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Ontario, die bevölkerungsreichste Provinz Kanadas. Sie grenzt im Norden an die Hudsonbai und die Jamesbai, im Osten an Quebec, im Südosten an den US-Staat New York, im Süden an die Großen Seen – Ontariosee, Eriesee, Huronsee und Oberer See – und den US-Staat Michigan, im Südwesten an den US-Staat Minnesota und im Westen an Manitoba. Der Grenzverlauf wird im Osten streckenweise durch den Fluss Ottawa festgelegt, im Südosten durch den Sankt-Lorenz-Strom und den Niagara River; die Südgrenze verläuft streckenweise entlang der Flüsse Saint Mary’s, Saint Clair und Detroit, und im Südwesten bildet der Rainy River einen Abschnitt der Grenze.

Ontario wurde am 1. Juli 1867 als eine der vier Gründungsprovinzen Teil des Dominions Kanada. Von 1791 bis 1841 hatte es als Provinz Upper Canada existiert, und von 1841 bis 1867 war es mit Quebec zu einer Provinz zusammengeschlossen. Der Name der Provinz ist von einem Wort aus der Sprache der Irokesen abgeleitet, das möglicherweise „schöner See” bedeutet und auf den Ontariosee verweist oder „Felsen am Wasser” bedeutet, als Hinweis auf die Niagarafälle.

Ontario ist nach Quebec die zweitgrößte Provinz Kanadas. Die Fläche beträgt 1 068 580 Quadratkilometer; 177 390 Quadratkilometer davon werden von Binnengewässern bedeckt. Die lineare Ausdehnung beträgt 1 610 Kilometer von Ost nach West und etwa 1 690 Kilometer von Nord nach Süd. Die höchste Erhebung befindet sich im Höhenzug der Ishpatina Ridge bei Haileybury und beträgt 693 Meter. Ontario besitzt etwa 7 600 Kilometer Küste an den Großen Seen sowie ungefähr 1 210 Kilometer Küste am Meer.

Ontario kann in vier Landschaftstypen unterteilt werden: den Kanadischen Schild, das Hudsontiefland, das Tiefland um die Großen Seen und das Sankt-Lorenz-Tiefland. Der Kanadische Schild nimmt etwa zwei Drittel der Provinz ein. Er besteht aus präkambrischen Metamorphiten und Eruptivgesteinen, die für Ontarios Reichtum an Mineralien verantwortlich sind. Die Landschaft besteht aus flachen Plateaus und niedrigen, sanft gewellten Hügeln, die von zahlreichen, steil eingeschnitten Flusstälern und Seen unterbrochen werden. Die maximalen Höhen werden nördlich und östlich von Sault-Sainte-Marie erreicht und betragen über 660 Meter. Nach Norden hin senkt sich das Land langsam ab und ist im Bereich des Hudsontieflands von flachem Sedimentgestein bedeckt.

Ein südöstlicher Ausläufer des Kanadischen Schildes trennt das Sankt-Lorenz-Tiefland vom Tiefland der Großen Seen, die beide aus paläozoischen Sedimenten (Kalkstein, Schiefer und Sandstein) aufgebaut sind. Das Sankt-Lorenz- Tiefland ist nicht höher als 91 Meter und besteht aus glazialen Aufschüttungen mit fruchtbaren Böden, die sich am Sankt-Lorenz-Strom entlang bis nach Quebec hinein erstrecken. Das auffallendste Merkmal der Tiefebene der Großen Seen sind die nach Osten ausgerichteten Felsen der Niagara-Felsstufe: Sie ziehen sich von den Niagarafällen über die Bruce-Halbinsel bis zur Insel Manitoulin.

Die Flüsse und Seen Ontarios bilden zwei große Entwässerungssysteme, eines nach Norden hin zur Hudson- und Jamesbai und eines nach Süden hin zu den Großen Seen und dem Sankt-Lorenz-Strom. Darüber hinaus wird ein kleineres Gebiet im Westen nach Manitoba hinein entwässert. Nach Norden entwässern Severn, Winisk, Attawapiskat, Albany und Abitibi. Zum Entwässerungssystem der Großen Seen und der Sankt-Lorenz-Region gehören die Ströme Ottawa, French, Grand und Thames. Der Niagara River, der den Erie- und den Ontariosee verbindet, fließt über die Niagarafälle.

Infolge seiner großen Ausdehnung hat Ontario Anteil an unterschiedlichen Klimazonen, die sich jedoch zu zwei Hauptklimaregionen zusammenfassen lassen, nämlich eine kühl-gemäßigte im Norden und eine warm-gemäßigte im Süden. Die erstgenannte wird durch kalte Luftströmungen aus der Arktis und den kanadischen Prärien geprägt, die zweite verfügt dank der Winde, die von den Großen Seen her kommen, über ein milderes Klima. So hat z. B. Trout Lake im Norden eine Durchschnittstemperatur von -24,1 °C im Januar und 15,9 °C im Juli, während das im Südosten gelegene Toronto im Januar eine Durchschnittstemperatur von -4,4 °C und im Juli von 21,8 °C aufweist. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt im Südosten Ontarios durchschnittlich 915 Millimeter, in der restlichen Provinz um 635 Millimeter.

Fünf Landschaftstypen bestimmen die Vegetation Ontarios. Entlang der Küste der Hudsonbai erstreckt sich ein schmaler Streifen arktischer Tundra, der Kriechsträucher, Moose und Flechten auf Permafrostboden aufweist. Das Hudsontiefland und die Nordhälfte des Kanadischen Schildes bilden eine breite subarktische Übergangszone, in der die Schwarzfichte die vorherrschende Baumart ist. Infolge geringer Entwässerung sind Sümpfe und Moore verbreitet. Eine dritte Region ist die des borealen Nadelwaldes im Kerngebiet des Kanadischen Schildes; hier befinden sich auch die Zentren der Holzverarbeitung. Hier kommen vor allem Schwarzfichten vor, auf den trockeneren Böden auch Weißfichten, Strauchkiefer und Balsamtanne. Die Waldgebiete der Großen Seen und im Sankt-Lorenz-Tiefland sind ebenfalls wichtige Holzreservoirs. Diese Region erstreckt sich vom Südteil des Schildes, wo vor allem boreale Weichhölzer sowie Rotfichte und Hemlocktanne vorkommen, bis in den Südosten Ontarios, zwischen Huron- und Ontariosee, wo Laubbäume wie Ahorn, Buche, Eiche, Schwarzlinde und Walnuss dominieren. Die fünfte Region schließlich erstreckt sich entlang der Ufer des Erie- und des Ontariosees und weist vor allem die für den Süden typischen breitblättrigen Laubbäume auf, zu denen Buche, Hickory und Eiche gehören. Insgesamt sind fast 70 Prozent der Gesamtfläche Ontarios mit Wald bedeckt.

Die Tierwelt der Provinz ist individuen- und artenreich. Eisbär, Beluga, Seehund, Walross und Karibu sind in der arktischen Zone entlang der Hudsonbai verbreitet. Die sumpfigen Gebiete und die zahllosen Seen des Kanadischen Schildes bieten ideale Lebensbedingungen für viele Säugetiere, z. B. Biber, Bisamratte, Mink, Vielfraß und Waschbär. Im borealen Wald und in den Wäldern rund um die Großen Seen sind Schwarzbären, Wölfe, Skunks, Rothirsche, Elche, Grauhörnchen und Waldmurmeltiere heimisch. Zur artenreichen Vogelwelt gehören u. a. Reiher, Gänse, Seetaucher und Waldsänger.

Ontarios Flüsse und Seen sind reich an Forellen, verschiedenen Hechtarten, Fluss- und Seebarschen sowie Weißfischen.

Ontario hat etwa zehn Millionen Einwohner, was einem Zuwachs von 10,8 Prozent seit 1986 entspricht. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte liegt bei 9,4 Personen pro Quadratkilometer. Englisch ist Muttersprache von etwa 75 Prozent der Bevölkerung, knapp 5 Prozent sprechen Französisch als Muttersprache. In Ontario leben ungefähr 113 000 Indianer.

1816 ließ die Regierung flächendeckend Grundschulen einrichten. Erst in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die Grund- und Sekundarschulen gebührenfrei. Zu den durch Steuern finanzierten Grundschulen gehören heute sowohl öffentliche (nicht kirchlich ausgerichtete) als auch Schulen kirchlicher (überwiegend katholischer) Träger. Heute sind in den Schulen insgesamt fast 2,1 Millionen Schüler eingeschrieben.

Die erste Hochschule Ontarios war das 1827 durch einen königlichen Erlass gegründete King’s College, das 1850 zur Universität Toronto wurde.

Ontario besitzt eine Reihe hervorragender Museen und anderer kultureller Einrichtungen. Ein bedeutendes Ereignis ist das Shakespeare Festival in Stratford.

Zu den Schauplätzen der Geschichte Ontarios gehören der Fort Malden National Historic Site in Amherstburg, der die Überreste eines Ende des 17. Jahrhunderts gegründeten britischen Militärpostens beherbergt; der Fort George National Historic Site in Niagara-on-the-Lake mit der Rekonstruktion eines britischen Forts aus dem Krieg von 1812; der Fort Wellington National Historic Site in Prescott, mit einem wieder aufgebauten, ursprünglich zwischen 1838 und 1839 errichteten britischen Fort. Sehenswert ist auch Bellevue House in Kingston, der Wohnsitz des ersten kanadischen Premierministers Sir John A. Macdonald.

Das oberste Exekutivorgan Ontarios ist ein Vizegouverneur, der vom kanadischen Generalgouverneur auf Vorschlag für eine fünfjährige Amtsperiode ernannt wird und sein Amt vorwiegend ehrenamtlich erfüllt. Der Premierminister (offizieller Titel Premier; bis 1972 hieß er Prime Minister), der im Allgemeinen auch Führer der stärksten Partei in der gesetzgebenden Versammlung ist, ist das eigentliche Oberhaupt der Provinzregierung und hat den Vorsitz über den Exekutivrat (das Regierungskabinett). Zu diesem gehören neben dem Premierminister der Finanzminister, der Generalstaatsanwalt, ein Minister für Industrie, Handel und Technologie, ein Bildungsminister, ein Gesundheitsminister sowie ungefähr zwanzig weitere Regierungsbeamte. Die gesetzgebende Versammlung Ontarios verfügt über eine Kammer mit 130 Sitzen, einschließlich der Sitze des Premiers und seiner Minister. Die Abgeordneten werden vom Volk für fünf Jahre gewählt. Im Bundesparlament Kanadas ist Ontario durch 24 Senatoren vertreten, die vom kanadischen Generalgouverneur auf Vorschlag ernannt werden, sowie durch 99 Abgeordnete im Unterhaus, die ebenfalls für fünf Jahre vom Volk gewählt werden.

Über lange Zeit hinweg war die Wirtschaft Ontarios auf Land- und Forstwirtschaft, Bergbau und Pelztierfang ausgerichtet. Die herstellende Industrie hat jedoch stark an Bedeutung gewonnen. Handel, Banken, Versicherungen, Tourismus und Regierungsprojekte sind weitere wichtige Wirtschaftsfaktoren. Die Provinz verfügt über reichhaltige Vorkommen an Bodenschätzen, vor allem Nickel, Kupfer und Eisenerz, die in großen Mengen vorkommen, aber auch Gold, Silber, Platin, Cobalt, Blei und Zink in beachtlichen Vorräten. Weitere Rohstoffe sind Salz, Gips, Erdöl, Erdgas, Schwefel und Uran.

In der Landwirtschaft ist Ontario aufgrund der fruchtbaren Böden und des günstigen Klimas führend unter den kanadischen Provinzen. Ungefähr 63 Prozent der Bruttoeinnahmen in der Landwirtschaft werden durch den Verkauf von Vieh und Viehprodukten erzielt. Hauptanbaufrüchte sind Getreide, Kartoffeln und verschiedene Gemüsesorten, Sojabohnen und Tabak. Auf der Niagara-Halbinsel werden große Mengen Obst angebaut. Nadelhölzer aus dem nördlichen Teil der Provinz werden vor allem für die Möbelherstellung genutzt. Kommerzielle Fischerei ist nur begrenzt möglich; zu den Fangsorten gehören Goldbarsch, Seeweißfisch, Stint, Weißbarsch, verschiedene Hechte, Seeforelle und Hering.

Ontario ist auch auf dem Industriesektor führend in Kanada. Hier werden mehr als die Hälfte aller Handelsgüter des ganzen Landes erzeugt. Die wichtigsten Produktionsgüter sind u. a. Transportmittel, vor allem Motorfahrzeuge, Nahrungs- und Genussmittel, Primärmetalle und Metallerzeugnisse, Gummi- und Lederwaren, Textilien, Bekleidung, Möbel, Papier und Papiererzeugnisse, Erdölderivate und Druckereierzeugnisse.

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