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Nordkorea, amtlicher Name Choson Minchuchuui Inmin Konghuaguk (Demokratische Volksrepublik Korea), Land in Ostasien, das den nördlichen Teil der Halbinsel Korea einnimmt. Nordkorea grenzt im Norden an China, im Nordosten an Russland, im Osten an das Japanische Meer (in Korea als „Östliches Meer” bezeichnet), im Süden an Südkorea und im Westen an das Gelbe Meer. Die Fläche des Landes beträgt 120 538 Quadratkilometer. Hauptstadt und größte Stadt Nordkoreas ist P’yǒng-yang.
Nordkorea erstreckt sind von Norden nach Süden über etwa 540 Kilometer, die West-Ost-Ausdehnung beträgt rund 570 Kilometer.
Nordkorea ist überaus gebirgig. Die Gebirgszüge steigen von Osten her steil an, während sie im Westen allmählich über flacheres Bergland zur Küste abfallen. Höchster Berg des Landes ist der Paektu-san (2 744 Meter) an der Grenze zu China. Tiefland nimmt nur etwa ein Fünftel der Gesamtfläche ein und beschränkt sich überwiegend auf die Westküste sowie auf mehrere breite Flusstäler im Westen.
Die meisten größeren Flüsse Nordkoreas fließen von den Gebirgen nach Westen und münden in das Gelbe Meer, nur der Tumen mündet in das Japanische Meer. Mit 790 Kilometern längster Fluss ist der Jalu; er bildet einen Teil der Grenze zu China. Andere wichtige Ströme sind der Taedong, der Ch’ong-ch’ǒn und der Chaeryǒng. In den vergangenen Jahrzehnten wurden zahlreiche, zumeist kleine Stauseen angelegt.
Nordkorea besitzt ein kühl-gemäßigtes Klima mit heißen Sommern und kalten Wintern. Die mittlere Julitemperatur beträgt in P’yǒng-yang 24,4 °C, die des Januar -8 °C. Der mittlere Jahresniederschlag liegt landesweit bei rund 1 000 Millimetern, etwa 70 Prozent davon fallen unter dem Einfluss des Südostmonsuns in den Sommermonaten.
Im gebirgigen Landesinnern findet man ausgedehnte Nadelwälder mit Fichten, Kiefern, Lärchen, Tannen und Zedern. Die gerodeten Tieflandgebiete im Westen werden landwirtschaftlich genutzt. Große einheimische Säugetiere wie Tiger, Leoparden, Kragenbären, Wölfe und Hirsche werden zunehmend seltener; ihr Vorkommen beschränkt sich auf abgelegene Waldregionen; zudem ist die 250 Kilometer lange und vier Kilometer breite entmilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea als Lebensraum für bedrohte Arten von Bedeutung. Zu den größeren Vogelarten gehören Kraniche, Reiher und Adler.
Nordkorea ist eines der ethnisch einheitlichsten Länder der Welt; abgesehen von einem geringen Anteil Chinesen gibt es keine ethnischen oder sprachlichen Minderheiten. Die Koreaner (99 Prozent der Bevölkerung) sind ethnisch mit den Mongolen verwandt.
Die Einwohnerzahl Nordkoreas beträgt etwa 22,7 Millionen (2004), die mittlere Bevölkerungsdichte 189 Einwohner pro Quadratkilometer bei einer jährlichen Wachstumsrate von 1 Prozent. Die Bevölkerung konzentriert sich weitestgehend in den Tieflandebenen des Westens. Die Verstädterung hat seit den fünfziger Jahren rapide zugenommen; 61 Prozent der Gesamtbevölkerung leben in Städten. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 71,1 Jahre (Männer 68,4 Jahre, Frauen 73,9 Jahre; 2004).
Die Hauptstadt P’yǒng-yang hat etwa 3,14 Millionen Einwohner (1999). Weitere große Städte sind Namp’o (731 000), Ch’ǒngjin (582 000), Hamhung (710 000), Sinuiju (326 000), Wonsan (300 000) und Kaesǒng (334 000).
Die Amtssprache ist Koreanisch. Es wird ein Lautschriftsystem namens Chosǒn muntcha (in Südkorea Han’gul genannt) verwendet, das in der Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelt wurde. Der Wortschatz der koreanischen Sprache enthält viele Wörter aus dem Chinesischen. In Nordkorea werden aber chinesische Zeichen nicht – anders als in Südkorea – in Zeitungen und anderen Veröffentlichungen verwendet. Hier wird der alleinige Gebrauch des Chosongul, das in den meisten Fällen ausreicht, vorgezogen. Auch das Vokabular von Süd- und Nordkoreanern ist, bedingt durch die nationale Politik und die Auslandskontakte der beiden Länder, unterschiedlich. Chinesisch und Russisch fungieren als Handelssprachen. In den Schulen werden Russisch, Chinesisch und Englisch als Fremdsprachen unterrichtet.
Obwohl die Religionsfreiheit in der nordkoreanischen Verfassung verankert ist, wird die praktische Ausübung behindert. Etwa zwei Drittel der Menschen gehören keiner Glaubensgemeinschaft an. Trotzdem sind abseits der offiziellen Staatsdoktrin Buddhismus und Konfuzianismus weit verbreitet. Es gibt auch Anhänger des Christentums und des Schamanismus. Bedeutenden Zuspruch findet Chondogyo, eine Religion, die Elemente des Konfuzianismus, des Buddhismus und des Taoismus miteinander verbindet.
Neben den gesetzlichen Feiertagen gibt es einige Gedenktage, die von örtlichen Behörden zum Feiertag erhoben werden können. Abgeschafft hat die Regierung die traditionellen Volksfeste. Zu den gesetzlichen Feiertagen gehören der Geburtstag Kim Il Sungs (15. April), der seines Sohnes Kim Jong Il (16. Februar), der 1. Mai, der Tag der Befreiung (15. August), der Unabhängigkeitstag (9. September), der Tag der Arbeiterpartei (10. Oktober), der Tag der Verfassung (27. Dezember) und Neujahr (1. Januar).
Das staatliche Sozialsystem ist gut entwickelt. Alle Staatsbürger haben Anspruch auf Invalidenrente und Altersversorgung. Die medizinische Versorgung an den Volkskliniken des Landes ist kostenlos. Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 25 Sterbefälle pro 1 000 Lebendgeburten.
Einer Studie des Welternährungsprogramms und der UNICEF aus dem Jahr 1998 zufolge leiden über 60 Prozent der nordkoreanischen Kinder an leichter bis schwerer Unterernährung und in deren Folge an Wachstumsstörungen. Ursache ist die extrem prekäre Nahrungsmittelsituation: Seit den frühen neunziger Jahren lassen Missernten und Überschwemmungen die Erträge regelmäßig deutlich geringer ausfallen als erwartet, und aufgrund seiner politischen und wirtschaftlichen Isolation ist das Land zudem weitgehend von Nahrungsmitteleinfuhren abgeschnitten. Lieferungen internationaler Hilfsorganisationen oder in jüngster Zeit auch aus Südkorea können die Not zwar etwas lindern, die Situation aber nicht nachhaltig entschärfen. Seit Mitte der neunziger Jahre sind nach nordkoreanischen Angaben über 200 000 Menschen der anhaltenden Hungersnot zum Opfer gefallen; südkoreanischen und amerikanischen Schätzungen zufolge beläuft sich die Zahl der Hungertoten jedoch auf zwei bis drei Millionen.
Die kommunistische Regierung Nordkoreas hält Bildung und Kultur unter einer strengen ideologischen Kontrolle.
10 Jahre Schulausbildung sind kostenfrei und verbindlich. Die wichtigste Einrichtung der höheren Bildung ist die Kim-Il-Sung-Universität in P’yǒng-yang (gegründet 1946). 99 Prozent der Bevölkerung können lesen und schreiben.
In vielen der größeren Verwaltungsbezirke gibt es Museen und Bibliotheken. Außerdem hat die Regierung ein staatliches Sinfonieorchester, ein Theater und Tanzgruppen ins Leben gerufen.
Die nordkoreanische Presse unterliegt einer strengen Zensur. Die staatlich betriebene zentrale Nachrichtenagentur Koreas ist das Hauptmedium zur Verbreitung von Informationen. Daneben werden mehrere Tageszeitungen herausgegeben. Die Radioübertragung steht unter der Schirmherrschaft des Zentralen Rundfunkkomitees Koreas, den Hörern ist ausschließlich der Empfang regionaler Sender erlaubt. Die Fernsehübertragungstechnik wurde 1969 eingerichtet.
Seit 1948 ist Nordkorea eine Volksrepublik. Der Regierungsaufbau ist in der Verfassung von 1972 festgeschrieben.
Die exekutive Gewalt hatte in Nordkorea bis zum Tod von Kim Il Sung im Juli 1994 ein Präsident, der Staats- und Regierungsoberhaupt war. Der Präsident wurde von der Obersten Volksversammlung gewählt und ernannte dann die Mitglieder des Zentralen Volkskomitees. Dieses ist die höchste Regierungskörperschaft und bestimmt die politischen Richtlinien. Im September 1998 wurde das Amt des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsausschusses als höchstes Staatsamt bezeichnet, das Präsidentenamt gilt damit als abgeschafft.
Das Parlament, theoretisch das höchste Regierungsorgan, bildet eine einkammerige Oberste Volksversammlung. Seine 687 Abgeordneten werden durch direkte Wahl für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Das Parlament kommt im Allgemeinen nur ein paarmal im Jahr zusammen; seine täglichen Pflichten werden von einem Ständigen Komitee der Obersten Volksversammlung wahrgenommen.
Das Gerichtswesen setzt sich aus einem Obersten Gerichtshof sowie den Provinz-, Volks- und Sondergerichten zusammen. Der Oberste Gerichtshof ist die höchste Gerichtsbarkeit des Staates; seine Richter werden vom Ständigen Komitee für eine Amtszeit von drei Jahren ernannt.
Nordkorea ist in neun Provinzen und zwei Stadtbezirke unterteilt. Die Provinzen sind weiter gegliedert in Bezirke und Distrikte. Jede örtliche Verwaltungseinheit besitzt eine eigene gewählte Volksversammlung.
Die vorherrschende politische Partei und eigentliche politische Macht ist die Koreanische Arbeiterpartei (KAP; gegründet 1945). Zusammen mit zwei kleineren Parteien bildet sie die Liste des Nationalen Blocks zur Wiedervereinigung des Vaterlandes.
Der Präsident Nordkoreas ist der Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die Koreanische Arbeiterpartei hat die politische Kontrolle über das Militär. Ein Wehrdienst von drei bis zehn Jahren Länge ist für alle tauglichen Männer Pflicht. Die Streitkräfte umfassen rund 1,08 Millionen Soldaten (Armee 950 000, Marine 46 000 und Luftwaffe 86 000).
In Bezug auf Bodenschätze ist Nordkorea einer der reicheren Staaten Asiens. Mit der Gründung der Demokratischen Volksrepublik wurde die gesamte Industrie verstaatlicht und die Landwirtschaft in Kollektiven zusammengefasst. Nachfolgende Wirtschaftspläne legten den Schwerpunkt der Entwicklung auf die Schwerindustrie und auf die Mechanisierung der Landwirtschaft.
Seit Beginn der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts verzeichnet die Volksrepublik eine zunehmend rückläufige Entwicklung ihrer Wirtschaft. Als Ursache hierfür sehen verschiedene Wirtschaftsexperten den Zusammenbruch des Handels mit den Ostblockländern an, insbesondere mit der Sowjetunion, dem einst wichtigsten Handelspartner des Landes. Die Selbstversorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln ist seit Ende der achtziger Jahre nicht mehr gewährleistet. Dramatisch verschärft wurde die Nahrungsmittelknappheit durch katastrophale Überschwemmungen 1995 und 1996 und die daraus resultierenden Missernten sowie Ernteeinbußen.
38 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Groß angelegte Mechanisierung, Bewässerung und Landgewinnung haben zur Steigerung der Erträge geführt, doch hatten Missernten in den Jahren 1996 und 1997 eine Hungersnot zur Folge. Hauptanbaufrüchte sind u. a. Reis, Mais und Kartoffeln. Zu den weiteren Anbauprodukten gehören Hirse, Gerste, Weizen, Hafer, Gemüse, Äpfel, Süßkartoffeln, Sojabohnen, Ginseng (siehe Efeugewächse), Baumwolle und Tabak; zudem werden Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht kultiviert. Die Viehbestände umfassen vor allem Schweine, Rinder, Schafe und Hühner.
Die jährliche Stammholzproduktion liegt bei etwa 7,12 Millionen Kubikmeter (2002). Nordkorea besitzt eine moderne Fischereiflotte. Gefangen werden im Schnitt 264 000 Tonnen Fisch pro Jahr, größtenteils Sardellen, Thunfische und Makrelen.
Nordkorea ist reich an Bodenschätzen. Neben dem Abbau von Stein- und Braunkohle werden z. B. Eisen-, Kupfer-, Wolfram- und Zinkerze und auch andere Erze gefördert. Kohle und hochwertige Eisenerze bilden die Basis der Schwerindustrie des Landes.
In der Industrie sind 32 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Eisen- und Stahlerzeugung, die Gewinnung weiterer Metalle sowie die chemische Industrie. Einen großen Beitrag zur Wirtschaft des Landes leisten auch Maschinen- und Fahrzeugbau sowie der Schiffsbau. Dagegen sind Betriebe der Leichtindustrie kaum vertreten.
Die Währungseinheit ist der Won (= 100 Chon). Die drei Banken Nordkoreas befinden sich alle unter staatlicher Kontrolle. Die Koreanische Zentralbank gibt die Währung heraus.
Der Großteil des nordkoreanischen Außenhandels in den siebziger Jahren fand mit der Sowjetunion, China und anderen kommunistischen Ländern statt. Der Handel mit vielen dieser Partner ist jedoch angesichts politischer Entwicklungen (z. B. in der Sowjetunion) zusammengebrochen. Nordkorea pflegt auch Handelsbeziehungen zu Japan, Hongkong und Indien. Hauptexportgüter sind u. a. Textilien und Metalle. Neben Brennstoffen und Schmiermittel stellen Maschinen die Hauptimportgüter dar. Die Handelsbilanz ist negativ.
Das Eisenbahnnetz ist auf nahezu der gesamten Streckenlänge von 5 550 Kilometern elektrifiziert. Es besitzt direkte Verbindungen mit China und Russland. Die Länge des Straßennetzes beträgt 31 200 Kilometer (1999), davon sind 6 Prozent befestigt. Der Fluss Taedong ist wichtig für den Binnenhandel. Zu den größten Häfen gehören Haeju an der Westküste sowie Ch’ǒngjin und Wonsan an der Ostküste.
Durch Wasserkraft werden in Nordkorea 71 Prozent des Stromes erzeugt (2001). Der restliche Bedarf wird vorwiegend durch Kohlekraftwerke gedeckt. Im Dezember 1995 unterzeichneten Vertreter Nord- und Südkoreas einen Vertrag über den Bau von zwei Leichtwasserreaktoren auf dem Gebiet der Volksrepublik (Kedo-Projekt). Südkorea will umgerechnet 3,2 Milliarden US-Dollar zu diesem Projekt beisteuern.
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