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Norwegen, amtlich Kongeriket Norge (Königreich Norwegen), konstitutionelle Monarchie in Nordeuropa.

Das Land nimmt den nordwestlichen Teil der Skandinavischen Halbinsel ein. Norwegen grenzt im Norden an die Barentssee, einen Meeresarm des Nordpolarmeeres, im Nordosten an Finnland und Russland, im Osten an Schweden, im Süden an das Skagerrak und die Nordsee und im Westen an das Europäische Nordmeer, das in Norwegen auch Norwegensee genannt wird. Norwegens stark gegliederte, durch frühere Gletschertätigkeit geformte Küstenlinie hat unter Einbeziehung aller Fjorde und vorgelagerten Inseln eine Länge von 21 925 Kilometern; die Küste des Festlandes hat dabei eine Gesamtlänge von etwa 2 700 Kilometern. Der Raum zwischen den über 150 000 vorgelagerten Inseln und dem Festland bildet einen natürlichen Schutzraum vor starken Winden und Hochwasser. Norwegen umfasst eine Fläche von 385 639 Quadratkilometern. Die Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Oslo.

Die maximale Ausdehnung des Landes beträgt von Südwesten nach Nordosten etwa 1 750 Kilometer; die größte West-Ost-Erstreckung liegt bei rund 450 Kilometern. Das norwegische Staatsgebiet umfasst auch die Inselgruppe Svalbard (Spitzbergen) und die Vulkaninsel Jan Mayen (nordöstlich von Island) im Nordpolarmeer. Zu den Außenbesitzungen gehören die Bouvet-Insel, eine unbewohnte Insel im südlichen Atlantischen Ozean (südwestlich vom Kap der Guten Hoffnung), die Peter-I.-Insel vor der Küste der Antarktis sowie das Königin-Maud-Land in der Antarktis.

Norwegen ist ein überaus gebirgiges Land. Fast ein Drittel der Fläche liegt jenseits des nördlichen Polarkreises. Diese geographischen Charakteristika des Landes waren für die historische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes von besonderer Bedeutung.

Das Land gliedert sich in fünf Hauptregionen: Vestlandet (Westland), Østlandet (Ostland), Trøndelag (Region Trondheim), Nord Norge (Nordnorwegen/Finnmark) und Sørlandet (Südland).

Norwegen ist im Norden sehr schmal; die geringste Breite liegt bei etwa sieben Kilometern. Nach Süden verbreitert sich das Land; hier liegen auch die höchsten Erhebungen Norwegens. Die Gebirgsmassive, die Vestlandet und Østlandet trennen, bestehen aus einem komplexen System von markanten und abgerundeten Gipfeln und Hochebenen oberhalb der Waldgrenze. Diese Fjell genannten Hochflächen wurden während des Pleistozäns (siehe Quartär) von Gletschern überformt. Die größten Höhen werden mit dem Glittertind (2 472 Meter) und dem Galdhöpiggen (2 469 Meter) im Gebirgsmassiv Jotunheimen („Reich der Riesen”) erreicht, an das nach Mittelnorwegen hin der Dovrefjell anschließt. Im Süden liegt der Hardangervidda, ein weites Gebirgsplateau mit einer durchschnittlichen Höhe von etwa 1 000 Metern. Das Vestlandet wird durch das steil zum Meer abfallende Gebirge geprägt. Während der quartären Eiszeiten schnitten sich die Gletscher tief in frühere Flusstäler ein und formten so eine spektakuläre Fjordlandschaft. Der Sognefjord ist mit einer Länge von 204 Kilometern der längste Fjord; an manchen Stellen steigen die umrahmenden Felswände vom Meer abrupt bis zu einer Höhe von etwa 1 500 Metern auf.

Die Gletscher in Süd- und Mittelnorwegen sind in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts stark gewachsen. So schob sich der Briksdalgletscher, eine Gletscherzunge des Jostedalsbreen (zwischen Sogne- und Nordfjord), innerhalb von zehn Jahren rund 320 Meter talwärts. Ursache hierfür ist vor allem die Zunahme der Niederschlagsmengen im Winter.

In den drei von Tiefland geprägten Gebieten – der Südküste von Boknafjord, den tiefer gelegenen Teilen des Hardangerfjords und den küstennahen Inseln – lebt ein Großteil der Bevölkerung von Vestlandet. Diese Gebiete sind zudem die landwirtschaftlich am intensivsten genutzten Regionen des Vestlandet. Die küstennahen Inseln bilden einen Teil der Küstenplattform (Strandflate), einer Felsplatte, die sich an manchen Stellen etwas über den Meeresspiegel erhebt, an anderen Stellen knapp unter dem Meeresspiegel liegt.

Das Østlandet umfasst die sanfter abfallenden Hänge des Gebirges und wird überwiegend von einer hügeligen Landschaft mit vereinzelten Tälern eingenommen. In den tiefer gelegenen Teilen der Täler, vor allem um den Oslofjord, befinden sich einige der ertragreichsten Landwirtschaftsgebiete Norwegens. Østlandet und Vestlandet sind über einige Täler verbunden (Hallingdal, Numedal, Gudbrandsdal, Østerdal). Das Sørlandet umfasst die südlichste Spitze Norwegens mit der Stadt Kristiansand als Zentrum. Für diese Region ist besonders schönes Sommerwetter charakteristisch.

Die nördlich der höchsten Berge Norwegens gelegene Region Trøndelag ist landschaftlich mit dem Østlandet vergleichbar. Das Gebiet ist reich an Tälern, welche die Hügel durchschneiden und sich an den Fjorden vereinigen. Das Zentrum dieser Region bildet der breite Trondheimsfjord. Mehrere Halbinseln und vorgelagerte Inseln bilden einen natürlichen Schutz um diesen Fjord, der von großen Flächen sehr fruchtbaren Landes umgeben ist.

Nord Norge (Nordnorwegen), ein weites Gebiet bestehend aus Fjorden und Gebirgen, ist das Land der Mitternachtssonne (siehe Polartag). Ein Großteil der Bevölkerung hat sich an der Strandflate-Küste und auf den Strandflate-Inseln angesiedelt. Die Inselgruppe der Lofoten und Vesterålen, die wichtigste Inselgruppe in der Nähe der Küste von Norwegen, besteht aus den ehemals vergletscherten Gipfeln einer alten vulkanischen Gebirgskette. Im nördlichsten Teil dieser Region grenzen die Fjorde an die kalten Gewässer des Nordpolarmeeres. An der Spitze der Fjorde steigt das Land zu dem ausgedehnten Finnmarksvidde auf, einem kahlen Gebirgsplateau. In dieser Region befinden sich einige der größten Gletscher Europas.

Der im Südosten fließende Glåma ist mit 610 Kilometern der längste Fluss Norwegens. Ungefähr ein Achtel der Gesamtfläche Norwegens entwässert in diesen Fluss und seine Nebenflüsse. Die Flüsse, die in südwestlicher Richtung strömen, sind wegen des steilen Reliefs im Allgemeinen kurz und haben viele Stromschnellen und Wasserfälle. Die Flüsse, die nach Südosten entlang des sanft abfallenden Hügellandes fließen, sind länger. Norwegen hat viele Tausend Seen, die während der Eiszeiten entstanden; größter dieser Seen ist der Mjösensee im Südosten mit einer Fläche von 368 Quadratkilometern. Zu den schwerwiegendsten ökologischen Problemen des Landes gehört der saure Regen, eine Folge von Schwefeldioxid- und Stickstoffemissionen u. a. aus Großbritannien, aber auch anderen europäischen Ländern wie Deutschland und Russland, die mit den Luftströmungen auch nach Skandinavien verfrachtet werden. Oberflächenwasser und Böden in Norwegen sind besonders anfällig für Übersäuerung; entsprechend sind hier Baumbestand und Gewässer besonders belastet. Ein Drittel der Seen im Süden Norwegens ist durch den sauren Regen so stark geschädigt, dass sie keinen Lebensraum für Fische mehr bieten.

Norwegen liegt in etwa auf der nördlichen Breite von Alaska, hat aber aufgrund des mäßigenden Einflusses der warmen Gewässer des Nordatlantischen Stromes (eine Verlängerung des Golfstromes), der entlang der norwegischen Atlantikküste fließt, ein viel milderes Klima. Auf den vorgelagerten Inseln und in den Tieflandgebieten herrscht überwiegend maritimes Klima. Die Winter in Norwegen sind vergleichsweise mild, die Sommer relativ kühl. In Trondheim liegt die mittlere Temperatur im Januar bei -3,5 °C und im Juli bei 14 °C. Das ganze Jahr über fällt viel Niederschlag. An der Küste beträgt die jährliche Niederschlagsmenge etwa 870 Millimeter.

Im Landesinneren nimmt mit abnehmendem Einfluss der Meeresströmung die Kontinentalität zu; die Winter sind kühler und die Sommer wärmer. In Oslo beträgt die mittlere Temperatur im Januar -4,7 °C und im Juli 17,3 °C. Die Niederschlagsmenge ist hier mit einem Jahresdurchschnitt von unter 740 Millimetern im Allgemeinen niedriger als an der Küste. Die Hochebenen von Nordnorwegen haben subarktisches Klima. Die Küstengebiete dieser Region hingegen kennzeichnet ein gemäßigt maritimes Klima; die meisten Häfen, auch die im äußersten Norden, sind im Winter eisfrei.

28,9 Prozent des norwegischen Festlandes sind von Wäldern bedeckt. In den Küstenregionen der südlichen und südwestlichen Landesteile wachsen Laubwälder mit Eichen, Eschen, Ulmen, Ahorn und Linden. Im nördlich anschließenden Birkengürtel gedeihen auch Eiben, Erlen, Espen, Ebereschen und Stechpalmen. Nach Osten und Norden weisen die Wälder eine steigende Anzahl an Nadelbäumen auf. Dichte, nordeuropäische Nadelwälder treten in den Küstenregionen und in den Tälern in Ost- und Zentralnorwegen auf, in diesen Wäldern herrschen Kiefern und Fichten vor. In den meisten Waldgebieten wachsen Wildbeeren wie Heidelbeeren, an feuchteren Standorten auch die zur selben Gattung gehörenden Moosbeeren (siehe Preiselbeere). Im äußersten Norden und in großen Höhen herrscht baumlose Tundra vor, die den strengen klimatischen Bedingungen angepasst ist; verbreitet treten hier Zwergsträucher, Moose und Flechten auf.

Im Süden Norwegens gibt es noch Wildpopulationen von Rentieren, die übrigen Rentierbestände bestehen aus domestizierten Tieren. Weitere Paarhufer sind Elch, Reh und Rothirsch. Zu den Raubtieren gehören Wolf (1997 wurden nach über 50 Jahren auch wieder Jungtiere nachgewiesen), Braunbär, Luchs, Eisfuchs, Vielfraß und der eingebürgerte nordamerikanische Mink (siehe Nerze). An den Küsten leben Seehunde, im äußersten Norden auch Bartrobben und Walrosse. Nordische Kleinsäuger sind Schneehase und Berglemming, bei dem es alle zwei bis vier Jahre zu Massenvermehrungen und Wanderungen – manchmal bis zur Küste – kommt. Aufgrund der langen Küstenlinien mit Kliffs und Vogelfelsen besteht eine reiche Seevogelfauna. Dazu gehören Papageitaucher, Tordalken, Trottellummen, Raubmöwen, Sturmvögel, Strandläufer, Basstölpel sowie viele Entenarten. Es gibt zahlreiche Süßwasser- und Meeresfische. In den Flüssen sind Lachse, Forellen, Äschen, Barsche und Hechte verbreitet. Heringe, Kabeljau, Heilbutt, Makrelen und andere Arten bewohnen küstennahe Gewässer.

Mit rund 4,57 Millionen Einwohnern (2004) und einer Bevölkerungsdichte von 15 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Norwegen eines der am wenigsten dicht besiedelten Länder Europas. 2004 betrug die Wachstumsrate der Bevölkerung 0,41 Prozent. Die Norweger haben eine sehr hohe durchschnittliche Lebenserwartung; sie beträgt bei Männern 76,6 Jahre, bei Frauen 82 Jahre (2004). Die Bevölkerung von Norwegen ist ethnisch überaus homogen; 98 Prozent der Einwohner sind Norweger. In Nordnorwegen leben etwa 20 000 Lappen (Samen) und eine finnische Minderheit, daneben gibt es kleine Gruppen dänischer, amerikanischer, schwedischer, britischer und pakistanischer Abstammung. Etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung lebt im Südosten, über drei Viertel aller Norweger nicht weiter als etwa 15 Kilometer vom Meer entfernt.

Die Urbanisierungsrate ist hoch; circa 75 Prozent der Bewohner des Landes leben in Städten. Die Hauptstadt Oslo verfügt über den wichtigsten Hafen, ist das industrielle Zentrum und mit etwa 773 000 Einwohnern (2000) zugleich die größte Stadt des Landes. Etwa 25 Prozent der Gesamtbevölkerung leben in der gesamten Agglomeration von Oslo. Bergen, das kulturelle Zentrum von Westnorwegen, hat als zweitgrößte Stadt rund 206 000 Einwohner (2000). Weitere große Städte sind das Handelszentrum Trondheim (141 000 Einwohner) und die Hafenstadt Stavanger (162 000 Einwohner).

Die Amtssprache ist Norwegisch, das zum nördlichen Zweig der germanischen Sprachen gehört. Es gibt zwei offiziell gleichberechtigte Formen der norwegischen Sprache: die ältere Form, Bokmål (Buchsprache, früher Riksmål) und Nynorsk (Neu-Norwegisch, früher Landsmål). Im Gegensatz zu Bokmål, das sich stark ans Dänische anlehnt, entstand um die Mitte des 19. Jahrhunderts Nynorsk aus der Verschmelzung mehrerer regionaler Dialekte. Die Samen im Norden des Landes sprechen Lappisch, das zu den uralischen Sprachen gehört.

Etwa 89 Prozent der Bevölkerung gehören der evangelisch-lutherischen Staatskirche an, darunter sind allerdings viele nicht praktizierende Mitglieder. Etwa 11 Prozent der Bevölkerung sind Anhänger anderer Glaubensgemeinschaften, vor allem der Pfingstbewegung und anderer protestantischer Konfessionen. Darüber hinaus leben in Norwegen etwa 35 000 Katholiken und rund 20 000 Muslime. Die Kirchen werden staatlich unterstützt, die Geistlichen vom König ernannt. Den norwegischen Bürgern wird das Recht auf Religionsfreiheit garantiert.

Zu den gesetzlichen Feiertagen gehören Neujahr; Ostern (Donnerstag bis Ostermontag); der Tag der Arbeit (1. Mai); Christi Himmelfahrt; der Tag der Verfassung (17. Mai), der mit Paraden gefeiert wird; Pfingstmontag und Weihnachten.

Das Gesundheitswesen und das System der sozialen Fürsorge sind gut entwickelt. In Norwegen ist eine Pflichtkrankenversicherung vorgeschrieben; die Beitragskosten werden anteilig vom Staat, dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer getragen. Alle medizinischen Leistungen sind kostenlos. 1967 wurde eine Pflichtrentenversicherung eingeführt, die für die Alten- und Behindertenversorgung, Rehabilitationskosten, Witwen- und Witwerrenten, einjährigen Mutterschutzurlaub, Kindergeld und andere Sozialleistungen aufkommt. Auf einen Arzt kommen 357 Einwohner. Die Kindersterblichkeitsrate beträgt 4 pro Tausend Lebendgeburten (2004).

Die Schulpflicht wurde in Norwegen mit dem Primarschulgesetz von 1827 eingeführt. Die seit den sechziger Jahren durchgeführten Änderungen bewirkten einen Abbau der regional bedingten Bildungsunterschiede. Die Analphabetenquote ist überaus gering.

Einrichtungen des Bildungswesens können in allen Gemeinden gebührenfrei genutzt werden. Allgemeine Schulpflicht besteht für Kinder zwischen 6 und 16 Jahren. Das Schulsystem besteht aus einer neunjährigen Grundschule, die in eine sechsjährige Unterstufe und eine dreijährige Oberstufe gegliedert ist. Darauf folgt eine dreijährige Sekundarschule. Dem Schulsystem liegt ein Gesamtschulkonzept zugrunde.

Norwegen verfügt über vier Universitäten und zehn Hochschulen mit Universitätsrang. Die renommierteste der höheren Bildungseinrichtungen ist die Universität Oslo; weitere bedeutende Hochschulen sind die Universität Bergen, die Universität Tromsø und die Technische Universität von Norwegen bei Trondheim.

Norwegen besitzt eine reiche Volkskultur, die auf der Wikingerkultur basiert. Die Norweger setzen sich stark für die Pflege heimischer Volkskunst und Volksmusik ein; so wird auch die Sammlung von Volksmusikstücken staatlich unterstützt. Die moderne norwegische Kultur ist aus der großen Blütezeit der Kunst im 19. Jahrhundert unter dem Einfluss der nationalen Romantik hervorgegangen, zu der auch Henrik Arnold Wergeland gehört. Die international renommiertesten Vertreter der norwegischen Literatur sind sicher Henrik Ibsen und Knut Hamsun; weitere bedeutende Autoren des Landes sind Petter Dass, Johan Bojer, Arne Garborg, Bjørnstjerne Bjørnson, Bertha Amalie Skram, Trygve Gulbranssen, Sigrid Undset sowie Tarjei Vesaas. In den neunziger Jahren machte u. a. Jostein Gaarder mit Sofies verden (1991; Sofies Welt) auf sich aufmerksam. Weitere international bekannte Autoren sind Erzähler wie Jan Kjaerstad, Erik Fosne Hansen und die für ihre Kriminalromane berühmte Anne Holt. Ein bedeutender norwegischer Philosoph war Arne Naess, der Begründer der so genannten Tiefenökologie.

In der bildenden Kunst entwickelte der Maler Johan Christian Dahl einen eigenständigen norwegischen Stil. Weitere bedeutende Künstler sind der Maler Edvard Munch, Erik Werenskiold und der Bildhauer Gustav Vigeland, dessen Skulpturenpark in Oslo internationale Aufmerksamkeit erregte. Der Zeichner Olaf Gulbransson wurde durch seine Beiträge für die Zeitschrift Simplicissimus bekannt. Die norwegische Architektur zeichnet sich durch eine Vielzahl an Holzgebäuden aus. Typisch sind vor allem die Stabkirchen, die in der Zeit zwischen 1000 und 1500 erbaut wurden. Im Bereich der Musik traten – neben dem stilbildenden Komponisten Edvard Grieg – der Komponist Christian Sinding, die Sopranistin Kirsten Malfried Flagstad sowie der Jazzmusiker Jan Garbarek hervor. Eine auch international bedeutende Schauspielerin des Landes ist Liv Ullmann.

Das größte Kunstmuseum Norwegens ist die Osloer Nationalgalerie. Naturgeschichtliche Museen befinden sich in Oslo, Stavanger, Bergen, Trondheim und Tromsø. In vielen anderen Museen sind Exponate regionaler und nationaler Provenienz zu sehen; das bekannteste ist das Norwegische Volksmuseum in Oslo. Norwegens städtisches Bibliothekensystem, das im frühen 20. Jahrhundert entstanden ist, hat das amerikanische Modell zum Vorbild. Zusätzlich gibt es staatlich geführte Fachbibliotheken. Die größte Bibliothek – die Universitätsbibliothek Oslo (1811) dient auch als Nationalbibliothek. Bedeutend sind ferner die Nationalarchive in Oslo.

Zu den Einrichtungen der darstellenden Künste gehören die 1958 gegründete Nationaloper in Oslo, das Nationaltheater sowie die Nationalbühne in Bergen. Das Osloer Philharmonieorchester ist das bedeutendste Orchester. Philharmonische Orchester besitzen außerdem Bergen, Trondheim und Stavanger. Seit 1953 findet in Bergen jährlich ein internationales Musikfestival statt.

Die Rundfunk- und Fernsehsender sind in Norwegen staatlich geführt, der Staat greift jedoch im Allgemeinen nicht in das Management ein. Das vom Staat subventionierte Pressewesen umfasst 81 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von etwa 3 Millionen Exemplaren. Die einflussreichste Zeitung ist die Verdens Geng.

Norwegen ist eine konstitutionelle Erbmonarchie mit parlamentarischem Regierungssystem. Die Verfassung trat am 17. Mai 1814 in Kraft und ist, trotz mehrfacher Änderungen (zuletzt im November 1967), immer noch die rechtliche Grundordnung des Staates. Staatsoberhaupt ist der König, der in erster Linie repräsentative Aufgaben wahrnimmt und auch als Oberbefehlshaber der Streitkräfte und als Oberhaupt der evangelisch-lutherischen Staatskirche fungiert. Nationalfeiertag ist der 17. Mai, der zur Erinnerung an die Beschließung der Verfassung im Jahr 1814 erinnert.

Die Exekutive liegt formal beim König, die Regierungsaufgaben werden jedoch vom Staatsrat, dem der Präsident vorsteht, ausgeführt. Der Monarch ernennt die Regierung durch Bestätigung der von der stärksten Partei vorgeschlagenen Liste.

Die legislative Gewalt liegt beim Parlament (Storting), das sich aus 165 Abgeordneten zusammensetzt, die in einer allgemeinen Wahl für vier Jahre bestimmt werden. Wahlberechtigt sind alle Staatsbürger ab dem 18. Lebensjahr. Das Parlament kann von der Exekutive nicht aufgelöst werden. Ein Viertel der Abgeordneten wird vom Storting in ein Oberhaus, das Lagting, gewählt; die Übrigen bilden das Unterhaus, das Odelsting.

Norwegens höchstes Gericht ist der Oberste Gerichtshof, das Høyesterett, das aus einem Präsidenten und 17 Richtern besteht. Diesem sind fünf (regionale) Appellationsgerichte untergeordnet, die sowohl zivilrechtliche als auch strafrechtliche Prozesse entscheiden. Daneben gibt es Schlichtungsgerichte, die zivilrechtliche Prozesse entscheiden, sowie Bezirks- und Stadtgerichte, durch die die Strafgerichtsbarkeit wahrgenommen wird. Abgesehen den kommunal gewählten Richtern der Schlichtungsgerichte, werden alle Richter vom Monarchen ernannt.

Norwegen ist in 19 Provinzen (Fylker) gegliedert, die jeweils von den gewählten Provinzräten und einem Exekutivorgan, dem Provinzkomitee, vertreten werden. Die Provinzen wiederum gliedern sich in Land- und Stadtbezirke, deren Vertretung bei den auf vier Jahre gewählten Bezirksräten und dem entsprechenden Exekutivkomitee liegt. Die Zentralregierung in den Provinzen wird durch einen Gouverneur (Fylkesting) vertreten.

Stärkste Partei in Norwegen ist die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (DNA; Arbeiderpartiet), die seit 1935 bis zu ihrem großen Einbruch 2001 fast ohne Unterbrechung regierte. Zu den anderen großen Parteien gehören die konservative Høyre, die rechtsgerichtete Fortschrittspartei (FP), die Christliche Volkspartei (KFP), die Sozialistische Linkspartei (SVP; Sosialistisk Venstreparti), die in der Mitte des Parteienspektrums stehende Zentrumspartei (SP; Senterpartiet), die liberale Partei Venstre und die Norwegische Partei der Grünen.

Der König ist der Oberbefehlshaber der etwa 26 600 Mann umfassenden Streitkräfte. Für alle männlichen Bürger im Alter von 19 bis 44 Jahren besteht allgemeine Wehrpflicht; die Dienstzeit liegt zwischen 12 und 15 Monaten. Norwegens Verteidigung ist an den Nordatlantikpakt (NATO) gebunden, dem das Land 1949 beigetreten ist.

Obwohl die norwegische Wirtschaft auf der freien Marktwirtschaft basiert, greift die Regierung in beträchtlichem Maß regulierend in die Wirtschaft ein. Ein wichtiger Pfeiler der Wirtschaft ist nach wie vor Norwegens große Handelsflotte. Die rasche Industrialisierung im 20. Jahrhundert gründete sich hauptsächlich auf die natürlichen Ressourcen, insbesondere auf die extensive und preisgünstige Energiegewinnung aus Wasserkraft, aber auch auf die Erdölförderung in der Nordsee. Was den Lebensstandard betrifft, gehört Norwegen zu den führenden Ländern der Welt.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 190 477 Millionen US-Dollar (2002; Dienstleistungen 59,9 Prozent, Industrie 38,3 Prozent, Landwirtschaft 1,9 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 41 970 US-Dollar. Von den 2,35 Millionen Erwerbstätigen (2002) sind 4 Prozent in der Landwirtschaft beschäftigt, 22 Prozent in der Industrie und 74 Prozent im Dienstleistungssektor. Etwa zwei Drittel der Erwerbstätigen sind in Gewerkschaften organisiert. Der norwegische Gewerkschaftsbund umfasst 34 nationale Gewerkschaften mit insgesamt über 1,3 Millionen Mitgliedern.

Mehrere Jahre anhaltenden konjunkturellen Aufschwungs führten zum Rückgang der Arbeitslosenquote auf 3,9 Prozent (2002). Die Inflationsrate beträgt durchschnittlich 3,2 Prozent (1990–2002). Das Wirtschaftswachstum erreichte im gleichen Zeitraum im Mittel 3,6 Prozent. Bei der Förderung von Erdöl in der Nordsee sowie im Baugewerbe und im Gesundheitswesen ist der Mangel an qualifizierter Arbeitskraft inzwischen so groß, dass Experten ihn als Bedrohung des Wirtschaftswachstums und des funktionierenden Gesundheitssystems ansehen. Vor allem aus Schweden strömen derzeit Arbeitssuchende nach Norwegen, während Mitarbeiter der Arbeitsämter in weiteren Ländern nach qualifizierten Arbeitskräften suchen. 1996 stieg der Anteil ausländischer Beschäftigter in den Problembranchen Petrochemie, Bau und Gesundheit um 25 Prozent. Wegen der kulturellen Verwandtschaft werden auch aus den Nachbarländern Dänemark und Finnland bevorzugt Arbeitskräfte angeworben. Bei Ärzten und Krankenschwestern wird der deutsche Arbeitsmarkt gezielt beobachtet und Interessenten kostenloser Unterricht in Norwegisch angeboten.

Aufgrund des großen Anteils an Bergland und unfruchtbarem Boden sind nur 2,9 Prozent der Gesamtfläche als Ackerland nutzbar. Getreide wird im Østlandet und im Trøndelag angebaut. Im Vestlandet und in Nordnorwegen stehen in der Landwirtschaft die Viehzucht und die Milchwirtschaft im Vordergrund. Hauptanbauprodukte sind Gerste, Hafer, Kartoffeln und Weizen. Der Viehbestand umfasst vor allem Schafe, Rinder und Schweine. Bis auf einige Getreidearten, Früchte und Gemüsesorten, die importiert werden müssen, kann Norwegen den Eigenbedarf an Agrarprodukten weitgehend selbst decken.

Der Anteil der norwegischen Forstwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt und am jährlichen Exportwert ist relativ gering. Die Forstwirtschaft konzentriert sich auf das Østlandet und das Sørlandet, wo 60 Prozent der wirtschaftlich nutzbaren Waldfläche liegen. Der überwiegende Teil der Waldfläche befindet sich in Privatbesitz; der Staat besitzt nur im Norden des Landes größere Waldflächen.

Seit den frühen siebziger Jahren wird die Fischzucht (vor allem Lachs und Forellen) stark vom Staat gefördert. Norwegen ist eine der größten Fischereinationen der Welt. Die Fischereizone der großen Fischfangflotte wurde bis zu den Bänken von Neufundland erweitert. Die wichtigsten Fangprodukte sind Kabeljau, Blauer Wittling, Schellfisch, Makrele, Hering und Garnele. Der kommerzielle Walfang wurde 1993 wieder aufgenommen, nachdem Norwegen das 1988 erhobene Walfangverbot mit dem Argument aufgehoben hatte, Zwergwale seien nicht vom Aussterben bedroht. 1992 waren 95 Wale für so genannte Forschungszwecke gefangen worden, im Jahr 1995 wurden insgesamt mehr als 200 Wale harpuniert. Im Juni 1996 verurteilte die Internationale Walfangkommission (IWC) Norwegen wegen Missachtung des weltweiten Verbots des Walfangs für kommerzielle Zwecke; dennoch setzte Norwegen für 1998 eine Fangquote von 671 Zwergwalen fest.

Norwegens wichtigste mineralische Bodenschätze sind Erdöl und Erdgas, die in großen Mengen in den Sedimenten der Nordseeregion lagern und dort abgebaut werden. Ferner verfügt Norwegen über bescheidene Vorkommen an den mineralischen Rohstoffen Eisen-, Kupfer-, Zink- und Titanerz, an Eisenpyriten und Bleikonzentraten. Die größten Eisenerzlagerstätten befinden sich bei Sydvaranger in der Nähe der Grenze zu Russland. Der Kohlebergbau ist auf die Svalbard-Inselgruppe (Spitzbergen) beschränkt. Der Bergbau war in Norwegen bis zur Aufnahme der Erdölbohrungen in der Nordsee in den siebziger Jahren ein relativ unbedeutender Wirtschaftszweig. Heute ist das Land die größte Bergbaunation in Westeuropa. Die Erdölförderung, die heute einen sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt, begann versuchsweise 1971 und wurde seit 1975 kontinuierlich gesteigert. 1974 wurde der Bau einer Rohöl-Pipeline nach Teesside in England beendet. Es gibt Erdgasleitungen nach Schottland und nach Deutschland.

Wirtschaftlich größte Bedeutung hat die Metallindustrie. Die Betriebe dieses Industriezweiges haben einen großen Bedarf an preisgünstiger Energie, den Norwegen decken kann. Obwohl alle Rohstoffe für die Aluminiumindustrie importiert werden müssen, liegt Norwegens Anteil an der weltweiten Produktion von veredeltem Aluminium bei circa 4 Prozent. Norwegen ist zudem ein wichtiger Hersteller von Eisenlegierungen.

Norwegen war traditionell eine große Schiffbaunation, doch heute liegt der Anteil an der weltweiten Produktion unter einem Prozent. Seit den späten siebziger Jahren ist der Schiffbau stark rückläufig. Viele Werften haben einen Großteil ihrer Kapazität auf die Herstellung von Ausrüstungen für die Erdöl- und Erdgasfelder in der Nordsee verlegt. Weitere Haupterzeugnisse der verarbeitenden Industrie sind Maschinen, Zellstoff- und Papierprodukte, Textilien, Süßwaren und andere Nahrungsmittel. Aufgrund der stagnierenden Entwicklung einiger Bereiche des produzierenden Gewerbes, wie etwa der Herstellung verschiedener Konsumgüter, wird seit einigen Jahren auch die Elektrotechnik gezielt gefördert. Norwegen verfügt über einige Erdölraffinerien und eine große Eisen- und Stahlfabrik bei Mo (nahe dem nördlichen Polarkreis).

Währungseinheit ist die Norwegische Krone zu 100 Øre. Zentralbank und einzige Emissionsbank ist die Bank von Norwegen (gegründet 1816).

Die Schwerpunkte des Außenhandels und die Handelsbeziehungen haben sich in den siebziger Jahren mit der Nutzbarmachung der Erdöl- und Erdgasfelder in der Nordsee stark verändert. Norwegen ist heute der größte Erdöl- und Erdgasexporteur in Europa. Der Anteil beider Ausfuhrgüter an der Gesamtmenge der jährlich exportierten Güter liegt normalerweise zwischen 30 und 50 Prozent. Zu den Hauptexportgütern gehören ferner Maschinen, Aluminium, Eisen und Stahl, chemische Erzeugnisse, Zellstoff- und Papierprodukte sowie Nahrungsmittel (vor allem Fisch). Importiert werden Maschinen und Transportausrüstungen, Erdölprodukte, chemische Erzeugnisse, Büromaschinen und Erze. Die wichtigsten Handelspartner sind Großbritannien, Schweden, Deutschland, die USA, Dänemark und die Niederlande.

Der Straßen- und Eisenbahnlinienbau ist aufgrund der schlechten Zugänglichkeit vieler Gebiete schwierig und kostenintensiv. In weiten Teilen des Landes hat der Transport auf dem Wasserweg immer noch große Bedeutung. Norwegen verfügt über ein Straßennetz mit einer Länge von 91 443 Kilometern (2001). Das Straßennetz ist im Østlandet am besten ausgebaut. Einer der längsten Straßentunnel der Welt führt in Westnorwegen von Aurland nach Laerdal und misst 24,5 Kilometer. Die staatliche Eisenbahn hat ein Streckennetz mit einer Gesamtlänge von etwa 4 500 Kilometern, davon ist über die Hälfte elektrifiziert. Im Vesterland, im Trøndelag und in Nordnorwegen hat die Küstenschifffahrt (Personen- und Frachttransport) besonders große Bedeutung. Die Küstenstädte Bergen (im Südwesten) und Kirkenes (nahe der russischen Grenze) sind durch täglichen Fährverkehr verbunden (siehe Hurtigroute). Oslo ist der Haupthafen Norwegens. Die norwegische Handelsflotte ist mit 1 548 Schiffen (2002) eine der größten der Welt und eine wichtige Einnahmequelle für Devisen. Der Inlandsflugverkehr ist gut ausgebaut. Norwegen verfügt über 57 Flughäfen; der größte ist der internationale Flughafen von Oslo.

Der Fremdenverkehr hat sich während der vergangenen Jahrzehnte zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die wichtigsten Anziehungspunkte für Touristen sind Oslo, die Fjordlandschaften und das Nordkap. Eine besondere Attraktion ist das Erleben des Polartages in den Gebieten jenseits des nördlichen Polarkreises. Im Sommer geht dort die Sonne für einen bestimmten Zeitraum nicht unter. So scheint die Mitternachtssonne etwa am Nordkap von Mitte Mai bis Ende Juli.

Norwegen ist eine der führenden Nationen in der Energiegewinnung aus Wasserkraft. Der Energiebedarf wird zu 99,3 Prozent in Wasserkraftwerken erzeugt. Es gibt keine Atomkraftwerke. Die Regierung plant, den Anteil der Energieproduktion aus Windkraft anzuheben. Im Norden des Landes soll bis 2004 einer der größten Windenergieparks der Welt entstehen. In der Nähe von Tromsø sollen 80 etwa 120 Meter hohe Windturbinen errichtet werden. Mittlere Windgeschwindigkeiten von mehr als neun Metern pro Sekunde (32,4 Kilometer pro Stunde) bieten sehr gute Bedingungen für deren Betrieb.

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