kleine Seen. Fast alle der größeren natürlichen Seen sind trockengelegt worden; im Zuge eines Programms zur Neuentwicklung des Deltas und die Trockenlegung der Zuiderzee wurden jedoch zahlreiche Süßwasserseen geschaffen.

In den Niederlanden herrscht aufgrund der Lage an der Nordsee ausgesprochen maritimes Klima mit relativ geringen Temperaturunterschieden im Jahresverlauf. Die Winter sind mild, die Sommer vergleichsweise kühl. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im Januar zwischen 2 und 3 °C, die mittleren Julitemperaturen betragen 16 bis 18 °C. Die mittleren jährlichen Niederschlagsmengen belaufen sich auf 760 Millimeter. Niederschlag fällt zu allen Jahreszeiten; regenärmster Monat ist in den meisten Teilen des Landes der März. Die Häfen des Landes bleiben im Winter eisfrei. Da in den Niederlanden kaum die Luftströmungen behindernde natürliche Hindernisse vorhanden sind, gibt es zwischen den einzelnen Regionen kaum Klimaunterschiede.

Über die Jahrhunderte hinweg ist die natürliche Landschaft der Niederlande vom Menschen stark verändert worden. Es gibt nur wenige Flächen, die in ihrem natürlichen Zustand belassen wurden. Hierzu zählen verschiedene Moorgebiete sowie die Dünengebiete an den Küsten. Der ursprüngliche Birken-Eichen-Wald ist nur noch in kleinen Resten vorhanden, er wurde in (oft mit Kiefern aufgeforsteten) Heideflächen umgewandelt. Diese Kiefernforste machen weitgehend den Waldanteil von etwa 11,1 Prozent aus (2000); im Utrechter Hügelland gibt es zudem Buchen-Eichen-Bestände.

Auch die natürliche Fauna wurde nachhaltig verändert. Vielen Tierarten wurde durch die Eingriffe des Menschen die Lebensgrundlage entzogen, andere wurden in ihrem Bestand stark dezimiert. Die Säugetierfauna ist hinsichtlich der Raubtiere durch typische mitteleuropäische Arten wie Rotfuchs und verschiedene Marderspezies (einschließlich Fischotter) repräsentiert, im Wattenmeer leben Seehunde. Zu den Paarhufern gehören Rehe, Rot- und Damhirsche. Ein exotisches Faunenelement sind aus Farmkäfigen freigelassene südamerikanische Nutrias.

Hinsichtlich der Avifauna (Vogelwelt) sind Brutpopulationen von Löfflern und Purpurreihern bemerkenswert. Durch Landgewinnungsprojekte entstanden neue Lebensräume für Zugvögel. Das niederländische Wattenmeer ist Rast- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche Vogelarten wie Austernfischer, Säbelschnäbler, Brachvögel sowie Gänse- und Entenarten. Ein großes ökologisches Problem der Küstengebiete ist die zunehmende Verschmutzung der Nordsee, aber auch die intensive Muschelfischerei.

Die Einwohnerzahl der Niederlande beträgt etwa 16,3 Millionen (2004), was einer Bevölkerungsdichte von etwa 481 Personen pro Quadratkilometer entspricht. Die Niederlande sind eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt. Die Lebenserwartung beträgt 76,2 Jahre für Männer und 81,3 Jahre für Frauen (2004). Die mittlere Wachstumsrate der Bevölkerung liegt bei 0,56 Prozent im Jahr (2004).

Das Land ist ethnisch überaus homogen zusammengesetzt. Die größte Bevölkerungsgruppe sind die Niederländer mit 96 Prozent; sie stammen von den Franken, den Friesen und den Sachsen ab. Aus Furcht vor einer Übervölkerung förderte die niederländische Regierung nach dem 2. Weltkrieg Auswanderungen; etwa 500 000 Menschen verließen damals das Land. Die Zahl der Einwanderer war jedoch noch größer. Es kamen Europäer und Asiaten aus dem ehemaligen Kolonialgebiet Niederländisch-Ostindien (das im Malaiischen Archipel gelegene Gebiet zählt heute zu Indonesien) sowie Industriearbeiter aus der Türkei, Marokko und anderen Mittelmeerländern. In jüngster Zeit erfolgte eine starke Zuwanderung aus Suriname, das ebenfalls eine niederländische Kolonie war, sowie von den Niederländischen Antillen. Infolgedessen gibt es vor allem in den Großstädten heute größere ethnische Minderheiten.

Etwa 90 Prozent der Bevölkerung leben in städtischen Siedlungen (2002). Die größten Städte sind die Hauptstadt Amsterdam (735 000 Einwohner), Rotterdam (593 000 Einwohner), einer der größten und bedeutendsten Seehäfen der Welt, Den Haag (441 000 Einwohner), der Regierungssitz des Landes, und die Industriestadt Utrecht (234 000 Einwohner). Weitere große Städte liegen in den westlichen Provinzen Noord-Holland, Zuid-Holland und Utrecht; das bedeutendste Ballungsgebiet wird auch Randstad Holland genannt.

Die Amtssprache ist Niederländisch, das zum westlichen Zweig der germanischen Sprachen gehört. In der nördlichen Provinz Friesland spricht ein großer Prozentsatz der Menschen als Erstsprache Friesisch, die als Minderheitensprache offiziell anerkannt ist und regional auch den Status einer Amtssprache hat. Englisch, Deutsch und Französisch werden fast überall verstanden und gesprochen. Die niederländischen Kinder lernen bereits in sehr jungen Jahren Fremdsprachen.

Etwa 36 Prozent der Bevölkerung sind römisch-katholisch, 30 Prozent sind Protestanten. Es gibt eine kleine jüdische Gemeinde im Land. Etwa 32 Prozent der Bevölkerung sind konfessionslos. Die katholische Bevölkerung konzentriert sich auf den südlichen Teil des Landes. Es gibt mehrere protestantische Richtungen, von denen die größte die Niederländische Reformierte Kirche ist. In den Niederlanden gibt es keine Staatsreligion, aber die Niederländische Reformierte Kirche hatte seit der Gründung der Niederländischen Republik im 17. Jahrhundert schon immer eine starke Verbindung mit dem Staat. Alle Monarchen des Landes waren Mitglieder der Reformierten Kirche.

Zu den offiziellen Feiertagen gehören Neujahr (1. Januar), Karfreitag und Ostermontag, der Geburtstag der Königin (30. April), Christi Himmelfahrt, der Tag der Befreiung (5. Mai), Pfingstmontag und die beiden Weihnachtstage (25. und 26. Dezember). Der Geburtstag der Königin ist der Geburtstag der Königinmutter Juliana, die 1980 zugunsten von Beatrix abdankte.

Der Tag der Befreiung erinnert an jenen Tag, an dem die Alliierten die Niederlande im Jahr 1945 von der deutschen Besatzungsmacht befreiten. Christi Himmelfahrt wird 40 Tage nach Ostern gefeiert. An diesem Tag gehen die Niederländer traditionell Dauwtrappen („Tautreten”); eine alte Überlieferung besagt, dass der Tau an diesem Tag besondere, heilende Kräfte habe. Geschenke verbinden die Niederländer mit dem Nikolaus (6. Dezember), der bei ihnen Sinterklaas heißt.

Außerdem feiert jede Region ihre lokalen Feste. Im Mai begehen die Küstengebiete den Vlaggetjesdag (Tag der kleinen Flagge), der den Beginn der Heringssaison markiert. Im Süden feiert man vor der Fastenzeit Karneval. In Maastricht, ganz im Süden der Niederlande, genießt dieses Ereignis besondere Popularität. Der auch als Martinmas (St. Martin) bezeichnete „Tag der Bettler” wird am 11. November gefeiert.

Der Lebensstandard der Bevölkerung ist sehr hoch. Die Niederlande sind einer der modernsten Wohlfahrtsstaaten Europas. Ein Großteil des Staatsbudgets wird für Erziehung, Gesundheit, Arbeitsförderungsmaßnahmen und andere soziale Leistungen ausgegeben. Die Niederländer sind auch durch Arbeitslosenunterstützung, Arbeitsunfähigkeitsrente, Witwen-, Waisen- und Altersrenten und Mindestlohnregelungen abgesichert. Die medizinische Versorgung ist hervorragend. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,1 Prozent (2002). Auf 323 Einwohner kommt ein Arzt. Die Kindersterblichkeitsrate beträgt 0,8 Prozent.

In den sechziger Jahren wurde das niederländische Bildungssystem grundsätzlich umstrukturiert und konfessionelle Bindungen gelockert.

Bereits während der Reformation im 16. Jahrhundert wurde in den Niederlanden der Grundstein für ein umfassendes Schulausbildungssystem gelegt. Im 19. Jahrhundert wurde das Erziehungswesen systematisiert und eine Finanzierung der Schulen gesichert. Der so genannte Schulkampf um die Zukunft konfessioneller Privatschulen geriet zum Politikum. Seit 1917 garantiert ein Verfassungszusatz gleiche Unterstützung für jedwede anerkannte Schule. Heute ist etwa ein Drittel der Grund- und weiterführenden Schulen staatlich, die restlichen zwei Drittel sind katholische oder protestantische Privatschulen. Es besteht eine Schulpflicht von 13 Jahren, inklusive einer sechsjährigen Grundschulausbildung. Der Alphabetisierungsgrad liegt bei 99 Prozent (1995).

An niederländischen Fachhochschulen und Universitäten sind mehr als 560 000 Studenten eingeschrieben. Zu den wichtigsten akademischen Bildungseinrichtungen zählen die Universität Amsterdam (gegründet 1632) und die staatlichen Universitäten von Groningen (1614), Leiden (1575) und Utrecht (1636). In den Niederlanden gibt es mehrere technische Hochschulen und Kunsthochschulen.

Zu den berühmtesten Museen gehören das Rijksmuseum, das Rembrandt-Huis, das Vincent-van-Gogh-Nationalmuseum und das Stedelijk (kommunale) Museum, die sich alle in Amsterdam befinden. Darüber hinaus sind die Königliche Bildergalerie und das Mauritshuis in Den Haag, das Boymans-van-Beuningen-Museum in Rotterdam und das Kröller-Müller-Nationalmuseum im Hoge Veluwe Nationalpark in Otterlo von Bedeutung. Das Amsterdamer Concertgebouw-Orchester ist international renommiert; auch Rotterdam besitzt ein bedeutendes Sinfonieorchester. Die wichtigsten Bibliotheken des Landes sind die der Staatlichen Universität Leiden und der Universität Amsterdam sowie die Königliche Bibliothek in Den Haag.

Vor allem im Bereich der niederländischen Kunst entstanden stilbildende Meisterwerke, namentlich von Malern wie Pieter Bruegel dem Älteren, Rembrandt, Frans Hals, Vincent van Gogh oder Piet Mondrian. Im Bereich der niederländischen Literatur traten Autoren wie Erasmus von Rotterdam, Jacob Cats und Joost van den Vondel sowie – in neuerer Zeit – Harry Mulisch, Cees Nooteboom und Maarten t’ Hart hervor. Bedeutende niederländische Komponisten, Musiker bzw. Dirigenten sind Johannes Ciconia, Guillaume Dufay, Jan Piertszoon Sweelinck, Karel Goeyvaerts, Josef Willem Mengelberg, Bernard Haitink, Han Bennink und Willem Breuker.

Zusätzlich zu den vielen regionalen und lokalen Zeitungen gibt es in den Niederlanden sechs überregionale Zeitungen. Die Tageszeitung mit der größten Auflage ist der unabhängige De Telegraaf (Amsterdam). Gemäß dem Mediengesetz von 1988 kontrollieren zwei nationale Organisationen den Hör- und Fernsehfunk. Die meisten Programme werden von gemeinnützigen Gesellschaften produziert.

Die Niederlande sind eine parlamentarische Erbmonarchie (die Thronfolge ist auch in weiblicher Linie erblich). Die Verfassung wurde 1815 verkündet und seitdem mehrere Male überarbeitet, zum letzten Mal 1983. Das Königreich besteht aus den Niederlanden, Aruba und den Niederländischen Antillen. Ihre Beziehungen werden durch einen Vertrag vom Dezember 1954 geregelt, dem zufolge sie als gleichberechtigte Partner verbunden sind.

Die Niederlande setzen sich schon seit langem für eine europäische Integration und internationale Zusammenarbeit ein. In diesem Zusammenhang trug das Land 1960 zur Entstehung des Benelux-Vertrages mit Belgien und Luxemburg bei, der die seit 1948 bestehende Zollunion zwischen den drei Staaten ersetzte. Die Niederlande waren einer der Gründerstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), die heute in der Europäischen Union aufgegangen ist, und Gründungsmitglied von anderen europäischen Organisationen. 1991 waren die Niederlande das Gastgeberland beim Abschluss des Europäischen Unionsvertrages (Vertrag von Maastricht), der zum Ziel hat, einen gemeinsamen inneren Markt sowie ein gemeinsames europäisches Währungssystem zu schaffen.

Staatsoberhaupt der Niederlande ist der Monarch. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, ernennt die Präsidenten beider Parlamentskammern sowie die Minister und steht dem Staatsrat vor. Königin Beatrix trat im Mai 1980 die Thronfolge an, nachdem ihre Mutter, Königin Juliana, abgedankt hatte. Der höchste Regierungsbeamte mit Exekutivgewalt ist der Ministerpräsident, der vom Monarchen ernannt wird und den Vorsitz im Kabinett führt.

Der Staten-Generaal (Parlament) besteht aus zwei Kammern. Die Erste Kammer umfasst 75 Mitglieder, die für vier Jahre von den Provinzialregierungen gewählt werden, und besitzt lediglich Zustimmungs- bzw. Ablehnungsrecht. Die Zweite Kammer besteht aus 150 Abgeordneten, die nach dem Verhältniswahlrecht ebenfalls für vier Jahre vom Volk gewählt werden. Wahlberechtigt sind alle Bürger ab dem 18. Lebensjahr.

Das Justizwesen der Niederlande umfasst vier Gerichtsebenen. Das erste Tribunal ist das Hohe Gericht der Niederlande mit Sitz in Den Haag. Gerichte auf niedrigerer Hierarchieebene sind die fünf Berufungsgerichte, die 19 Landgerichte und die 62 Amtsgerichte. Alle niederländischen Richter werden vom Monarchen auf Lebenszeit ernannt.

Die Niederlande bestehen aus den zwölf Provinzen Drenthe, Flevoland, Friesland, Gelderland, Groningen, Limburg, Noord-Brabant (Nordbrabant), Noord-Holland (Nordholland), Overijssel, Zuid-Holland (Südholland), Utrecht und Zeeland (Seeland). Jede der Provinzen wird von einem Regierungskommissar und von einer vom Volk gewählten gesetzgebenden Versammlung (Staten-Provinzial) regiert.

Das niederländische Parteienspektrum ist breit gefächert. Das Verhältniswahlrecht, das bei den Wahlen zu den Gemeinde- und Provinzialversammlungen sowie dem Parlament zum Tragen kommt, ermöglicht auch kleinen Parteien, in die Parlamente einzuziehen. Auf nationaler Ebene wurden die Niederlande immer von Koalitionen regiert, deren Bildung sich oft als schwierig erwiesen hat.

Die wichtigsten politischen Parteien sind der konservative Christlich-Demokratische Appell (Christen Democratisch Appèl, CDA), die sozialdemokratische Partei der Arbeit (Partij van de Arbeid, PvdA), die rechtspopulistische Liste Pim Fortuyn (LPF), die rechtsliberale, unternehmerorientierte Volkspartei für Freiheit und Demokratie (Volkspartij voor Vrijheid en Democratie, VVD), die linksliberalen Democraten 66 (D66), die für eine stärkere und direktere Beteiligung der Bürger im politischen System eintreten, sowie GrünLinks (GroenLinks) und die Sozialistische Partei (SP).

Im Rahmen des im Jahr 1993 beschlossenen Umbaus der Streitkräfte zu einer Berufsarmee wurde seit Februar 1996 kein Wehrpflichtiger mehr eingezogen. Die Wehrpflicht endete offiziell im August 1996. Die Gesamtstärke der Streitkräfte liegt bei etwa 53 130 Mann (2002). Die Ausgaben für das Militär betragen 7 330 Millionen US-Dollar (2002).

Viele Jahrhunderte lang haben die Niederlande in der europäischen Wirtschaft eine besondere Rolle gespielt. Seit dem 16. Jahrhundert waren Schifffahrt, Fischerei, Handel und Bankwesen die wichtigsten Wirtschaftszweige. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Handel mit dem niederländischen Kolonialreich von großer Bedeutung. Seit der Unabhängigkeit Indonesiens gegen Ende der vierziger Jahre hat sich der Handel der Niederlande vom Kolonialhandel zum Handel mit anderen europäischen Ländern umorientiert. Als die Beschäftigungszahlen in der Landwirtschaft zurückgingen, wurde eine vielschichtige industrielle Basis geschaffen. Mit der Entdeckung großer Erdgasvorkommen wurde das Land zu einem der wichtigsten Energieexporteure.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei 417 910 Millionen US-Dollar (2002; Dienstleistungen 71,4 Prozent, Industrie 25,9 Prozent, Landwirtschaft 2,7 Prozent). Daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 25 890 US-Dollar und eine Wachstumsrate von 2,86 Prozent. Die Inflationsrate beträgt 2,31 Prozent. 3 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt, 21 Prozent in der Industrie und 73 Prozent im Dienstleistungssektor (2001). Ungefähr 29 Prozent der Angestellten sind in Gewerkschaften organisiert, von denen die größten der Niederländische Gewerkschaftsbund und die Christlich-Nationale Föderation der Gewerkschaften der Niederlande sind.

Die geringe Größe der Niederlande und die hohe Bevölkerungsdichte bedingen eine intensive Landwirtschaft. Dieser Wirtschaftssektor ist äußerst produktiv und stark exportorientiert. Die Einnahmen aus dem Export von Fleisch, Gemüse, Butter, Käse und anderen Milchprodukten sind weitaus höher als die Ausgaben für den Import von Getreide und Obst. Die Niederlande zählen weltweit zu den größten Exporteuren von Schweinefleisch. Die meisten Farmen sind kleine Familienbetriebe. Innerhalb des Agrarsektors nimmt die Viehhaltung eine bedeutende Stellung ein. Etwa 50 Prozent des landwirtschaftlich genutzten Landes sind Wiesen und Weideland; auf 40 Prozent der Fläche werden Nutzpflanzen wie Weizen, Kartoffeln, Tomaten, Gurken und Zuckerrüben angebaut, und der Rest wird von Gärtnereien für die Blumen- und Blumenzwiebelproduktion genutzt.

Da nur ein sehr geringer Teil der Niederlande bewaldet ist, ist die Holzproduktion nur von untergeordneter Bedeutung. Das Fischereiwesen ist ein traditionelles Gewerbe, dem auch heute noch große Bedeutung zukommt, auch wenn die Fischbestände der Nordsee, teilweise infolge der Umweltverschmutzung, zurückgegangen sind. Zu den wichtigsten Fangprodukten zählen Hering, Kabeljau, Scholle, Seezunge, Makrele, außerdem Muscheln und Garnelen.

Nach dem 2. Weltkrieg gewannen Erdöl und Erdgas zunehmend an Bedeutung. Diese Rohstoffe wurden zunächst importiert, und der Hafen von Rotterdam wurde zu einem der wichtigsten Häfen für die Einfuhr und die Verarbeitung von Erdöl. In den fünfziger und sechziger Jahren wurden riesige Erdgasvorkommen in der Provinz Groningen entdeckt. Weitere wichtige Lagerstätten befinden sich in den küstennahen Gebieten der Nordsee. Die Produktion in dem ansonsten rohstoffarmen Land stieg rasch an und ermöglichte 1973 die Schließung der letzten niederländischen Kohlebergwerke, von denen die meisten in der Provinz Limburg errichtet worden waren. Die Niederlande wurden zu einem der wichtigsten Exportländer für Erdgas. Im Lauf der neunziger Jahre fand im Zuge der Vermeidung von Umweltbelastungen eine Rückbesinnung auf die Windenergie statt. 1992 wurden mehr als 630 „High-Tech”-Windmühlen mit einer Kapazität von 144 Millionen Kilowattstunden installiert.

Bis zum 2. Weltkrieg war die industrielle Produktion relativ unbedeutend. Der Schwerindustrie kommt in den Niederlanden viel weniger Bedeutung zu als in den benachbarten Ländern. Das schnelle Wachstum des produzierenden Gewerbes nach 1945 wurde von der chemischen und der Elektronikindustrie angeführt. Weitere bedeutende industrielle Produkte sind Nahrungsmittel und Getränke, Tabakwaren, Baumaterialien, Schiffe, raffiniertes Erdöl, Gummi- und Plastikwaren sowie Druckereierzeugnisse. Aufgrund der günstigen Versorgung mit Rohstoffen aus den ehemaligen Kolonien spielt auch die Herstellung von Süßwaren und Speiseöl eine wichtige Rolle. Berühmtheit erlangte die Diamantenschleiferei in Amsterdam, ein traditioneller Produktionsbetrieb. Die wichtigsten Produktionsstandorte des Landes sind Amsterdam, Rotterdam und Eindhoven.

Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung leiden die Niederlande unter erheblichen Umweltschäden. Eine der Ursachen ist die Überdüngung der Böden – die Niederlande haben weltweit nach Neuseeland den höchsten Verbrauch an Düngemitteln – und in deren Folge eine starke Belastung des Grundwassers, der Flüsse und folglich auch der Nordsee mit Phosphaten, Nitraten und Pestiziden. Die Niederlande sind einer der größten Verschmutzer der Nordsee, produzieren auf der anderen Seite aber weniger als 1 Prozent der Emissionen, die den globalen Treibhauseffekt bewirken. Dies ist zurückzuführen auf eine bereits früh einsetzende aktive Umweltpolitik, die sich allerdings zunächst vor allem auf die Reduzierung der Luftverschmutzung konzentrierte. Unterdessen beteiligt sich das Land jedoch auch an Programmen zur Verbesserung der Wasserqualität in Rhein und Nordsee. Um die natürliche Landschaft zumindest teilweise zu erhalten, haben die Niederlande eine Reihe von Naturparks und Naturschutzgebieten geschaffen.

Währungseinheit ist seit dem 1. Januar 2002 der Euro zu 100 Cents. Er löste den von De Nederlandsche Bank, der staatlichen Zentralbank, herausgegebenen Gulden (= 100 Cents) als Währung ab. Amsterdam ist ein führendes Banken- und Versicherungszentrum und der Sitz der wichtigsten Börse des Landes. Die Niederlande nehmen seit 1. Januar 1999 an der Europäischen Währungsunion teil.

Ein großer Teil der Güter, die in niederländischen Häfen umgeschlagen werden, ist für den Weitertransport in andere Länder, vor allem in die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, bestimmt. Die Handelsbilanz ist positiv. Haupthandelspartner sind die Mitgliedsländer der EU, vor allem Deutschland, mit dem etwa ein Viertel des gesamten Handels betrieben wird. Wichtige Ausfuhrprodukte sind Nahrungsmittel (u. a. Fleisch und Milchprodukte), Maschinen und chemische Produkte; importiert werden vor allem Nahrungsmittel (besonders Getreide und Obst), Fahrzeuge und mineralische Brennstoffe.

Wegen der günstigen Lage im Mündungsgebiet mehrerer Flüsse wie Rhein, Maas und Schelde entwickelten sich bedeutende Überseehäfen. Rotterdam ist einer der wichtigsten und größten Seehäfen der Welt; auch im Hafen von Amsterdam werden große Mengen an verschiedensten Gütern umgeschlagen.

Die niederländischen Kanäle und Flüsse, die von Lastschiffen mit über 400 Bruttoregistertonnen befahren werden können, haben eine Gesamtlänge von 2 950 Kilometern. Das staatliche Eisenbahnnetz mit einer Länge von 2 802 Kilometern (2000) zieht sich flächendeckend durch das ganze Land. 1999 umfasste das gut ausgebaute Straßennetz 116 500 Kilometer. Fahrräder sind weiterhin wichtig für den Verkehr vor Ort; viele Straßen haben separate Fahrradwege.

Der am stärksten frequentierte internationale Flughafen der Niederlande ist Schiphol bei Amsterdam; er gehört hinsichtlich Fracht- und Passagieraufkommen zu den größten in Europa. Darüber hinaus gibt es kleinere Flughäfen in Groningen, Maastricht, Rotterdam und anderen Städten. Die Königliche Fluggesellschaft der Niederlande, KLM, ist die wichtigste Fluggesellschaft des Landes.

Mehr als drei Millionen ausländische Gäste besuchen jährlich die Niederlande. Die Hauptattraktionen sind dabei die Blumenfelder, die Seebäder an der Nordseeküste und die Städte des Landes, vor allem Amsterdam.

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