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Nordirland, Bestandteil des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Nordirland im Nordosten der Insel Irland. Nordirland grenzt im Norden und Osten an den Nordkanal, im Südosten an die Irische See und im Süden und Westen an die Republik Irland. Zu seinem Territorium gehören Rathlin Island im Nordkanal und mehrere kleinere Inseln. Nordirland wird auch als Ulster bezeichnet, weil es aus sechs der neun Grafschaften besteht, die früher die Provinz Ulster bildeten. Die Gesamtfläche Nordirlands beträgt 14 160 Quadratkilometer.

Nordirlands maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 135 Kilometer, von Osten nach Westen sind es bis zu 175 Kilometer. Die Küste ist stark zerklüftet und hat eine Gesamtlänge von circa 530 Kilometern. Die wichtigsten Buchten sind Lough Foyle im Norden sowie Lough Belfast, Strangford und Carlingford im Osten. Eine eindrucksvolle Sehenswürdigkeit an der Nordküste ist der Giant’s Causeway, eine Gesteinsformation aus Tausenden dicht nebeneinander stehender sechseckiger Pfeiler aus schwarzem Basalt, die in beeindruckenden Klippen zum Meer hin abfällt.

In Nordirland setzen sich die Gebirge der schottischen Highlands geologisch fort. Die Gebirge sind auf nordirischem Gebiet in einzelne Blöcke aufgelöst; von diesen erreichen einige Höhen von über 800 Meter. Die drei wichtigsten Höhenzüge sind die Sperrin Mountains im Nordwesten, das Antrim Plateau entlang der Nordostküste und die Mourne Mountains im Südosten. Der höchste Punkt des Landes ist der Slieve Donard ( 852 Meter), ein Berggipfel in den Mourne Mountains. Die Gebirgszüge umschließen eine zentrale Senke um Lough Neagh (mit einer Fläche von etwa 390 Quadratkilometern der größte See der Britischen Inseln).

Die wichtigsten Flüsse sind Upper Bann, Lower Bann und Foyle. Der Foyle bildet streckenweise die nordwestliche Grenze von Nordirland gegen die Republik Irland. Er mündet bei Londonderry in den Lough Foyle. Der Upper Bann entspringt in den Mourne Mountains und mündet in den Lough Neagh; der Lower Bann bildet den Abfluss von Lough Neagh und fließt in den Nordkanal. Weitere Flüsse sind Main, Blackwater, Lagan, Erne und Bush. In den Gebieten mit flachem Gelände wird die Entwässerung häufig behindert. Diese Regionen neigen zur Versumpfung. Andere größere Seen neben Lough Neagh sind Lough Erne und Upper Lough Erne.

Ein mildes und feuchtes Klima prägt Nordirland das ganze Jahr über. Die vorwiegend aus westlichen Richtungen wehenden Winde bringen zu allen Jahreszeiten Feuchte mit sich; dies führt zu relativ kühlen Sommern und vergleichsweise milden Wintern. Klimatisch beeinflusst wird Nordirland durch den Golfstrom. Das Gebiet verzeichnet dadurch höhere Temperaturen als Regionen ähnlicher geographischer Breite. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei etwa 10 °C; im Juli liegen die mittleren Temperaturen bei 14,4 °C und im Januar bei 4,4 °C. Die Niederschläge sind gleichmäßig über das Jahr verteilt. Die jährliche Niederschlagsmenge übersteigt im Norden häufig 1 000 Millimeter, im Süden werden um 760 Millimeter erreicht. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch.

Die Pflanzen- und Tierwelt Nordirlands entspricht im Wesentlichen der Flora und Fauna der gesamten Insel. Die einzige auf Nordirland beschränkte Pflanze ist Spiranthes stricta, eine wilde Orchideenart. Sie wächst in den Tälern des Upper und des Lower Bann. Typisch für Nordirland ist die Edelmaräne, eine in Lough Neagh und Lough Erne vorkommende Renkenart.

Die Einwohnerzahl von Nordirland beträgt etwa 1,70 Millionen (2002). Die Bevölkerung setzt sich fast zu gleichen Teilen aus Stadt- und Landbewohnern zusammen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei etwa 120 Personen pro Quadratkilometer, wobei der Bevölkerungsschwerpunkt in der Osthälfte des Gebiets liegt.

Hauptstadt und größte Stadt Nordirlands ist Belfast mit 277 200 Einwohnern (2001). Die wichtigsten Produktionszweige, wie Schiffbau und Textilindustrie, haben sich in Belfast und im Umland der Stadt angesiedelt. Londonderry mit 72 334 Einwohnern ist eine weitere große Stadt, die vor allem durch ihren Hafen von wirtschaftlicher Bedeutung ist.

Die Amtssprache ist Englisch, das mit einem ausgeprägten irischen Akzent gesprochen wird. Ein Teil der älteren Menschen spricht auch Gälisch (siehe keltische Sprachen). Anders als in der Republik Irland wird in Nordirland der Gebrauch des Gälischen nicht gefördert.

Ein wesentliches Kennzeichen der Bevölkerung in Nordirland ist die konfessionelle Spaltung. Die Bevölkerung besteht zum Großteil aus Protestanten. Die größten protestantischen Glaubensgemeinschaften sind Presbyterianer (23 Prozent), Anhänger der Kirche von Irland (19 Prozent) und Methodisten (4 Prozent). Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere kleine Gemeinschaften. Rund 28 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum römisch-katholischen Glauben. Im Gegensatz zu England hat Nordirland keine Staatskirche. Die Kirche von Irland war früher eine Tochterkirche der anglikanischen Kirche, wurde jedoch 1871 von dieser abgetrennt. Zu schweren Konflikten zwischen Katholiken und Protestanten kam es in den siebziger und achtziger Jahren (siehe Geschichte).

Zu den Feiertagen gehören u. a. Neujahr (1. Januar); Saint Patrick’s Day (17. März); Ostern; der Maifeiertag (erster Montag im Mai) und ein öffentlicher Feiertag im Frühling (letzter Montag im Mai). Der Gedenktag an die Boyne-Schlacht (12. Juli) erinnert an den Sieg Wilhelms des Oraniers über den katholischen König Jakob II. Weihnachten feiert man am 25. Dezember, den Boxing Day am 26. Dezember. An diesem Tag überreichte man früher oft Bediensteten Geschenke in Geschenkschachteln (Boxes).

Nach den Wellen der Kolonisierung durch Engländer und besonders durch Schotten im 17. Jahrhundert entwickelte der Ulster genannte nördliche Teil der Insel eine eigene kulturelle Identität. Die größten gesellschaftlichen Unterschiede zwischen dem Leben in Nordirland und der Republik Irland ergeben sich aus der konfessionellen Zusammensetzung der Bevölkerung. Außerdem ist Nordirland wesentlich stärker urbanisiert und industrialisiert.

Einer der beiden großen Zyklen der irischen Sagen ist der Ulster-Sagenzyklus. Er schildert die Taten von Cú Chulainn und die tragische Geschichte Deirdres, der sagenhaften Heldin der gälischen Literatur. Trotz einer aktiven Theaterbewegung in Belfast und einem regen Literaturbetrieb hat kein nordirischer Schriftsteller die Leistung der Autoren der keltischen Renaissance in Südirland erreicht. Neben einigen Theatern befinden sich in Belfast auch eine Oper und eine Ballett-Truppe.

Kinder zwischen 5 und 15 Jahren unterliegen der Schulpflicht. Die Ausbildung in dieser Zeit ist kostenlos. Das Bildungssystem entspricht im Wesentlichen dem von England. Nordirland besitzt zwei Universitäten: die 1845 als Queen’s College gegründete Queen’s University in Belfast und die University of Ulster (1984) mit Einrichtungen in Coleraine, Belfast, Jordanstown und Londonderry. In Belfast gibt es außerdem zwei Colleges: das Belfast College of Technology (1901) und das Union Theological College (1978).

Wichtige Museen sind das Ulster Museum in Belfast mit seiner Sammlung irischer Altertümer und das Ulster Folk and Transport Museum in Holywood.

Es gibt in Irland drei Tageszeitungen, den Belfast Telegraph, die Irish News und den News Letter.

Die nordirische Wirtschaft basiert auf der Landwirtschaft. Die Industrie ist eng mit der gesamtbritischen verflochten.

In Nordirland sind kleine Höfe vorherrschend, die in der Regel von Ackerbau und Viehzucht leben. In der Viehzucht dominiert die Haltung von Rindern, Schafen und Geflügel. Die größten Erträge werden bei Kartoffeln, Gerste, Hafer, Rüben, Äpfeln und Birnen erzielt.

Nordirland ist nur zu etwa 8 Prozent bewaldet. Das staatliche Aufforstungsprogramm kommt jedoch gut voran. Hierbei werden zudem jährlich etwa 60 000 Kubikmeter Holz geschlagen. Der jährliche Fang an Fischen und Schalentieren beträgt ungefähr 16 000 Tonnen. Die Hochseefischerei ist vor allem vor Newcastle an der Ostküste konzentriert. Süßwasserfischerei wird im Lough Neagh, im Lough Erne und im Upper Lough Erne betrieben. Lachs, Forelle, Aal und Edelmaräne gehören zu den wichtigsten Fangprodukten.

Neben den fruchtbaren Böden und ergiebigen Weiden besitzt Nordirland ein hohes Nutzpotential für Wasserkraft. Die wichtigsten Abbauprodukte sind Basalt, Kalkstein, Sand und Kies, Granit, Kreide, Ton und Schieferton. Auch Bauxit, Eisenerz und Kohle kommen in kleinen Mengen vor. Ein wichtiger Brennstoff ist Torf. Trotzdem spielt der Bergbau als Wirtschaftsfaktor eine eher untergeordnete Rolle in Nordirland.

Der traditionell wichtigste Industriezweig Nordirlands ist die Herstellung von Bekleidung und Textilien. An erster Stelle der Verarbeitung steht Leinen, gefolgt von Baumwolle und Stoffen aus Kunstfasern. Schiffbau und Flugzeugproduktion sind weitere wichtige Industrien. In Belfast befinden sich große Werften.

Währung ist das Britische Pfund. Etwa 80 Prozent der aus Nordirland ausgeführten Artikel gehen an die verbleibenden Teile Großbritanniens. Nordirland exportiert Textilien, Bekleidung, Maschinen und Lebensmittel, insbesondere Fleisch, Kartoffeln und Milchprodukte. Importiert werden vor allem Metalle, Brennstoffe, Agrarprodukte und eine Reihe von Fertigprodukten.

Nordirland verfügt über ein Straßennetz von etwa 25 000 Kilometer Länge. Die Northern Ireland Railways Company betreibt für den Personenverkehr ein Schienennetz von circa 400 Kilometer Länge. Tägliche Fähr- und Flugdienste verbinden Nordirland mit dem Rest des Vereinigten Königreiches. Die wichtigsten Häfen befinden sich in Belfast und Londonderry.

Die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern beruhen auf denselben Prinzipien wie in Großbritannien. Die meisten nordirischen Gewerkschaftsmitglieder sind in Gewerkschaften organisiert, deren Einfluss ganz Großbritannien umfasst.

Nordirland entsendet 17 Vertreter in das britische Unterhaus; in der Vergangenheit nahmen allerdings einige der gewählten Abgeordneten aus Protest gegen die britische Nordirland-Politik ihr Mandat nicht wahr. Das vom britischen Parlament 1920 verabschiedete Gesetz über die Selbstbestimmung für Irland ist das grundlegende verfassungsrechtliche Dokument des Landes. 1972 übernahm die britische Regierung vor dem Hintergrund der bürgerkriegsartigen Situation in Nordirland die direkte Herrschaft über die Provinz, räumte Nordirland jedoch 1973 große lokale Selbständigkeit ein. Im Januar 1974 verzichtete Großbritannien vorübergehend auf seine Direktregierung über Nordirland; das Projekt scheiterte aber noch im selben Jahr. Das Gouverneursamt wurde abgeschafft, das nordirische Parlament aufgelöst, und der britische Nordirlandminister übernahm die Funktion des nordirischen Regierungschefs. Ein Abgeordnetenhaus mit 78 Mitgliedern, das von 1982 bis 1986 bestand, hatte nur beratende Funktion. In einem Abkommen von 1985 erhielt die Republik Irland ein begrenztes Mitspracherecht bei der Regierung Nordirlands. Das britisch-irisch-nordirische Stormont-Abkommen vom 10. April 1998 übertrug Nordirland wieder einen teilautonomen Status mit eigenem, 108-köpfigem Regionalparlament und eigener Regierung und institutionalisierte die Zusammenarbeit zwischen der Republik Irland und Nordirland in grenzüberschreitenden Bereichen. Am 29. November 1999 konstituierte sich die nordirische Regionalregierung.

Oberstes Gericht ist der Supreme Court of Judicature of Northern Ireland. Er besteht aus dem Obersten Gericht, dem Gericht für Strafsachen höherer Ordnung und dem Berufungsgericht. Auf den unteren Ebenen sprechen Grafschaftsgerichte in Kriminal- und Zivilsachen sowie Magistratsgerichte bei kleineren Vergehen Recht.

Nordirland ist in 26 Distrikte gegliedert. Jeder Distrikt wird von einem gewählten Rat regiert.

Die größte Partei ist die gemäßigt protestantisch-unionistische Ulster Unionist Party (UUP), die bis zur Übernahme der Verwaltung durch die britische Regierung 1972 die politisch bestimmende Kraft war. Die zweitgrößte protestantische Partei ist die radikale Democratic Unionist Party (DUP), eine Abspaltung von der UUP. Auf katholischer Seite ist die gemäßigte Social Democratic and Labour Party (SDLP) die führende Partei, gefolgt von der Sinn Féin, dem politischen Arm der verbotenen Irisch-Republikanischen Armee (IRA)

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